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Auf der Spur des Goldes

Max Brand: Auf der Spur des Goldes - Kapitel 14
Quellenangabe
authorMax Brand
titleAuf der Spur des Goldes
publisherAWA-Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180225
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Dreizehntes Kapitel

Als Devon zusammen mit dem alten Harry den Schankraum betrat, schmetterten rauhe Kehlen gerade den Kehrreim eines Liedes, in dem die Sänger behaupteten, die ganzen Rocky Mountains seien nur ein Kuchen, von dem sie sich demnächst ein Stück, und zwar eins mit recht vielen Rosinen darin, abbrechen würden.

Nach zwei vergeblichen Anfragen wies ihn schließlich jemand an den »Schläger«, einen großen Menschen, der die Ärmel seines Flanellhemdes über den starkbehaarten Unterarmen bis zu den Ellbogen aufgerollt hatte und die Welt gewöhnlich unter finster gerunzelten Augenbrauen hervor zu betrachten pflegte.

»Sie heißen Lewis, nicht wahr?« fragte Devon ihn.

»Zu dienen, ich bin Lewis, genannt der ›Schläger‹, wenn Sie nichts dagegen haben. Was wünschen Sie?«

»Ich suche ›Hans im Glück‹ – würden Sie mir sagen, wo ich den finden kann?«

Lewis musterte ihn mit abgründiger Geringschätzung.

»Wer hat Ihnen denn gesagt, daß ich weiß, wo er ist?« fragte er schließlich.

Devon zögerte einen Augenblick, beantwortete dann aber diese mißtrauische Frage lieber gar nicht, sondern versicherte, daß er dem ›Hans im Glück‹ durchaus wohlgesinnt sei und ihm nur eine für ihn wichtige Mitteilung zu machen habe.

»Anderthalb Gramm Blei, an die richtige Stelle befördert, ist auch eine wichtige Mitteilung«, meinte Lewis spöttisch.

»Sie können ja mitkommen«, schlug Devon vor, »wenn wir, mein alter Freund hier und ich, vorausreiten, haben Sie uns dauernd unter dem Daumen, und Sie können sich dann selbst davon überzeugen, daß wir keine feindlichen Absichten hegen.«

Lewis blickte noch finsterer als sonst drein.

»Heute ist Feiertag«, erklärte er schließlich.

»Würden Ihnen zehn Dollar als Entschädigung für Ihre Mühe genügen?« fragte Devon.

Der Blick des »Schlägers« hellte sich merklich auf.

»Das ist das erste vernünftige Wort, das Sie sprechen«, sagte er. »Warum nicht gleich so? Ich habe meinen Gaul draußen; wenn Sie bereit sind, können wir aufbrechen.«

Devon und Harry holten also ihre Pferde aus dem Mietstall, und dann ritten sie los – gefolgt von Lewis, genannt der ›Schläger‹, der ihnen die Richtung angegeben hatte.

Nachdem die Stadt hinter ihnen lag, führte der Weg, der nun etwas schmäler wurde, durch einen dichten Wald. Hatten die beiden bisher geschwiegen, so gestattete jetzt die größere Entfernung zwischen ihnen und dem hinterher reitenden Lewis eine halblaut geführte Unterhaltung.

»Na, Walt, fühlst du dich wohl bei der Geschichte?« fragte der alte Harry.

»Nein«, war die trockene Antwort.

»Eigentlich komisch – erst läßt du dich zum Teilhaber eines Gauners und üblen Schießers machen, weil ein hübsches Mädel dich mit seinen Kulleraugen ansieht, und dann hast du nicht einmal Spaß an der Sache.«

»Hättest du dich an meiner Stelle nicht vielleicht auch in dieses Abenteuer verwickeln lassen?«

»Ganz bestimmt nicht«, erwiderte Harry überzeugt, »selbst wenn ich noch fünf Jahre jünger wäre als du.«

»Und warum nicht?«

»Der Lady wegen.«

»Lady? Aber das arme Geschöpf ist doch noch beinah ein Kind.«

»Na ja, für vierzehn, fünfzehn hab ich sie auch höchstens gehalten«, erwiderte Harry, »um so sonderbarer aber kommt es mir vor, daß sie so ganz allein in die Welt gondelt und –«

»Erlaube mal, wieso denn?« unterbrach ihn Devon, »zwanzig Jahre ist sie doch immerhin mindestens.«

»Merkwürdig rasch altert das ›arme Geschöpf‹«, meinte Harry spöttisch, »aber deine jetzige Anschauung kommt der Wahrheit entschieden näher, und mit zwanzig Jahren ist ein Mädchen kein Kind mehr, besonders nicht, wenn es solche Augen hat.«

»Was hast du gegen sie? Hältst du sie für gefährlich oder was?«

»Jawohl, für gefährlich halt ich sie, Walt«, erwiderte der Alte, »gefährlich für dich und für mich, denn wenn du hinfällst, stolpere ich über dich.«

Harry hatte so überzeugt gesprochen, daß Devon ihn ganz erstaunt ansah.

»Ach, geh«, sagte er schließlich. »Es ist sicher keine Falschheit in ihr.«

»Das wird die Zukunft lehren«, entgegnete Harry. »Im übrigen muß ich die ganze Zeit über an ein Erlebnis denken, das ich mal in San Antone gehabt habe. Ich hatte da mit einem Rechtsanwalt zu tun, und der saß, während er mit mir sprach, in einem Schaukelstuhl und schaukelte hin und her, so daß ich mir dauernd den Kopf verrenken mußte, wenn ich sein Gesicht sehen wollte.«

»Und was hat das mit unserer heutigen Sache zu tun?« fragte Devon verständnislos.

»Genau so wie damals muß ich mir, seit wir die Stadt verlassen haben, den Kopf verrenken, um den Mann, der da hinter uns reitet, im Auge zu behalten.«

»Allmächtiger – traust du dem auch nicht?«

»Wenn du an einem dicken Baum die Spuren von Klauen siehst, die die Rinde mit einem Griff zerrissen haben, so daß das weiße Holz bloßliegt – glaubst du dann, daß diese Spuren von einem harmlosen Tier herrühren?«

»Und wo hast du bei Lewis etwas entdeckt, was auf derartige scharfe Klauen schließen läßt?«

»In seinen Augen, mein Sohn«, erwiderte der alte Trapper. »Verlaß dich darauf, ich irre mich nicht.«

»Du meinst also, daß wir in eine Falle reiten?« fragte Devon erstaunt.

»Nein, das meine ich nicht.«

»Sondern?«

»Daß wir in der Falle schon mitten drin sind«, antwortete Harry gelassen.

»Wieso?« fuhr Devon erschrocken auf.

»Hör nur!«

Walter Devon lauschte – hinter ihnen hörte er Lewis pfeifen.

»Nun ja, der Mann pfeift vor sich hin«, sagte er. »Was ist schon dabei?«

Ehe Harry antworten konnte, endete das bisher gleichförmige Gepfeife in zwei kurz aufeinanderfolgenden schrillen Pfiffen.

»Rasch in Deckung hinter die Bäume!« rief der Alte Devon zu und war gleich darauf im Unterholz, das den Weg einsäumte, verschwunden.

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