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Aus dem Geschlecht der Byge - Zweiter Band

Laurids Bruun: Aus dem Geschlecht der Byge - Zweiter Band - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorLaurids Bruun
titleAus dem Geschlecht der Byge - Zweiter Band
publisherGustav Kiepenheuer Verlag
printrunErstes bis sechstes Tausend
year1918
translatorJulia Koppel
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070809
projectida3d8e670
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11

Svend litt mehr, als er ertragen konnte.

Er erwachte des Nachts in tiefster Herzensangst und hatte geträumt, daß seine Knaben nach ihm riefen und Not litten. Dann lag er wach und wälzte Gedanken hin und her, bis er vor Schlaffheit ganz gleichgültig wurde und beschloß, zu Ellen zurückzukehren und alles zu vergessen. Dann bekam er Ruhe und konnte wieder schlafen. Wenn aber der Morgen kam, wälzte die bittere Wirklichkeit sich wieder auf ihn, rief das Geschehene zurück und zeigte ihm, was er im Begriff stand zu tun. Und er war noch ebenso weit wie vorher.

 

Falk pflegte sich jedes Jahr Herbstferien zu nehmen. Dann reiste er nach seinem Gut Lindersbo, inspizierte und ging auf die Jagd.

Svend begegnete ihm eines Morgens, als er gerade vom Bahnhof kam. Es war sein letzter Ferientag.

Falk ließ die Droschke halten. Er fand, daß Svends Gesicht ganz verändert war. Es lag ein verbissener Schmerz über den schmalen Lippen. Etwas Krampfhaftes war im Gang, das seine Aufmerksamkeit auf sich lenkte.

»Hallo, Byge!« rief er.

Svend fuhr aus seinen Gedanken auf und blickte sich verwirrt um.

Als er v. Falks ansichtig wurde, der ihm mit seinen großen, schweren Augen freundlich zulächelte, wurde er dunkelrot. Im selben Augenblick durchblitzte ihn der Gedanke: Falk soll mir raten.

Ja, ihm wollte er sich anvertrauen. Mit einem Menschen sprechen, der sein und ehrliebend das Rechte wollte, der ihn gern hatte, der außerdem Ellens Vetter war und die Sache auch von ihrer Seite sehen konnte.

Er winkte mit der Hand und ging hastig auf den Wagen zu.

Kein Aufschub. Jetzt gleich. Sonst würde er es nie sagen können.

»Darf ich zu Ihnen in den Wagen steigen?«

»Gern. Dann frühstücken Sie mit mir!«

Falk machte neben sich Platz und legte in einer unwillkürlichen Gefühlswärme seine Hand auf Svends Schulter, indem er einstieg.

Eine Weile saßen sie schweigend nebeneinander. Falk blickte von der Seite in Svends unruhig flackernde Augen und wartete, daß er beginnen würde. Svend preßte seine Hände zusammen und wußte nicht, wie er es über die Lippen bringen sollte.

»Lieber Byge!« sagte v. Falk, »ich kann Ihnen ansehen, daß Ihnen etwas passiert ist, worüber Sie sich aussprechen möchten. Nicht wahr?«

Svend nickte und blickte zur Seite.

»Es ist hübsch von Ihnen, daß Sie damit zu mir kommen.«

»Ich habe es eben in diesem Augenblick beschlossen.«

»Das hab ich gesehen. Wenn ich Ihnen helfen kann, bin ich gern dazu bereit, das wissen Sie.«

Falk setzte sich zurecht, um ihm zuzuhören.

»Nicht hier im Wagen!« sagte Svend, »dazu ist die Sache zu ernst.«

Falk sah ihm forschend in die Augen; der Reflex von Svends Ernst legte eine bleiche Röte über seine Schläfen, während seine Brauen sich unwillkürlich zusammenzogen.

Dann begann er von Lindersbo zu erzählen, bis sie zu seiner Villa kamen.

Das Frühstück wartete. Sie setzten sich gleich zu Tisch. v. Falk war hungrig; sein guter Appetit steckte Svend an, und v. Falk erzählte so munter, daß Svend zum erstenmal seit jener traurigen Nacht auf einen Augenblick seinen Schmerz vergaß.

Als sie von Tisch aufgestanden waren und sich Zigarren angezündet hatten, fing die Sonne an zu scheinen. Der feuchte Novembernebel war zerstoben. Er hing wie Tränen und Tauperlen in den vergilbten Büschen des Gartens, in dem roten Weinlaub, das sich um die Fenster rankte. Über die Baumkronen, die in güldenem Herbstgewand prunkten, hatte der Nebel einen seinen Tüllschleier gebreitet, der die kräftigen Metallfarben zu einem harmonischen Akkord vereinigte.

Falk schlug vor, daß sie in den Garten gehen wollten. Während sie in dem Mittelgang auf und ab schritten, wurde Svend endlich die Zunge gelöst.

v. Falk ging langsamer und hörte schweigend zu, den Blick auf Svends bleiches, verwachtes Gesicht gerichtet, dessen Mienenspiel mit den Worten in nervösem Einklang zitterte.

Als Svend zu der letzten Unterredung mit Ellen kam, ging v. Falk ganz dicht an ihn heran und berührte unwillkürlich seinen Arm, während seine großen Augen auf seinen Lippen ruhten, als wolle er die Worte durch seinen Blick in seiner Seele aufnehmen.

Svend schwieg. Er ging gesenkten Hauptes und blickte zur Seite, von seiner Bewegung überwältigt.

Falk schob seinen Arm unter Svends und sagte ruhig:

»Was Sie mir da von Ihrem Schwiegervater erzählen, kommt mir nicht überraschend.«

Svend blieb stehen und sah ihn verblüfft an.

Falk verzog die Lippen zu einem wehmütigen Lächeln. »Erinnern Sie sich, daß Sie mir meine spöttischen Worte über den dänischen Beamtenstand bei Brynchs Jubiläum vorwarfen? Jetzt erfahren Sie es selbst. Sie müssen wissen, lieber Byge, daß ich zwischen Menschen ohne Ideale aufgewachsen bin. Bei meinen Eltern auf Lindersbo gab es keine andere Moral als das Urteil der Standesgenossen. Als ich sehr jung war, litt ich darunter. Mich fror dabei und ich fand, daß es eine langweilige, schmutzige und schlechte Welt sei, in die ich durch den Leichtsinn meiner Eltern gesetzt worden war. Später, als ich in die Hauptstadt, in größere Verhältnisse kam, wurde mir bald klar, daß es hier nicht anders war als zu Hause. Während man sich den Anschein gab, alle möglichen Formen und Pflichten unter dem Deckmantel vieler schönen und gottesfürchtigen Worte über die Nächstenliebe zu erfüllen, knetete man unbekümmert seinen eigenen Teig, ohne auf etwas anderes als auf eine gewisse Etikette Rücksicht zu nehmen. Durch meine Veranlagung, den Leuten ein wenig tiefer in die Augen zu sehen, konnte es mir nicht entgehen, daß es mit den Kammerherren wie mit den Lakaien war: sie ließen sich alle bestechen. In alten Tagen sprachen die Besitzenden von Prinzipien; heutzutage spricht man von Interessen. Der Sinn ist derselbe, nämlich der: dafür zu sorgen, daß die, die etwas haben, mehr bekommen. Das ist ein Naturgesetz, von dem wir alle mehr oder weniger abhängig sind, sowohl Kammerherr Tithoff wie Ihr Schwiegervater.«

»Der Begriff Rechtschaffenheit besteht also nach Ihrer Ansicht nicht mehr?«

»Nein, nicht im eigentlichen Sinne des Wortes.«

»Das ist empörend!«

»Freilich. Aber glauben Sie nur nicht, daß dieses Manko spezifisch dänisch ist. Das haftet dem modernen Leben der oberen Klassen überhaupt an. Wie gesagt, als ich sehr jung war, empörte es mich auch. Aber ich lernte bald mich damit abfinden.«

»Was meinen Sie damit?«

»Ich schob diese ganze emsige Betriebsamkeit von mir und suchte Zuflucht in dem, was rein und unbefleckbar ist. Ich erfreute mich am Schönen. Das kam ganz von selbst, denn es lag in meiner Natur, die glücklicher ist als die Ihre. Ich kehrte zu den Gütern zurück, die man genießen kann, ohne sie zu besitzen, ohne Eroberungs- und Erwerbsfreude. Mit anderen Worten: die ästhetische Freude. Nach und nach habe ich mich dazu erzogen, alles was mir begegnet unter ein und demselben Gesichtswinkel zu betrachten: als Objekt für eine Schönheitsbewertung. Es ist mir ganz gleichgültig, was die Menschen für sich selbst erreichen wollen. Ihr moralischer Habitus interessiert mich nicht; sie haben nur so weit Bedeutung für mich, als ich sie für eine ästhetische Wertschätzung ausnutzen kann. Sehen Sie nun zum Beispiel zwei solche Streber wie Jersey und Juhl. Es könnte mir doch nicht einfallen, mich über sie zu ärgern. Ich verfolge ihre Spur, genieße sie und habe im Lauf der Jahre recht viel Vergnügen an ihnen gehabt.«

»Ja, Sie, der Sie von Geburt an unabhängig gewesen sind und nur an sich selbst zu denken haben! Sie brauchen in keinem Kampf zu stehen, weder für sich, noch für andere. Sie stehen über der Sache, weil Sie ohne Ehrgeiz sind. Ich aber, der ich mir das Leben nicht ohne ein Ziel denken kann, nach dem ich strebe, ich muß das Gefühl haben, daß ich einen Platz ausfülle, daß ich anderen außer mir selbst, ja, rein heraus der Allgemeinheit nütze. Und wie sollte ich von einem erschwindelten Vermögen leben können? Können Sie nicht begreifen, daß meine Persönlichkeit Schiffbruch leiden würde?«

»Ja, ja, Ihre Denkweise ist zu unkompliziert. Das können Sie nicht, Sie würden dadurch die reine Linie in sich selbst verletzen, würden sich unfrei, unschön machen – und das würde mir leid tun.«

Falk blieb stehen und heftete seinen ruhigen, schweren Blick voll auf Svend. Es lag eine Innigkeit darin, wie Svend sie noch nie bei ihm gesehen hatte, und sie wärmte ihn ganz bis ins Herz hinein.

»Und dennoch,« fuhr er nach einer Weile fort, »ist es schwer für mich, Ihnen zu raten. Ich denke nicht daran«– er schnitt eine Grimasse –, »daß Sie mit meiner Kusine verheiratet sind, daß ich eigentlich auch die Sache von ihrer Seite sehen müßte – sondern ich denke daran, daß, wenn ich Ihnen nun raten würde, Ihrer eigenen Linie zu folgen, ohne nach rechts oder nach links zu blicken – in Schönheit zu leben« – Falk lächelte wehmütig, während er in die vergilbten Baumwipfel starrte –, »ja, denn darum handelt es sich –Schönheit! Wenn Sie dorthin schlendern, wo das Leben Sie hinhaben will, so geschieht es auf Kosten der Schönheit. Wenn ich Ihnen aber raten würde, Ihrer Linie zu folgen, und es würde schief gehen – denn bürgerlich gesprochen handelt es sich um Armut und Reichtum –, so weiß ich nicht, ob Sie stark genug sind, ob Sie nicht, wenn die Jahre vergangen und Kahlheit in Ihre Seele eingezogen ist, ob Sie sich dann nicht selbst – oder vielleicht mich – fragen werden, was Sie eigentlich gewonnen haben, ob es nicht doch vielleicht besser gewesen wäre, ein einziges großes Mal nachzugeben, anstatt sich die vielen kleinen bitteren Verzichte Tag für Tag im Leben eines armen Mannes abringen zu lassen. Sind Sie stark genug, sich durch Armut, bürgerlich gesprochen, zu Reichtum, persönlich gesprochen, hindurchzuringen?«

Svend sah ihn an, von seinen Worten ergriffen.

»Ja, das bin ich!« sagte er leise.

»Im übrigen aber,« fügte er hinzu, »jetzt bin ich der Praktische – erinnern Sie sich der Zeitung, die Kruse angriff? Sie war also auf der richtigen Spur. Diese Leute hatten recht. Und außerdem sind da Welten, Tithoff, Didrichsen und wahrscheinlich noch etliche andere, die über die Sache Bescheid wissen. Wenn ich nun das Vermögen, in dessen Besitz ich durch den Todesfall gekommen bin, annehme und als ein reicher Mann lebe, so bin ich ja nicht sicher, ob das Verbrechen nicht doch eines Tages entschleiert wird. An dem Tags, wo ich als Politiker Gegner dieser Leute würde, würde man mir den Boden unter den Füßen fortziehen. Also abgesehen von Idealismus und Rechtschaffenheit wird meine Stellung unhaltbar sein.«

Sie sprachen lange hin und her. Es begann zu dämmern. Falk blieb stehen und sah nach der Uhr; es war nach fünf.

»Hier gehen wir und verplaudern einen halben Tag wie die Dichter Steffens und Oehlenschläger!« sagte er lächelnd – »aber wir verhandeln nicht über die Schönheit und die Natur, sondern über die bürgerliche Gesellschaft und die Rechtschaffenheit. Das ist bezeichnend für die beiden Zeitalter und für das Jahrhundert, das dazwischen liegt. Damals bewertete man noch das Leben von dem Schatten des Kolosses in Weimar aus.«

Schließlich waren sie dennoch zu einem Resultat gekommen.

Falk hatte Svend geraten, seine Ehe mit Ellen fortzusetzen, unter der Bedingung, daß sie von seiner Arbeit allein leben wollten. Das Vermögen sollte unangerührt stehen bleiben und durch Zinsen unter einer von ihnen gemeinsam gewählten Administration vermehrt werden. Dann würde sicher der Zeitpunkt kommen, wo sie sich über eine richtige Anwendung einigen würden. Auf den Anteil der Kinder konnten sie ja doch nicht verzichten.

Svend hatte v. Falks Einladung, bei ihm zu Mittag zu essen, mit Freuden angenommen. Seit Kruses Tod hatte er sich nicht so leicht und im Gleichgewicht befunden, wie nach dieser Aussprache.

Nach dem Mittagessen machten sie es sich bequem. Falk streckte sich auf die Chaiselongue, Svend setzte sich auf das alte Sofa. Der Kaffee stand auf einem kleinen venezianischen Tisch zwischen ihnen. Der dunkelgrüne Schirm der Lampe dämpfte das Licht im Zimmer. Nur auf die Papiere des Schreibtisches fiel der Schein scharf und weiß.

Es klingelte. Die Haushälterin kam mit der Abendzeitung herein.

Svend erwachte aus seinem Halbschlaf. Die Zeitung lockte ihn immer. Er setzte sich an den Schreibtisch und entfaltete das Blatt.

Seine Augen suchten aus alter Gewohnheit die offiziellen Mitteilungen. Da stand unter »Ernennungen«, daß Brynch pensioniert und Konferenzrat geworden und Jersey zu seinem Nachfolger ernannt sei.

»Sehen Sie mal her!« rief Svend; bevor er aber noch gesagt hatte, um was es sich handelte, fiel sein Blick auf Galtens Namen. Auch er war erledigt, war Justizrat geworden, und sein Nachfolger war erwählt

Es war Juhl!

Falk sah gleich, daß etwas nicht in Ordnung sei.

Svend sagte nichts. Er saß und starrte mit offenem Mund auf das vor ihm liegende Blatt.

Falk sah ihm über die Schulter. Auch er hatte geglaubt, daß Svend Galtens Stelle bekommen würde, obgleich er von dem Versprechen des Ministers, das Svend getreulich geheim gehalten hatte, nichts wußte.

Jetzt, da das Versprechen gebrochen war, fand Svend keinen Grund zu schweigen.

»Tithoff ist bei mir gewesen und hat mir Galtens Stelle versprochen. Er sagte, daß sie wahrscheinlich zu einem Bürochefposten gemacht werden solle.«

»Wann war das?« fragte v. Falk interessiert.

»Kurz nach der Beerdigung. Wir saßen in Kruses Zimmer und sprachen von seinem Archiv. Er forderte mich auf, zu ihm zu kommen, wenn ich in den hinterlassenen Briefen Sachen fände, die ich nicht verstehen würde.«

»Und Sie unterließen es?«

»Ja. – Am selben Abend machte ich die Entdeckung.«

»Das ist Welten!« sagte v. Falk und ging nachdenklich im Zimmer auf und ab.

»Welten?«

»Du lieber Gott, Sie wissen doch, daß er alle Fäden in seiner Hand hält. Er wußte noch besser als Tithoff, was in Kruses Schrank zu finden war. Und statt den Mund zu halten und zu ihm zu gehen, um sich die Briefe abkaufen zu lassen, handelten Sie auf eigene Rechnung, schlugen Lärm, gingen zu Didrichsen und verrieten das Geheimnis. Glauben Sie, daß man einen Menschen Ihres Schlages befördert? – das hieße ja eine Schlange am Busen nähren. Sie haben nicht verstanden, sich vor den »Interessen« zu beugen. Sie passen nicht in das System hinein, mein lieber Byge. Ja, so sieht die Wirklichkeit aus – Sie Ritter von der guten Sache – und dies war Ihre erste Ohrfeige. – Was machen Sie jetzt?«

Svend war aufgesprungen. Er preßte die Hände um die Stuhllehne, daß seine Finger ihn schmerzten. Er sah bei Falks Worten den ganzen Zusammenhang, sah in blendender Klarheit, was er geahnt und was ihm nicht hatte einleuchten wollen. Er fand das Zentrum: das war Welten, der Allmächtige, der hinter allen stand. Und wieder Welten – es war das Geld. »Die Interessen«, wie v. Falk es genannt hatte.

Tüchtigkeit in seinem Fach, Anciennität, Rechtschaffenheit, gute Familie, gegebenes Versprechen – alles das, an das er und die anderen Naiven glaubten, das waren nur Vorwände, die als Hebel in der Mechanik gebraucht, Schirmwände, hinter denen die wahren Motive, die den Interessen dienten, versteckt wurden.

Nein, nein, und tausendmal nein!

Er versuchte seinen Willen in einem Brennpunkt zu sammeln, aber er konnte nur das eine finden, daß er sich nicht unter das System beugen wollte.

Er rang nach Atem.

»Was ich jetzt mache?« rief er und schlug auf die Stuhllehne – »das will ich Ihnen sagen Falk. Ich stehe auf der Seite der Prinzipien, auf der Seite des Rechtes. Und wissen Sie, was ich will? – ha, ha – wissen Sie es? – Denn jetzt weiß ich es. Ich will sie entschleiern. Ich will den Mechanismus bloßlegen. Jetzt soll es ernst werden, kann ich Ihnen sagen. Oh, ich will –«

Er gestikulierte mit den Armen und raste durch das Zimmer, während v. Falk ihn still und vergnügt betrachtete.

»Recht so, Byge! – So soll es sein! Kopf hoch. Ich glaube dennoch, daß Sie stark genug sind, Ihre Linie durchzuhalten. Oh, das wird wohltuend sein!«

Er rieb sich die Hände und hielt Svend bei den Schultern fest, als er ihm mit starken Augen und hocherhobenem Kopf entgegenkam.

Am nächsten Tage schrieb Svend seine Bedingungen an Ellen. Er schrieb knapp und fest, wie ein Mann, der endlich einen Mittelpunkt gefunden hat.

Bereits tags darauf kam die Antwort.

Ellen schrieb, ebenso knapp und ebenso fest, daß es ihr jetzt durch die Trennung klar geworden sei, was sie lange geahnt habe, daß sie ihn nicht liebe und daß sie nie seine Frau hätte werden sollen. Sie seien viel zu verschieden. Im Grunde begreife sie nicht, weshalb sie sich damals in ihn verliebt habe. Es sei wohl nur die Pariser Luft gewesen.

Da sie unter allen Umständen Scheidung wolle, falle die Frage, ob sie von seiner Arbeit allein leben wolle, von selbst fort. Sie finde diese Frage nicht nur lächerlich, sondern im höchsten Grade kränkend für sie und das Andenken ihres teuren Vaters. Svend könne sich darauf verlassen, daß sie nicht auf das Vermögen, das sie geerbt habe, verzichten wolle, weder für sich noch für ihre Kinder. Sie wolle diese schon lehren, ihren Großvater zu ehren.

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