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Auff des Ehrnvesten und Wolgelahrten Herrn Reineri Brockmans / Der Griechischen Sprache Professorn am Gymnasio zu Revall / Und der Erbarn / Viel-Ehren und Tugendreichen Jungfrawen Dorotheen Temme / Hochzeit - 1

Paul Fleming: Auff des Ehrnvesten und Wolgelahrten Herrn Reineri Brockmans / Der Griechischen Sprache Professorn am Gymnasio zu Revall / Und der Erbarn / Viel-Ehren und Tugendreichen Jungfrawen Dorotheen Temme / Hochzeit - 1 - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDeutsche Gedichte
authorPaul Fleming
year1986
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-002455-2
titleAuff des Ehrnvesten und Wolgelahrten Herrn Reineri Brockmans / Der Griechischen Sprache Professorn am Gymnasio zu Revall / Und der Erbarn / Viel-Ehren und Tugendreichen Jungfrawen Dorotheen Temme / Hochzeit ? 1
pages10-24
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Paul Fleming

Gedichte
Auff des Ehrnvesten und Wolgelahrten
Herrn
Reineri Brockmans /
Der Griechischen Sprache Professorn am
Gymnasio zu Revall /
Und der Erbarn / Viel-Ehren und Tugendreichen
Jungfrawen
Dorotheen Temme /
Hochzeit.

Zuschrifft
An Braut und Bräutigamb.

        Lasst diß ein Zeichen seyn / ihr wolgetrawten Beyde /
Daß Euch mein Phebus liebt / der niemals feind seyn kan
Dem Volcke wie Ihr seyd. Die Braut gehört ihm an /
Der Bräutgamb ist sein Freund. Er frewt sich ewrer Frewde.
    Verehrt Euch / was Er hat; in diesem frey vom Neide /
Daß Er nichts hohes schenckt. Doch weis der gute Mann /
Daß / wenn Er wündsche giebt / so hab' Er satt gethan.
Und Ihr seyd auch vergnügt. Sie spinnen Gold für Seide /
    Die Parcen / uber Euch. Des Jupiters Gemahl
Führt Euch das Lager auff. Der Hymen steckt den Saal
Mit liechten Fackeln voll / und lest den BrautTantz machen /
    Den mein Apollo singt / freyt / tantzet / schlaffet wol.
Der schluß der Götter steht; was drauff geschehen soll /
Das ist des Vatern Lust / der Jungen Mutter lachen.
M. P. F. V. H.

 

    Den nächten gieng das Liecht der halben Pheben auff /
Ihr Bruder hatte gleich im Stiere seinen Lauff.
Die Wälder schlugen aus. Das Wild war bey Geferten.
Das Dorff gieng auff das Feld / die Stadt in ihre Gärten.

Mit kurtzem / es war zu mitten des Aprils / als ich einst nach gehaltenem Mittagsmahl umb mich ein wenig zu ergehen aus Revall / da wir die Zeit stille lagen / in den anmutigen Koppel spatzierte / von dessen Gegend ein lustiges absehen in einen Meerbusen der Ostsee / und umbliegendes Gepüsch war. Zwar von niemande / als einem der Knaben vergleitet: Aber / wie jener sagte / niemaln weniger alleine / als da ich so alleine war. Und bedünckte mich der Ort bequem zu seyn / allda ich meine Gedancken außlassen / und ihnen desto mehr und freyer nachhengen köndte. Wie lange / sagte ich zu mir selbsten / wirds noch zur Zeit seyn / daß ich in mein süsses Vaterland / und zu den lieben Meinigen / welche ich voller Kriegsunruhe und Betrübnis vor zweyen Jahren verlassen muste / wieder gelangen werde? Zwar wie die sage gehet / so hat der versöhnte Gott mein Meissen mit Friedensaugen gnädiglich wieder angesehen / aber die Meinen messen noch Unglückselig seyn / in dem / daß sie solch seyn groß Glücke leiblich nicht anschawen mögen. Die Beschaffenheit unserer Reise wird mir solches so balde nicht verstatten. Was aber hette wol für ein geneigter Verhängnis aus damahliger Gefahr mich entreissen können / als eben die wunderliche Versehung zu dieser löblichen und der gantzen Christenheit ersprießlichen Reise? Unsere Gesandten / die tapffern und vornehmen Leute / was haben sie an geneigtem willen und allem Vorschube ermangeln lassen? Warlich / nicht alleine bißhero nichts / sondern haben auch auffs künfftige günstigen Verspruch gethan. Und du Undanckbahrer bist am wenigsten bekümmert / auff was massen du die hohen Gutthaten bedancken wollest. Zwar daß du angefangen hast von ihrem Lobe und Verrichtungen auffzusetzen / ist ihr billicher Verdienst und deine rechte Schuldigkeit / aber was beruffest du dich auff solche Sachen / die Zukünfftig seyn / und von denen du weder sie noch dich versichern kanst? Ihr stündliches und stets gegenwertiges Wolthun erheischet eine gleichmässige Danckbarkeit. Hierüber fiel mir ein / daß / wie newlich der Geburtstag des Herrn Brüghemans / also der bald kommende des Herrn Licentiaten Crusii, mir Anlaß und Fug geben würde / mein Gemüthe in etwas außzulassen. Hub derowegen für wündschen an:

    Kom schöner Tag / und du / O süsser schein /
Wie lange wilst du denn noch aussen seyn?
Kom / brich doch an. Die Laute liegt schon fertig.
Die Seiten stehn. Bist du nur gegenwertig /
So sol ein Lied dir werden außgeführt /
Das dich erhebt / und deinen Herren ziert.
Ach daß du itzt / daß du noch heute kemest /
Und mir diß Leid / diß müde warten nehmest.
Kom / schöner Tag / und du / O süsser Schein /
Wie lange wilst du dennoch aussen seyn?

Mir war noch nicht außgefallen das Gedichte / so gemeltem Gesandten / Herrn Brüghemanne in Moskaw auff seinen Geburtstag gemacht wurde: Und weil ich mit solchen Gedancken umbgienge / sagte ichs vom Anfange biß zu Ende her:

    HERR / wer er auch wird seyn / der etwas auff wird schreiben /
Das biß zum Ende hin der grawen Zeit kan bleiben /
Das seinen Todt verlacht / der wird auch zeigen an /
Was diß sey für ein Werck / das itzo wird gethan /
Und wie / und wer es thut. Er wird voraus vermelden
Den unverzagten Muth / das Glücke zweyer Helden /
Die alle Furcht und Neid geschlagen unter sich /
Vor keiner Müh' erblasst / biß daß sie ritterlich
Den thewren Danck verdient. Er wird den Lauff der Sachen
Durch sein berümbtes Buch gleich als wie schöner machen
Ein Barclay seiner Welt. Jetzt thun wir / was sich ziembt /
Und was der alte Brauch noch heute löblich rhümbt /
Auch nicht zu schelten ist. Der Brunnquell aller Tage /
Der Gott / den Delos ehrt / tritt auff der Sternenwage
Mit seiner Pracht herfür / sagt von der hohen Bahn
Den Namen / den ihr führt / der runden Erden an.
Drümb kommen wir auch jetzt. Dem Himmel wil gedancket /
Euch Glück gewündschet seyn. Euch hat noch nie gewancket
Die Göttin / die ein Rad und leichte Flügel führt /
Weil Vorsicht und Verstand in ewrem Thun regiert.
Der thewre FRIEDRICH liebt den Witz der klugen Räthe /
Macht seine Cimbren froh. erbawet newe Städte.
Vermehrt sein reiches Land. Lässt einer andern Welt
Durch Euch sein Hertze sehn. hat alles heimgestellt
In ewer weises Thun. So hoher Häupter Häuser
Verbinden sich durch Euch. der Reussen grosse Käyser
Der heisst Euch seinen Freund. der edle Saphian
Wird bald erfahren auch / was ewre Trewe kan /
Die seinen Nutzen sucht / und unser Land vermehret.
Ihr seyd der Länder Heyl. macht / daß der Morgen kehret
In unsern Abend ein. daß sich die Mitternacht
Mit beyden wie vermählt / und eine Freundschafft macht /
Die mit der Welt gleich lebt. Ihr öffnet uns die Länder /
Die noch verschlossen sind / zieht der verbündnüß Bänder
Umb ferne Gräntzen her. setzt sichern Glauben ein /
Und lehrt ein frembdes Volck / wie es uns trew muß seyn.
Der Preiß ist ewer Lohn. So nehme nun die Gaben /
Die wir vor ewer Heyl den Sternen verbracht haben /
Der Höchste gnädig an. Er sey Euch förder gut /
Und segne was ihr treibt / als wie er täglich thut:
So binden wir Euch an / die Ihr Euch habt verbunden
Mit wolthun längst vorhin. seht diese süssen Stunden
Noch tausent mal wie itzt. Ein Wundsch ist unser Band /
Das nicht wird auffgelöst / als durch der Günste Hand.
Du aber altes Jahr / verjüngre deine Glieder /
Zeuch deinen Zierath an. nim newe Kräffte wieder.
Sey deiner Jugend gleich. November werde Mey.
Mach / daß für weissen Schnee es weisse Lilgen schney:
Heiß da seyn Lust für Frost. Ihr warmen Etesinnen
Haucht unsern Winter an. Und ihr / ihr Najadinnen
Sprengt laulecht Wasser aus / daß aller Blumen Zier
Aus der verlebten Welt vom newen komm' herfür.

Und darmit ich mich ein wenig ermunterte / sang ich die eben selbigen Herren auff dessen newlichen Geburtstag ubersendete Ode / welche mir noch in frischer Gedächtnüß hienge.

    Ist er itzo schon von hinnen /
Mein und ewer grosser Freund /
Ihr berühmbten Castalinnen:
Thut drümb nicht / als wie ihr meynt /
Daß der Schönste seiner Tage
Unbeschenckt sich von uns trage.

    Nicht so / Meine. stimmt die Seiten /
Und mischt ewren Thon darein.
Last uns heut umb Frewde streiten.
Diß sol unser Reichthumb seyn /
Daß wir ihm zu Dienst und Ehren
Ein kurtz Liedlein lassen hören.

    Hier rint unsre Hippocrene /
Pindus und sein Volck ist hier /
Das ein hohes Lobgethöne
Außschreyt ihm und uns zur Zier.
Und die blossen Charitinnen
Tantzen uns nach unsern Sinnen.

    Euch / O Edler / euch zur Frewde
Sieht Apollo güldner aus,
Luna hengt all ihr Geschmeide
An ihr vollgestirntes Hauß /
Daß der schöne Tag dem Zeichen
Der noch schönern Nacht muß weichen.

    Der beschneite Hornung stehet /
Und streicht seinen Eißbarth aus.
Eolus der alte / gehet /
Hemmet seiner Knechte Lauff /
Und lesst keinen von so vielen
Als den linden Westwind spielen.

    Das Verhängnis drückt sein Siegel
In das blawe Himmelsfeld.
Fama schwingt die Augenflügel /
Und rufft durch die Sternenwelt /
Daß forthin auff unsrer Erden
Güldne Zeit durch Euch sol werden.

Die anmutige einstimmung der umbher schwebenden Lerchen name mir mein lüsternes Gemüte so sehr ein / daß ich mehr auff ihr tirilliren / als meine Wort achtung hatte. Mit diesem so scheust eine hinder mir auff / daß sie im fluge meinen Hut berührete. Diese Lust erinnerte mich meiner alten Gedancken / welche mir doch / halte ich dafür / were es ausser dem gewesen / nicht in den Sinn kommen weren. Ist diese / sagte ich wider mich selber / auch eine von den Bulerinnen / welche sich bisweilen ihren verliebten so nahe darstellen / und doch endlichen auff vermeinte gewisse umbfassung sich ihnen wieder entreissen? Rechte Brüder sind diese des Tantalus / welcher ob er wol die schönsten Aepffel vor seinem Munde hat / auch selbst mitten im Flusse stehet / doch die vor ihm fliehende Kost nicht erlangen mag / und also

Stets ist am Durste voll / und an dem Hunger satt.

Warlich dieser und kein andrer Vogel ubereilet derer Leute Wanckelmuth mit seiner Geschwindigkeit im fliegen. Und mag wol nichts unliebers seyn / als in solcher Liebe zu leben. Mitler weile kam ich zu einem breiten Steine / der mit seiner Bequemigkeit vorüber spatzirende sich nieder zu setzen einlude. Auff dem nam ich ein wenig ruhe / und darmit ich nicht gar nichts thete / so sange ich / als gut ich kondte / folgende

Ode.

            Laß es seyn / mein Sinn / und schweige /
Stelle deine Seufftzer ein.
Schlechte Seelen die sind feige /
Die nur von der Erden seyn.
Dencke / dencke / was du denckst /
Daß du dich so abekränckst.

    Ein behertzetes Gemüthe
Weichet keinem Glücke nicht.
Es erfrischet sein Geblüte /
Wenn denn andern ihres bricht.
Lacht und weinet nicht zu viel.
Wil stets / was sein Glücke wil.

    Wenn der Stahl den Stein bestreichet
So wird er erst rein und scharff.
Du / mein Sinn / bists / der ihm gleichet /
Der auch Glantz und Schärffe darff.
Unfall ists / der auff uns wacht /
Und die Männer männlich macht.

    Ein bewehreter Soldate /
Der vor keinem Tode zagt
Suchet ihm zu früh / und spate
Einen Feind / mit dem ers wagt.
Ein groß Hertze bricht heraus /
Fordert stets sein Unglück aus.

    Mein / was nützet doch das klagen /
Daß die Liebste nicht ist hier?
Mißtrew ists / so wir verzagen.
Sie ist allzeit ähnlich ihr.
Wahrer Liebe trewe Pflicht
Mindert sich durch abseyn nicht.

    Dennoch ist Sie in dem Hertzen /
Ist sie aus den Augen schon.
Dieses / was du nennest Schmertzen /
Ist der rechte Liebe Lohn /
Die Sie fühlet gleich wie du /
Und noch duppelt mehr darzu.

    Philyrena / die du liebest /
Liebet dich noch / wie vorhin /
Umb die du dich so betrübest /
Wirst du wieder sehn / mein Sinn.
Und das wird dir lieber seyn /
Als auff Regen Sonnenschein.

    Kommet bald / ihr schönen Tage /
Komme bald / du süsse Zeit /
Daß ich frey und frölich sage:
Weg / erblasste Trawrigkeit.
Philyrena meine Zier /
Ist und bleibet stets bey mir.

Ich hatte die letzten Worte noch nicht recht außgesungen / so hinterschleicht und umbfällt mich Polus: Ja / mein / ja / sprach er / wie viel mal hab ichs errathen / was deine Kranckheit sey / itzt hast du wieder dein so vielmahliges Verleugnen ohne Peiniger mir alles selbst bekandt. Das erschrecken uber seiner gehlingen Ankunfft hatte mich blässer gemacht / und diß gab ihm Anlaß mich mehr zu verlachen. Eben diese / fuhr er fort / ist die rechte Farbe / darbey man die fleissigen Liebhaber erkennet. Endlich fang ich an: Es ist mir besonders lieb / mein Polus / daß ich dich itzt bey mir befinde / der ich sonst die Zeit mit eiteln und vergeblichen Gedancken verschliessen hette. Daß du dir aber etwas solches von mir einbildest / weis ich nicht / ob diß arme Lied / welches du vielleicht auch nicht recht gehöret hast / dir ein genugsamer Zeuge seyn könne. Ich bin gewiß / daß dergleichen etwas von mir niemand wird haben übertragen und nachreden können / zu dem / so wird mich die Beschaffenheit meines jetzigen Zustandes dessentwegen bey dir und andern leichtlich entschuldigen. Zwey widerwertige Dinge sind / sagt Venator recht / in Herr Opitzens seiner Hercinie / Reisen und Lieben: und nur in diesem einander gleich und verwand / daß sie beyde in ihrem Unbestand bestendig sind. Uber diß kennestu die Poeten / unter welche man mich / weis nicht aus was für Verdienste / mit Gewalt rechnet / die zu weilen ihrer Mutter der Natur nicht alleine nichts nachgeben / sondern auch sie an fruchtbarkeit ubertreffen wollen / in dem sie Sachen erdencken / welche niemals gewesen sind / noch seyn werden. Wie schwerlich er dessen zu bereden war / sagte er doch endlich: Ich muß dirs zu gefallen gläuben. Und du thust wol / fuhr er fort / mein Flemming / daß du dich wider anderer Meinung derer Sachen entschlägest / welcher Wurtzeln zwar süsse / die Früchte aber bittrer als Erdrauch und Galle seyn. Die widerwertigen Vorstellungen ungleicher Personen machen dich klüger / derer Gemüther durch Krafft dieser Sonnen theils wie Wachs zerschmoltzen / theils wie Leimen außgesogen und vertrocknet sind. Haben dir etliche hierinnen etwas auffgedacht / so ist es doch / wie ich von dir verstehe / nur ihr blosses einbilden gewesen / und hast du recht gethan / daß du dich unterweilen gleich kranck mit ihnen angestellet / damit sie sich auff den Schein einer Geselschafft ihres Anliegens trösten köndten. Du kennest ja einen / der hiervon also singet.

    Wer ihnen trawt / pflügt in die Winde.
    Und seet auff die wilde See.
Misst des verborgnen Meeres Gründe.
    Schreibt sein Gedächtnüß in den schnee.
Schöpfft / wie die Schwestern ohne Liebe /
    Das Wasser mit durchbohrtem Siebe.

Der schnelle Wind fährt ohne Zügel.
    Ein leichter Pfeil eilt auff Gewin.
Der starcke Blitz hat frische Flügel.
    Ein strenger Fall scheust plötzlich hin.
Für ihren Sinnen sind nicht schnelle
    Wind / Pfeile / Plitz und Wasserfälle.

Sonsten heists: weit darvon ist gut für den Schoß / der schädliche Arsenic mag wol ohne Gefahr in den Mund genommen / aber nicht ohne selbige eingeschluckt werden. So sticht auch der gifftige Scorpion nur den anrührenden. Napellus / ein Kraut / tödtet die Leute / wenn es nur in der Hand oder auff dem Häupte erwarmet. Sol dir der Iebenbaum nicht schaden / so fleug seinen vergiffteten Schatten. Die Liebe ist das Sardinische Gewächse / welches den Leuten mit lachen heimhilfft. Im widrigen / geschichts gleich / daß dir hierinnen etwas menschliches wiederfähret / so weist du doch / wie weit du den Zügel schiessen lassen solst. Was du bißhero geredet / sagte ich / das laß ich dich bey ihnen verantworten. Mich aber solstu gantz sicher von solchen Händeln wissen / und dannenhero aller Qual und Mißgunst entfreyet. Wolte GOtt / sagte er weiter / wir weren alle dieser letzten frey. Ich merckte wol / worauff er dieses redete / und war mir lieb / daß wir auff etwas anders geriethen. Darümb fragte ich: Was klagst du uber Mißgunst / der du des deinigen wartest / und sonder zweiffel reiche Belohnung für deinen fleiß einstreichest? Das werden wir an unserm Theile allhier wol gewahr / antwortete er / da des Neides und ubel Nachredens fast kein ende ist. Oho / sagte ich darauff / das sind Scheltworte; die gehen Euch nicht an. Du weissest besser / als ich dirs sagen kan / was unser Seneca hiervon so viel redet. Kans doch Jupiter nicht allen Leuten recht machen. Auch der Mügligkeit selbsten ist es unmöglich / allen gefallen. Muste nicht der künstlichste Mahler sein unsträffliches Werck von einem Schueknechte durchziehen lassen? Aller ehrlichen Sachen beginnen ist lobens werth / das Vollführen stehet bey dem Unsterblichen. Was wird wol zu gleich angefangen und vollendet? Die Natur auch helt ihre gewisse Zeit / welche ihren Geschöpffen die Vollkommenheit geben muß. Wie lange muß ein Kind haben / ehe es gehen / ehe es reden lernet? Ein Baum / der hewer gepflantzet wird / blühet nicht also balde / trägt nicht so geschwinde seine Früchte. Je näher ein Strom seinem Häupte / dem Quelle ist / je kleiner ist er auch. Leget nicht der Baumeister erst den Grund / hernach führet er seine Werck in die höhe auff? So ist auch das grosse Rom auff einen Tag nicht gebawet. Ewer Gymnasium / welches itzo noch in den ersten Jahren ist / wird dermaleins auch zu seiner Mannheit kommen. Wer sind sie / die Euch und ewren Fleiß verkleinern? Unverständige / mit Löwensheuten verkapte Midasbrüder. Und was hinderts / daß ich / der ich mich billich hierüber bewege / dir und deinen andern Mitgesellen / allen meinen lieben Freunden zur Auffmunterung / wo anders ewer Fleiß ermahnens bedarff / etwas hersinge. Fieng derowegen auff sein Gutachten an nachgesetzte

Ode.

        Ich hin froh / daß ich was habe /
Daß man dennoch hassen kan.
Und was geht mir daran abe /
Daß mich jener schel sieht an;
Leid' ich von der Tugend wegen /
So wird mir sein Fluch zu Segen.

    Neid ist nur bey hohen Sachen /
Und die nicht gemeine sind /
Hierein setzt er seinen Rachen.
Des Gelücks Gefert' und Kind /
Steigt und fällt mit seinem Rade /
Wenn es Zorn braucht oder Gnade.

    Grosse Dannen / hohe Fichten
Die bestürmt des Nordwinds Zorn /
Der doch nichts dran aus kan richten /
Keine hat kein Haar verlohrn.
Wer der Tugend an wil siegen /
Pfleget allzeit zu erliegen.

    Caphareus verlacht die Wellen /
Die sich an ihm lehnen auff.
Scylla lest die Wogen bellen /
Auch nicht so viel giebt sie drauff.
Laß das Unglück auff sie gehen /
Tugend steht / wie Klippen stehen.

    Rost verzehrt den stillen Degen.
Stehnde Sümpffe werden faul;
Lüfft' auch / die sich nicht bewegen;
Unberitten dient kein Gaul;
Müssigang verderbt die Jugend.
Ungeübt verschält die Tugend.

    Tugend die ist niemals müssig.
Sucht ihr allzeit einen Feind /
Nie der Arbeit uberdrüssig /
Aller Mühe steter Freund /
Ihre Sinnen und Gedancken
Sind: Stets lauffen in dem Schrancken.

    Die berühmbten Dattelstämme
Heben ihre Last empor /
Und thun zwischen solcher klemme
Reicher ihre Zier hervor.
Ein starck Hertze wird erblicket /
Wenn es sein Verhängnüß drücket.

    Aus den außgequetschten Trauben
Kömpt Lyens süsser Safft.
Eine Rose hat / bey Glauben /
Ungerieben schwächre Krafft.
Tugend schmeckt und reücht gepresset /
Welche Kost ihr Weisen esset.

    Bellet / ihr erzürndten Hunde /
Bellt die stille Pheben an /
Sie bleibt wol / wo sie vor stunde /
Und helt ihre hohe Bahn.
Weißheit ist zu hoch gestiegen /
Da kein Haß ihr nach kan fliegen.

    Jene / die ich sie seyn lasse /
Die nicht mehr sind / als nur seyn /
Sind nicht werth / daß ich sie hasse /
Reich an nichts / Klug auff den Schein.
Wahn ists / des ein Weiser lachet /
Der sie so voll Hoffart machet.

    Unser Pöfel hat die Sitten /
Schilt / was er nicht haben kan.
Tadelt / warumb er muß bitten /
Sieht den Nachbar hart drümb an.
Und an dem er muß verzweiffeln /
Das vergönnt er allen Teuffeln.

    Bessern sol michs / nicht betrüben /
Daß mich der zu tadeln pflag.
Wer nicht etwas hat zu lieben /
Hat nicht / was man hassen mag.
Und umb was mich dieser neidet /
Ist / an dem er mangel leidet.

    Ich kan einem ja vergönnen /
Daß er seines Maules braucht.
Redet er mir nicht zu sinnen;
Wie bald ist ein Wort verhaucht.
Hüte dich nur für den Thaten /
Gott der wird den Lügen rathen.

    Steht denn meine Schand' und Ehre
So in eines Lob' und Schmach?
Weit gefehlt. Wenn dieses were /
So geb' auch kein Weiser nach.
In die Zeit sich schicken können /
Können nur geübte Sinnen.

    Diß mein redliches Gewissen
Ist mir Zeuge gnug für mich.
Wes ich allzeit mich beflissen /
Wissen zweye: Gott und ich.
Welcher alles wil verfechten /
Der muß heut und allzeit rechten.

    Jupiter / wie hoch er sitzet /
Ist nicht von den Lästrern frey /
Wenn er allzeit würd erhitzet /
Wenn man ihn schilt ohne schew /
So würd er in kurtzen weilen
Werden arm an Blitz und Keilen.

    Wil dich einer nicht begrüssen /
So beheltst du deinen Danck.
Setzt er dich schon nicht auff Küssen /
Sey vergnügt mit blosser Banck.
Er und alle / die dich hassen /
Müssen doch dich dich seyn lassen.

    Laß sie seyn / die TheonsBrüder /
Die Geschwister Zoilus /
Und laß deine guten Lieder
Die der Haß auch lieben muß /
Die die Unehr' auch muß ehren /
Umb die Flüß und Püscher hören.

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