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Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle

Ludwig Aurbacher: Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle - Kapitel 29
Quellenangabe
typefiction
booktitleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
authorLudwig Aurbacher
firstpub1842
year1842
publisherv. Vogel'sche Verlagsbuchhandlung
addressLandshut
titleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
pages1-11
created20050106
sendergerd.bouillon
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Acht und zwanzigstes Kapitel.

Eigentlich war es nicht Schmerz, den er über den Verlust der Gunst des Fräuleins empfand, sondern nur Unruhe über die Spannung, die Trennung, die durch seine Unvorsichtigkeit sich ergeben. Er hatte Doris nie im Ernste geliebt; ihre Erscheinung hatte ihn wohl überrascht, aber nicht geblendet; es hatte ihn zu ihr hingezogen, zumal in seinen isolirten Zuständen, aber ihn nicht zu ergreifen und festzuhalten vermocht; ja, hätte es ihm sein argloses Herz gestehen können, so galt ihm das Fräulein und ihre Zuneigung selbst nur als Mittel, um durch sie die Gunst des Vaters und dessen Patrocinat in der wichtigsten Angelegenheit seines Lebens zu erlangen. Indessen, bei der Gutmütigkeit und Leutseligkeit, die ihm innewohnte, fand er sich unbehaglich bei dem Gedanken, Menschen, die er übrigens achten und ehren zu müssen glaubte, auf Erden und in seiner Nähe zu wissen, welche ihm entfremdet, ja gegen ihn feindselig gestimmt wären. Er beschloß daher, sich jede Genugthuung, jede Demüthigung gefallen zu lassen, um das leidige Mißverhältnis zu entfernen, obwohl er übrigens wohl einsah, daß, wenn doch eine Schuld mit untergelaufen, diese mehr auf Seiten des Fräuleins, als auf der seinigen gewesen sey.

Mit diesen guten Gedanken und frommen Vorsätzen ging er zum Rector, zu einer Stunde, wo die wiedergenesene Tochter, wie er erfahren, auf Besuch war. Magnificus empfing ihn mit einiger Verlegenheit; denn er fürchtete, daß Doris zurückkommen und, gegen das ihr gegebene Wort, den Präceptor bei ihm antreffen möchte . . . Schwache Väter stehen so gut unter dem Pantoffel ihrer Töchter, als schwache Männer unter dem Pantoffel der Frauen . . . Nachdem Herle vor Allem um Vergebung gebethen, daß er durch seine Unbedachtsamkeit Anlaß zu Verdruß und Argwohn seiner Tochter gegeben, Se. Magnificenz dringendst bittend, Hochdieselben möchten doch das unselige Mißverständniß erklären und heben: so erwiederte der Rector auf eine gütige Weise: Er wisse, was an der Sache sey, nämlich nichts; er habe bereits das Seinige gethan, wiewohl noch ohne Erfolg; er werde aber, bei Zeit und Gelegenheit, seine Versöhnungsversuche wiederholen, und hoffe, daß, wenn das Geschwür des Aergers einmal gezeitigt und aufgebrochen wäre, das besänftigende, schmerzenstillende Heilmittel nicht fehlschlagen werde.

Indem die Männer noch so freundschaftlich mit einander sprachen, trat Doris ein. Das Kammermädchen, dem sie den gemessenen Befehl ertheilt, hatte ihr spornstreichs die Nachricht überbracht, daß der Präceptor sich gemeldet, und Magnificus ihn empfangen habe. Noch athemlos, ganz blaß von der Bewegung des Ganges und des Aergers, stürzte sie in's Zimmer, und fuhr den Vater an: »Achtet man so meine Ehre? meine Gesundheit? mein Alles?« Sie sank auf einen Stuhl; der Rector erschrack, daß ihm die Pfeife entfiel, die am Boden zersplitterte; Herle stand auf, um sich zu entfernen. Die erzürnte Schöne begleitete ihn mit einem Basiliskenblick.

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