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Auf der Spur des Goldes

Max Brand: Auf der Spur des Goldes - Kapitel 34
Quellenangabe
authorMax Brand
titleAuf der Spur des Goldes
publisherAWA-Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180225
projectid0a39af46
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Dreiunddreißigstes Kapitel

Bei dem Wort ›Gold‹ horcht man überall in der Welt auf – wieviel mehr im Westen Amerikas, wo die Menschen es so häufig mit angesehen haben, daß irgendein Glückspilz unwahrscheinliche Reichtümer dem Boden abgewonnen hat. Selbst die beiden philosophischen Alten schienen völlig den Kopf verloren zu haben, und die schöne Mabel Maynard hätte ungehindert entfliehen können, wenn Sheriff Naxon es nicht als gewissenhafter Beamter für seine Pflicht gehalten hätte, sich ihrer jetzt doch zu versichern.

In gestrecktem Galopp ritten alle zu dem Staubecken zurück, in dessen Oberfläche sich der bereits tief stehende Mond spiegelte und in dessen schlammigen Rändern man schon von weitem die Löcher sah, die Rinder und Pferde hinterlassen hatten, wenn sie hierher zur Tränke kamen.

»Ist es vielleicht glaubwürdig, daß die junge Lady hier abgestiegen ist, um zu trinken?« fragte Devon. »Selbst ein Blinder hätte gemerkt, daß das Wasser faulig ist – am Geruch nämlich – und muß man niederknien, um festzustellen, daß es schmutzig und für Menschen ungenießbar ist?«

Harry und Jim hielten eine Antwort für überflüssig – ohne ein Wort zu sagen, wateten sie in das brackige Wasser. Devon zog sein Hemd aus, breitete es auf dem trockenen Boden aus, mit den Händen schaufelten sie den Schlamm hinein, um ihn dann auszuwaschen.

Bis an die Schultern beschmutzten sie sich dabei, sie sahen mehr wühlenden Schweinen als Menschen ähnlich – aber das machte sie weder in ihren eigenen Augen, noch in denen der Zuschauer lächerlich.

Während die beiden Alten das Hemd hin und her bewegten wie eine Kinderwiege, goß Devon ununterbrochen Wasser darüber, so daß schließlich, nur noch ein paar Hände voll einer schwarzen Masse übrigblieben.

»Das ist kein gewöhnlicher Dreck«, erklärte Harry, »dazu ist er viel zu schwer. Vorwärts, Walt, weiter, wir müssen noch mehr Wasser haben.«

Devon schüttete immer mehr, seine Hände zitterten schon, das Wasser wurde klarer und klarer, dann nahm Harry das Hemd allein, wrang es gründlich aus, und nun begaben sie sich an eine trockene Stelle, um die Leinwand sorgfältig auszubreiten. Wo der Schlamm seine Spuren hinterlassen hatte, schimmerte es metallisch, in der Mitte aber lag ein kleines Häufchen glitzernder Körnchen!

»Wahrhaftig, Sie haben recht gehabt, Devon!« sagte der Sheriff erstaunt.

Mabel Maynard, die neben ihm stand, starrte gleichfalls mit halb offenem Mund auf den Fund nieder.

Der alte Jim kratzte sorgfältig den Goldstaub zusammen, hielt die flache Hand, auf der er lag, in den Schatten, dann zündeten Devon und Harry Streichhölzer an, und bei deren Schein betrachteten sie das gleißende Gold genau. Plötzlich schloß Jim die Hand und sagte:

»Wir haben noch keine zwanzig Pfund von dem Schlamm ausgewaschen und doch auch nur sehr oberflächlich – was ich hier aber habe, ist für mindestens fünfzig Dollar Gold – versteht ihr, was das bedeutet?«

Er warf den Kopf zurück und lachte, der Wind spielte in seinen langen, bis auf die Schultern herabfallenden, weißen Haaren – wie ein zweiter König Lear sah er aus.

Devon stand wie benommen. Vor seinem geistigen Auge sah er aus dem unermeßlichen Reichtum, den dieser Schlamm da barg, Städte erstehen, mit hellerleuchteten Straßen, stolze Pferde sah er die edlen Köpfe schütteln, er hörte das Klappern von Hufen, das Rollen von Rädern, herrliche Musik, lockendes Frauenlachen – den Duft von tausend Blumengärten glaubte er einzuatmen – aber plötzlich war er wieder in der Gegenwart, neben der übelriechenden Wasserstelle, seine Knie schmerzten, ihn fröstelte, und neben ihm standen zwei zerlumpte, verbrauchte Greise.

Rasch sprang er auf.

»Ich denke, nun sind Sie überzeugt, Sheriff?« fragte er.

Der Sheriff sah ihn verträumt an.

»Wovon überzeugt – daß hier Gold ist, daß der ganze Boden und nicht nur der Schlamm in den Wasserlöchern von Gold strotzt? Ja, davon bin ich allerdings überzeugt.«

Devon schüttelte den Kopf.

»Das meine ich nicht«, sagte er barsch. »Ob Sie davon überzeugt sind, daß die Lady da uns belogen hat?«

Der Sheriff schob den Hut ins Genick und drehte sich nach dem jungen Mädchen um – man sah ihm an, daß seine Gedanken ganz woanders waren als bei ihr.

»Vielleicht haben Sie recht«, murmelte er, »ich weiß es nicht.«

»Aber ich bitte Sie«, entgegnete Devon ungeduldig, »die Geschichte mit ihrem Taschentuch ist doch wohl Beweis genug.«

Naxon schien erst jetzt aus einem Traum zu erwachen.

»Ja gewiß, natürlich«, sagte er, »auch nicht die Spur eines Zweifels ist mehr möglich, und sie wird selbstverständlich heute nacht im Gefängnis schlafen müssen. Wissen Sie übrigens, daß sie damit die erste Frau ist, die jemals in meinem Gefängnis gesessen hat?«

»Haben Sie das gehört?« fragte Devon das junge Mädchen.

Sie sah ihn groß an, antwortete aber nicht.

»Sie wissen also, was Ihnen blüht«, fuhr Devon fort, »aber Sie können sich das ersparen, wenn Sie uns die Männer nennen, die hinter dieser Sache stecken, ich meine die Schurken, die nicht vor einem Mord zurückschreckten, weil es ihnen nicht gelungen ist, das Gold hier gegen eine lächerliche Kleinigkeit zu kaufen. Wenn Sie uns diese Namen nennen, verbürge ich mich dafür, daß der Sheriff Sie mit keinen weiteren Fragen belästigen wird.«

Mabel Maynard schwieg noch immer, wie hilfesuchend sah sie die drei Alten an, dann aber kehrte ihr Blick zu Devon zurück.

»Sie scheinen sich noch nicht ganz klar darüber zu sein«, sagte dieser eindringlich, »was es für eine Frau bedeutet, im Gefängnis gewesen zu sein, denn sonst würden Sie nicht zögern, die Gelegenheit zu ergreifen, die wir Ihnen bieten. Nicht wahr, Sheriff, auch für Sie ist die Angelegenheit erledigt, wenn die junge Dame uns die gewünschten Namen nennt?«

»Ganz gewiß«, bestätigte Naxon eifrig, »diese Zusicherung gebe ich Ihnen in aller Form! Sprechen Sie, erleichtern Sie Ihr Herz, dann lasse ich Sie sofort frei.«

Mabel Maynard spielte mit der Mähne ihres Pferdes, sah Devon fest ins Gesicht, sagte aber immer noch nichts.

»Aus der kriegen Sie nichts raus, Sheriff«, meinte Jim, »die ist nicht wie der selige Sammy Green, die verrät ihre Spießgesellen nun und nimmer.«

Das junge Mädchen hatte, solange er sprach, den Alten angeschaut, doch dann kehrten ihre Augen wieder zu Devon zurück. Ihn ihrem Blick lagen weder Zorn noch Herausforderung – es war, als ob sie ihn aus irgendeinem Grund nicht von ihm abwenden könne.

Devon drehte sich plötzlich um und ging sinnend auf und ab.

»Ich glaube, es wird Zeit, daß wir zurückreiten«, sagte er schließlich.

»Gewiß, an der Zeit wär's schon«, nickte Naxon.

Devon trat an Mabel Maynard heran, die, an das Pferd gelehnt, zu ihm aufsah.

»Steigen Sie auf und reiten Sie, wohin Sie wollen«, sagte er. »Wenn ich auch weiß, wer Sie sind, und überzeugt bin, daß eine Frau wie Sie mehr Unheil anrichten kann als zehn Männer, will ich Ihnen nichts Böses zufügen. Sagen Sie Ihren Freunden, daß sie ihr Spiel verloren haben, wenn es ihnen nicht noch rasch gelingt, ein paar nette, kleine Morde zu begehen. Aber sagen Sie ihnen auch, daß wir mächtig auf der Hut sein werden.«

Damit hob er sie auf ihr Pferd und schwang sich selbst in den Sattel, die anderen folgten seinem Beispiel. Der Sheriff, Harry und Jim ritten voraus, Devon und das junge Mädchen schweigend hinterdrein.

Als die Lichter von West-London jenseits der Timbal-Schlucht vor ihnen auftauchten, gab Devon seinem Pferd die Sporen, so daß er bald mit den drei alten Männern in einer Reihe ritt. Jim legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte:

»Das hab ich von Anfang an gewußt, Walt – du bist viel zuviel Mann, um anders gegen ein Weib zu handeln.«

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