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Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle

Ludwig Aurbacher: Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle - Kapitel 32
Quellenangabe
typefiction
booktitleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
authorLudwig Aurbacher
firstpub1842
year1842
publisherv. Vogel'sche Verlagsbuchhandlung
addressLandshut
titleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
pages1-11
created20050106
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Ein und dreißigstes Kapitel.

Wir eilen über die folgenden Monate hinweg, da sie dem Biographen nichts darbiethen, als das Beste, was ein Mensch haben kann: stille Beschäftigungen, stille Hoffnungen, stille Freuden. Herle, sobald er von den Osterferien zurückgekommen, verließ seine Wohnung in der Stadt, und miethete sich in einem Gartenhäuschen ein, wo er alle Stunden, die ihm die Schule übrig ließ, mit Graben, Pflanzen, Jäten, Begießen, wie ein Einsiedler, zubrachte. Die Sprachstudien wurden zwar noch, an trüben Tagen, die er nicht im Freien zubringen konnte, ernstlich fortgesetzt; aber die Feder ward auf immer bei Seite gelegt. Selbst seine Korrespondenz mit dem entfernten Freunde, die durch Mänle's Hand lief, vielmehr in dessen Hand blieb, gerieth in Stocken, zu nicht geringem Verdruß des Letztern. Es war aller schriftstellerische Ehrgeitz mit Einem Mal aus seinem Herzen verschwunden; und Würden und Ehren, nach denen es ihn vordem so sehr gelüstet, erschienen ihm fortan, als goldene Kronen und Ketten, womit das Schicksal einen Mann zwar ziert, aber auch belastet und fesselt. Die enge Beschränktheit und die stille Verborgenheit eines thätigen, gemessenen Schullebens, dessen Glück er schon vordem genossen, war nur sein einziger Wunsch mehr, und er machte, so viel an ihm lag, alle Schritte, die ihn recht bald zu dem ersehnten Ziele führen sollten.

Er hatte dessen auch kein Hehl gegen seinen Freund, obwohl er, wie er voraus sah, den heftigsten Widerspruch von seiner Seite zu befürchten hatte. Wirklich überraschte diesen die Nachricht mehr, als man vermuthen sollte. Es war nicht bloß Eigennutz der Freundschaft, es war die Zuneigung, die Achtung, das Wohlwollen selbst, die ihm den Rückschritt des Freundes als widerräthlich, als unbesonnen, ja verwegen darstellte. Er kannte nämlich nicht das eigentliche, das entscheidende Motiv, welches den Freund zu diesem Entschluß vermocht hat. War sich ja dieser selbst kaum desselben so ganz bewußt, sondern er trug es noch als Geheimniß, als einen Keim in seiner Brust, der, Leben empfangend, selbst Regung, Belebung gibt. Darum glitten denn auch die Pfeile des Witzes und des Spottes alle ab, die Mänle gegen deutsche Schulmeister, gegen Philister und Pedanten, abdrückte. Der Freund lächelte, und schwieg, und nachdem jener seine leidenschaftliche Rede geendet, sagte dieser bloß: »Du hast einiger Maaßen Recht; aber ich, siehe! ich habe ganz Recht.«

»Sollte da ein Redner nicht verzweifeln, rief Mänle, der, nachdem er alle Schleußen der Beredtsamkeit geöffnet, nun sieht, wie die Wasser nutzlos versiegen und ablaufen, ohne das Rohr zu beugen, die Eiche zu entwurzeln, den Damm zu brechen?« Er konnte aber dessen ungeachtet dem Freunde nicht zürnen; denn er wußte, daß ein reines, unbefangenes Gemüth meistens sicherer wähle, als ein überlegender, klügelnder Verstand, und daß ein Mensch, der das Glück bloß in Zufriedenheit sucht, auf jeder Erdscholle, in jedem Winkel, in allen Verhältnissen sein Ziel schon gefunden, ehe er es noch erreicht haben mag.

Aber desto erboßter, desto aufsässiger war Mänle dem Rector, dessen Hochmuth und Wankelmuth, Schwäche und Wortbrüchigkeit er alle Schuld beimaß, daß der Freund seine Lieblingsstudien und Lebenspläne aufgeben und die Stadt verlassen wollte. Er nahm sich vor, bei nächster Gelegenheit an ihm Rache zu nehmen, und die akademische Eule in ihrem lichtscheuen Neste so zu necken, daß sie vor Angst und Aerger hofieren möchte.

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