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Aufstieg der Begabten

Max Barthel: Aufstieg der Begabten - Kapitel 6
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pfad/barthel/aufstieg/aufstieg.xml
typefiction
authorMax Barthel
titleAufstieg der Begabten
publisherDER BÜCHERKREIS
year1929
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderAlexander Barthel
created20111110
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HERR HONDT BIETET AN

Es gibt eine große Untersuchung darüber, ob der Vater seine Kinder mehr liebt als die Mutter. Marianne Hull hatte die Mutter in ganz jungen Jahren verloren, und als ihr Herz zum erstenmal die Liebe spürte, war es eine Liebe von den Männern. Zuerst war der Vater da, dann der Jüngling im Zirkus, der junge Maler in Konstanz, der Kaufmann der Lehrzeit und dann in Berlin Georg Hammer. Immer standen Männer um die Marianne Hull.

Eugen Hull, der Vater, war verzweifelt, als die Tochter floh, er weinte und wütete, aber dann begann sein Blut zu sprechen und gab Marianne recht. Der Bote des Schicksals ertrug sein Schicksal. Neue Nachrichten aus Berlin erfüllten ihn mit Stolz. Seinen Kollegen erzählte er große Geschichten vom Film und der unerhörten Begabung Mariannes, aber das waren Räubergeschichten. Das Mädchen saß immer noch in den Cafés und wartete auf Arbeit.

Und nun war Flora gekommen, hatte Nürnberg hinter sich und wollte in Berlin die Welt erschüttern. Marianne führte die Freundin in die Filmbörse, in das Café »Urania«, und als die beiden Mädchen an dem bekannten Ecktisch saßen, tauchte Herr Aribert Hondt auf. Er tat sich sehr wichtig und suchte für eine neue Tanztruppe junge Mädchen. Er war nicht allein. Ihn begleitete ein älterer Herr, der sich für junge und noch jüngere Mädchen interessierte. Er war wie ein Stutzer gekleidet und wurde von Hondt als »Herr Direktor« angesprochen. Dieser Herr Direktor war reich und hatte ein verlebtes Gesicht.

»Das Fräulein Hull!« sagte Hondt und kam auf den Tisch zu, an dem Marianne mit Flora saß, »das Fräulein Hull! Und ich habe immer auf einen Besuch in meinem Büro gewartet. Sind Fräulein Hull frei?«

»Um was handelt es sich denn?« fragte sie vorsichtig.

»Wir stellen eben eine neue Tanztruppe zusammen. Das wird eine große Sache. Wir treten zuerst in Berlin auf und fahren dann vielleicht ins Ausland. Haben Sie Lust, Fräulein Hull?«

»Ich kann ja nur ganz schlecht tanzen!« lachte sie. »Darf ich vorstellen?« fragte sie dann und stellte vor: »Das ist meine Freundin Flora und das ist Herr Hondt.«

Hondt verbeugte sich leicht und sagte:

»Sehr angenehm,« und fuhr fort: »tanzen kann man sehr leicht lernen. Aber warten Sie immer noch auf die Bühne oder den Film?«

»Ich habe ja schon Arbeit. Morgen soll ich mich in Staaken bei der »Luna« melden.«

»Das ist sehr schade!« sagte Hondt und verzog das Gesicht. Dann flüsterte er: »Einen Moment bitte, ich komme sofort zurück, ich will mich mit dem Herrn Direktor besprechen« und ging zu dem Herrn im Hintergrund, zu dem Herrn Müller und zog ihn in ein Gespräch.

»Woher kennst du den Herrn Hondt?« fragte Flora. »Von der Reise,« sagte Marianne. Hondt kam zurück.

»Das trifft sich ja ausgezeichnet,« sagte er lächelnd, »unser Direktor will da verschiedene Tänze agieren und für jeden Tanz einen kleinen Film drehen lassen. Wir bieten zwanzig Mark pro Tag und Aufnahme. Die »Luna« läuft Ihnen ja nicht davon, Fräulein Hull.

Wir brauchen zuerst drei junge Mädchen und eine ältere Dame. Wir würden zuerst eine kleine Probe vorschlagen, um zu prüfen, und für diese Stunde auch zwanzig Mark auswerfen. Das Fräulein Flora nehme ich sofort, wenn auch Sie zusagen. Das verpflichtet ja zu nichts. Wir könnten heute sofort mit der Probe beginnen.« Flora war begeistert.

»Ach, ja, Herr Hondt,« sagte sie, »und ich kann auch tanzen.« Marianne zögerte immer noch.

»Schön,« sagte sie endlich, »ich mache die Probe mit. Heute bin ich ja frei. Und wo soll geprobt werden?«

»In meinem Büro,« sagte Hondt, »und wenn Sie erlauben, werde ich das dritte Fräulein und die ältere Dame aussuchen.«

Marianne erlaubte es, und Hondt suchte sich unter den Mädchen das Fräulein Nastja aus und schleppte dann die dicke Frau Möller mit an den Tisch. Bald zog die ganze Gesellschaft los nach dem Büro des Herrn Hondt. Der angebliche Herr Direktor hielt sich sehr im Hintergrund. Hondt führte das Gespräch. Sein Büro war bald erreicht. Er lag unweit der Friedrichstraße in einem Hinterhaus und bestand aus zwei großen Zimmern, in denen immer Licht brennen mußte. Im kleineren Zimmer saß eine blasse Stenotypistin an der Schreibmaschine. Das Arbeitszimmer des Agenten war mit grellen Plakaten und vielen Photos ausgeschmückt.

»Hier herein, Herrschaften,« sagte Hondt und öffnete sein Zimmer. Sie traten ein und legten ab. Frau Möller lachte leise, Flora und die Russin vertrugen sich nicht besonders. Sie waren aufgeregt. Marianne blieb kühl.

Der nicht vorgestellte Herr Direktor setzte sich an ein altes Klavier und klapperte den dummen Trott eines Schlagers.

»Also los, meine Damen,« begann Hondt, »wir stellen eine Tanztruppe zusammen, aber wir wollen diese Tänze durch kleine Beifilme illustrieren. Wir könnten ja auch Damen nehmen, die schon gespielt haben, aber wir wollen etwas ganz Neues zeigen. Wir sind Geschäftsleute und denken, daß unser Publikum auch gern unbekannte Gesichter sieht, und wenn diese Gesichter dann noch zur Tanztruppe gehören! Wenn die Damen gestatten, können wir anfangen.«

Er rückte einen Tisch in die Mitte des Zimmers, holte zwei Stühle heran und staubte sie mit einem Tuch ab. Der Herr Direktor spielte immer noch und tat ganz unbeteiligt.

»Die Sache ist also die, meine Damen, wir wollen heute prüfen, inwieweit Sie sich für die geplanten Beifilme eignen... Stellen wir uns vor: ein Apachentanz soll gezeigt werden. Nun gut, dazu zeigen wir einen solchen Keller im Lichtbild. Heute ist nun der Keller mein Arbeitszimmer, und wir stellen uns vor, er sei ziemlich leer. Aber das macht nichts. Nur die Wirtin ist im Keller. Sie sitzt am Tisch und legt Karten. Sie ist nämlich als gute Kartenlegerin bekannt. Haben Sie, meine Damen, die Situation verstanden? Frau Möller, wollen Sie bitte an diesem Tisch Platz nehmen?«

Frau Möller nahm Platz und Hondt gab ihr ein Paket Karten. Sie feuchtete die Karten an und legte sie dann in schmalen Reihen über den Tisch. Sie hatte schon oft für sich selber Karten gelegt. Ihr Gesicht war ganz bei der Arbeit und wie verjüngt.

»Schön,« sagte Hondt, »jetzt geht es weiter. Fräulein Nastja, darf ich bitten?« Nastja kam.

»Sie haben einen Freund, einen berühmten Fassadenkletterer« erklärte er, »dieser Freund hat eine große Tour vor. Er will Schmuck holen. Und nun gehen Sie zur Kartenlegerin, um von ihr über den Ausgang der Sache etwas zu erfahren. Haben Sie verstanden?«

»Serr gutt,« sagte Nastja, »ich kommen in die Keller und ich lieben Freund.«

»Ja, Sie lieben den Freund. Aber noch eine andere Dame liebt den Freund. Das soll heute Fräulein Flora sein. Und das Fräulein Flora kommt, wenn Sie noch bei der Kartenlegerin sind, und will sich auch wahrsagen lassen. Und was gibt es da?«

»Eine ganz große Skandal!«

»Schön, einen Skandal. Und nun, Frau Möller, können wir beginnen.« Nastja kam an den Tisch. »Einen Augenblick bitte,« sagte Hondt, »das Spiel geht ungefähr so: Frau Möller legt die Karten und erzählt: Sie – also Fräulein Nastja – Sie kommen wegen ihren Freund Er hat eine sehr große Sache vor. Ich sehe viele Steine blitzen. Das bedeutet viel Glück. Aber hier liegt eine Dame, eine blonde Dame, und das bedeutet kein Glück. Diese Dame will sich zwischen ihre Liebe drängen. Und von der Dame droht Ihnen große Gefahr. Das also sagt Frau Möller, und im selben Augenblick kommt auch die Dame.«

»Und was habe ich zu spielen?« unterbrach ihn Marianne. »Sie spielen die große Künstlerin, die mit ihrem Kavalier in den Keller kommt, um das Volk kennenzulernen,« sagte Hondt.

»Und wer ist hier der Kavalier?« Hondt wurde verlegen.

»Ach,« sagte er leicht hin, »den kann vielleicht Herr Direktor Müller spielen.«

Der noch nicht vorgestellte Herr unterbrach das Spiel und verbeugte sich.

Dann musizierte er weiter.

Die erste Szene begann.

Frau Möller saß schwer und breit an dem Tisch und legte ihre Karten. Durch eine nicht vorhandene Tür tänzelte Nastja und kam an den Tisch. Sie trug ihre Wünsche vor und lächelte dabei ein wenig überlegen. Dann nahm sie Platz. Frau Möller mischte die Karten, bot sie der Russin dar und ließ einige Blätter ziehen. Lächelnd zog Nastja vier Karten, und dann verlief das Spiel in der von Hondt angegebenen Richtung. Der kleine Agent spielte den Regisseur und ließ diese Szene einigemal wiederholen, bis das Gesicht Nastjas wie eine schnell wechselnde Landschaft im April war. Aus Spott und Hohn flatterte Staunen, dann kam der Ernst und brachte die Freude über den Erfolg des Freundes, aber die Freude stürzte in einen Abgrund voller Haß, als die Rede auf die blonde Dame kam, die das Glück störte. Hondt lobte das Spiel und Nastja und auch Frau Möller tranken das Lob gierig ein, wie ausgedörrter Sommerboden den Regen eintrinkt.

Nun trat Flora auf.

Die beiden Mädchen waren vollkommene Gegensätze. Die Russin hatte sich westlich aufgemacht und schwärmte für Paris. Ihr Mund war geschminkt. Ihre Hände schimmerten wohlgepflegt. An den kleinen Ohren schwangen große, grüne Anhänger. Um den schönen Hals trug sie eine Perlenkette. Nastja hatte sich gut in die Rolle eingelebt. Jede Rolle ist ja wie ein Motor, der die Spielerin ankurbelt und vorwärts treibt. Und als nun Flora ebenfalls durch die nichtvorhandene Tür in die Spelunke trat, haßte sie das deutsche Mädchen mit der ganzen Leidenschaft einer verratenen Frau. Flora spielte schlecht.

Sie war ein pathetisches Mädchen und war den wirren Weg über eine verworrene Jugendbewegung gegangen. Zuerst war sie beim Wandervogel, dann stand sie bei den Monisten und raste vor den jungen Menschen ihre Literaturliebe aus. Sie gab Abende in den Gruppen und trug Schiller, Toller, Becher und Strindberg vor. Dann kam sie an eine kleine Schmiere in Konstanz und von da nach Nürnberg. Sie war Naturkind und trug die schwarze Russenbluse aus politischer Überzeugung. Sie war mehr für Tolstoi als für Lenin. Die erste Jugend lag hinter ihr, sie war nun dreiundzwanzig Jahre alt und kannte Zuckmeyer persönlich. Aus dieser flüchtigen Bekanntschaft machte sie einen ganzen Roman.

Flora spielte billiges Theater und erwiderte den Haß der Russin aus ganzer Seele. Sie trat in den Keller, sah die Rivalin bei der Kartenlegerin und zuckte zusammen, als sei sie auf eine giftige Schlange getreten. Nastja hob den Kopf und zeigte ein wildes Gesicht, in dem Haß und Schrecken gewitterten. Sie ließ die Karten fallen und sprang auf Flora zu, fauchte wie eine wilde Katze und packte ihren Arm. Sie stampfte mit dem Fuß auf die Erde und keuchte sehr. Flora wurde tragisch, schüttelte die Hand ab, rollte den Kopf und die Augen und stolzierte mit heldenhaften Gebärden aus dem erdachten Keller. Hondt hatte alles kritisch betrachtet und griff nun ein.

»So ist das unmöglich, meine Damen,« sagte er, war selbst von der Rolle begeistert und rieb seine Hände. »So geht das leider unmöglich. Wir müssen viel viel langsamer spielen, die Kamera kann ja die Bilder nicht fassen. Nicht so heftig, meine Damen, spielen wir doch einfach so: »er führte Flora beiseite, »ich werde mir erlauben, die Rivalin zu zeigen.«

Nastja und Frau Möller waren wieder mit den Karten und dem großen Schicksal beschäftigt, Herr Hondt kam ahnungslos in das Spiel, Nastja blickte auf und verwandelte zum letztenmal ihr Gesicht. Herr Hondt war ein guter Schauspieler und sehr sparsam mit seinen Gesten. Er trat einen Schritt zurück, wie um Abstand zu gewinnen, und musterte die wilde Nastja so vernichtend, daß sie von ganz allein ihren Haß zügelte. Dann entfernte er sich majestätisch.

»So müssen wir spielen, meine verehrten Damen,« sagte er, »Fräulein Nastja ist gut und auch Frau Möller kann so bleiben, aber das Fräulein Flora darf nie vergessen, daß der Film kein Theater ist. Noch einmal bitte.«

Noch einmal ging die Szene und mußte zum drittenmal wiederholt werden. Flora bebte vor Wut. Am liebsten hätte sie die Rolle hingeworfen und sich zu Toller oder Tolstoi geflüchtet, aber sie war alt genug, in dem Spiel eine Chance zu wittern. Also spielte sie und nahm sich sehr zusammen. Herr Hondt, der den Zweck der Übung vollkommen vergessen hatte, war bei der Sache und ließ keine Schlamperei durchgehen. Herr Müller hatte das Klavier verlassen und sah interessiert zu.

»Machen wir schon Schluß,« sagte er wohlwollend, »ich denke, wir prüfen jetzt das Fräulein Hull.« Hondt war sofort bereit.

»Die Damen bleiben beim Spiel,« sagte er, »und die Geschichte ist nun so, daß Sie sich versöhnt haben. Sie sitzen am Tisch, und nun müssen wir uns imaginäre Personen vorstellen, die den Keller füllen. Die große Tänzerin Marianne Hull kommt mit ihrem Freund in das Lokal. Das wollen wir, bitte, proben. Auch Sie, meine Damen, spielen mit. Diese Szene ist sehr schwierig: zwei Welten sollen sich berühren, ohne zusammenzustoßen. Fräulein Hull, Herr Direktor Müller, darf ich bitten.«

Um den einen Tisch lümmelten sich die beiden Mädchen und Frau Möller, Nastja ließ sich gehen, zeigte die schönen Beine und war immer noch mit ihrem Haß gegen Flora beschäftigt, der durchaus kein Theaterhaß war, sondern aus tiefster Abneigung entsprang. Flora gab sich als besseres Mädchen aus gutem Haus, das einmal in die Tiefe des Volkes gestiegen ist, um seine Laster und Tugenden zu studieren. Herr Müller führte Marianne in den Keller.

Müller kannte die Keller schon und wußte sich gut zu benehmen. Marianne kannte noch keinen Keller, aber sie benahm sich noch viel besser. Als vollendete Dame betrat sie den Raum und ging stolz durch die Reihen der nur gedachten Schauspieler. Als sie den Tisch mit Frau Möller und den beiden Mädchen sah, blickte sie interessiert auf, wie man im zoologischen Garten bei seltenen Tieren interessiert aufblickt. Dann verzog sie das Gesicht und stäubte langsam ein gedachtes Staubkörnchen vom Ärmel. Die Augenbrauen waren ganz hohe und steile Bogen, über die der Hochmut stolzierte. Aber als Herr Müller ihren Arm doch ein wenig zu fest drückte, bekam er einen Blick, daß er zusammenfuhr und ein ganz behutsamer Gentleman wurde.

»So ist es ausgezeichnet,« lobte Herr Hondt, »anders und besser kann auch die Bergner nicht spielen. Vor so einer Begabung muß man ganz still sein. Da kann man nur staunen und lernen, meine Damen. Da braucht man keine großen Worte. Was meinen Sie, Herr Direktor?«

Frau Möller lächelte mütterlich, die Russin blieb gleichgültig und Flora war erstaunt. Müller hatte Mariannes Arm freigegeben. Sie hörte das Lob, aber bevor sie noch Zeit hatte, zu erröten oder stolz zu werden, begann im Vorzimmer, wo die Stenotypistin an der Schreibmaschine saß, ein lauter Lärm. Eine helle Mädchenstimme stritt sich dort herum. Plötzlich wurde die Türe aufgerissen, und die kleine Gritt Eisemann stürzte ins Zimmer.

»Die da wollte mich nicht hereinlassen, sie sagte, Sie seien sehr beschäftigt...« sagte sie und stutzte, als sie den Besuch entdeckte. Müller fuhr erschrocken zusammen und wollte sich unsichtbar machen, Hondt rang verzweifelt die Hände. Dann versuchte er mit seinem breiten Rücken, Herrn Müller zu verdecken. Gritt kam näher, schob den Agenten beiseite und stellte sich vor Herrn Müller großartig auf.

»Da ist ja der feine Herr!« sagte sie mit leiser und drohender Stimme, »da ist ja der Galan. Was wird denn hier für ein Theater gespielt, he?«

Hondt schwieg mürrisch.

»Das geht Sie einen Dreck an,« knurrte er.

Gritt ließ sich nicht verblüffen.

Sie blickte im Zimmer umher und fand Marianne.

»Ach,« sagte sie höhnisch, »Sie sind auch dabei? Was hat euch denn der Herr Hondt für Geschichten erzählt, um euch in seine Räuberhöhle zu locken?«

»Eine Tanztruppe soll aufgestellt werden!« antwortete Frau Möller und wußte plötzlich alles.

»Und dazu soll ein Beifilm gedreht werden, was?« kicherte Gritt.

»Serr richtig,« sagte Nastja.

»Immer derselbe alte Schwindel,« sagte Gritt wütend, »immer der alte Bluff! Zwanzig Mark sollt ihr für die Probe bekommen. Die Probe verpflichtet zu nichts. Aber wenn es soweit ist, soll die Tanztruppe zuerst in Berlin auftreten und dann ins Ausland fahren. Nach Paris oder Bukarest? Ja, ist das so? Und der Herr da,« sie zeigte auf Müller, »der Herr da ist der Direktor?«

»So wurde er uns vorgestellt,« sagte Marianne.

Gritt lachte verächtlich.

»Das ist alles Schwindel,« sagte sie dann, »der Kerl da ist immer nur solange Direktor, bis er eins von den kleinen Tanzmädels gekapert hat. Dann läßt er's laufen und kennt's nicht mehr. Wir wissen Bescheid! Und der feine Herr Hondt bringt immer frische Ware heran.«

»Fräulein Eisemann,« begann Hondt und stellte sich in Positur, »Sie sind eine ganz unverschämte Person. Verlassen Sie sofort mein Zimmer, oder ich...«

Gritt ließ sich nicht verblüffen.

»Ich bleibe wo ich bin,« sagte sie, »und wenn Sie Lust haben, können Sie ja die Polente anklingeln. Dort ist das Telephon. Bitte sehr.«

Herr Müller versuchte den Raum zu verlassen.

»Hiergeblieben, schöner Herr,« sagte sie und stellte sich ihm in den Weg, »hiergeblieben, wir haben noch eine kleine Rechnung zu begleichen.«

Herr Müller blieb.

Flora hatte mit theatralischem Gesicht zugehört. Auch in der Provinz an den üblen Schmieren hatte sie allerlei erlebt, aber diese sonderbare Geschichte zwischen der kleinen Gritt, dem etwas farblosen Herrn Hondt und dem eleganten Herrn Müller war mehr als Schmiere, war selbst wie Theater: Tragödie oder Lustspiel, sie wußte es noch nicht genau. Nastja blieb träge. Ein sonderbares Volk, die Deutschen, dachte sie, nach außen sind sie die Moral selbst, aber das ist nur wie eine Filzverkleidung in einem abgedämpften Zimmer, damit kein Laut in die Öffentlichkeit dringt.

Marianne sagte kein Wort. Sie nahm langsam ihren Mantel und spürte in der Handtasche den chinesischen Götzen. Dann ging sie zu Hondt und blickte ihn neugierig an. Auch sie verstand endlich, daß diese Probe nur Theater war, und daß dieses Theater in der Hauptsache um sie gespielt wurde: sie sollte die neue Freundin des Herrn Müller sein! Sie nahm diese Erkenntnis gleichgültig hin wie das Wetter. Sie stand vor dem Agenten Aribert Hondt und sagte mit ganz leiser Stimme:

»Diesen Tag werde ich Ihnen in meinem ganzen Leben nicht vergessen, Herr Hondt.« Dann ging sie fort.

Nastja und Flora folgten ihr überstürzt. »Ja, lauft nur davon wie kleine Kinder, wenn es blitzt und donnert,« rief ihnen Gritt Eisemann nach.

Frau Möller blieb noch die kurze Zeit, die notwendig war, um das versprochene Honorar für sich und ihre Kolleginnen einzukassieren. Herr Hondt zahlte das Geld und versuchte, die ganze Geschichte auf dumme Mißverständnisse zurückzuführen, aber der Streit, der zwischen Gritt und Herrn Müller ging, widerlegte das Geschwätz ohne Debatte. Müller spielte eine erbärmliche Rolle. Er hatte Angst vor einem Skandal und versuchte, das aufgeregte Mädchen mit allen Mitteln still zu machen. Gritt wurde auch bald still: Herr Müller zog seine Brieftasche und kaufte sich mit einer größeren Summe frei. Als die Sache erledigt war, schnauzte Hondt die Stenotypistin furchtbar an, weil sie an der halboffenen Türe gelauscht hatte. Sie fuhr erschrocken zurück und saß wieder an der klappernden Maschine, als Frau Möller mit Gritt die zweifelhafte Agentur verließ.

»Da hätten wir wieder einmal Glück gehabt, wenn es auch nur Glück im Unglück war,« sagte Gritt auf der Straße und erzählte: »Vor fünf Wochen hat mich Hondt mit sieben anderen Mädchen für eine Tanztruppe verpflichtet. Vorher sollten wir erst für einen Beifilm proben. Genau so wie ihr heute. Und der Herr Müller – wie der Kerl richtig heißt, weiß ich nicht – der Herr Müller war auch da. Na ja, wir haben geprobt, es war schon abends, und nachher wurden wir zu Hiller eingeladen. Wir haben gut gegessen und viel zu viel getrunken, am andern Morgen wachte ich mit Müller in einem fremden Hotelzimmer auf. Wir fuhren dann in die Stadt, und dort hat mich der Herr versetzt...«

»Und die andern Mädels?« fragte Frau Möller.

»Die traten auf. Nach einer Woche. In einem Vorstadtbums und verschwanden dann lautlos in der Versenkung. Vor einigen Tagen traf ich eine von den Sieben. Und das Schaf war über die Tänzerei noch glücklich. Sie hat jetzt den Fimmel und will sich weiter ausbilden. Sie ist auf der Suche nach einem Freund. Da kam ich Dussel endlich auf die Idee, Hondt die Bude einzulaufen und fand meinen eleganten Kavalier von damals. Aber das Hauptschwein ist doch der Hondt!«

Dann lachte Gritt.

»Hundert Eier habe ich doch noch herausgeschlagen, Frau Möller,« sagte sie, »es war nur gut, daß ihr gerade bei der Probe gewesen seid. Auf Wiedersehen und grüßen Sie die andern Damen schön.«

Sie winkte mit der Hand und sprang auf einen Autobus.

Frau Möller spazierte die Friedrichstraße entlang und ging ins Cafe »Urania«. Dort traf sie Marianne, Nastja und Flora. Sie legte für jede die zwanzig Mark auf den Tisch.

»Da ist der Zimmt!« sagte sie strahlend.

Flora starrte entgeistert auf das Geld.

»Da klebt Schmutz daran!« sagte sie und nahm mit spitzen Fingern die Banknote.

Nastja lächelte verächtlich.

»Das hätte ja eine Bescherung geben können, wenn die kleine Gritt nicht gekommen wäre, Marianne,« sagte Frau Möller. »So ein Wüstling, so ein elender. Der Hauptlump aber ist der famose Hondt. Und ich dumme Gans habe es erst gemerkt, als die Eisemann angetanzt kam. Ich könnte mich selber ohrfeigen... Aber die hat es den Kerlen gründlich besorgt. Ich glaube kaum, daß sie in der nächsten Zeit wieder so einen Laden aufmachen!«

»Vielleicht, vielleicht auch nicht,« antwortete Marianne und war gedankenvoll.

Sie saßen noch eine kleine Weile zusammen und besprachen die Geschichte mit Herrn Hondt. Frau Möller war dafür, die Sache auf der Polizei zu melden, Nastja erzählte Atelierklatsch aus Moskau, Flora machte sich wichtig mit einer Liebschaft in Nürnberg. Endlich hatten sie ihre Herzen erleichtert und gingen auseinander. Frau Möller ging nicht zur Polizei, sie fuhr mit der Bahn nach dem Norden, Nastja wohnte im Westen, Flora im Osten, und nach Süden, nach Steglitz, fuhr Marianne Hull. Diese vier Menschen trennten sich und trugen die Gedanken an das Erlebnis in alle vier Windrichtungen der Millionenstadt Berlin. Und als sie das nächste Mal wieder zusammentrafen, wurde die ganze Geschichte mit keinem Wort erwähnt.

Am andern Tag fuhr Marianne mit Georg nach Staaken hinaus.

Sie passierten den strengen Portier, und dann sah das Mädchen zum erstenmal die Technik des Films, die verwirrenden Einzelheiten der Arbeit, das grelle Licht der Lampen, die vielfältigen Kulissen und das wilde Durcheinander der Aufnahmen. Die Szenen im Film wurden nicht der Reihe nach, wie es im Drehbuch vermerkt war, gespielt, sie rollten sich nicht ab wie die Szenen im Theater, hier im Atelier ging auch die Aufnahme nach bestimmten Gesetzen, die von der Dekoration und vielen andern Dingen abhängig waren. Diese wirren Bildstreifen ordneten sich dann in der Montage unter den scharfen Augen der Regisseure.

Georg hatte sich geschminkt und war bei der Arbeit. Die Dekoration zeigte einen Jahrmarkt, in dessen Mitte eine Zirkusarena zu sehen war. Man sah schwarze und weiße Pferde, drei gezähmte Löwen, zwei Trapezkünstler, einen Messerwerfer und einen Feuerschlucker, die schöne Tänzerin und den armen Clown, der in sie verliebt war und ihren Spott ertragen mußte. Der Clown war Georg. Er war ganz in sein Spiel vertieft, und man konnte hinter seiner grellen Maske das Gesicht eines Leidenden sehen. Er spielte gut, das Zirkusblut trieb ihn vorwärts, und Reinacker sagte:

»Er ist wirklich gut, der Georg, er spielt viel besser als der Kruse, den wir sonst hatten. Beim nächsten Film wollen wir auch an Sie denken, Fräulein Hüll. Wir werden das Kind schon schaukeln.«

»Das Kind will geschaukelt werden, Herr Reinacker,« sagte sie und lächelte.

Unter den Komparsen, die mitspielten, entdeckte sie auch Gritt Eisemann. Sie war Programmverkäuferin, und als sie Marianne sah, nickte sie ihr zu. Sie war kühl und sicher, die kleine Gritt, und als eine neue Einstellung kam, war sie geschickt genug, sich in das Bild zu schmuggeln. Sie wußte sich immer in das rechte Licht zu stellen. Einige Szenen wurden gedreht, Musik hämmerte, gedämpft kam Tumult anderer Aufnahmen herüber, und als die Mittagspause kam, wurde sie von Reinacker mit Georg in die Künstlerklause eingeladen. Sie sollte dem jungen Regisseur vorgestellt werden.

Der junge Regisseur interessierte sich auch für Marianne und versprach eine Prüfung. Das Glück schien ihr zu lächeln, aber es war nur das kleine Glück, denn als eben diese Probe besprochen wurde, kam Lyssander mit Bencke und Kreß. Sie setzten sich an einen Ecktisch und waren in ein Gespräch vertieft. Kreß war ausgezeichneter Laune, bei einem Brande voriger Woche waren auch von seiner Firma eine große Reihe alter Negative mitverbrannt. Sie waren gut versichert. Sie brachten 100 000 Mark. Dann hatte er mit Lemansky über Dolora einen Vorvertrag abgeschlossen, der 20 000 Mark bringen sollte. Kreß hatte viel Glück.

»Und wo bleibt die Madonna?« fragte er Lyssander.

Lyssander wurde melancholisch.

»Das dort, der Herr links ist Lyssander,« sagte leise Reinacker zu Georg. »Der Mann mit dem dicken Gesicht in der Mitte ist Kreß und der Mann neben ihm ist Bencke.«

»Das ist Lyssander?« flüsterte Georg, »Reinacker, an den habe ich doch eine Empfehlung, ich werde mich ihm vorstellen.« Aber ehe er sich noch vorstellen konnte, kam Lyssander leichtfüßig herüber, verbeugte sich vor Marianne und sagte:

»Darf ich gnädiges Fräulein um eine kurze Unterredung bitten?«

Marianne verwandelte sich in eine große Dame. Sie nickte Georg zu, dann erhob sie sich und folgte Lyssander. Er führte sie durch den Raum nach dem kühlen Flur und von da durch einen Blumengarten, in dem Lorbeerbäume, Oleander und kleine Palmen standen. Er ging weiter, und bald standen sie vor der Halle. Die Sonne glühte über den wogenden Feldern. Marianne blieb stumm. Lyssander brach das Schweigen.

»Fräulein Hull,« sagte er demütig, »zuerst muß ich um Verzeihung bitten. Ich habe mich damals schmählich betragen.«

»Ich verzeihe, Herr Lyssander.« Er drückte ihre Hand.

»Wie kommen Sie nach Staaken?« fragte er dann.

»Ich bin auf Besuch. Die »Luna« will eine Probeaufnahme von mir machen.«

»Was die »Luna« kann, kann die »Lux« schon lange, Fräulein Hull,« sagte Lyssander, »die »Lux« bietet größere Chancen.«

»Aber ich habe doch schon so gut wie zugesagt!«

»Keine Angst, wir werden das mit der »Luna« schon erledigen... Ich habe immer an Sie gedacht, Fräulein Hull,« fuhr er fort und seufzte, »wir haben eine neue Sache vor, und da habe ich gedacht, wenn Sie eine Rolle übernehmen könnten. Wie sehr habe ich an Sie gedacht!«

»Ich habe auch an Sie gedacht,« sagte Marianne und spielte großes Spiel. Sie wußte genau, daß dies die Stunde der Entscheidung war.

»Gut oder böse?«

»Mehr böse als gut.«

»Bei mir war es gerade umgekehrt,« sagte er, »aber nun bin ich glücklich, daß ich Sie gesprochen habe. Wir haben eine Bombenrolle frei. Und wenn alles gut geht, können Sie die Rolle spielen.«

»Und Dolora King?«

»Das wissen Sie auch schon? Berlin ist ein Dorf. Fräulein Anna Meyer verläßt leider unsere Firma.« »Wer ist Anna Meyer?« »Dolora King!« Jetzt lachte Marianne.

»Schön,« sagte sie, »ich stehe zu Ihrer Verfügung.« Sie tat immer noch kühl, aber ihr Herz triumphierte.

»Dann wollen wir alles mit Herrn Kreß besprechen,« sagte Lyssander. »Darf ich bitten, Fräulein Marianne?« Er führte sie zurück und sagte, als er an den Tisch kam: »Darf ich vorstellen: Marianne Hull, Herr Kreß, Herr Bencke. Fräulein Hull interessiert sich für unsern neuen Film.«

Die Herren verbeugten sich.

Marianne setzte sich und ertrug gelassen die eingehende Musterung von Daniel Kreß und Bencke. Kreß machte ganz orientalische Augen. Bencke lächelte freundlich.

»Wir haben von Ihnen schon gehört, gnädiges Fräulein,« sagte Kreß, »unser Freund Lyssander hat schon viel erzählt. Nun wollen wir sehen, wie es geht, ich für meine Person glaube, daß es geht. Haben, Sie schon mal gespielt? Wir können dann gleich anfangen. Bencke macht die Aufnahme.«

»Ich habe Fräulein Hull in einer sehr guten Rolle gesehen, Kreß,« antwortete Lyssander schnell, »Fräulein Hull ist ausgezeichnet.«

»Wir werden sehen,« dämpfte Kreß ein wenig die Begeisterung Lyssanders.

Marianne entschuldigte sich für einen Augenblick.

»Ich will nur der »Luna« absagen,« sagte sie, »ich bin für die Aufnahme bereit.« Sie ging an den Tisch zu Georg zurück. Die Blicke der Männer folgten ihr.

»Lyssander, Sie haben kein Wort zu viel gesagt: eine Madonna,« flüsterte Kreß. »Der Typ wird den Leuten gut gefallen. Wo haben Sie denn das hübsche Fräulein aufgegabelt?«

»Das ist mein Geheimnis, Kreß,« sagte Lyssander.

Marianne fand Georg mit trotzigem und verbittertem Gesicht.

Reinacker machte erstaunte Augen.

»Du scheinst ja den Herrn Lyssander bereits zu kennen?« sagte Georg, »und jetzt weiß ich, warum ich nicht zu ihm gehen sollte. Jetzt wird mir vieles klar. Woher kennst du ihn?«

»Ich habe ihn nur einmal gesehen, und da wußte ich nicht, daß es Lyssander war,« sagte sie.

»Was wollte er von dir?«

»Er fragte, ob ich in einem neuen Film mitspielen wollte. Und da habe ich zugesagt.«

»Das ist schade,« sagte der junge Regisseur, »da wird also aus unserer Probeaufnahme nichts mehr?«

»Nein, und es tut mir leid. Herr Kreß sagte, ich solle bei ihm eine kleine Rolle bekommen.«

»Dann darf ich gratulieren,« sagte der junge Regisseur und war beleidigt.

»Und ich gratuliere auch,« sagte Reinacker.

Georg war nicht begeistert.

»Ich habe mich so gefreut, mit dir in einem Film herauszukommen,« sagte er, »und daß du mit Lyssander schon bekannt bist, freut mich gar nicht. Du hättest mir ein Wort sagen sollen. Dann wäre alles viel einfacher gewesen. Er hätte uns schon viel früher geholfen.«

Marianne machte ein hilfloses Gesicht, aber hinter aller Hilflosigkeit stand eine starre Maske. Jetzt nicht nachgeben, dachte sie, Georg ist ein Kind, alle Männer sind Kinder, alle versprechen das Glück, aber sie wollen nur ihr Glück, und die Frau muß immer bezahlen. Und wenn sie schon bezahlen muß, soll der Kaufpreis hoch sein.

»Es war nie die richtige Zeit da, um dir diese Geschichte zu erzählen, Georg,« sagte sie demütig. »Aber ich will dir heute Abend, wenn du es willst, alles sagen.«

Georg nickte, und seine Augen funkelten böse.

Marianne ging an den Tisch zu Lyssander zurück.

Und dann stand sie bald und zum ersten Mal im grellen Licht einer Aufnahme. Sie spielte gut. Sie wußte genau, sie spielte um ihr Leben. Und dieses Wissen gab ihr Kraft und Wandlungsfähigkeit. Die Szene war klein, aber sie sprengte den engen Rahmen, war behutsam und anschmiegend, hoheitsvoll und demütig, war Frau und Schauspielerin, und die Männer fanden das Spiel ausgezeichnet. Eine Großaufnahme schloß die kleine Probe glanzvoll ab.

Für einen Augenblick kam auch Dolora King angetanzt. Sie hatte heute spielfrei, und als sie das neue Gesicht sah, wußte sie sofort: das ist die Madonna, von der die Männer gesprochen hatten. Sie haßte das Mädchen vom ersten Augenblick an.

Dasselbe Theater, das sich zwischen Nastja und Flora abgespielt hatte, als Herr Hondt seine Probe machte, ging auch in den wenigen Minuten zwischen Dolora und Marianne, aber es ging viel heftiger und um größere Dinge. Die Männer lächelten leise und verlegen. Es war ein Kampf mit glatten und freundlichen Gesichtern, aber hinter den schönen Fassaden lauerte der Haß und duckte sich zum Sprunge. Marianne blieb kühl. Dolora erhitzte sich.

Kreß sah mit geschärften Augen in die Tragödie. Lyssander war verlegen und schuldbewußt, der Regisseur Bencke aber war allen Tragödien überlegen und kommandierte seine Hilfsmannschaften, die Operateure und Beleuchter.

In derselben Stunde, als Marianne um den Aufstieg und mit Dolora kämpfte, betrat Flora das dunkle Zimmer des Herrn Aribert Hondt und fragte leise, ob er immer noch daran denke, eine Tanztruppe zusammenzustellen. Sie sei Tänzerin und bitte um Arbeit.

Hondt musterte sie kritisch, sagte kein Wort, er nahm das Telephon, ließ sich mit der Stadt, mit dem Direktor Müller verbinden, schickte Flora in das Vorzimmer zu der verkümmerten Stenotypistin, kam nach fünf Minuten und sagte:

»Ist gut, Fräulein, kommen Sie morgen nachmittag um vier Uhr.«

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