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Auf der Spur des Goldes

Max Brand: Auf der Spur des Goldes - Kapitel 35
Quellenangabe
authorMax Brand
titleAuf der Spur des Goldes
publisherAWA-Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180225
projectid0a39af46
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Vierunddreißigstes Kapitel

Während die vier Reiter im Zickzack in die tiefe Schlucht hinabritten, erörterten sie, welche Schritte nun zunächst ergriffen werden müßten.

Der Sheriff riet Devon, von Sachverständigen den Boden seiner Farm genau untersuchen und durch Stichproben die Tiefe und Dichte des Goldvorkommens feststellen zu lassen, um möglichst bald mit dem Abbau beginnen zu können, der seiner Meinung nach keinerlei technische Schwierigkeiten bieten würde. Je rascher er damit anfange, um so sicherer sei er vor Anschlägen durch seine unbekannten Gegner, die die Sinnlosigkeit ihres Versuches, sich durch Mord in den Besitz seines Landes zu setzen, dann ja einsehen würden. Ihm zwei vertrauenswürdige Sachverständige zu besorgen, sei er gern bereit.

Devon nahm dieses Anerbieten mit Dank an.

Sie hatten inzwischen den jenseitigen Rand der Schlucht erreicht, und hier wandte Devon zufällig den Blick zurück. Fern im Tal sah er einen Lichtschimmer, kaum viel heller als einer der Sterne am nächtlichen Himmel, der sich hin und her bewegte. Er riß sein Pferd herum, denn er hatte das Regelmäßige in dieser Bewegung bemerkt, und buchstabierte aus den Morsezeichen dieses Lichttelegrammes den folgenden Satz heraus:

»Gold gefunden – alles hängt vom nächsten Schlag ab. Wollen uns morgen abend um zehn treffen.«

Da das Licht erlosch, wandte sich Devon rasch der Stadt zu, um festzustellen, ob von dort irgendeine Antwort erfolge, doch er konnte nichts entdecken. War das Ganze vielleicht nur ein Spiel seiner überhitzten Phantasie gewesen?

Er hatte die Worte, die er aus den Lichtzeichen entzifferte, laut vor sich hin gesprochen, so daß seine drei Begleiter sofort im Bilde waren.

»Das war wohl so eine Art optische Telegraphie?« fragte der Sheriff.

»Ja – haben Sie das auch gesehen?«

»Gewiß, aber klug wäre ich aus dem Geblinkere nicht geworden.«

»Kannst du den Platz feststellen, wo das Licht aufflammte?« fragte Jim besorgt. »Das wäre doch verdammt wichtig für uns.«

»Leider nicht«, erwiderte Devon, »als ich mich umdrehte, um zu sehen, ob eine Antwort erfolge, hab ich den Punkt verloren – und zu beurteilen, ob er nah oder sehr weit war, hängt von der Größe der benutzten Lichtquelle ab.«

»Wir wollen einfach eine Weile warten«, schlug Harry vor, »vielleicht telegraphieren sie noch einmal.«

»Bestimmt nicht«, entgegnete Jim überzeugt. »Solch glückliche Zufälle ereignen sich nicht mehrmals hintereinander.«

»Unwahrscheinlich ist's ja, aber wissen kann man's nie«, meinte der Sheriff. »Jedenfalls würde ich raten, daß Sie, Devon, das Tal im Auge behalten. Sie können das ja bequem, da das eine Fenster von Ihrem Zimmer nach dieser Seite geht. Bis Sie dort sind, werde ich hierbleiben und zusehen, ob sich etwas ereignet. Jim und Harry aber täten gut, zu Bett zu gehen.«

Sein Vorschlag fand allgemeinen Beifall, und so begab sich Devon rasch nach Mrs. Purleys Kosthaus und bezog seinen Posten an dem offenen Fenster.

Eine halbe Stunde saß er bereits und starrte so angestrengt hinaus, daß es ihm fast vor den Augen flimmerte, ohne das geringste entdeckt zu haben. Da hörte er plötzlich hinter sich in dem dunklen Zimmer eine Stimme sagen:

»Bleiben Sie ruhig sitzen, Devon, drehen Sie sich nicht um, sondern blicken Sie weiter zum Fenster hinaus – dann geschieht Ihnen nichts!«

Devon biß die Zähne aufeinander, sein Herz schlug ihm bis in den Hals. Er wollte herumfahren und sich dabei gleichzeitig auf den Boden werfen, doch dann fiel ihm ein, daß er, da draußen der Mond schien, gegen das Fenster ein Ziel abgab, wie man es sich nicht besser wünschen konnte. Er rührte sich also nicht – sein Atem ging schwer, auf seine Stirne trat der Schweiß.

»Haben Sie mich erkannt?« fragte da die Stimme.

»Nein.«

»In West-London nennt man mich ›Hans im Glück‹.«

Devons Herz schlug sofort ruhiger.

»Sie haben mich in der Hand«, sagte er. »Was wünschen Sie von mir?«

»Wenn Sie vernünftig sind, nichts Schlimmes – nur eine Aufklärung.«

Devon nickte.

»Schön, sagen Sie, was Sie von mir wissen wollen.«

»Eigentlich könnten Sie sich das ja denken – es handelt sich um Mabel. Ich habe versucht, sie zu finden, aber vergeblich. Wissen Sie, wo sie ist?«

Devon überlegte.

»Ich hege wirklich keinen Groll gegen Sie, Hans«, sagte er schließlich, »und darum geb ich Ihnen nur den einen Rat: vergessen Sie, daß Sie je eine Schwester gehabt haben.«

»Ich zweifle nicht daran, daß Ihre Worte gut gemeint sind, aber offenbar gehen Sie von einer falschen Voraussetzung aus, weil Sie eine Frau, wie meine Schwester, nicht verstehen können.«

»Nein, das kann ich allerdings nicht«, erwiderte Devon bitter. »Daß sie mir mit Hilfe anderer nach dem Leben trachtet, hätt ich zur Not noch begriffen, aber, daß sie es mit eigener Hand tun würde –«

»Wieso – was wollen Sie damit sagen?« unterbrach ›Hans im Glück‹ ihn hastig.

»Heute nacht erst sind Kugeln, die sie abgeschossen hat, dicht an meinem Kopf vorübergeflogen.«

»Allmächtiger!« rief Hans. »Sie haben sie also heute nacht noch gesehen?«

»Jawohl – bei dem Versuch, mich und zwei alte Trapper zu berauben.«

»Das ist einfach vollkommen ausgeschlossen«, erklärte ›Hans im Glück‹ mit größter Bestimmtheit, »es gibt kein anständigeres und ehrlicheres Geschöpf als meine Schwester. Da ich fühle, daß Sie mich nicht belügen, muß hier irgendein Mißverständnis vorliegen, denn so völlig kann ein Mensch sich nicht ändern – zum mindesten nicht in so kurzer Zeit.«

»Vielleicht ist sie erblich belastet«, meinte Devon.

»Aber wieso denn? Sie stammt aus einer angesehenen Bürgerfamilie, in der niemals –«

»Sie stammen aus dem gleichen Blut, lieber Hans, und stehen doch hier in West-London nicht gerade im Ruf, besonders friedfertig zu sein.«

»Nein, gewiß nicht«, entgegnete ›Hans im Glück‹ erregt, »aber gibt es auch nur einen einzigen Menschen, der mir nachsagen kann, daß ich jemals etwas Hinterhältiges getan hätte?«

»Ich habe derartiges jedenfalls nicht von Ihnen gehört«, gab Devon zu.

»Oder daß ich jemanden auf heimtückisch-verlogene Weise um sein Hab und Gut hätte bringen wollen?«

»Nein, auch das nicht – aber Sie haben durch Ihre tollen Streiche so häufig dem Empfinden braver Bürger ins Gesicht geschlagen, daß ich mich gar nicht wundere, wenn Ihre Schwester das gleiche tut – wenn auch auf andere Weise.«

»Es ist doch wohl noch ein Unterschied zwischen einem ehrlichen Kampf und einem Mord!« erwiderte Hans. »Wenn das alles stimmt, was Sie behaupten – wahrhaftig, dann wollt ich, ich wäre nie geboren worden. Mabel war immer ein wildes Mädel, aber gerade und ehrlich – und jetzt sollte sie –? Können Sie mir nicht eine Andeutung machen, wo ich sie finde?«

Devon zuckte die Achseln.

»Wo haben Sie sie denn gesehen?« forschte ›Hans im Glück‹ weiter.

»Auf meiner Ranch.«

»Ja, um's Himmels willen, wie kommt sie denn dahin? Was hat sie denn nachts dort zu suchen?«

»Das kann ich Ihnen nicht sagen.«

»Haben Sie denn nicht wenigstens gesehen, in welcher Richtung sie sich entfernt hat?«

»Nein, ich habe mich absichtlich nicht darum gekümmert, weil meine Begleiter und ich sie sonst hätten ins Gefängnis bringen müssen.«

Der andere unterdrückte einen Aufschrei. Devon überlegte einen Augenblick, schließlich fragte er:

»Können Sie sich am Tag in West-London sehen lassen?«

»Kann sich eine Wespe in einem Bienenkorb sehen lassen?« gab Hans zurück.

»Schön, dann wollen wir uns morgen nach Einbruch der Dunkelheit treffen – vielleicht da unten in der Schlucht.«

»Nun, und dann?«

»Dann wollen wir zusammen nach dem Hause reiten, in dem Ihre Schwester zu wohnen behauptet.«

»Ist das abgemacht?«

»Gewiß.«

»Dann drehen Sie sich um, Devon, und geben Sie mir Ihre Hand darauf!«

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