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Auf der Höhe Vierter Band

Berthold Auerbach: Auf der Höhe Vierter Band - Kapitel 25
Quellenangabe
typefiction
authorBerthold Auerbach
titleAuf der Höhe Vierter Band
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080417
projectid639bc7a9
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Zwanzigstes Kapitel.

Der König und die Königin gingen in den Wald.

Sie gingen Hand in Hand.

Die Nacht brach herein. Die Baumwipfel rauschten.

Die Königin stand still. Mit der ganzen, so lange zurückgedrängten Liebesglut und aus der tiefsten Erschütterung der Seele heraus umarmte sie ihren Gatten. Sie küßte ihm Mund und Augen und Stirn, und sprach:

»Ich habe die Verklärte um Verzeihung gebeten, sie ist gestorben mit meinem Kuß. Dich bitte ich um Verzeihung, der du lebst. Ihr habt gebüßt, schwer. –Sie einsam für sich, du einsam neben mir.«

Sie zog ein Amulett hervor, das sie verborgen auf dem Herzen trug; es war der Trauring des Königs.

»Nimm noch einmal diesen Trauring von meiner Hand,« sagte die Königin.

»Wir sind neu vermählt,« erwiderte der König, steckte den Ring an seinen Finger und faßte die Königin in seine Arme, er hielt sie umschlungen, ihr Haupt ruhte an seinem Herzen.

Mit festem Schritt gingen sie weiter, den Berg hinab. Drunten harrten die Wagen.

Auch Bronnen und Sixtus gingen mit Paula, von den Dienern gefolgt, den Berg hinab.

Der König und die Königin fuhren allein, Paula und Sixtus fuhren im zweiten Wagen, Bronnen ging wieder auf die Alm zu Gunther.

Die Neuvereinten kamen in der Meierei an. Ihr erster Gang war in das Gemach des Kronprinzen. Sie standen am Bett ihres Kindes, und der König sagte:

»So wie er jetzt schläft, so hat sein harmloser Kindessinn unsern Zerfall noch nicht empfunden. Wohl uns, daß er mit erwachendem Geiste nur unsre Einigkeit und Liebe sehe bis in den Tod.« Der König und die Königin saßen bei der Lampe und lasen die ganze Nacht das Tagebuch des einsamen Weltkindes.

Droben bei der Hütte waren Gunther und Bronnen geblieben. Eine kurze Weile saß Gunther bei Walpurga und hielt ihre Hand, indem er ihr sagte, wie ihre volle Unschuld nun an den Tag gekommen sei. Walpurga nickte still.

Die Kühe kamen an die Hütte, sie witterten die Leiche, schnaubten und brummten und brüllten dann um die Hütte herum, und kaum hatte man sie vertrieben, so waren sie unversehens wieder da.

In der Nacht grub das Pechmännlein ein Grab, dort auf der Stelle, wo Irma so oft gelegen, und manche Thräne fiel hinein, und wenn er einmal aufatmete, sagte er vor sich hin: »Wenn das Gemszicklein laufen kann, laß ich's in den Wald springen.«

Früh am Morgen wurde Irma begraben. Hansei, das Pechmännlein, Gunther und Bronnen trugen sie, Walpurga und das Kind gingen hinterdrein. Gundel und Franz hatten Wände und Grund des Grabes mit Alpenrosen verdeckt. Still wurde Irma im weißen Tuch der Königin eingesenkt, als eben das Morgenrot anbrach.

Drunten hatten der König und die Königin das Vermächtnis Irmas gelesen. Jetzt brach der Tag an. Sie schauten in das Morgenrot, hinauf nach den Bergen, wo Irma begraben ward auf der Höhe.

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