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Auf der Spur des Goldes

Max Brand: Auf der Spur des Goldes - Kapitel 7
Quellenangabe
authorMax Brand
titleAuf der Spur des Goldes
publisherAWA-Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180225
projectid0a39af46
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Sechstes Kapitel

Etwas sollte Devon noch schwer bereuen, daß er nämlich die Öffentlichkeit mit seiner Angelegenheit beschäftigt hatte! Es wäre für ihn bedeutend besser gewesen, hätte er sie nicht in das Scheinwerferlicht der allgemeinen Aufmerksamkeit gerückt – aber das war nun nicht mehr zu ändern, und er hatte zwei sehr gute, gewichtige Gründe gehabt, es zu tun: erstens hatte er sich dadurch gewissermaßen eine Rückendeckung geschaffen und zweitens glaubte er, selbst ein so mächtiger Mann wie Burchard würde auf weitere Anschläge gegen ihn verzichten, wenn er gleich von vornherein den Verdacht gegen sich gerichtet wußte.

Nachdem Clancy Williams so unrühmlich das Schlachtfeld geräumt hatte, erwarteten die Anwesenden offenbar von Devon eine nähere Erklärung, aber er hütete sich wohlweislich, eine zu geben, da er annahm, die Leute würden um so mehr vom Rechte seiner Sache überzeugt sein, je weniger er darüber sprach. Er lud darum alle ein, ein Glas mit ihm zu trinken, nippte aber nur an dem seinen und zog sich dann sofort zurück.

Sein nächster Besuch galt dem Sheriff.

Das Amtslokal des Sheriffs Naxon befand sich in dessen kleinem Hause, das ein wenig von der Straße zurück lag, und das er mit seiner Frau und seinen, beiden halbwüchsigen Söhnen bewohnte, die schlank und dürr waren wie ihr Vater, und ebenso traurige Gesichter mit fahlen, nichtssagenden Augen hatten wie er.

Naxon, der auf dem Gatter seiner kleinen Koppel saß und das darin weidende Pferd beobachtete, nickte Devon, der neben ihm stehenblieb, mit der im Westen üblichen, verbindlichen Höflichkeit zu.

»Sehen Sie sich doch mal das Pferd da an, Fremder«, sagte er.

Devon stemmte die Ellbogen auf das Koppelgatter und kam dieser Aufforderung nach: es war eine dickbäuchige, armselige Mähre mit plumpem Kopf und dünnem Hals, über die er da ein Urteil abgeben sollte.

»Da ist schwer etwas zu sagen«, meinte er ausweichend, »das Tier hat zu dichtes Haar, als daß man seinen Knochenbau richtig sehen könnte.«

»Halten Sie es denn überhaupt für ein Pferd?« erkundigte sich Naxon gespannt.

»Was sollte es denn sonst sein? Ein Maultier hat doch ganz andere Ohren«, erwiderte Devon lächelnd.

»Aber die mausgraue Schnauze spricht für ein Maultier – es gibt ja auch welche mit kurzen Ohren – und wenn Sie Monty – es heißt nämlich Monty, müssen Sie wissen – im Gebirge sehen würden, dann würden Sie es für eine Ziege halten, so sicher klettert es. Ich kann und kann nicht klug werden aus dem Tier!«

»Sie haben es wohl noch nicht lange?«

»Nein – erst im zwölften Jahr.«

Devon mußte lächeln.

»Und trotzdem sind Sie sich noch nicht über seine Wesensart klar geworden?« fragte er.

Der Sheriff schüttelte den Kopf.

»Graue Haare hab ich bekommen seit ich das Vieh besitze«, sagte er seufzend.

»Wieso – taugt es denn nichts?«

»Ganz im Gegenteil, kein Verbrecher kann mir entgehen, sobald Monty hinter ihm her ist, und wenn er ein englisches Vollblut ritte – aber daß ich nicht dahinterkomme, ob es überhaupt ein Pferd ist, das macht mich noch ganz verrückt, so daß ich's am liebsten verkaufen möchte. Wollen Sie es haben?«

»Nein, danke, im Augenblick habe ich gar keinen Bedarf«, entgegnete Devon, »und mich hat auch eine ganz andere Angelegenheit zu Ihnen geführt. Ich heiße Walt Devon und wollte Ihnen in Ihrer Eigenschaft als Sheriff mitteilen, daß Mr. Burchard hinter meinem Skalp her ist.«

Er hatte geglaubt, seine Worte würden wie eine Bombe einschlagen, aber Naxon nickte nur und lächelte, als ob er von dem Gründer der Stadt West-London nichts anderes erwartet habe.

»Die Sache ist nämlich die, daß mir sehr leicht etwas zustoßen kann«, fuhr Devon einigermaßen enttäuscht fort, »und ich lege Wert darauf, daß Sie dann im Bilde sind und wissen, daß Burchard für meinen Tod verantwortlich gemacht werden muß.«

»Schön, schön – ich kenne Burchard sehr gut«, erwiderte der Sheriff.

»Ich nicht, ich habe ihn sogar noch niemals gesehen – glauben Sie denn, daß ihm ein Mord zuzutrauen ist?«

»Das ist schwer zu sagen«, entgegnete Naxon bedächtig, »denn sehen Sie, einen Falschspieler, einen Taschendieb, einen Hehler, ja selbst einen Pferdedieb erkennt man bei einiger Übung schon an gewissen Äußerlichkeiten; bei den Mördern aber ist's wie bei den Baseballspielern, da gibt's dicke und dünne, große und kleine, junge und alte darunter.«

»Kennen Sie Burchard denn genauer?«

»Das will ich meinen – er ist ja einer meiner besten Freunde.«

»Allmächtiger!« stöhnte Devon unwillkürlich entsetzt auf.

»Das macht aber gar nichts«, beruhigte ihn der Sheriff, »meine persönlichen Empfindungen und Beziehungen spielen amtlich keinerlei Rolle. Ich bin ein Diener der Bürgerschaft, die mich bezahlt, und als solcher handele ich gewissenhaft – verlassen Sie sich darauf.«

»Schön, dann werde ich also Burchard zunächst einmal aufsuchen.«

»Haben Sie denn eine oder mehrere Waffen bei sich?«

»Gewiß.«

»Dann ist die Sache in Ordnung«, nickte der Sheriff, »Sie werden sie nämlich voraussichtlich nötig haben, denn selbst, wenn Sie Burchard abknallen sollten, werden Sie noch allerlei schießen müssen – er hat eine recht stattliche Anzahl äußerst geschickter Leute um sich.«

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