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Auf der Spur des Goldes

Max Brand: Auf der Spur des Goldes - Kapitel 39
Quellenangabe
authorMax Brand
titleAuf der Spur des Goldes
publisherAWA-Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180225
projectid0a39af46
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Achtunddreißigstes Kapitel

Eine Weile herrschte tiefe Stille in dem von einer Laterne nur schlecht erleuchteten Raum.

»Devon«, flüsterte Grierson, dicht an den Gefangenen heranrückend, »was können Sie uns bieten, wenn wir mit Ihnen gemeinsame Sache gegen Wilson machen?«

Ein Hoffnungsschimmer glomm in Devon, der bereits alles aufgegeben hatte, auf.

»Wissen Sie, was auf meiner Ranch los ist?« fragte er.

»Meinen Sie, daß man Gold dort gefunden hat?«

»Ja, das meine ich.«

»Das ist ja ganz schön – aber wie wollen Sie diese Schätze heben?«

»Unter dem Schutz Bewaffneter, zu denen Sie beide gehören werden«, erwiderte Devon. »Mit dem Sheriff, der auf meiner Seite steht, söhne ich Sie schon aus.«

»Ach, Naxon ist ein alter Schafskopf, vor dem haben wir keine Angst, der fängt doch nichts, als höchstens mal eine Mücke«, meinte Lewis lachend.

»Nicht so laut«, mahnte Grierson. »Hören wir lieber weiter, was Mr. Devon zu sagen hat.«

»Wenn Sie uns aus dem Haus hier heil herausbringen, sichere ich Ihnen beiden zwanzig Prozent von dem Goldertrag meiner Ranch zu.«

»Wieso ›uns‹ – verhandeln Sie etwa auch für ›Hans im Glück‹?«

»Selbstverständlich.«

»Aber, zum Teufel, was hat der damit zu tun? Es wird schon schwer genug sein, einen Menschen aus dem Loch hier zu retten.«

»Kümmern Sie sich nicht um mich«, mischte sich jetzt ›Hans im Glück‹ ein, »ich will froh sein, wenn Sie allein lebend davonkommen, zumal es ja meine Schuld ist, daß Sie in der Patsche sitzen.«

Devon schüttelte den Kopf.

»Entweder werden wir beide gerettet oder keiner«, erklärte er bestimmt.

»Aber das ist doch Unsinn«, sagte Grierson.

»Sehr fein ist's von Devon«, entgegnete Lewis, »ich wollte, der Hund Wilson könnte das mit anhören.«

»Das mag ja sein«, verharrte Grierson, »aber wir können doch unmöglich beide aus dem Haus schmuggeln!«

»Warum denn nicht? Durch das Fenster zum Beispiel – Seile sind ja genug vorhanden.«

»Das Haus wird doch auch von außen bewacht.«

»Herrgott, wir sind doch dann unserer vier – und die beiden Herrschaften schießen nicht schlecht, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.«

»Ach, du meinst, wir sollen versuchen, uns bis zu den Pferden durchzuschlagen? Das ist doch verdammt riskant«, meinte Grierson bedenklich.

»Ja, mein Lieber, für nichts ist nichts!«

Grierson zögerte noch einen Augenblick.

»Also schön, in Gottes Namen«, sagte er schließlich, »dann schau mal nach, wie's draußen aussieht.«

Lewis erhob sich und ging zum Fenster.

»Es stehen gerade Wolken vor dem Mond – ich kann nichts erkennen«, berichtete er.

»Gut, dann warten wir noch eine Weile«, erwiderte Grierson. »Übrigens – welche Sicherheit können Sie uns geben, daß Sie nachher auch wirklich bezahlen, Devon?«

»Nur mein Ehrenwort.«

Die beiden Wächter verhandelten gedämpft miteinander, schließlich sagte Lewis lauter:

»Wir wollen's daraufhin also wagen – da Sie gegen ›Hans im Glück‹ so anständig handeln, nehmen wir an, daß Sie auch uns nicht betrügen werden.«

Ein Mondstrahl fiel jetzt durch das kleine Fenster herein, Grierson ging in eine Ecke des Zimmers, in der ein Haufen von Stricken lag, um Stücke von der nötigen Stärke und Länge herauszusuchen – da wurde plötzlich die Tür geöffnet.

»So, hier wären wir an Ort und Stelle«, sagte Charlie Way. »Treten Sie nur näher, Sie werden Freunde finden.«

Damit kam er herein, gefolgt von einem anderen Bewaffneten, der einen Dritten, offenbar einen Knaben, vor sich her stieß.

»Ihr zwei sollt herunterkommen«, fuhr Way, zu Grierson und Lewis gewandt, fort, »Wilson hat etwas anderes für euch zu tun.«

Es blieb den beiden nichts übrig, als dem Befehl zu gehorchen. Grierson war schon froh, daß Way sein verdächtiges Suchen zwischen dem Seilhaufen nicht bemerkt hatte, obgleich dieser eine helle Laterne bei sich trug.

Deren Schein fiel jetzt auf das Gesicht des vermeintlichen Knaben – die beiden Gefangenen erkannten Mabel Maynard, deren Hände gleichfalls auf den Rücken gefesselt waren.

»Es ist tatsächlich meine Schwester«, flüsterte ›Hans im Glück‹ Devon zu.

»Na, dann setzen Sie sich, meine Schöne«, sagte Charlie Way. »Leider kann ich Ihre Fesseln nicht lösen, selbst nicht für eine rührende Familienszene! Ben, hast du deine Schrotflinte bei dir?«

Ben, in dem Devon den dicken Hüttenbesitzer aus der Waldlichtung wiedererkannte, nickte.

»Na. dann gib gut auf das Pärchen acht«, befahl ihm Charlie Way, »denn wenn etwas passiert, kriegst du's mit Onkel Gregory zu tun! Sie, Devon, kommen mit mir, aber ich rate Ihnen, machen Sie ja keine Bewegung, die ich mißverstehen könnte, denn es wäre mir ein ganz besonderes Vergnügen, Ihnen das Lebenslicht persönlich auszublasen.«

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