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Auf der Höhe Vierter Band

Berthold Auerbach: Auf der Höhe Vierter Band - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorBerthold Auerbach
titleAuf der Höhe Vierter Band
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
correctorreuters@abc.de
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Zweites Kapitel.

Es war im Vorfrühling.

Frau Gunther und ihre beiden Töchter saßen am Fenster und arbeiteten, zu ihren Füßen spielte ein blondlockiges, großäugiges Mädchen von bald fünf Jahren, das die drei Frauen oft mit innigem Blick betrachteten. Tante Paula schien die Bevorzugte, denn das Kind wendete sich mit Fragen und Wünschen weniger an die Großmutter und Mutter, als an Paula.

Frau Gunther hatte sich seit der Uebersiedelung gar nicht verändert, sie war noch so stattlich und fein und es war noch, wie Freunde in der Residenz behauptet hatten: jedes Kleid, das sie trug, sah aus, als ob es eben neu aus der Truhe käme.

Die Witwe des Professors war etwas stärker geworden. Paula war noch höher gewachsen, ganz das jugendliche Ebenbild ihrer Mutter.

»Darf ich jetzt den Großvater rufen?« fragte die kleine Cornelia, da der runde Tisch in der Mitte des Zimmers mit dem zweiten Frühstück hergerichtet war.

»Noch nicht, aber bald,« erwiderte Paula.

Gunther war in seinem Arbeitszimmer, das einfach eingerichtet war, mit der nicht großen, aber ausgewählten Bibliothek und den schönen, entsprechend verteilten Bronzeabgüssen. Gunther saß an seinem Arbeitstische so sorgfältig gekleidet, als müsse er in der nächsten Minute bei Hofe erscheinen. Er stand Sommers und Winters jeden Morgen unabänderlich um fünf Uhr auf und hatte bereits eine Tagesarbeit hinter sich, wenn für andre erst der Tag begann. Nur in unumgänglichen Ausnahmefällen durfte man ihn des Morgens stören.

Er schrieb viel. In der Residenz behauptete man, er schreibe die Denkwürdigkeiten seines Lebens, und er hatte ja viel zu erzählen; denn wer kannte wie er die innere Geschichte der letzten und der jetzigen Regierung? Aber er glaubte sich verpflichtet, ganz andres aufzuzeichnen. Aus der Naturforschung, verbunden mit praktischer Weltkenntnis, suchte er die Wissenschaft vom Leben aufzubauen. Oft durchdrang leise Röte seine Wange und sein Auge schaute unwillkürlich hinaus ins Weite, wenn sich ihm ein Rätsel klärte; oft stand er auch auf, wie von innerstem Kraftgefühle getrieben und die Brust hob sich ihm, wenn er inne ward, wie er frei von allen Rücksichten das innerste Getriebe der Sitten und Charaktere bloßlegte, wie ein physiologisches Präparat.

Aus den Fenstern Gunthers, die aus großen, undurchbrochenen Scheiben bestanden, sah man hinaus auf die weiten Berge. Weit oben war eine kleine Lichtung, mit bloßem Auge kaum sichtbar, der Wald war nur abgebrochen und man sah vom Freihof und seinem ansehnlichen Feldgebreite gar nichts, man wußte nur, dort ist er. Und hier oben saß, arbeitete und grübelte Irma nun schon im vierten Jahr und hier unten sah Gunther an seinem Eichentisch und schrieb an seinem Werke: »Zum Wissen vom Leben.« Sein Blick ging oft nach den Bergen hinaus, er ahnte nicht, daß dort oben eine Seele am großen Rätsel des Daseins sich abhärmte, während er hier in friedsamer Stimmung das Ergebnis seines Lebens zusammenfaßte.

Wenn er die Mischung von Kultur und Natur und ihren schweren Ausgleich in den Verhältnissen des Lebens und in den Charakteren erwog, dann stellten sich ihm hundertfältig bunte Erscheinungen dar; die Lebenden und die Toten waren gleich, nur was sie von der ewigen Idee in sich hatten, galt. Oft auch tauchte wie aus dem Morgenduft der Jugend herauf und dann in ihrer letzten, so tief jammervollen Erscheinung die Gestalt Eberhards, auch Irma wurde von dem Geiste der Erkenntnis beschworen und mußte, ohne genannt zu werden, Rede stehen über die Gärungen im Gemüte der Gegenwart.

Heute hatte Gunther ihrer besonders gedacht.

Leise klopfte es jetzt an die Thüre Gunthers. Das Enkelchen trat ein und die Mienen Gunthers erheiterten sich wundersam beim Anblick des Kindes. Er hatte so viele Stunden nur im allgemeinen Denken, mit Erinnerungsbildern und Gesetzen gelebt, jetzt grüßte ihn das frische, heitere Kindesleben. Er ging mit der Enkelin in die Wohnstube.

Man setzte sich zu Tische. Briefe und Zeitungen wurden erst nach dem Essen zur Hand genommen.

»Ist Adolf pünktlich abgereist?« fragte Gunther.

Er erhielt ausführlichen Bescheid. Der Sohn Gunthers, der die chemische Fabrik in der Hauptstadt hatte, war auf mehrere Tage bei den Eltern zu Besuch gewesen; heute war er abgereist, aber Gunther hatte sich schon am Abend vorher von ihm verabschiedet. Es war eine Eigenheit, aber eine wohlbedachte, daß er einen Abreisenden nie in die Unruhe der letzten Stunde hineingeleitete; es kamen oft Besuche, denn das Haus war ein gastliches in der besten Bedeutung des Wortes, aber immer sagte Gunther den Abreisenden schon am Abend vorher lebewohl; er ließ sich seine Morgenstimmung nicht entführen.

Man war heiter beim Frühstück, und Paula sagte: der Frühling sei ganz sicher da, denn der Holzschnitzer in der Nachbarschaft habe seine abgetragenen Filzschuhe zum Fenster hinausgeworfen, und das sei das sicherste Frühlingszeichen, viel sicherer als die Ankunft der Schwalben.

Nach dem Frühstück nahm Gunther die Briefe vor; er erbrach keinen hastig, betrachtete die vielen je nach der bekannten Adresse oder nach dem Absendungsorte und wählte mit Ruhe aus, welcher zuerst an die Reihe kam.

Heute öffnete er vor allen einen Brief mit dem Siegel des Staatsministeriums. Er war von Bronnen, der, seitdem er die höchste Staatsstelle bekleidete, mit dem alten Freunde in ununterbrochenem Briefverkehr stand; auch war er schon zweimal zu Besuch bei Gunther gewesen.

Gunthers Mienen wurden heiter während er las, und als er geendet und den Brief ruhig an die andre Seite gelegt, sagte er:

»Freund Bronnen wird uns in den nächsten Tagen wieder besuchen.«

Paula machte eine rasche Wendung, bückte sich nieder und küßte ihre kleine Nichte. Gunther sah das über den Brief hinweg, den er jetzt las. Nachdem er alle Einsendungen durchgesehen, nahm er die Zeitungen vor. Er blieb ernst; manchmal bezeichnete er Paula eine Stelle, die sie vorlesen solle.

»Man wünscht sich so oft,« sagte er, »ich meine, ich habe viele den Wunsch aussprechen hören: nach dem Tode wieder einmal hinabschauen zu können auf die Welt; es ist das aber auch nur eine Phrase, die für tief gilt, weil sie selten gehörig ausgemessen wird. Man hat, sieht und versteht doch nichts als die Welt, in der man lebt.«

Dieser Ausspruch kam seltsam heraus und Paula wollte eine Frage daran knüpfen, aber die Mutter winkte ihr, es zu unterlassen. Der Gedanke hatte sich offenbar abgelöst von einer Reihe von Folgerungen, die den einsamen Gelehrten beschäftigt hatten.

»Du mußt mir mehrere Briefe beantworten,« sagte Gunther zu Paula, die ihm Sekretärsdienste versah, »komm!«

Aber schon als Gunther im Gehen war, brachte ein Extrabote einen Brief. Er war von der Königin. Gunther erbrach ihn und las die mit blauer Tinte geschriebenen Bogen.

***, den 5, April.

In Ihrem Briefe ist Bergluft. Wenn nicht vielleicht ein wissenschaftlicher Stolz entgegenstände, so möchte ich bitten, daß Sie Ihre gesammelten Weltbetrachtungen in Briefform geben möchten. Was sich nicht in Briefform dargeben läßt, ist noch nicht portativ. Im Epistolaren ist persönliche Gegenwart des Schreibenden. Und glauben Sie mir, ich habe ein Recht, das zu sagen, Sie können selbst nicht ermessen, wie Sie Ihre Ideen benachteiligen, wenn Sie sie derart ablösen, daß solches auch ein andrer gesagt haben könnte. Der Brief hat noch Stimme. Eben im Schreiben werde ich inne, daß ja auch Ihr Freund Horaz Briefe in Versen geschrieben und die Apostel bedienten sich auch der Briefform.

Es macht mir einen unheimlichen Eindruck, da Sie sagen, die tausenderlei Gestalten des Lebens, die einst vor Ihr Auge getreten, drängen sich um Ihr Fahrzeug wie um Charons Nachen. Ich kann mir nicht denken, daß Sie uns nur ins allgemeine Schattenreich führen; Ihre Aufgabe ist ja das Wissen vom Leben. Ich habe Sie gewiß mißverstanden. Ich denke mir, daß Sie ganze Gruppen, ganze Epochen als Persönlichkeiten fassen und mit Ihrer, ich möchte sagen, hörenden Hand den Rhythmus ihres pulsierenden Daseins erlauschen.

Das ist schön, daß Sie auch mein bescheidenes Thun in den großen Gang der Menschheitsentwickelung einreihen können. Ich sehe recht wohl, daß diese Fürsorge für Wohlthätigkeitsanstalten nur ein Episodisches, nichts Ganzes ist, aber ich vollführe sie mit ganzer Seele. Das verdanke ich Ihnen. Wir können wissen, wie klein und halb unser Thun; wir müssen das Große und Ganze wollen und es im kleinen und einzelnen mit treuer Hingebung pflegen. Und ich finde in dem Wirken für andre das besonders Befreiende, daß es uns aus der Selbstkultivierung herausführt. In der Selbstkultivierung und Bespiegelung halten wir uns bald zu hoch, bald zu nieder, sind übermäßig zufrieden oder ebenso unzufrieden. Nur das, was wir leisten können, gibt uns ein Maß unsres Wertes. Ich frage mich oft, ob ich zu alledem im vollen Besitz des Glückes gekommen wäre. Mein Sinn strebte eigentlich nach einer andern Seite. Ich hatte Lust, vielleicht auch Begabung, das Schöne zu pflegen, das Leben mit Festen zu kränzen. Nun hat mich das Geschick anders gewendet und es ist gut. Wir sollen nicht das Leben zum Fest machen, so lang noch so viel Not zu lindern ist. Ich war so glücklich, die eine Krone zu tragen –ich muß auch die andre willig auf mich nehmen.

Ihre Bemerkung, daß die Verzeichnisse der Mitglieder wohlthätiger Anstalten die eigentlichen und einzigen Kirchenregister der neuen Zeit seien, hat mich anfangs sehr erfreut, dann aber mußte ich wieder finden, daß ihr Männer des freien Gedankens doch auch terroristisch seid. Die Kirche hat auch ihr Recht, wenn sie nur nicht allein recht haben, sondern vielmehr bescheiden als Gleiche unter Gleichen mit andern Wohlthätigkeits- und Lehranstalten stehen will.

Ich bin durch mein Protektorat über die verschiedenen Wohlthätigkeitsinstitute nun auch mit Bürgerfrauen in persönliche Beziehung getreten und finde ungemein viel gediegene Bildung und gute Haltung. Es hat, wie Sie sich denken können, viel Mühe gekostet, mehr als bloß zum Schein einige bürgerliche Namen anzuhängen. Minister Bronnen hat auch mir hierin wirksamen Beistand geleistet. Ich habe auch eine liebenswürdige, ebenso bescheidene als resolute Jüdin in meinem Komitee der Blindenanstalt. Es ist Frau *. Ich glaube, Sie haben mir einmal von ihr erzählt.

Bei der letzten Prüfung der Blinden empörte mich der Geistliche, da er in seiner Rede den Blinden ihr Schicksal als weise Vorsehung pries. Ich konnte nur durch Nichtbeachtung seiner Anwesenheit ihm mein Mißfallen über diese salbungsvolle Barbarei kundgeben.

Ich lese jetzt viel Religionsgeschichte. Wenn ich die Zeiten übersehe, ist mir's, wie wenn ich an dem Wasserfall säße, den wir so oft miteinander betrachtet. Da stürzt die ewige Flut herab, es kommt immer neues Wasser und das neue bildet stets dieselben Rinnsen, Wallungen, Quellungen, der Untergrund bleibt stets derselbe, die Felsentrümmer behalten die Lage, die am ersten Tag der Erdbildung geworden, und mit der Zeit wachsen Gräser und Blumen auf den Felsentrümmern, Jahrtausende höhlen da und dort eine veränderte Richtung aus, oder ein großes Naturereignis bricht neue Bahnen. Das ist der Gang der Weltgeschichte. Wir sind Tropfen, die hinabfließen, schäumen und brausen.

Ich sehe, daß ich noch einiges in Ihrem Brief zu beantworten habe. Sie wünschen Mitteilung meiner Wahrnehmungen an den Wohlthätigkeitsanstalten. Hier aber tritt Vorteil und Nachteil meiner Stellung als Königin ein. Ich bin nie sicher, ob mein Besuch da und dort nicht doch voraus angesagt ist und ich treffe Vorbereitetes. Das Glück meiner Stellung ist aber, daß ich schon durch meine Anwesenheit, durch eine Anrede, die Unglücklichen und Armen beglücken kann. Ja, es ist die nächste Pflicht der so hoch Bevorzugten, sich den Verlassenen zuzuneigen. Ein Gedanke beunruhigt mich aber noch immer: diese Gemeinsamkeit der Erziehung und Versorgung ist gut und nötig und vielleicht auch zweckmäßig, aber sie entzieht den armen Kindern das beste, was eine junge Seele in sich nährt: das Alleinsein.

Sie finden, daß ich heiteren Sinnes geworden und wünschen, daß dies nicht nur momentane Stimmung. Ich glaube auch, daß die Tonart meines innern Lebens aus Moll in Dur übergegangen ist. Aber die große Dissonanz meines Lebens ist noch dieselbe. Glauben Sie ja nicht, daß ich gewaltsam daran halte. Ich darf sagen, tief in meiner Natur liegt jenes große Wort: Aergert dich dein Auge, so reiße es aus. Ich verstehe das so: Findest du in deinen Neigungen und Bestrebungen etwas, was dir und der Welt zum Aergernis werden könnte, so sei unbarmherzig gegen dich und halte es nicht für einen notwendigen Bestandteil deines Wesens, reiße es aus.

Aber, mein Freund, ich kann das Aergernis nicht finden. Ich muß den großen Schmerz meines Lebens tragen. Wie oft sehne ich mich nach Befreiung; auch er leidet und doppelt, als Schuldiger, da überfällt mich stets und jetzt eben, indem ich schreibe, ein Schauer –es steht ein Todesschatten zwischen uns. Was wird ihn bannen können?

Den 6. April.

Für das Beste habe ich Ihnen noch gar nicht gedankt. Daß auch Sie Ihre volle Freude über die konsequente freie Gestaltung des Staats aussprechen, ist mir eine Labung ohne gleichen. Ich lese jetzt viel Gutes über die neue Regierung, aber ich las und hörte ebensoviel Gutes über die alte, und man will ja behaupten, es sei kein Bruch geschehen mit der alten, es sei nur eine andre Tonart, aber dieselbe Melodie.

Warum nur die Menschen so stolz sind, sich immer als die Unveränderten behaupten zu wollen?

Doch immerhin! wenn nur das Gute und Rechte geschieht.

Die Auflösung der Garde wird in unsrer nächsten Umgebung als eine wahre Revolution angesehen. Es wird mir erst jetzt klar, welch eine privilegierte Kaste es gab, und das hielt sich so selbstverständlich und wir wußten kaum davon.

Haben Sie noch in Erinnerung, wie ich Sie damals fragte, ob es in Wirklichkeit glückliche Menschen auf der Welt gäbe? Ihr Leben ist mir nur eine Antwort und Ihr bestes Glück besteht darin, daß Sie nichts Unwahres zu vollführen haben, nichts, was Ihrer Einsicht und Ueberzeugung ungemäß ist.

Ich sehe nun auch meinen Irrtum, daß ich Ihre Denkweise für die Philosophie der Einsamkeit hielt. Sie halten den Einklang des Lebens fest. Aber ich habe noch immer eine Furcht vor der Verflüchtigung der Wirklichkeit, wo die lebendigen Formen des bunten Menschenschwarms verschwinden und nur die Essenz ausgehoben wird, oder wenn ich recht verstehe, in die Substanz aufgelöst wird und aller Anteil am vollen Leben mit seinen Mischungen in der Persönlichkeit aufhört.

Ich kann nicht anders, ich muß selbst in den Instituten einzelne mir nahe bringen. Ich kann das Ganze fördern, aber ich kann nur das Einzelne lieben.

Eine große Beruhigung gewährt es mir, wie Sie mir zeigen, daß es nie eine Periode der Geschichte gab, die ganz mit sich zufrieden war. Wir träumen uns so gern ein goldenes Zeitalter, aber das goldene Zeitalter ist heute oder nie.

Nun aber genug ins Weite. Ich erfülle gern Ihren Wunsch und erzähle Ihnen von Woldemar. Ich muß mich nur hüten, Ihnen nicht tausend kleine Züge von ihm zu erzählen. Ich gebe mir Ihrer Mahnung gemäß alle Mühe auf seine Fragen einzugehen, statt ihn Unverlangtes zu lehren. Er hat viel Entschiedenes in seiner Natur, in Zuneigungen und Abneigungen. Ich glaube, das ist gut und lasse ihn gern gewähren. Er hat vorherrschend das Naturell des Königs. Dabei ist der Sinn für Musik besonders wach in ihm. Ich glaube, es hat ihm wohlgethan, daß im buchstäblichen Sinne des Wortes ihm an der Wiege gesungen wurde, freilich von den Lippen jener Bildungsheuchlerin und jener Naturheuchlerin. Ach, lieber Freund, diese schwere Erinnerung wirft noch immer einen schweren Schatten in alles Denken und Schauen.

Den 7. April.

Nun hat das mühselige Schreiben ein Ende. Wir kommen zu Ihnen, lieber Freund, Woldemar und ich, ich und Woldemar.

Ich habe es eben Woldemar erzählt, der sogleich in entschiedenem Tone hinzufügte:

»Aber Schnipp und Schnapp (das sind seine beiden Pferdchen) gehen auch mit.«

Nun also kurz: der König hat meine Bitte gewährt, ich kann im Hochsommer zur Stärkung meiner Gesundheit auf vier Wochen mit Woldemar zu Ihnen kommen. Es ist bereits Befehl gegeben –Minister Bronnen soll das schon im stillen angeordnet haben –daß die Meierei in Ihrer Nähe, sie soll sehr schön liegen, für ein kleines Gefolge eingerichtet wird.

An Goethes Geburtstag gehen wir diesmal miteinander spazieren.

Jetzt aber ist der Brief groß genug, ich nehme keinen neuen Bogen mehr. Wenn Sie, wie ich annehmen möchte, eine Macht über Ihre Heimatberge haben, so lassen Sie sie recht heiter und wolkenlos sein, wenn bei Ihnen und den Ihren sein wird

Ihre Freundin

Mathilde.

Nachschrift. Bronnen war bei Ihnen. Er hat mir viel erzählt und als ich nach Ihrer jüngsten Tochter fragte, glaubte ich eine besondere Bewegung in seinen Mienen zu bemerken. Irrte ich mich? Empfehlen Sie mich Ihrer Frau Gemahlin und Ihren Kindern. Ich hoffe, daß die Königin sie nicht genieren wird.

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