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Auf der Spur des Goldes

Max Brand: Auf der Spur des Goldes - Kapitel 38
Quellenangabe
authorMax Brand
titleAuf der Spur des Goldes
publisherAWA-Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180225
projectid0a39af46
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Siebenunddreißigstes Kapitel

Als Devon aufsprang, wurde die Tür im Hintergrund des Zimmers geöffnet, und er starrte in die Mündungen von zwei doppelläufigen Schrotflinten – bekanntlich auf kurze Entfernung die gefährlichsten Waffen, die es gibt. Die eine war auf ihn, die andere auf ›Hans im Glück‹ gerichtet, und hinter den unangenehmen Stahlrohren sah er zwei ebenso unangenehme, ihm wohlbekannte Gesichter – die von Lewis, genannt der ›Schläger‹, und von Peter Grierson. Zwischen diesen tauchten jetzt Jerry Noonan und Charlie Way auf, doch das waren noch nicht alle, wie weitere Gewehrmündungen bewiesen.

Da Devon seinen Colt längst in der Hand hielt, rief Wilson:

»Daß ihr mir Devon nicht erschießt, Herrschaften – wir brauchen ihn noch sehr nötig! Meine lieben Gäste, es tut mir furchtbar leid, aber ich muß Sie bitten, sich nach der Wand umzudrehen und die Hände recht hoch zu heben.«

›Hans im Glück‹ schien wie vor den Kopf geschlagen – fassungslos starrte er auf die Gewehre in der Tür und dann auf Gregory Wilson, den ehrlichen Biedermann.

»Nun, wird's bald?« schrie dieser. »Wollt ihr euch umdrehen, oder muß ich deutlicher werden?«

Die Gewehrmündungen redeten eine so überzeugende Sprache, daß sogar dümmere Menschen, als die beiden Gefangenen es waren, sie verstanden hätten – gehorsam drehten sie sich zur Wand um und hoben die Hände hoch. Jetzt traten Grierson und Lewis ein, ihnen folgten Noonan und Charlie Way.

»So, mehr brauchen wir nicht«, sagte Gregory Wilson. »Macht die Türen zu und fesselt meine beiden jungen Freunde da. Du, Noonan, gehst hinaus und stellst nach beiden Seiten Posten aus, denn es ist anzunehmen, daß der Sheriff und die alten Böcke Jim und Harry sich nach Devon umsehen, wenn sie ihn nicht bei Mrs. Purley vorfinden. Womöglich kommt die wackre Lady gar noch selbst, denn Devon scheint es ihr, wie so vielen West-Londonern, angetan zu haben.«

Inzwischen waren ›Hans im Glück‹ und Devon sorgfältig an Händen und Füßen gefesselt worden, und zwar mit dünnen Streifen von ungegerbtem Leder – einen Strick kann man nämlich durchscheuern, aus Ketten kann man die Gelenke herauszerren, diese Art Lederstreifen aber schneiden bei heftigen Bewegungen das Fleisch bis auf die Knochen durch.

Gregory Wilson überzeugte sich selbst, ob die Fesselung richtig und sachgemäß durchgeführt sei, dann wurden die beiden Gefangenen auf Stühle gesetzt.

›Hans im Glück‹ starrte Wilson noch immer ganz fassungslos und ungläubig an.

»Wahrhaftig«, sagte er schließlich, »ich versuche immer, die Sache zu begreifen, aber es gelingt mir nicht! Wilson, ich hab Sie für einen Ehrenmann gehalten –«

»Gewiß bin ich ein Ehrenmann«, unterbrach ihn der Hausherr barsch, »aber Sie sind ein Schafskopf, wenn Sie glauben, daß Sie mich durch die paar hundert Dollar, die Sie mir mal zurückgegeben haben, nun für Zeit und Ewigkeit zur Dankbarkeit verpflichtet hätten.«

»Herrgott noch mal«, schrie Hans außer sich, »doch nicht wegen des lumpigen Geldes hab ich mich in Ihrem Hause sicher gefühlt, sondern weil Sie mich Ihren Freund genannt haben!«

»Das waren Sie auch«, entgegnete Wilson, »denn Ihre ganze Art hat mir sehr gefallen – aber konnte ich denn ahnen, daß Sie so töricht sein würden, sich mit diesem Herrn Devon zu verbünden, und das gerade zu einer Zeit, da uns alles daran liegt, ihm das Genick zu brechen? Es ist ganz allein Ihre Schuld, wenn Sie jetzt in der Tinte sitzen – mitgegangen, mitgefangen!«

»Mich wundert bloß, daß Sie diesmal aus Ihrer Zurückhaltung herausgetreten sind«, rief Devon spöttisch.

»Was wollen Sie damit sagen?« fragte Wilson verdutzt.

»Nun, für gewöhnlich scheinen Sie doch so ein bißchen Napoleon zu spielen, der im Hintergrund bleibt und die schmutzigen Geschäfte von anderen besorgen läßt. Und wenn die armen Kerle, die gegen geringen Lohn für Sie arbeiten, erwischt werden, dann lassen Sie sie doch im Gefängnis verfaulen oder ermorden sie, wenn sie sich selbst helfen wollen – wie Sie's mit Sammy Green getan haben.«

Wilson wurde dunkelrot, entgegnete aber nichts, sondern schielte nach seinen Leuten hinüber, um festzustellen, wie Devons Worte auf sie gewirkt hatten. Da er in den Blicken, mit denen sie ihn musterten, etwas wie Auflehnung zu sehen glaubte, verlor er die Selbstbeherrschung, trat auf Devon zu und schlug ihm ins Gesicht.

»Etwas anderes als brutale Roheit hab ich von einem ehrlosen Hund wie Sie nicht erwartet«, sagte Devon ruhig.

»Vorwärts, bringt die beiden Kerle fort«, schrie Wilson außer sich.

Er ging selbst voraus, die anderen packten schweigend die wehrlosen Gefangenen und schleppten sie hinaus, eine steile Treppe hinauf in ein Zimmer des Obergeschosses.

»So, Lewis und Grierson, paßt gut auf sie auf«, sagte Wilson, »und vergeßt nicht, daß ich auf euch aufpasse!«

Wütend warf er die Tür hinter sich zu und stampfte die Stiege hinunter.

»So ein verdammtes Schwein«, knurrte Lewis, als die Schritte verhallt waren.

»Devon hat schon ganz recht gehabt« sagte Grierson, »nur an sich selbst denkt der Hund.«

»Natürlich – wir haben die Arbeit und die Gefahr, den Gewinn steckt er ein«, bestätigte Lewis. »Was hat er mir denn schon groß gegeben? Einen Gaul und ein paar alte Kleider, ab und zu mal ein bißchen Geld – im übrigen aber hält er uns mit Versprechungen hin –«

»Von denen man nicht fett wird«, ergänzte Grierson, »wir sind schon rechte Esel, daß wir uns das so lange gefallen lassen.«

»Ja, aber was soll man machen?« schloß Lewis mit einem tiefen Seufzer ihre halblaut geführte Unterhaltung.

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