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Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle

Ludwig Aurbacher: Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
booktitleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
authorLudwig Aurbacher
firstpub1842
year1842
publisherv. Vogel'sche Verlagsbuchhandlung
addressLandshut
titleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
pages1-11
created20050106
sendergerd.bouillon
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Zweites Kapitel.

Vor Freude, die sein Innerstes erfüllte, bemerkte oder würdigte der Jüngling nicht den Schmerz, der des Mädchens Brust zerrissen. Es beschäftigte ihn zu sehr der Gedanke an sein Glück, das ihm nun endlich aufgegangen, um sein Leben fortan in vollem Glanz zu erhellen. Er verließ bald den Garten, und lenkte heimwärts, um das Schreiben noch vor abgehender Post zu beantworten.

Die Nachricht von seinem Abschied hatte sich indessen schon verbreitet; denn Bärbchen, die ihren Schmerz vor den Leuten nicht verbergen konnte, erzählte jedem, was vorgegangen. Indem nun Herle die Straße hinab ging, vertrat ihm sogleich eine ehrsame Bürgerin den Weg, und fragte: »Ist's wirklich wahr, daß Ihr uns verlassen wollt, Herr Herle?« und der Knabe, der neben ihr stand, blickte ihn mit trauriger Miene an. Der Krämer, der sonst dem Vorübergehenden gewöhnlich eine Prise Taback bot, wendete sich bei dessen Herannahen unter der Ladenthür um, und sein »Spitz,« wie es schien, von gleicher Antipathie ergriffen, bellte und knurrte ihn an. Als er vor dem Posthause vorüber ging, sahen die Gäste nach ihm, und schüttelten die Köpfe; und der Posthalter, der neben Bärbchen, seiner Tochter, zum Fenster heraus schaute, zog, als er näher gekommen, sich und das Mädchen zurück.

Abends ging Herle, wie gewöhnlich in's Posthaus. Er übergab sein Antwortsschreiben dem Posthalter selbst. »Also – fing dieser an, nachdem er ihn lange gemessen – also will der Herr uns verlassen?« »Ja, sagte Herle, so leid es mir übrigens thut, von meiner Vaterstadt, der ich so Vieles zu verdanken habe, und von ihren braven Bürgern zu scheiden. Allein der Mensch denkt's, und Gott lenkt's. Ein junger Mann, so lange er bei Lust und Kraft ist, muß eben sein Fortkommen im Auge behalten, und daß mir mein Plan gelungen, darin erkenne ich Gottes Willen, der seine Vorsehung thut. Ich habe – sagte er, indem er den Kopf höher warf – einen Ruf an die Universität bekommen.« »Gratuliere, sagte der Posthalter, und lüpfte seine Kappe; der Herr wird also Professor?« »Das wohl noch nicht, erwiederte jener; einstweilen nur erst provisorischer Präceptor an der lateinischen Schule daselbst. Aber die Carriere steht mir jedenfalls offen zu höhern Würden.« »Nun, nun, versetzte der Posthalter, sey's wie's sey, wir wollen dem Herrn nicht im Weg stehen, und wünschen ihm, daß er anderwärts sein Glück mache. Aber zu Haus ist zu Haus, und in der Fremde ist und bleibt man halt fremd, das hätte der Herr bedenken sollen. Aber, wie gesagt, wir wollen den Herrn nicht aufhalten. Ein jeder ist seines Glückes Schmid, und je nachdem das Eisen, so hämmert sich's.« Mit diesen Worten entfernte sich der Posthalter.

Als Herle nun in die Zechstube trat, empfingen ihn die Gäste, wie einen Fremden, höflich, aber einsylbig. Der Tisch, an dem er sonst mit Andern zu sitzen pflegte, war heute leer, und von den andern Tischen schlugen Laute an sein Ohr, die ihn nicht sonderlich erbauten. Der Posthalter ließ sich den ganzen Abend nicht sehen; auch Bärbchen nicht, die doch sonst jedesmal erschien, mindestens um guten Abend und gute Nacht zu sagen. Herle ging bei Zeiten nach Hause, in einer Stimmung, von Leid und Freud gemischt, die schwer zu beschreiben ist.

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