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Auf der Spur des Goldes

Max Brand: Auf der Spur des Goldes - Kapitel 3
Quellenangabe
authorMax Brand
titleAuf der Spur des Goldes
publisherAWA-Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180225
projectid0a39af46
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Zweites Kapitel

Eines Morgens nun erwachte Les mit ziemlich schwerem Kopf und fand das ganze Tal angefüllt mit einem dichten Nebel, der ihn an London erinnerte, in dessen Hafen er einmal als ehemaliger Seemann gewesen war. Deshalb errichtete er dort eine Tafel mit der Inschrift ›London‹. Damit hatte er zwar keine Stadt, aber bereits einen Namen für eine solche.

Bald jedoch fiel es Burchard ein, daß London allein nicht genüge, denn das hätte doch zu Verwechslungen führen können, zumal von dem Original-London wohl die meisten Menschen in Amerika schon einmal gehört haben mochten. Er nagelte also noch ein Brett an seine Tafel und schrieb darauf ›West‹, und darum befinden wir uns heute in West-London, im Gegensatz zu dem an der Themse.«

Nummer Zwei bewegte plötzlich seine hellbrennende Pfeife hin und her.

»Wie weit soll ich gehen?« entzifferte Devon.

Die Antwort im Spiegel, die die Zigarette von Nummer Eins gab, lautete:

»Bring ihn um!«

Der Erzähler fuhr fort:

»Les Burchard hauste noch nicht lange hier in dem Tal, da fand der besagte Devon eines Tages einen Goldklumpen, mit dem er sich schleunigst auf den Weg zur nächsten Stadt machte. Eines Morgens weckten Les die Schläge einer Hacke, die den Felsen abklopfte, und eine Woche später arbeiteten bereits fünftausend Mann da in der Schlucht. Burchard verkaufte seinen Alkohol, den Fingerhut voll für einen Dollar, das Holz seines Wagens für zweitausend Dollar in Gold. Die Maultiere brachten ihm mehrere hundert je Stück ein, und das Leder der Geschirre wurde ihm mit Gold aufgewogen – kurz, Les verdiente so viel Geld, daß er sich hätte zur Ruhe setzen können. Das tat er jedoch nicht, sondern trank, als das scheußliche Zeug in seinem Faß auf die Neige ging, den Rest selber aus und torkelte dann in die Schlucht, um selbst sein Glück als Goldgräber zu versuchen.«

Nummer Zwei, den wohl der letzte Befehl etwas aus dem Gleichgewicht gebracht haben mochte, wie Walt Devon aus der langen Pause, die folgte, schloß, telegraphierte jetzt:

»Wann?«

»Heute abend um elf«, antwortete der Zigarettenraucher.

»Wo?«

»Bei Purley.«

»Der wackere Les Burchard«, erzählte der Fremde an der Brüstung weiter, »hatte sich so vollgetrunken, daß er kaum noch wußte, wo er war, aber er besaß eine Hacke und eine Schaufel, die allerdings augenblicklich sein ganzes Hab und Gut ausmachten. Als er nun so durch das Tal schwankte, suchte er sich eine Stelle aus, an der andere schon versucht hatten, einen Gang in den Felsen zu treiben, die Sache aber als aussichtslos aufgegeben hatten. ›Hier ist so schön vorgearbeitet‹, sagte er sich, ›da brauch ich mich nicht so mächtig anzustrengen.‹

Die anderen lachten ihn aus, doch da er sich nicht belehren lassen wollte, dachten sie, er würde den Blödsinn schon selbst einsehen, wenn er erst nüchtern geworden wäre. Er klopfte und kratzte also nach seiner eigenen Manier – ohne den geringsten Erfolg natürlich! Kurz vor Feierabend aber schlug er voll enttäuschter Wut mit aller Wucht seine Hacke in den Felsen, und dabei legte er eine Goldader frei, die so reich war, daß er nicht mehr wußte, was er mit all dem vielen Gold anfangen sollte. Da er nun für Geschäftemachen immer schon eine gewisse Schwäche besaß, hat er hier, an der gleichen Stelle, wo damals sein Wagen zusammengebrochen war, diesen Spielpalast erbaut, der ihm Jahr für Jahr recht anständige Summen einbringt. Den größten Luxus, den er sich leistet, ist übrigens ein Koch, ein Chinese, der einfach ein Genie in seinem Fach ist.«

So sehr ihn diese Erzählung auch interessierte, Walt Devon hatte ihrem letzten Teil nur mit halbem Ohre zugehört, denn das Wort »Purley«, das Nummer Eins vorhin telegraphierte, hatte eine besondere Bedeutung für ihn. So hieß nämlich das Kosthaus, in dem er wohnte.

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