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Auf der Spur des Goldes

Max Brand: Auf der Spur des Goldes - Kapitel 12
Quellenangabe
authorMax Brand
titleAuf der Spur des Goldes
publisherAWA-Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180225
projectid0a39af46
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Elftes Kapitel

Auf dem Weg zu seinem Kosthaus erzählte Devon dem Alten von dem Mordanschlag, der gestern auf ihn versucht worden war. Harry hörte, seinen dünnen Schnurrbart streichend, aufmerksam zu; dann sagte er:

»An deiner Stelle würd ich mich solchen Dingen nicht mehr aussetzen. Jim und ich sind ja hier, um zu sehen, wie der Hase läuft; also pack auf und empfiehl dich!«

Devon schüttelte den Kopf.

»Du weißt doch, daß ich nie des Gewinnes wegen spiele, sondern weil das Spiel selbst mir Spaß macht«, sagte er. »Gerade das Abenteuerliche an der Geschichte reizt mich.«

»Das ist ja ganz schön und gut«, meinte Harry bedenklich, »man muß aber auch die Karten kennen, mit denen gespielt wird.«

»Die hoffe ich bald kennenzulernen«, erwiderte Devon. »Zeit dazu werde ich bestimmt haben, denn meine Gegner werden nichts überstürzen, wenn sie merken, daß ich einen Mann wie dich bei mir habe.«

Diese Schmeichelei tat ihre beabsichtigte Wirkung. Harry kam auf seinen Vorschlag nicht wieder zurück.

Der Schankraum in Mrs. Purleys Haus war, wie alle übrigen Lokale von West-London, heute überfüllt. Im Vorübergehen sahen die beiden einen Augenblick hinein – es ging hoch her, die Goldgräber sangen, schrien und lachten wie Matrosen, die nach langer Fahrt endlich wieder in einem Hafen gelandet sind.

Als Mrs. Purley Devon erblickte, verließ sie sofort ihren Platz hinter dem Schanktisch. Mit schweißüberströmtem Gesicht arbeitete sie sich durch die lärmende Menge auf ihn zu.

»Der Himmel schickt Sie mir«, sagte sie atemlos. »Ich muß Ihnen eine Geschichte erzählen, bei der Sie das Fluchen lernen können. Ach, da ist ja auch der Opapa! Guten Tag, Harry – kommen Sie mit, ich brauche dringend einen guten Rat.«

Damit nötigte sie die beiden in ihr Privatkontor, wo sie sich wie erschöpft in einen Stuhl fallen ließ, ein riesiges Taschentuch aus der Schürzentasche zog und sich gründlich Stirn und Wangen abwischte. Schließlich schlug sie mit ihrer gewaltigen Hand auf die Schreibtischplatte und erklärte, vollkommen fertig zu sein.

»Der Trubel da draußen hat Sie wohl müde gemacht?« erkundigte sich Devon höflich.

»Mich? Lächerlich – den Trubel möcht ich sehen, der mich müde machen könnte! Nein, nein – nicht die Arbeit ist daran schuld.«

»Sondern?« fragte Devon.

Die Witwe antwortete mit der Gegenfrage:

»Wer, meinen Sie, ist heute nachmittag hier bei mir eingetrudelt?«

»Keine Ahnung! Vielleicht irgend ein Raufbold, der Lärm gemacht hat?«

»Nein, mein Herz, die Sorte macht mir nichts – die verdaue ich ohne Salz! Raten Sie weiter.«

»Haben Sie vielleicht irgendwoher eine schlechte Nachricht bekommen?«

Mrs. Purley schüttelte den Kopf und fuhr sich von neuem mit dem Taschentuch über die Stirn. Devon zuckte die Achseln.

»Sie erraten es natürlich nicht«, sagte die mannhafte Wirtin. »Also geben Sie acht! Die Türklingel geht, ich rufe: ›Welcher Hanswurst erlaubt sich da einen schlechten Witz?‹, denn geklingelt wird doch bei mir sonst nicht, da die Tür, wie Sie wissen, den ganzen Tag für jeden, der rein oder raus will, offensteht. Niemand antwortet – aber die Glocke läutet wieder! Da wurde ich natürlich wild – ich war nämlich gerade dabei, meine Bücher in Ordnung zu bringen, und Rechnen macht mir sowieso leicht Kopfweh. Ich stehe also auf, nehme meinen Gummiknüppel, der, wie Sie sehen, hier immer zur Hand liegt, verstecke ihn unter der Schürze, um dem Schafskopf, der mich da zum besten haben will, eins über den Schädel zu ziehen, daß er drei Monate dran genug hat – aber als ich an die Tür komme, was sehe ich da? Ein weibliches Etwas mit blonden Haaren und großen Kinderaugen! ›Sind Sie Mrs. Purley?‹ fragte das Wesen. ›Jawohl‹, sag' ich, nehm die Kleine an der Hand, führ sie ins Haus und frag sie, ob sie ein Glas Bier und ein Wurstbrot haben wolle. Sie sieht mich verständnislos an, als ob ich chinesisch spreche, und dann sagt sie, sie hätte noch nie Alkohol getrunken. ›Bier ist kein Alkohol‹, erklär ich ihr, ›sondern nur gefärbtes Wasser.‹ ›Dann möchte sie lieber um ein Glas ungefärbtes Wasser bitten‹, sagt sie. Na, um die Sache kurz zu machen – schließlich holt sie ein Lichtbild aus ihrem Täschchen – sie ist nämlich auf der Suche nach einem Mann – ob ich den kenne? Ich werfe einen Blick auf das Bild – natürlich kenne ich den. ›Oh, das ist ja herrlich‹', flötet die Kleine, ›nein, was für ein Glück, daß ich Sie gefunden habe!‹ So, und nun kommt mal beide her und seht euch das Bild an, das sie mir gezeigt hat! Kennen Sie den Menschen, Mr. Devon?«

Dabei hielt sie ihm das Lichtbild eines gutaussehenden, hübschen, jungen Mannes hin – doch Devon schüttelte verneinend den Kopf.

»Na, dann sieh du mal zu, Opapa!« sagte sie.

Harry warf nur einen Blick auf das Bild und sagte dann sofort:

»Das ist ›Hans im Glück‹, oder ich laß mich fressen.«

»Wer ist denn das und wie kommt er zu diesem Namen?« fragte Devon erstaunt.

»Er hat immer ein Schweineglück gehabt«, erwiderte Harry, »unter anderem auch darin, daß er mir nicht vor meinen Colt gekommen ist. Im übrigen fragst du besser Leute, die gewandter als ich erzählen können, nach dieser – Klapperschlange.«

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