Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Laurids Bruun >

Aus dem Geschlecht der Byge - Zweiter Band

Laurids Bruun: Aus dem Geschlecht der Byge - Zweiter Band - Kapitel 15
Quellenangabe
typefiction
authorLaurids Bruun
titleAus dem Geschlecht der Byge - Zweiter Band
publisherGustav Kiepenheuer Verlag
printrunErstes bis sechstes Tausend
year1918
translatorJulia Koppel
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070809
projectida3d8e670
Schließen

Navigation:

15

Es kam eine Zeit ernster Sorge für Svend.

Wie tief er auch das Dunkel unheilschwangerer Möglichkeiten, das sich durch seinen Bruch mit dem Ministerium für ihn öffnete, zu durchdringen versucht hatte, daß er eines Tages erwerbslos dastehen und vor allem für das Notdürftigste kämpfen mußte, das war ihm doch nicht eingefallen.

Er sah sich plötzlich in dem leeren Raum, von dem eisigen Gefühl zu Boden gedrückt, daß seine Leiden jetzt erst wahrhaft beginnen würden.

Gleichzeitig aber war er so gespannt auf das Resultat seiner Audienz beim König, daß er keine Zeit übrig zu haben meinte, sich mit dem Suchen nach einer neuen Stellung zu beschäftigen.

Es standen ja ganz andere Dinge auf dem Spiel. Er verglich seinen eigenen, kleinen, zufälligen Brotkampf mit dem großen Zweikampf zwischen Prinzipien und Interessen, der jetzt beginnen sollte.

Er beruhigte sich vorläufig mit der Extragage, die Didrichsen ihm gegeben hatte, in der Hoffnung, daß die Dinge sich gewendet haben würden, wenn diese aufgezehrt sei. Bis dahin würde ein Resultat vorliegen, das ihm Genugtuung geben und ihn mit einem Schlage über den Kampf um das tägliche Brot emporheben würde.

Jeden Morgen und Abend stürzte er sich begehrlich auf die Zeitungen. Er erwartete etwas zu lesen, wie daß Kammerherr Tithoff »einem Gerücht zufolge« auf Grund von Kränklichkeit abdanken würde.

Vielleicht würde sogar noch mehr Staub aufgewirbelt werden.

Dem König, dessen Gerechtigkeitssinn allgemein bekannt war, konnten jetzt, wo sein Mißtrauen einmal geweckt war, die Augen für Dinge aufgegangen sein, die ihm früher rätselhaft gewesen waren, Dinge, von denen nur der, der an den Staatsratssitzungen teilgenommen hatte, Bescheid wußte.

Vielleicht hatte er sich im Vertrauen von dem Staatsratssekretär das Protokoll zum Durchforschen ausgebeten. Vielleicht hatte er sich an Hand desselben gewisse rätselhafte Punkte ins Gedächtnis zurückgerufen oder durch den Kabinettsekretär geheime Untersuchungen vornehmen lassen, da ihm jetzt ein bestimmter Weg angegeben worden war.

Vielleicht war er dadurch zu bestimmten Fragen gelangt, für die er von dem Ministerpräsidenten Aufklärung gefordert hatte.

Vielleicht hatte es in der Stunde eines einsamen Privatkabinetts zwischen dem König und seinem verantwortlichen Minister, der den König auf untertänigste Weise auf seinen eingeschränkten Platz zurückzuweisen versuchte, einen Kampf gegeben.

Vielleicht war der König stark genug gewesen, dem Minister zu verstehen zu geben, daß er in einem doppelten Vertrauensverhältnis stünde, nicht nur in einem äußeren politischen dem Volk gegenüber, das vom Reichstag vertreten wurde, sondern auch in einem inneren persönlichen, dem König gegenüber, dessen freies Ernennungsrecht dem Volke eine Garantie sein sollte, daß nicht hinter den Kulissen Dinge vorgingen, die gegen Recht und Ehrlichkeit verstießen und folglich keines Vertrauens wert waren.

Oh, vielleicht – wenn der König stark genug wäre, würde man eine ganze Krise zu sehen bekommen; unter dem Vorwand irgendeiner politischen Uneinigkeit mußte dann das ganze Ministerium abdanken.

Dann galt es eine Königsprobe, dann würde es darauf ankommen, was die persönliche Umgebung des Königs wert war. Ob Seine Majestät imstande war, die Besten des Landes ausfindig zu machen – diejenigen, die, wenn sie auch zurückgezogen lebten, dennoch in kritischen Augenblicken geahnt werden.

So kreisten Svends Gedanken beständig um dasselbe. Er kam mehr und mehr von dem fort, was der Ausgangspunkt gewesen war, von seinem eigenen persönlichen Zusammenstoß.

Ein starkes und echtes Allgemeininteresse wuchs in ihm empor. Das Geradlinige in seiner Natur, die reine Linie, an der Fall sich erfreute und die er ästhetisch genoß, war es, die ihn dazu drängte.

Durch dieses zunehmende Interesse bekam seine Neigung für eine öffentliche Wirksamkeit, sein Streben nach einem Reichstagsmandat als vorläufigem Ziel, neue und kräftige Nahrung. Er hatte darüber eine lange Unterredung mit Falk.

Die Schwierigkeit lag darin, daß er die Chance für das bestimmte Mandat, das er im Auge gehabt hatte, die Vertretung für die Fischer, wahrscheinlich durch seine Entlassung aus dem Departement verspielt hatte.

Falk schlug ihm vor, sich in seiner Heimatgegend als Kandidat aufstellen zu lassen. Als Besitzer von Lindersbo hatte er einigen Einfluß und stand sich gut mit den Großbauern.

Svend nahm den Vorschlag dankbar an und warf sich von neuem mit Eifer auf seine politischen Studien.

Die Tage vergingen. Und noch immer ereignete sich nichts. Es war nicht möglich, auch nur die geringste Spur, die seine Audienz beim König hinterlassen hatte, zu entdecken.

Seine Ungeduld wurde schließlich so unerträglich, daß er beschloß, den Kabinettsekretär noch einmal aufzusuchen. Es war doch immerhin möglich, daß er durch ihn etwas erfahren konnte.

Als Vorwand wollte er die Frage des Königs, ob er an ein anderes Amt gedacht habe, benutzen.

 << Kapitel 14  Kapitel 16 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.