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Aufzeichnungen aus einem toten Hause

Fjodr Michailowitsch Dostojewski: Aufzeichnungen aus einem toten Hause - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
authorFjodr Michailowitsch Dostojewski
titleAufzeichnungen aus einem toten Hause
publisherVolksverband der Bücherfreunde Wegweiser-Verlag, G.m.b.H.
printrun3. Auflage
translatorAlexander Eliasberg
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
projectiddfe4ee1a
created20061203
modified20170607
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VII

Neue Bekanntschaften – Petrow

Aber die Zeit verging, und ich lebte mich allmählich ein. Mit jedem neuen Tag erschienen mir die gewöhnlichsten Erscheinungen meines neuen Lebens immer weniger befremdlich. Die Ereignisse, die Umgebung, die Menschen, alles kam mir schon irgendwie gewohnt vor. Mich mit diesem Leben zu versöhnen, war natürlich unmöglich, aber es als eine gegebene Tatsache anzuerkennen, war doch schon Zeit. Alle Zweifel, die in mir noch blieben, verbarg ich tief in mir. Ich trieb mich nicht mehr wie ein Verlorener im Zuchthause umher und ließ nichts von meinem Gram durchblicken. Die neugierigen Blicke der Arrestanten blieben nicht mehr so oft an mir haften, sie verfolgten mich nicht mehr mit einer so betonten Frechheit. Auch sie hatten sich wohl an meinen Anblick gewöhnt, worüber ich mich sehr freute. Ich bewegte mich im Zuchthause wie bei mir zu Hausse, kannte meinen Platz auf der Pritsche und hatte mich anscheinend sogar an solche Dinge gewöhnt, von denen ich nie erwartet hätte, daß man sich an sie gewöhnen kann. Regelmäßig einmal in der Woche ging ich hin, um mir den halben Kopf rasieren zu lassen. Jeden Sonnabend nach Feierabend rief man uns zu diesem Zweck einen nach dem andern aus dem Zuchthause auf die Hauptwache (wer sich nicht rasieren ließ, war dafür selbst verantwortlich), wo uns die Bataillonsbarbiere die Köpfe mit kaltem Schaum einseiften und erbarmungslos mit unglaublich stumpfen Rasiermessern schabten, so daß es mich auch jetzt noch bei der Erinnerung an diese Folter kalt überläuft. Bald fand sich übrigens eine Rettung: Akim Akimytsch empfahl mir einen Arrestanten aus der Militärabteilung, der für eine Kopeke jedermann mit seinem eigenen Messer rasierte, was sein Beruf war. Viele von den Zuchthäuslern gingen zu ihm, um dem amtlichen Barbier zu entrinnen, dabei war aber dieses Volk gar nicht verzärtelt. Den Arrestanten, der bei uns das Barbierhandwerk ausübte, nannte man »Major«, ich weiß selbst nicht warum und kann auch nicht sagen, was an ihm an einen Major erinnerte. Jetzt, wo ich dieses schreibe, sehe ich den Major lebhaft vor Augen: es war ein langer, hagerer, schweigsamer Bursche, ziemlich dumm, ewig in seine Beschäftigung vertieft und stets mit einem Riemen in der Hand, auf den er Tag und Nacht sein ungewöhnlich abgewetztes Messer strich; er ging in seiner Tätigkeit ganz auf und hielt sie offenbar für seinen Lebenszweck. Er war in der Tat äußerst zufrieden, wenn das Messer gut war und sich jemand von ihm rasieren ließ; sein Seifenschaum war warm, seine Hand leicht und sein Rasieren wie Samt. Er fand in seiner Tätigkeit offensichtlich Genuß und war auf seine Kunst stolz; die Kopeke nahm er gleichgültig in Empfang, als wäre für ihn die Hauptsache seine Kunst und nicht die Kopeke. A–ow erlebte einmal von unserm Platzmajor ein ordentliches Donnerwetter, als er bei einer seiner Denunziationen unsern Zuchthausbarbier erwähnte und ihn aus Versehen »Major« nannte. Der Platzmajor geriet in höchste Wut und war äußerst gekränkt. »Weißt du auch, Schurke, was ein Major ist!« schrie er mit Schaum vor dem Munde, während er A–ow auf gewohnte Weise verprügelte. »Verstehst du überhaupt, was ein Major ist! Du wagst noch, einen Zuchthäusler vor meinen Augen, in meiner Gegenwart einen Major zu nennen! . . .« Nur A–ow brachte es fertig, sich mit einem solchen Menschen zu vertragen.

Gleich am ersten Tage meines Zuchthauslebens fing ich an, von der Freiheit zu träumen. Die Berechnung, wann meine Zuchthausjahre ein Ende nehmen, wurde in tausenderlei Variationen und Anwendungen zu meiner Lieblingsbeschäftigung. Ich konnte sogar an nichts anderes denken, und bin überzeugt, daß es so einem jeden Menschen geht, der für einige Zeit der Freiheit beraubt ist. Ich weiß nicht, ob die andern Zuchthäusler die gleichen Berechnungen anstellten wie ich, aber der ungewöhnliche Leichtsinn ihrer Hoffnungen fiel mir gleich am ersten Tage auf. Die Hoffnung eines eingekerkerten, der Freiheit beraubten Menschen ist von ganz anderer Art als die eines in Freiheit lebenden. Der freie Mensch hofft natürlich auch (z. B. auf eine Wendung in seinem Schicksale, auf den Erfolg irgendeines Unternehmens), aber er lebt und handelt; das echte Leben zieht ihn stets in seinen Strudel hinein. Anders verhält es sich mit einem Eingekerkerten. Es ist allerdings auch ein Leben, ein Zuchthausleben; aber was für ein Mensch der Zuchthäusler auch sei und wie lange er auch im Zuchthause bleiben müsse, kann er instinktiv doch nie sein Schicksal als etwas Gegebenes, Endgültiges, als einen Teil des wirklichen Lebens hinnehmen. Jeder Zuchthäusler fühlt sich nicht »wie zu Hause«, sondern gleichsam zu Besuch. Zwanzig Jahre betrachtet er wie zwei Jahre und ist vollkommen überzeugt, daß er mit fünfundfünfzig Jahren beim Verlassen des Zuchthauses der gleiche forsche Kerl sein wird, wie er es jetzt mit fünfunddreißig ist. »Wir werden ja noch leben!« denkt er sich und vertreibt hartnäckig alle Zweifel und sonstige ärgerliche Gedanken. Selbst die auf Lebenszeit Verbannten, die Insassen der Besonderen Abteilung, glaubten manchmal, daß plötzlich ein Befehl aus Petersburg kommen würde, sie auf das Bergwerk von Nertschinsk zu versetzen und ihnen eine Frist zu bestimmen. Das wäre so schön: erstens dauert der Marsch nach Nertschinsk fast ein halbes Jahr, und auf so einer Wanderung hat man es viel besser als im Zuchthause! Zweitens wird die Frist in Nertschinsk einmal ein Ende nehmen, und dann . . . In solchen Hoffnungen wiegt sich aber manchmal ein Mann mit einem grauen Kopf!

In Tobolsk sah ich Leute, die an die Mauer angeschmiedet waren. So einer sitzt an einer etwa klafterlangen Kette und hat auch sein Lager in der Nähe. Man hat ihn an die Mauer geschmiedet, weil er schon in Sibirien irgendein außerordentliches Verbrechen begangen hat. So sitzen sie fünf Jahre an der Kette, auch zehn Jahre. Zum größten Teil sind es Raubmörder. Nur einen sah ich darunter, der aus besserem Stande zu stammen schien; er hatte irgendeinmal irgendwo gedient. Er sprach still, im Flüsterton, mit einem süßlichen Lächeln. Er zeigte uns seine Kette und erklärte uns, wie man sich mit ihr am bequemsten auf sein Lager legen könne. Wird wohl ein netter Vogel gewesen sein! Sie alle führen sich im allgemeinen ruhig auf und scheinen zufrieden, aber ein jeder sehnt sich danach, seine Frist abzusitzen. Was winkt ihm denn dann? Er wird dann das stickige Zimmer mit den stinkenden Wänden und der niederen Ziegeldecke verlassen und einmal durch den Zuchthaushof gehen, und das ist alles. Aus dem Zuchthause selbst wird er aber niemals herauskommen. Er weiß es und will doch furchtbar gern seine Kettenfrist absitzen. Könnte er denn ohne diese Sehnsucht die fünf oder sechs Jahre an der Kette sitzen, ohne daran zu sterben oder verrückt zu werden? Würde er überhaupt noch sitzen?

Ich fühlte, daß die Arbeit mich retten, meine Gesundheit und meinen Körper stärken könnte. Die ewige seelische Unruhe, die gereizten Nerven, die muffige Luft der Kaserne könnten mich vollständig umbringen. So oft wie möglich in der freien Luft sein, jeden Tag müde werden, sich gewöhnen, Lasten zu schleppen, – wenn ich das könnte, wäre ich gerettet, – sagte ich mir, – so kräftige ich meine Gesundheit und verlasse das Zuchthaus gesund, rüstig, stark und nicht gealtert. Ich hatte mich nicht geirrt: die Arbeit und die Bewegung waren mir äußerst nützlich. Mit Entsetzen beobachtete ich einen meiner Genossen (adliger Abstammung), der im Zuchthause wie ein Licht erlosch. Er hatte es zugleich mit mir, noch jung, schön und rüstig, betreten, verließ es aber halb gebrochen, ergraut, unfähig zu gehen und von Atemnot geplagt. »Nein,« sagte ich mir, wenn ich ihn ansah, »ich will leben und werde leben.« Dafür hatte ich in der ersten Zeit wegen meiner Liebe zur Arbeit von den andern Arrestanten genug auszustehen, und sie verfolgten mich lange mit Verachtung und Spott. Aber ich schenkte niemand Beachtung und ging rüstig zu jeder Arbeit, z. B. zum Brennen und Zerstoßen von Alabaster; das war eine der ersten Arbeiten, die ich kennenlernte. Diese Arbeit ist leicht. Die Ingenieurbehörde ist immer geneigt, den Arrestanten adliger Abstammung die Arbeit nach Möglichkeit zu erleichtern, was aber durchaus keine Milde, sondern nur Gerechtigkeit bedeutet. Es wäre doch sonderbar, von einem Menschen, der nur halb so stark ist wie die andern und nie im Leben gearbeitet hat, die gleiche Leistung zu verlangen, wie sie von einem richtigen Arbeiter verlangt wird. Aber diese »Milde« wurde nicht immer geübt, und wenn sie geübt wurde, so heimlich: die anderen Arrestanten paßten ja scharf auf. Es kam recht oft vor, daß ich eine schwere Arbeit zu machen hatte, die für die Arrestanten adliger Abstammung eine doppelte Last bedeutete als für die übrigen. Zum Alabasterbrennen wurden gewöhnlich drei oder vier Mann geschickt, alte oder schwache Menschen, darunter natürlich auch wir; außerdem wurde uns ein Arbeiter, der die Sache verstand, mitgegeben. Mehrere Jahre hintereinander war es der gleiche Arrestant, namens Almasow, ein düsterer, hagerer, schon bejahrter Mensch von dunkler Gesichtsfarbe, wenig mitteilsam und ziemlich unfreundlich. Er verachtete uns tief. Im übrigen war er wortkarg und sogar zu faul, auf uns zu schimpfen. Der Schuppen, in dem der Alabaster gebrannt und gestoßen wurde, stand ebenfalls auf dem öden und steilen Flußufer. Im Winter, besonders an trüben Tagen, war der Anblick des Flusses und des fernen gegenüberliegenden Ufers äußerst langweilig. In dieser wilden, öden Landschaft lag etwas Trauriges und Herzbeklemmendes. Der Anblick war vielleicht noch unerträglicher, wenn auf die grenzenlose weiße Schneedecke grell die Sonne schien; dann hatte man den Wunsch, in diese Steppe davonzufliegen, die am andern Ufer begann und sich als ununterbrochene Fläche etwa anderthalb Tausend Werst weit gegen Süden hinzog. Almasow machte sich gewöhnlich schweigsam und mürrisch an die Arbeit; wir fühlten uns gleichsam beschämt, weil wir ihm nicht ordentlich helfen konnten, er aber machte absichtlich alles allein und verlangte von uns keinerlei Hilfe, als wollte er, daß wir unsere Schuld ihm gegenüber fühlten und unsere eigene Unfähigkeit bereuten. Es galt übrigens nur den Ofen einzuheizen, um den Alabaster, den wir selbst hineingetan hatten, zu brennen. Am anderen Tage, wenn der Alabaster gargebrannt war, wurde er aus dem Ofen herausgenommen. Ein jeder von uns nahm einen schweren Holzhammer, füllte eine eigene Kiste mit Alabaster und begann ihn zu zerkleinern. Das war eine höchst angenehme Arbeit. Der spröde Alabaster verwandelte sich schnell in glänzenden weißen Staub und ließ sich so schön und leicht zerstoßen. Wir schwangen die schweren Hämmer und machten einen solchen Lärm, daß es uns selbst eine Freude war. Zuletzt wurden wir müde, fühlten uns aber zugleich erleichtert; die Wangen röteten sich, das Blut zirkulierte schneller in den Adern. Nun fing auch Almasow an, uns mit einer gewissen Herablassung zu behandeln, wie man eben kleine Kinder behandelt; er rauchte herablassend sein Pfeifchen, konnte aber doch nicht umhin, zu brummen, wenn er etwas sagen mußte. Übrigens benahm er sich so allen Leuten gegenüber und war wohl im Grunde ein guter Mensch.

Die andere Arbeit, die ich zu tun hatte, war, in der Tischlerwerkstätte das Rad an der Drehbank in Bewegung zu setzen. Das Rad war groß und schwer. Es war gar nicht leicht, es zu drehen, besonders wenn der Drechsler (einer von den Ingenieurhandwerkern) etwas wie eine Säule zu einem Treppengeländer oder ein Bein zu einem großen Tisch herstellte, einem ärarischen Möbelstück für irgendeinen Beamten, das fast einen ganzen Balken erforderte. In solchen Fällen hatte ein einzelner Mann nicht die Kraft, das Rad zu drehen, und zu dieser Arbeit wurden zwei kommandiert: ich und ein anderer Adliger, B. So blieb diese Arbeit mehrere Jahre hintereinander für uns reserviert, sooft es etwas zu drechseln gab. B. war ein schwächlicher, schmächtiger Mensch, noch jung, aber brustkrank. Er war ins Zuchthaus ein Jahr vor mir mit zwei seiner Genossen gekommen; der eine von diesen war ein alter Mann, der während seines ganzen Zuchthauslebens Tag und Nacht zu Gott betete (aus welchem Grunde ihn die anderen Arrestanten sehr achteten) und der zu meiner Zeit starb; der andere war aber noch sehr jung, frisch, rotbackig, stark und tapfer: dieser hatte auf dem Wege nach Sibirien den schon nach der halben Etappe erschöpften B. siebenhundert Werst weit getragen. Man muß gesehen haben, wie innig sie befreundet waren. B. war ein hochgebildeter Mensch, von einem edlen und schönen Charakter, der aber durch die Krankheit etwas verdorben und reizbar geworden war. Die Arbeit am Rade bewältigten wir zusammen, und sie amüsierte uns sogar. Für mich bedeutete sie eine vorzügliche Bewegung.

Besonders gern schaufelte ich Schnee. Das war gewöhnlich nach den Schneestürmen, die im Winter recht oft vorkamen. Nach so einem Schneesturm, der vierundzwanzig Stunden lang gewütet hatte, war manches Haus bis zur halben Fensterhöhe verweht und manches fast ganz eingeschneit. Wenn dann der Schneesturm aufhörte und die Sonne sich zeigte, wurden wir in großen Gruppen, manchmal sogar alle Insassen des Zuchthauses auf einmal hinausgetrieben, um die ärarischen Gebäude vom Schnee zu befreien. Ein jeder bekam eine Schaufel, allen zusammen wurde ein Pensum vorgeschrieben, das zuweilen so groß war, daß man sich wundern mußte, wie man es überhaupt erledigen konnte, und alle machten sich in schönster Eintracht an die Arbeit. Der lockere, frisch gefallene und oben leicht angefrorene Schnee ließ sich leicht in großen Stücken mit der Schaufel abheben und fortschleudern, wobei er sich noch in der Luft in glitzernden Staub verwandelte. Die Schaufel schnitt sich leicht in die weiße in der Sonne glänzende Masse ein. Den Arrestanten machte diese Arbeit fast immer Freude. Die frische Winterluft und die Bewegung erwärmten sie. Alle waren lustiger; man hörte Lachen, Schreien, Scherzen. Man begann sich mit Schneebällen zu bewerfen, was natürlich stets die Folge hatte, daß eine Minute darauf die Vernünftigen, die sich über jedes Lachen und jede Heiterkeit entrüsteten, zu schreien anfingen, und die allgemeine Fröhlichkeit endete gewöhnlich mit einer Schimpferei.

Allmählich begann sich der Kreis meiner Bekanntschaften zu erweitern. Übrigens ging ich damals neuen Bekanntschaften gar nicht nach: ich war noch unruhig, düster und mißtrauisch. Meine Bekanntschaften entstanden ganz von selbst. Unter den Ersten besuchte mich der Arrestant Petrow. Ich sage »besuchte« und betone dieses Wort ganz besonders. Petrow wohnte in der Besonderen Abteilung in der von mir am weitesten entfernten Kaserne. Anscheinend hatte es doch zwischen uns keinerlei Verbindung geben können; wir hatten nichts Gemeinsames und konnten auch nichts gemein haben. Dennoch hielt es Petrow in dieser ersten Zeit gleichsam für seine Pflicht, fast jeden Tag zu mir in die Kaserne zu kommen oder mich in der arbeitsfreien Zeit, wenn ich möglichst weit von aller Augen hinter den Kasernen herumging, anzusprechen. Anfangs war es mir unangenehm. Er verstand es aber so zu machen, daß seine Besuche mich sogar zerstreuten, obwohl er durchaus kein besonders mitteilsamer oder gesprächiger Mensch war. Was sein Äußeres betrifft, so war er klein gewachsen, kräftig gebaut, gewandt und behend, hatte ein recht angenehmes blasses Gesicht mit breiten Backenknochen und weißen, kleinen, dicht beieinanderstehenden Zähnen und hielt stets eine Prise geriebenen Tabak hinter der Unterlippe. Tabak hinter der Lippe zu haben, war bei vielen Zuchthäuslern Sitte. Er sah jünger aus, als er in Wirklichkeit war. Er war an die vierzig Jahre alt, sah aber dreißigjährig aus. Er sprach mit mir immer höchst ungezwungen und benahm sich mir gegenüber so, als ob er auf der gleichen Stufe wie ich stünde, d. h. außerordentlich anständig und taktvoll. Wenn er z. B. merkte, daß ich allein sein wollte, so sprach er mit mir nur an die zwei Minuten und verließ mich dann sofort; jedesmal dankte er mir für meine Aufmerksamkeit, was er natürlich sonst bei keinem anderen Menschen im Zuchthause tat. Es ist interessant, daß dieses Verhältnis zwischen uns nicht nur in den ersten Tagen bestand, sondern mehrere Jahre lang dauerte und fast niemals zu einem intimeren wurde, obwohl er tatsächlich an mir hing. Ich weiß auch jetzt nicht zu sagen, was er von mir eigentlich wollte und warum er jeden Tag zu mir kam. Er bestahl mich zwar später ab und zu, tat es aber immer irgendwie »zufällig«; um Geld bat er mich fast nie, folglich kam er zu mir nicht des Geldes oder irgendwelcher persönlichen Vorteile wegen.

Ich weiß nicht warum, aber ich hatte immer den Eindruck, als wohne er gar nicht im gleichen Zuchthause mit mir, sondern in der Stadt, in einem anderen Hause und besuche das Zuchthaus nur so im Vorübergehen, um die Neuigkeiten zu erfahren, sich nach meinem Befinden zu erkundigen und sich anzusehen, wie wir alle leben. Er hatte es immer eilig, als hätte er irgendwo jemanden stehen lassen, als werde er irgendwo erwartet oder als hätte er irgendeine Arbeit nicht beendigt. Zugleich tat er aber gar nicht geschäftig. Auch sein Blick war sonderbar: unverwandt, mit einem Anflug von Keckheit und Spott, dabei blickte er in die Ferne, über die Gegenstände hinweg, als bemühte er sich, hinter dem Gegenstande, den er dicht vor seiner Nase hatte, einen andern, entfernteren zu betrachten. Dies verlieh ihm einen Ausdruck von Zerstreutheit. Manchmal blickte ich ihm absichtlich nach: wohin wird nun Petrow von mir gehen? Wo wird er mit solcher Sehnsucht erwartet? Er begab sich aber von mir in großer Eile in irgendeine Kaserne oder in die Küche, setzte sich dort neben Leute, die sich unterhielten, hörte ihnen aufmerksam zu, beteiligte sich zuweilen selbst an ihrem Gespräch, ereiferte sich sogar dabei und brach plötzlich ab und verstummte. Wenn er sprach oder schweigend dasaß, sah es aber immer so aus, als täte er es nur so im Vorübergehen, als habe er irgendwo etwas zu erledigen oder als werde er von jemand erwartet. Das Seltsamste war, daß er niemals eine Beschäftigung hatte; er lebte völlig müßig (natürlich abgesehen von der vorgeschriebenen Zwangsarbeit). Er verstand auch kein Handwerk und besaß fast niemals Geld. Der Geldmangel machte ihm aber wenig Sorgen. Worüber sprach er denn mit mir? Seine Gespräche waren ebenso seltsam wie er selbst. Wenn er mich allein irgendwo hinter dem Zuchthause auf und abgehen sah ging er manchmal stracks auf mich zu. Er ging immer schnell und machte kurze Wendungen. Er kam wohl im Schritt, aber man hatte den Eindruck, als käme er herbeigelaufen.

»Guten Tag.«

»Guten Tag.«

»Störe ich nicht?«

»Nein.«

»Ich wollte Sie über Napoleon fragen. Ist er ein Verwandter von dem, der im Jahre zwölf war?« (Petrow war in einer Erziehungsanstalt für Soldatensöhne herangewachsen und verstand zu lesen und zu schreiben.)

»Ja er ist ein Verwandter von ihm.«

»Was ist er dann für ein Präsident?«

Er stellte seine Fragen immer schnell, kurz, als hätte er große Eile etwas zu erfahren. Als handelte es sich um eine wichtige Sache, die nicht den geringsten Aufschub duldete.

Ich erklärte ihm, was für ein Präsident Napoleon war, und fügte hinzu, daß er vielleicht bald Kaiser werden würde.

»Wieso?«

Ich erklärte ihm, so gut ich konnte, auch das. Petrow hörte mir aufmerksam zu, verstand alles, faßte alles schnell auf und hielt sogar das Ohr nach meiner Seite hin.

»Hm . . . Dann wollte ich Sie noch folgendes fragen, Alexander Petrowitsch: ist es wahr, daß es solche Affen gibt, bei denen die Arme bis zu den Fersen reichen, und die so groß sind wie der größte Mensch?«

»Ja, es gibt solche Affen.«

»Was sind das für welche?«

Ich erklärte ihm nach Möglichkeit auch das.

»Wo leben die denn?«

»In den heißen Ländern. Auf der Insel Sumatra gibt es welche.«

»Ist das in Amerika? Wie ist es nun: man sagt, daß die Leute dort mit dem Kopfe nach unten gehen?«

»Gar nicht mit dem Kopfe nach unten. Sie meinen wohl die Antipoden.«

Ich erklärte ihm, was Amerika sei, und, so gut ich es konnte, was die Antipoden wären. Er hörte mir so aufmerksam zu, als sei er nur deswegen gelaufen gekommen, um sich nach den Antipoden zu erkundigen.

»Aha! Im vorigen Jahre habe ich aber über die Gräfin Lavallière gelesen; ich hatte mir das Buch vom Adjutanten Arefjew verschafft. Ist die Geschichte wahr oder nur erfunden? Es ist ein Werk von Dumas.«

»Natürlich ist sie erfunden.«

»Nun, leben Sie wohl. Ich danke schön.«

Und Petrow verschwand. Eigentlich sprachen wir miteinander niemals anders als in der geschilderten Art.

Ich zog über ihn Erkundigungen ein. Als M. von dieser Bekanntschaft hörte, warnte er mich sogar. Er sagte mir, viele Zuchthäusler hätten ihm, besonders in den ersten Tagen seines Zuchthauslebens, ein Grauen eingeflößt, aber niemand, selbst Gasin nicht, hatte auf ihn einen so schrecklichen Eindruck gemacht wie dieser Petrow.

»Er ist der entschlossenste und furchtloseste von allen Zuchthäuslern,« sagte mir M. »Er ist zu allem fähig; er macht vor nichts Halt, wenn es die Befriedigung einer Laune gilt. Er wird auch Sie abschlachten, wenn es ihm einfällt, einfach abschlachten, ohne mit der Wimper zu zucken und ohne es zu bereuen. Ich glaube sogar, daß er nicht ganz bei Trost ist.«

Diese Ansicht interessierte mich außerordentlich. M. vermochte mir aber nicht zu erklären, woher er diesen Eindruck hatte. Aber seltsam: ich verkehrte dann mehrere Jahre hintereinander mit Petrow, sprach mit ihm fast jeden Tag, er war mir während dieser ganzen Zeit aufrichtig zugetan (obwohl ich absolut nicht weiß, weshalb), – er benahm sich während dieser Jahre im Zuchthaus vernünftig und stellte nichts Schlimmes an, aber ich hatte trotzdem, sooft ich ihn ansah oder mit ihm sprach, die Überzeugung, daß M. recht hatte und daß Petrow vielleicht der entschlossenste und furchtloseste Mensch war, der keinerlei Autorität anerkannte. Weshalb ich diesen Eindruck hatte, vermag ich auch nicht zu erklären.

Ich will übrigens bemerken, daß dieser Petrow derselbe war, der den Platzmajor hat ermorden wollen, als er seine Rutenstrafe bekommen sollte und als der Major, wie die Arrestanten sagten, »durch ein Wunder« gerettet wurde, indem er einen Augenblick vor der Exekution davonfuhr. Ein anderes Mal, noch vor seinem Eintritt ins Zuchthaus, passierte es, daß sein Oberst ihn beim Exerzieren schlug. Wahrscheinlich hatte man ihn auch schon vorher oft geschlagen; diesmal wollte er es aber nicht dulden und erstach den Oberst vor aller Augen, am hellichten Tage, vor der Front. Die Einzelheiten dieser Geschichte kenne ich übrigens nicht: er erzählte sie mir niemals. Natürlich waren es nur einzelne Anfälle, bei denen seine ganze Natur plötzlich zum Ausbruch kam. Solche Ausbrüche kamen aber bei ihm doch sehr selten vor. Er war in der Tat vernünftig und sogar friedlich. Er trug wohl starke und brennende Leidenschaften in sich; aber die Kohlenglut war stets von Asche bedeckt und glimmte still. Ich sah bei ihm auch keine Spur von Prahlsucht oder Ruhmsucht wie bei den andern. Er zankte sich nur selten mit jemand, war auch mit niemand besonders befreundet, höchstens mit Ssirotkin, aber auch das nur, wenn er ihn brauchte. Einmal sah ich übrigens doch, wie er ernstlich böse wurde. Man verweigerte ihm irgendeinen Gegenstand; man hatte ihn irgendwie übervorteilt. Sein Gegner war ein starker Kerl von großem Wuchs, boshaft, händelsüchtig und spöttisch, durchaus kein Feigling, ein Sträfling aus der Zivilabteilung, namens Wassilij Antonow. Sie schrien schon lange, und ich glaubte, die Sache würde sich auf eine gewöhnliche Schlägerei beschränken; Petrow pflegte manchmal, wenn auch sehr selten, wie der gemeinste Zuchthäusler zu fluchen und um sich zu hauen. Diesmal kam es aber anders: Petrow erblaßte plötzlich, seine Lippen wurden blau und fingen an zu zittern, und er keuchte schwer. Er erhob sich von seinem Platz und ging langsam, sehr langsam, unhörbar mit seinen bloßen Füßen (im Sommer ging er gern barfuß) auf Antonow zu. Plötzlich wurde es in der Kaserne, in der es ebenso laut zugegangen war, still; man hätte eine Fliege hören können. Alle warteten, was nun kommen würde. Antonow trat ihm entgegen; er sah entsetzlich aus . . . Ich konnte es nicht ertragen und ging aus der Kaserne. Ich glaubte, daß ich, bevor ich aus dem Flur gekommen sein würde, den Schrei eines ermordeten Menschen hören werde. Die Sache lief aber auch diesmal glücklich ab; Antonow hatte Petrow, noch ehe dieser vor ihn getreten war, stumm und eilig den strittigen Gegenstand zugeworfen. (Es handelte sich um einen wertlosen Lumpen, um irgendeinen Fußlappen.) Antonow schimpfte auf ihn natürlich noch etwa zwei Minuten, zur Beruhigung seines Gewissens und des Anstandes wegen, um zu zeigen, daß er keine so große Angst bekommen hatte. Dem Schimpfen schenkte aber Petrow gar keine Beachtung, er schimpfte sogar nicht zurück: es war ihm nicht ums Schimpfen zu tun, und der Streit hatte zu seinen Gunsten geendet; er war sehr zufrieden und nahm den Fußlappen an sich. Nach einer Viertelstunde trieb er sich wieder im Zuchthause herum, müßig, mit einem Ausdruck, als paßte er auf, ob man nicht irgendwo ein interessantes Gespräch anfangen würde, um sich zu den Sprechenden zu gesellen und zuzuhören. Alles schien ihn zu interessieren, aber es kam meistens so, daß er gegen fast alles gleichgültig blieb und sich ziellos im Zuchthause herumtrieb. Er erinnerte sogar an einen Arbeiter, an einen tüchtigen Arbeiter, der die Arbeit gleich mit größter Energie anpacken würde, dem man aber aus irgendeinem Grunde keine Arbeit zuteilt und der in Erwartung dasitzt und mit kleinen Kindern spielt. Ich konnte auch nicht begreifen, warum er im Zuchthause blieb und nicht entfloh. Er wäre zweifellos entlaufen, wenn er es wirklich ernsthaft gewollt hätte. Über solche Menschen wie Petrow hat die Vernunft nur so lange Gewalt, bis sie ein starkes Verlangen nach etwas spüren. Dann gibt es auf der ganzen Welt kein Hindernis für ihren Willen. Ich bin aber überzeugt, daß er sich bei einer Flucht sehr geschickt angestellt hätte und imstande gewesen wäre, eine ganze Woche ohne Brot irgendwo im Walde oder im Flußschilf zu sitzen. Anscheinend war er auf diesen Gedanken noch nicht gekommen und von diesem Verlangen noch nicht ganz gefangengenommen. Viel Überlegung und praktischen Sinn habe ich bei ihm niemals bemerkt. Solche Menschen werden mit einer einzigen fixen Idee geboren, die sie ihr Leben lang unbewußt hin und her treibt; sie werfen sich ihr Leben lang unruhig hin und her, bis sie eine ihrem Geschmack entsprechende Tätigkeit gefunden haben; dann ist ihnen auch ihr Kopf nicht zu teuer. Zuweilen mußte ich staunen, wie widerspruchslos sich dieser Mensch, der seinen Vorgesetzen wegen Schlägen erstochen hatte, mit Ruten züchtigen ließ. Er wurde manchmal dieser Strafe unterzogen, wenn man ihn beim Branntweinschmuggel erwischte. Diese Strafe ließ er aber gleichsam mit eigener Zustimmung über sich ergehen, als sei er sich bewußt, daß er sie verdient habe; andernfalls ließe er sie sich niemals gefallen und würde sich eher totschlagen lassen. Ich wunderte mich auch, wenn er mich, trotz seiner scheinbaren Anhänglichkeit, bestahl. Das überkam ihn periodisch. Er war es, der mir meine Bibel gestohlen hatte, die er auf meine Bitte von einem Platz nach einem andern tragen sollte. Es handelte sich um einen Weg von nur wenigen Schritten, aber er brachte es fertig, unterwegs einen Käufer zu finden, die Bibel zu verkaufen und das Geld zu vertrinken. Er hatte wohl großes Verlangen zu trinken, und wenn er etwas wollte, so mußte es auch geschehen. So ein Mensch ist imstande, seinen Mitmenschen wegen eines Viertelrubels abzuschlachten, um für diesen Viertelrubel ein Fläschchen Schnaps zu kaufen, während er zu einer andern Zeit sich auch hunderttausend Rubel entgehen ließe. Abends setzte er mich selbst über den Diebstahl in Kenntnis, tat es aber ohne jede Verlegenheit oder Reue, vollkommen gleichgültig, als handelte es sich um ein ganz gewöhnliches Erlebnis. Ich versuchte ihn ordentlich auszuschimpfen, auch tat mir meine Bibel leid. Er hörte mir gleichmütig und sogar ruhig zu; er stimmte mir bei, daß die Bibel ein sehr nützliches Buch sei, bedauerte aufrichtig, daß ich sie nicht mehr habe, bereute aber durchaus nicht, daß er sie selbst gestohlen hatte; er sah mich mit solchem Selbstvertrauen an, daß ich sogar zu schimpfen aufhörte. Mein Schimpfen ließ er sich aber gefallen, weil er sich wohl sagte, daß ich nicht umhin könne, ihn wegen solcher Handlungsweise auszuschimpfen; also solle ich mein Herz erleichtern und mir durch Schimpfen Trost verschaffen; die ganze Sache sei aber eine solche Bagatelle, daß ein vernünftiger Mensch sich schämen müsse, über sie zu sprechen. Ich glaube, er hielt mich überhaupt für ein Kind, fast für einen Säugling, der die allereinfachsten Dinge nicht begreifen könne. Wenn ich selbst mit ihm ein Gespräch über etwas anderes als über Wissenschaften und Bücher anknüpfte, so antwortete er mir zwar, aber gleichsam nur aus Höflichkeit, und beschränkte sich auf die kürzesten Repliken. Ich fragte mich oft: was gehen ihn alle diese Bücherweisheiten an, nach denen er mich gewöhnlich fragt? Manchmal beobachtete ich ihn bei solchen Gesprächen, ob er nicht über mich lache. Aber nein, gewöhnlich hörte er mir aufmerksam und ernst zu, allerdings auch nicht allzu aufmerksam, und über diesen letzteren Umstand ärgerte ich mich zuweilen. Seine Fragen formulierte er genau, bestimmt, äußerte aber kein übertriebenes Erstaunen über die Antworten, die ich ihm gab, und nahm sie sogar zerstreut auf . . . Ich hatte ferner den Eindruck, daß er sich, ohne viel Kopfzerbrechen gesagt habe, man könne mit mir nicht so wie mit den anderen Menschen sprechen, und ich sei nicht imstande, außer Gesprächen über Bücher etwas zu begreifen, so daß es keinen Zweck habe, mich mit anderen Dingen zu belästigen.

Ich bin überzeugt, daß er mich sogar gern mochte, und darüber wunderte ich mich sehr. Ob er mich für einen nicht ernst zu nehmenden, nicht ganz erwachsenen Menschen hielt oder mir gegenüber jenes eigentümliche Mitleid empfand, das jedes starke Geschöpf instinktiv gegen ein schwächeres empfindet, weiß ich nicht. Obwohl ihn dies alles nicht hinderte, mich zu bestehlen, bin ich doch überzeugt, daß er mich, indem er mich bestahl, bedauerte. »Ach,« sagte er sich vielleicht, wenn er bei mir etwas stahl, »was ist das für ein Mensch, der nicht mal sein Hab und Gut zu schützen versteht!« Aber vielleicht mochte er mich gerade aus diesem Grunde so gern. Einmal sagte er mir selbst, wie unabsichtlich, ich sei »ein gar zu guter Mensch«; oder: »Sie sind so gutmütig, so gutmütig, daß Sie einem leid tun. Aber nehmen Sie es mir nicht übel, Alexander Petrowitsch,« fügte er nach einer Minute hinzu, »es kam mir wirklich vom Herzen.«

Mit solchen Menschen passiert es manchmal im Leben, daß sie bei Gelegenheit irgendeiner großen, allgemeinen Aktion oder Umwälzung ihre eigentliche Betätigung finden. Sie sind nicht Menschen des Wortes und können nicht die Urheber und Hauptführer einer solchen Aktion sein; aber sie sind stets die ausführenden Elemente und fangen zuerst an. Sie tun es einfach, ohne großes Geschrei, bringen aber die Sache ohne zu schwanken und ohne Angst über die wichtigsten Hindernisse hinweg, indem sie allen Dolchen entgegentreten, – und alle stürzen ihnen nach und folgen ihnen blindlings bis zur letzten Mauer, wo sie sich gewöhnlich die Köpfe einrennen. Ich glaube nicht, daß Petrow ein gutes Ende genommen hat; er mußte in irgendeinem Augenblick zugrunde gehen, und wenn er noch immer nicht zugrunde gegangen ist, so bedeutet es nur, daß die Gelegenheit für ihn noch nicht gekommen ist. Wer weiß übrigens? Vielleicht wird er alt und grau werden und ruhig im hohen Alter, sich immer zwecklos hin- und hertreibend, sterben. Aber ich glaube, M. hatte recht, wenn er sagte, er sei der entschlossenste Mensch im ganzen Zuchthause gewesen.

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