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Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle

Ludwig Aurbacher: Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
booktitleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
authorLudwig Aurbacher
firstpub1842
year1842
publisherv. Vogel'sche Verlagsbuchhandlung
addressLandshut
titleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
pages1-11
created20050106
sendergerd.bouillon
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Siebenzehntes Kapitel.

Es war vor dem Neujahr, als er einen Brief von Bärbchen erhielt. Ein Glückwunsch, in herkömmlichem Styl, rein, zierlich und orthographisch geschrieben, füllte die erste Seite; die folgenden drei enthielten eine Nachschrift, die, nach Styl und Schrift, sich zu jener verhielt, wie ein freier, frischer Vogelgesang zu einer eingelernten Weise.

Im langen Postscript äußerte sie sich unter Anderem: »Schreiben Sie uns doch ausführlich, wie es Ihnen ergeht. Gewiß nicht gut! In der großen, dumpfen Stadt, wo die Menschen lärmend durch einander jagen, wo Jeder nur auf sich, Keiner auf den Andern bedacht ist, wo die Guten sich nicht kennen, und die Bösen, wie Spinnen, einander auflauern: ach! wie könnten Sie, mit Ihrem liebevollen und arglosen Herzen da Ruhe und Zufriedenheit finden! Kommen Sie wieder zu uns; es empfangen Sie Alle mit offenen Armen. O wir vermissen Sie sehr! Täglich ist die Rede von Ihnen. Was wird er wohl machen? frägt man sich. Warum schreibt er nicht? Ist er vielleicht krank? Was mag ihm fehlen? So spricht Einer zum Andern. An den Abenden besonders gedenkt man Ihrer gern und oft. Ihr Stuhl, Ihr Platz sind da noch unbesetzt, ich habe ihn mir selbst vorbehalten, und sitze wohl auch dort auf Augenblicke, wenn Küche und Keller mir Zeit und Ruhe lassen. Da necken sie mich wohl auch mitunter; ich aber sage: Gebt Acht, er kommt wieder, und da wird er mir's, und Ihr mit, zu Dank wissen, daß ich ihm Stuhl und Platz aufgehoben.«

Im weitern Verlauf des Schreibens spricht sie von dem Hauswesen, um welches sie sich nun eifrig annehme, und das ihr viel zu schaffen mache. »Auch muß ich – fährt sie fort, – seit Sie weg sind, die Rechnungen des Vaters führen, die mir schwer ankommen. Da zankt denn der Vater, und sagt: Du kannst es doch nicht, wie der Herr Herle. Ja, wer wollte es auch Ihnen nachmachen? Doch ist der Vater mit meinem Fleiße zufrieden, und nimmt den guten Willen für's Werk. Aber daß Sie ihm sehr abgehen, und daß er Sie sehnlich zurück wünscht, das gibt er oft genug zu verstehen. Es wird sich wohl noch machen, sagte er neulich, als von einer bessern Stellung die Rede war, die man Ihnen geben sollte, um Sie wieder hieher zu bringen. Gott geb' es.« –

Am Rande des Briefes, auf der letzten Seite rundum, stand noch geschrieben: »Ich kann nicht anders, ich muß es Ihnen nur gestehen, daß ich den obigen Glückwunsch aus dem neuesten Briefsteller abgeschrieben habe. Sie sagten mir oft: ein Glückwunsch der Art müsse nicht nur herzlich, sondern auch höflich seyn. Herzlich hätte ich wohl selbst schreiben können; aber höflich? Weiß ich denn, wie man zu einem vornehmen, gelehrten Herrn reden soll? Ich bitte also um Vergebung, und wünsche Ihnen nochmal ein glückseliges neues Jahr und alles Gute dazu, was Sie sich selbst wünschen mögen.«

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