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Auf der Spur des Goldes

Max Brand: Auf der Spur des Goldes - Kapitel 41
Quellenangabe
authorMax Brand
titleAuf der Spur des Goldes
publisherAWA-Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180225
projectid0a39af46
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Vierzigstes Kapitel

Wieder hatte es laut an der Haustür gerüttelt, aber wieder war es nur der Sturm gewesen, der stöhnend um das Haus heulte.

»Nein, mein Sohn«, fuhr Burchard beruhigt fort, »nicht für uns, sondern für Sie hat der kleine Satan gearbeitet! Ihr lag daran, zu verhindern, daß Sie von dem Goldvorkommen auf Ihrem Land erführen, da sie sehr richtig annahm, daß Sie jung sterben würden, wenn Sie dahinterkämen, was Ihre Ranch für uns so wertvoll macht. Wenn sie nämlich auch ursprünglich nur die Absicht hergeführt hat, ihren Bruder zurückzuholen, so hat sie inzwischen doch an einem gewissen Walt Devon ein tiefergehendes Interesse genommen, und ihr persönliches Pech ist es, daß sie darum heute noch sterben muß.«

»Sie können sich doch denken, daß ich unter diesen Umständen erst recht alles daransetzen werde, sie zu retten«, sagte Devon bestimmt.

Jetzt wurde Burchard ernstlich böse.

»Seien Sie kein Narr«, schrie er, »ich wollte Ihnen das Leben schenken, weil Sie mir gefallen haben, aber drei Menschen können wir natürlich nicht laufen lassen, da ein paar Worte von ihnen genügen, uns alle an den Galgen zu liefern – bedenken Sie das gefälligst!«

Devon schloß die Augen.

Er wußte, daß Burchard seine Zusage halten und ihn freigeben würde, wenn er seinen Vorschlag annahm. Sollte er sich opfern für eine Frau, die er nur zweimal gesehen, und einen Menschen, der rücksichtslos auf ihn geschossen hatte? Eine wilde Lebensgier stieg in ihm auf, aber dann sprach das edle Blut seiner nordischen Ahnen vernehmlich in ihm – männlich und entschlossen erklärte er:

»Wenn Sie auf meine Bedingungen nicht eingehen wollen, ist jedes weitere Wort überflüssig.«

»Dann sind Sie ein toter Mann und, was schlimmer ist, ein Idiot dazu!« schrie Burchard wütend. »Vorwärts, Gregory, mach ein Ende mit ihm und so schnell wie möglich, das ist das beste – auch für ihn.«

»Das mein ich auch«, erwiderte Wilson, »aber den Fußboden in meinem besten Zimmer will ich mir darum doch nicht verderben.«

Er nahm die Schrotflinte lachend unter den rechten Arm und trat einen Schritt auf Devon zu.

»Dabei hab ich den dummen Jungen wirklich gern gehabt«, sagte Burchard weinerlich. »Die ganze Art, wie er allein gegen uns alle vorgegangen ist – die beiden Tapergreise zählen ja nicht mit – hat etwas so Frisches, Ritterliches –«

Ein tiefer Seufzer endete seine Worte, doch dieser kam nicht von Burchards dicken Lippen – die Flammen im Kamin flackerten, die Lampe wäre beinahe verlöscht, denn die Tür war aufgestoßen worden, finster entschlossene Gesichter starrten herein und die Läufe von Gewehren.

Devon erkannte, noch ehe er sich flach zu Boden warf, den Sheriff, Harry und Jim. Die Schrotladungen, die Wilson auf ihn abschoß, schlugen krachend in die Wand, Wilson selbst taumelte von dem Rückschlag der schweren Flinte und hatte noch nicht wieder festen Fuß gefaßt, da sprang Devon schon auf und saß ihm an der Kehle. Sie stürzten beide eng umschlungen zu Boden, doch Wilson fiel so hart auf den Hinterkopf, daß er die Besinnung verlor.

Devon riß einen Revolver aus dem Gürtel des Ohnmächtigen, um in den Kampf einzugreifen, doch der war inzwischen schon zu Ende. Vinzent Tucker lag erschossen da, Les Burchard aber stand mit dem Gesicht gegen die Wand und hocherhobenen Händen. Er schwitzte und keuchte entsetzlich, obwohl er nicht einmal den Versuch eines Widerstandes gemacht hatte.

»Walt ist gerettet«, rief der alte Harry jubelnd, »Herrgott, Kinder, was ist das Leben doch schön!«

»Gebt auf die beiden da acht, Harry und Jim«, rief Devon ihnen zu, »und Sie, Sheriff, kommen Sie mit, wir haben im Obergeschoß noch etwas anderes zu erledigen.«

Damit rannte er hinaus, Naxon folgte ihm eilig.

Oben an der Treppe stand der dicke Ben – ganz verwirrt fragte er:

»Mein Gott, was ist denn los – ist das Haus eingestürzt?«

»Nimm die Hände hoch!« schrie Devon ihn an.

Da der Dicke jetzt den Sheriff erkannte, gehorchte er sofort. Naxon nahm sich seiner liebevoll an, während Devon allein in das Zimmer eilte, in dem ›Hans im Glück‹ gefangen saß und seine schöne Schwester, die Devon kaum anzusehen wagte.

Draußen, auf dem Weg vor dem Hause, lag Noonan mit zerschmettertem Schädel.

Jim, Harry und der Sheriff waren, als sie in dem strömenden Regen vorüberkamen, ihm begegnet und hatten ihn niedergeschlagen, ehe er das Gewehr, das er ihnen vorhielt, abfeuern konnte. Dieses Gewehr aber war es gewesen, das den dreien angezeigt hatte, daß sie den richtigen Platz gefunden, denn sie waren nur aufs Geratewohl das Tal hinabgeritten, als sie Devons Verschwinden erfahren hatten, weil sie sich sagten, daß sie ihn in der Richtung suchen müßten, aus der gestern die einladenden Lichtsignale gekommen waren. Wäre das Haus unbewacht gewesen, wären sie sicher achtlos an ihm vorübergeritten.

Während ›Hans im Glück‹ sich den beiden alten Trappern und dem Sheriff anschloß, um die entflohenen Mitglieder der Bande zu verfolgen, wurde Devon als Wache bei den Gefangenen zurückgelassen, die man, an Händen und Füßen gefesselt, im Wohnzimmer untergebracht hatte.

Gregory Wilson und der dicke Ben sprachen kein Wort. Burchard aber schien durch das Mißgeschick seine gute Laune nicht eingebüßt zu haben.

»Siehst du, Gregory«, sagte er, »das habt ihr – du und Tucker – nun davon, daß ihr durchaus Blut sehen wolltet; hättet ihr auf mich gehört, stände es jetzt besser um uns! Übrigens, Devon, einen Gefallen könnten Sie mir tun: in meiner Tasche sind noch ein paar Pflaumen, seien Sie nett und geben Sie mir die – morgen sind sie doch ungenießbar.«

Devon sah ihn sprachlos an, dann beugte er sich zu ihm und sagte:

»Sie waren anständig zu mir, ich will Ihnen etwas Besseres geben als ein paar Pflaumen. Sehen Sie zu, daß Sie ein Pferd erwischen, reiten Sie wie der Teufel nach Hause, stopfen Sie sich die Taschen mit Geld voll und machen Sie, daß Sie schleunigst aus der Gegend hier verschwinden!«

Damit schnitt er ihm rasch die Fesseln durch.

»Das ist ja beinah wie in einer Schulbuchgeschichte: Wohltun trägt Zinsen!« meinte Burchard, seine fetten Glieder reckend. »Na, dann besten Dank, mein lieber Devon, leben Sie wohl. Sollte es Ihnen aber mal schlecht gehen, dann kommen Sie nur zu mir, einen gedeckten Tisch und ein warmes Bett werden Sie immer bei Les Burchard finden.«

Und rasch eilte er hinaus.

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