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Auf der Spur des Goldes

Max Brand: Auf der Spur des Goldes - Kapitel 23
Quellenangabe
authorMax Brand
titleAuf der Spur des Goldes
publisherAWA-Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180225
projectid0a39af46
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Zweiundzwanzigstes Kapitel

Ohne jede Schwierigkeiten fand der alte Jim die Fußspuren von Mabel Maynard auf dem diesseitigen Ufer des Baches, der durch die Lichtung floß, und verfolgte sie bis an die erhöhte Stelle, an der Devon mit ihr zusammengetroffen war.

»Hier hat er sie gepackt und sie in den Mondschein gezerrt«, erklärte er, »hier haben sie gestanden und miteinander gesprochen; hier hat er sich anders besonnen und ist zurückgegangen –«

»In dem Augenblick hat er also den Pfiff gehört«, nickte Harry.

»Jawohl«, fuhr Jim fort, »und hier ist sie davongelaufen, sehr schnell sogar, wie die Zwischenräume zwischen den einzelnen Abdrücken ihrer Füße beweisen, die auffallend weit voneinander entfernt sind, besonders, wenn man bedenkt, daß sie lange Kleider trug. Sieh nur, Harry, die Absätze sind ganz wenig in den Boden eingedrungen. Sie hat also, wie man's beim Laufen ja macht, das ganze Gewicht auf die Zehenspitzen gelegt. Na, dann komm mal weiter, Harry – vier Augen sehen mehr als zwei, und in diesen Föhrennadeln ist's überhaupt schwer, etwas zu erkennen.«

Sorgfältig, oft auf Händen und Knien kriechend, forschten sie weiter. Manchmal mußten sie auch die Nadeln vorsichtig beiseite schieben und den darunter befindlichen feuchten Waldboden untersuchen; aber sie kamen doch vorwärts.

»Donnerwetter, mir tut der Rücken schon weh«, klagte Harry nach einer Weile, »ich muß unbedingt eine Pause machen. Das Mädel ist ja weniger als ein Federgewicht, so undeutlich sind ihre Spuren.«

Wiederholt verloren sie diese überhaupt, und dann bewegten sich die beiden Alten im Kreise wie schnüffelnde Hunde, die Augen so tief auf dem Boden, daß es aussah als ob sie sich tatsächlich wie Hunde durch den Geruch leiten ließen. Jedesmal jedoch, manchmal allerdings nach fast halbstündigem Bemühen, fanden sie, was sie suchten, und dann kamen sie wieder ein Stück in rascherem Tempo weiter.

Trotzdem staunte Devon, der ihnen müßig folgen mußte, darüber, wie entsetzlich langsam man vorwärtskam. Es war dies jedoch kein Wunder, denn Mabel Maynard war keineswegs immer geradeaus gegangen, sondern zweimal war sie scharf nach rechts abgebogen, um dann wieder zurückzukommen und nach links weiterzugehen.

Einmal schien die Spur völlig verloren, doch nachdem sie einen ziemlich breiten Bach auf einem umgestürzten Baumstamm überquert hatten, entdeckten die beiden Trapper endlich in dem weichen Schlamm des jenseitigen Ufers deutliche Abdrücke ihrer kleinen Schuhe.

Dann aber erreichten sie eine Gegend, wo Feuer den ursprünglichen Wald vernichtet hatte. Nur einige verkohlte Baumstümpfe waren übriggeblieben, und zwischen diesen war das Unterholz zu einem undurchdringlichen Dickicht herangewachsen.

Hier hielten Jim und Harry eine kurze Beratung ab und kamen zu dem Ergebnis, daß ein Irrtum ausgeschlossen sei: da die Spur einwandfrei hierhergeführt hatte, eine zurücklaufende aber nicht vorhanden war, mußte das junge Mädchen durch dieses Dickicht weitergegangen sein.

Die Stelle jedoch, an der sie eingedrungen war, konnten sie trotz aller Mühe nicht entdecken, und da es in dem Dickicht so dunkel war, daß sie auf dem Boden überhaupt nichts sahen, blieb ihnen nichts übrig, als aufs Geratewohl sich vorwärtszutasten. Oft mußten, sie zurückgehen, denn das Gestrüpp war so dicht, daß sie einfach nicht durchkamen. Schließlich aber fand Jim einen schmalen Pfad, der sie in vielen Krümmungen und Windungen in eine Lichtung führte, auf der sie eine kleine, fensterlose Blockhütte fanden. Ihre Tür stand weit offen. Es war ein merkwürdig roh gezimmerter Bau, mit ungleich langen Wänden, die Tür hing lose in Lederangeln, die untersten Balken waren mit Moos überzogen. Das Ganze machte einen trostlosen, verwahrlosten Eindruck.

Die Lichtung selbst war so schmal, daß auf ihr nur ein unbestimmtes Zwielicht herrschte, da die Sonne durch das Dickicht nicht einfallen konnte.

Neben der Blockhütte befand sich eine lächerlich kleine Koppel, in der ein räudig aussehendes Pferd und ein anderes Tier grasten, das man bei einigem guten Willen für eine Kuh halten konnte. Vor der Hütte saß deren Eigentümer, eifrig damit beschäftigt, neue Spannbretter für Häute anzufertigen, von denen bereits eine Anzahl an der Wand neben ihm lehnten.

Der Mann sah gerade so verkommen aus wie seine Hütte. Er war ziemlich dick, seine niedrige Stirn war von Querfalten durchfurcht, was seinem Gesicht einen weinerlichen Ausdruck gab. Die Hängebacken zeigten rote Flecken unter dem acht Tage alten Stoppelbart, seine Augen waren wässerig und trübe, wahrscheinlich durch häufigen Alkoholmißbrauch.

Als die drei herankamen, blickte er von seiner Arbeit auf und winkte ihnen mit der dicken Hand zu. Dann begann er, offenbar um sie besser beobachten zu können, sich umständlich eine Pfeife zu stopfen, ohne jedoch aufzustehen.

»Seid Ihr zwei nicht Harry und Jim?« fragte er nach einer Weile.

»Allerdings, so heißen wir«, erwiderte Jim. »Woher kennen Sie uns denn?«

»Wer kennt euch beide nicht hier in der Umgegend von West-London? Wolltet ihr mich besuchen?«

»Nein, uns hat nur der Zufall hergeführt«, nahm Harry das Wort. »Was treiben Sie denn hier in dieser Wildnis?«

»Hauptsächlich Schweinezucht.«

»Auch kein schlechtes Geschäft«, meinte Harry.

»Na, es geht«, entgegnete der andere. »Vorige Woche hab ich allerdings ganz gut verkauft. Die Schlächter in West-London haben jetzt einen riesigen Bedarf.«

Während Harry sich mit dem Mann noch weiter unterhielt, sah Jim sich genauer um. Jetzt tat er, als ob ihm die Bauart der Hütte besonders gefiele, doch als er sich anschickte, deren Inneres zu besichtigen, suchte ihm der Besitzer, der sich inzwischen schwerfällig erhoben hatte, den Weg zu vertreten. Jim gab sieht den Anschein, diese Absicht nicht zu verstehen, sagte etwas über die ungemein gefällige Art, in der die Tür gearbeitet sei, und drückte sich an dem anderen vorbei in die Hütte hinein, so daß dem Hausherrn nichts übrigblieb, als dem ungebetenen Gast nachzugehen.

Harry gab Devon ein Zeichen, ihm zu folgen, worauf beide gleichfalls in die Hütte traten, in der es feucht und so dunkel war, daß Devon fast nichts erkennen konnte, bis Harry die Hintertür aufstieß und neugierig hinausblickte. Hier befand sich ein auffallend großer Heuschober, an dem vorbei ein festgestampfter Weg führte, der sich im Dickicht verlor.

»Da haben Sie ja Heu für den ganzen Winter«, meinte Harry, sich umdrehend. »Nanu, wo ist der Mann denn geblieben?«

»Er hat einen Eimer genommen und wollte Wasser holen.«

»Du, das gefällt mir nicht«, entgegnete Harry und eilte nach der vorderen Tür, um nach dem Hüttenbesitzer Ausschau zu halten, ohne ihn jedoch entdecken zu können.

»Daß der Kerl verschwinden würde, wenn sich ihm eine Gelegenheit dazu böte, hab ich erwartet«, sagte Harry schließlich nachdenklich, »aber daß er's so eilig hat, hab ich denn doch nicht geglaubt.«

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