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Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle

Ludwig Aurbacher: Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle - Kapitel 31
Quellenangabe
typefiction
booktitleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
authorLudwig Aurbacher
firstpub1842
year1842
publisherv. Vogel'sche Verlagsbuchhandlung
addressLandshut
titleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
pages1-11
created20050106
sendergerd.bouillon
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Dreißigstes Kapitel.

Herle fühlte sich in seiner wiedergewonnenen Freiheit frisch und froh, wie ein Vogel, der seinem Käfig entronnen. Und da nun, mit den ersten schönen Frühlingstagen zugleich die Osterferien eintraten, so hielt ihn nichts mehr in der Stube, in der Stadt auf, sondern er begab sich auf's Land, Wälder, Fluren, Dörfer durchschweifend, in den lauen Lüften und den wärmenden Strahlen sich badend, und die Freiheit, die Freude, mit vollen Zügen einathmend.

Nun weiß ich nicht, wie es gekommen, daß er auf diesen planlosen Wanderungen seiner Vaterstadt immer näher kam, und zuletzt nur mehr eine Tagreise davon entfernt war. War es Zufall? war es ein geheimer Zug, der ihn nach dieser Seite getrieben? Kurz er entschloß sich, den Rest des Weges, obwohl ihn Zeit und Geldnoth drängte, dahin noch zurückzulegen, und seine Freunde zu überraschen.

Er kam spät Abends an; die bekannten Gäste saßen gesellig beisammen, Bärbchen auf seinem Stuhle, an seinem Platze. Welch ein freudiger Aufruhr erfolgte, als er so unverhofft in die Wirthsstube trat! Bärbchen, die ihn zuerst erblickte, verlor so sehr ihre Fassung, daß sie ihm, wie sie wohl öfter als Kind gethan, in die Arme flog. Der Posthalter hieß ihn herzlich willkommen; die alten Freunde und Bekannten schüttelten ihm treuherzig die Hand.

»Nun bleibt aber der Herr einige Tage bei uns!« sagte der Posthalter. »Ich wollte – platzte Herle im Uebermaaß seiner Freudigkeit heraus – ich wollte, ich wäre nie weggegangen. Leider aber muß ich morgen schon wieder auf und davon, um zur rechten Zeit auf meinem Posten einzutreffen.« »Daraus wird nichts!« rief Bärbchen mit gutmüthigem Trotze. »Daß der Herr, fiel der Posthalter ein, zur rechten Zeit wieder an Ort und Stelle sey, dafür will ich schon Sorge tragen. Hab' ich nicht Rosse im Stall? Und laufen meine Rappen nicht, wie die besten Renner? Sey darum der Herr ohne Sorgen; und jetzt esse der Herr, und lasse sich's der Herr wohl schmecken!«

Bärbchen deckte, sie brachte die Suppe, sie diente ihm zu Tische, so lang er speiste. Dann entfernte sie sich, stillschweigend, um das Zimmer herzurichten, und erst, nachdem Alles besorgt war, trat sie zu den Gästen, in die Nähe des Freundes, dem sie teilnehmend das Ohr lieh, und freundlich zur Rede stand.

Wie wohl fühlte er sich in dieser trauten, lieben Umgebung! Wie freundlich, wie schön fand er Bärbchen, bei ihrer hausmütterlichen Sorgsamkeit und ihrer anmuthigen Jungfräulichkeit! Und die biederherzigen Männer alle, zumal der Vater, wie freudig, wie zuthätig sie sich ihm bewiesen! Da empfand er zum ersten Male so recht, was Heimath, was Fremde sey, wie verschieden Natur und Kunst des geselligen Lebens, – dort biedere Hand und offenes, treues Herz, hier schöne Worte und anständige Geberden, dort tüchtiger Kern, wenn auch oft in rauher Hülse, hier feine, glatte Schale, die aber vom Wurm angegriffen und ausgehöhlt ist.

Voll der erfreulichen Eindrücke sprach er sogleich des andern Morgens mit dem Posthalter, dessen Ansehen, wie er wußte, in der Gemeinde galt: »wie sehr er wünschte, in sein früheres Verhältniß zurückzutreten, vorausgesetzt, daß er einen festen Schuldienst erhielte.« »Das werde, meinte der Posthalter, keinem Anstand unterliegen. Auch habe man noch dieses Jahr mit Absicht die Stelle offen gelassen, um dem Herrn den Rücktritt möglich zu machen. Er seinerseits habe so etwas gleich vorausgesehen, daß den Herrn der Tausch reuen werde. Wie gut es zu Hause und in der Heimath sey, wisse man nur, wenn man in der Fremde gewesen. Gute Freunde müsse man sich nicht aus der Ferne verschreiben, und: eigner Herd sey Goldes werth. Wer einen Gulden weniger einnehmen könne, sey nicht schlimmer daran, als wer einen Gulden mehr ausgeben müsse. Genügsamkeit sey das beste Einkommen, und Sparsamkeit das sicherste Kapital.« –

Uebergehen wir die Paar seligen Tage, die er in seiner Heimath als Gast zugebracht. Er hätte voll Trauer, wie an einen Verbannungsort, die Rückreise angetreten, wenn ihn nicht die Hoffnung getröstet hätte, bald wieder und zwar auf immer in seiner Vaterstadt bleibende Stätte zu erhalten.

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