Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Max Brand >

Auf der Spur des Goldes

Max Brand: Auf der Spur des Goldes - Kapitel 29
Quellenangabe
authorMax Brand
titleAuf der Spur des Goldes
publisherAWA-Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180225
projectid0a39af46
Schließen

Navigation:

Achtundzwanzigstes Kapitel

Im Westen liebt man es, wichtige Angelegenheiten in aller Gemütsruhe und Gründlichkeit durchzusprechen und vorzubereiten. Man genießt dabei die glückliche Erledigung gewissermaßen bereits im voraus. So steckten denn auch der Sheriff, Jim, Harry und Devon die Köpfe zusammen, und nachdem sie einen aussichtsvollen Plan durchgezimmert hatten, putzte sich Walt Devon seine Stiefel schön blank, bürstete sorgfältig Rock und Hut und machte dann einen Spaziergang, ein leichtes Spazierstöckchen dabei schwingend – jedoch in der linken Hand.

Es war dies durchaus keine Ziererei von ihm, denn jeder in West-London wußte, daß es für ihn lebenswichtig war, die Rechte frei zu haben – um jederzeit ein Instrument fassen zu können, das etwas schwerer ist als ein Spazierstock.

Da er gehört hatte, daß sich Sam Green in einer Kneipe ganz draußen vor der Stadt befand, die gute Geschäfte machte, weil sie die erste war, die die halbverdurstet aus der Wüste zur Stadt Kommenden am Wege fanden, so begab Devon sich dorthin.

Er stieß die Pendeltür auf und stellte mit einer Sicherheit und Schnelligkeit, die das Auge nur am Spieltisch erwirbt, fest, daß er keinen von den sechs Männern, die vor dem Schanktisch standen, persönlich kannte. Der jedoch, der sich da am äußersten Ende bequem gegen die Wand lehnte, mußte nach der Beschreibung, die man ihm gegeben hatte, Sammy Green sein. Er war ein junger Mensch anfangs der zwanziger Jahre mit ungewöhnlich breiten Schultern, die wieder gutmachten, was ihm an Körpergröße fehlte, und einem jungenhaft wirkenden, sommersprossenübersäten Gesicht.

Devon trat ein, nickte den Anwesenden zu und blieb möglichst in der Nähe der Tür. Mit einem gewissen Vergnügen konnte er feststellen, daß alle ihn von Ansehen kannten. Wenn er dieses Berühmtsein auch mit wiederholter Lebensgefahr hatte erkaufen müssen, so war es doch auch wieder ganz gut, denn es bestand immerhin die Möglichkeit, daß beim nächsten heimtückischen Überfall die Menge für ihn Partei ergreifen würde – zumal seit seinem Abenteuer mit ›Hans im Glück‹, das den guten Bürgern von West-London gewaltig imponiert hatte.

»Habe ich Sie nicht schon einmal bei mir begrüßen dürfen, Mr. Devon?« fragte der Wirt.

»Nein – ich bin leider noch nie in dieser Gegend gewesen.«

»Und dabei ist's doch so schön hier – allein die gute Waldluft ist schon so bekömmlich«, versicherte der Wirt. »Darf ich Ihnen die Gentlemen vorstellen? Lefty Jack Marvin, Bud Lampson, Chuck Parry, Hal Murphy, Christ Long und –«

Devon, der jedem einzelnen die Hand geschüttelt, nickte Green zu.

»Sie sind Sammy Green – nicht wahr?«

»Jawohl, der bin ich«, erwiderte Sam, entzückt darüber, daß ein so berühmter Mann ihn mit seinem Namen ansprach. »Ich wußte gar nicht, daß Sie mich kennen, Mr. Devon.«

»Ich habe von Ihnen gehört«, entgegnete Devon, den der Sheriff auf diese Unterhaltung vorbereitet hatte, lächelnd, »besonders von Ihrem Aufenthalt in Tombstone.«

»Das ist leider schon eine ganze Weile her – waren aber schöne Zeiten«, sagte Green, das Gesicht verklärt in seliger Erinnerung. »Wer hat Ihnen denn von mir erzählt?«

»Ach, verschiedene Leute«, antwortete Devon obenhin. »Man erinnert sich Ihrer gern in Tombstone.«

»Ja, ja – es ist schon etwas dran, wenn man überall, wo man gewesen ist, gute Freunde und einen geachteten Namen hinterläßt«, meinte Sammy selbstbewußt. »Wollen wir zusammen was trinken, Mr. Devon?«

»Ich möchte mir erst noch ein bißchen die Beine vertreten«, erwiderte Devon. »Kommen Sie ein Stück mit.«

Geschmeichelt nahm Green die Einladung an.

»Nun entführen Sie mir noch meine Gäste«, rief der Wirt, sichtlich enttäuscht.

»Ich komme nächstens wieder«, sagte Devon im Herausgehen, »dann müssen Sie aber auch für eine anständige Pokerpartie sorgen!«

Zusammen mit dem strahlenden Green wandte er sich zur Stadt zurück, über die sich der Abend niedersenkte.

In der Timbal-Schlucht herrschte jetzt Ruhe, eine einzige Hacke klopfte noch eilig, als ob sie verlorene Zeit einholen müsse – in der Stadt aber erwachte das Leben von neuem. Die Menschen kamen aus ihren Häusern heraus, in die sie sich vor der Nachmittagshitze geflüchtet; vor den Türen der Saloons schwärmte und summte es wie vor einem Bienenkorb.

»Graben Sie hier auch nach Gold?« fragte Devon seinen Begleiter.

»Augenblicklich nicht«, antwortete Sammy, »es hat keinen großen Zweck mehr. Hier ist ja schon jeder Felsbrocken angebohrt wie ein schlechtes Gebiß.«

»Na, es gibt ja auch noch andere Verdienstmöglichkeiten in einer Stadt wie West-London.«

»Freilich man findet immer ein paar Dollar. Da oben zum Beispiel hab ich eine Zeitlang als Rausschmeißer gearbeitet.«

Green wies dabei auf Les Burchards Spielpalast, an dem sie gerade vorübergingen.

»Burchard muß doch ein Mordsgeschäft machen mit dem Lokal«, sagte Devon.

»Gewiß – wo unsereins mühsam angelt, fischt der mit dem Zugnetz.«

»Aber es geht doch ehrlich bei ihm zu?«

Green zuckte die Achseln.

»Es wird allgemein behauptet – warum, weiß ich allerdings nicht. Aber jetzt könnten wir eigentlich was trinken – meinen Sie nicht?«

»Ich möchte lieber noch ein Stück gehen«, erwiderte Devon. »Was ist denn das für ein Gebäude da?«

»Was, kennen Sie das nicht?«

»Nein.«

»Das ist doch das Gefängnis«, sagte Green lachend.

»Ach, das neue, das Sheriff Naxon kürzlich hat bauen lassen?«

»Freilich, dafür hat er ja überall gesammelt. Kennen Sie übrigens die nette Geschichte von ihm und ›Hans im Glück‹?«

»Nein.«

»Der Bengel hat in irgendeinem Saloon fünfhundert Dollar geklaut und sie dem Sheriff für seinen Neubau gestiftet. ›Wer weiß‹, hat er dabei gesagt, ›vielleicht muß ich selbst mal drin übernachten, und da will man doch anständig untergebracht sein!‹«

»Na, und hat der Sheriff das Geld angenommen?«

»Selbstverständlich – dem war's doch gleichgültig, wo das Geld herkam, wenn er nur sein Gefängnis gut und sicher aufbauen konnte. Es soll ja dann auch fabelhaft geworden sein.«

»Wollen wir's uns mal ansehen?« schlug Devon vor.

»Nein, danke«, erwiderte Sammy Green, »ich bin schon zweimal in einem Gefängnis gewesen, mein Bedarf ist vorläufig gedeckt.«

»Ich seh mir's jedenfalls mal an – es ist immer gut, wenn man Lokalkenntnisse hat«, sagte Devon, »und Ihnen kann das sicher auch nichts schaden.«

Sie waren vor dem Eingang angelangt, Green zögerte.

»Also bitte, kommen Sie mit.«

Devons Worte klangen bei aller Freundlichkeit merkwürdig bestimmt.

»Wieso – was wollen Sie von mir?« fragte Green plötzlich ängstlich.

»Ja, denken Sie denn, ich bin zum Spaß durch die ganze Stadt mit Ihnen gelaufen?« fragte Devon. »Vorwärts – die Treppe hinauf und eingetreten!«

Sammys Rechte machte eine rasche Bewegung nach dem Colt, doch da er sah, daß Devon die seine in die Rocktasche vergraben hatte, wußte er Bescheid.

»Also eine Falle war das?« ächzte er tonlos.

»Sie haben zu viel Freunde hier in der Stadt, als daß man Sie in aller Öffentlichkeit hätte festnehmen können«, entgegnete Devon. »Darf ich jetzt bitten, voranzugehen?«

Da Sammy Green einsehen mochte, daß jeder Widerstand aussichtslos war, stieg er langsam die Treppe hinauf, doch ehe er die Tür erreichte, bog er den Kopf zurück und stieß einen langgezogenen Pfiff aus, der allerdings von Devons Hand jäh unterbrochen wurde. Mit einem kräftigen Stoß schleuderte Devon seinen Gefangenen in die ausgebreiteten Arme des bereits ungeduldig wartenden Sheriffs.

 << Kapitel 28  Kapitel 30 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.