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Attila

Felix Dahn: Attila - Kapitel 51
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleAttila
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorThomas Stur
senderwww.gaga.net
projectid4cedb93a
created20070315
modified20141008
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Achtes Kapitel.

Flucht und Verfolgung kamen freilich sofort zum Stehen, sobald Hunnen und Gepiden die Mitte der Holzstadt erreicht hatten, den Bestattungsplatz, wo viele Tausende von Hunnen zu Pferd und zu Fuß sich vor dem Totenzelte drängten.

Aber schon vorher, auf dem Wege nach dem Hauptplatz, verhalf der Zufall den Eindringenden zu einem nicht zu erhoffenden Gelingen. Als Ardarich und die Seinen an dem hohen Eckhause einer Lagergasse vorbeisprengten, – ein paar hunnische Krieger, die vor der Thüre Wache zu stehen schienen, wurden von den Fliehenden mit fortgerissen – hörten sie aus dem Innern des Holzhauses des Königs Namen rufen und in gotischer Sprache um Hilfe, um Befreiung schreien.

Gerwalt sprang ab und zerschlug mit der Streitaxt den Holzladen, der von außen verriegelt, ein Fenster im Erdgeschoß verschloß: hurtig kletterten aus der Öffnung Wisigast, Daghar und ihre Gefolgen: sie hatten, durch den Lärm merksam geworden, durch die Spalten der Laden lugend, die Flucht der Hunnen, das Einsprengen der Gepiden wahrgenommen. Freudig begrüßt und mit Waffen versehen folgten die Befreiten Ardarich und den Seinen: jetzt erst erfuhren sie – ihre Wächter hatten kein Wort an sie gerichtet – die große Nachricht von Attilas Tod, von Ildichos wunderbarer Errettung, aber auch von ihrer Gefangenschaft in einem Gerwalt unbekannten Hause.

Als nun die Germanen auf dem Mittelplatz vor dem Totenzelt angelangt waren, da stockte eine Weile die herandrohende Entscheidung. Die Gepiden stutzten im Angesicht der ungeheuren Menge der hier versammelten hunnischen Krieger zu Roß und zu Fuß: die Führer derselben aber, zumal Dzengisitz und Chelchal, erforschten von den atemlosen Flüchtlingen vorerst noch die Vorgänge, die sich soeben an der Südseite des Lagers begeben.

Sie vernahmen mit Ingrimm den Tod Ernaks und des Fürsten Czendrul: sie und ihre Scharen übersahen allmählich die geringe Zahl der Gepiden, die ihres Königs hochsinniger Drang, zu retten, mit sich fortgerissen hatte, – wie es nun schien, in das unvermeidbare Verderben.

»Ernak gemordet! Czendrul erschlagen!« schrie Dzengisitz. »Hör' es, Vater Attila, wir rächen sie.«

Und nun ward die Lage der Germanen eine verzweifelte. Unrettbar waren die paar Tausendschaften verloren, erdrückt von der gewaltigen Übermacht, lange bevor das Fußvolk eintreffen und wenigstens den Rückzug einigermaßen decken konnte. Noch einmal ritt Dzengisitz, die Geißel schwingend, die vorderste Reihe der Seinigen entlang, sie zurechtschiebend und ordnend: »Vorwärts, ihr Söhne Purus,« rief er, »folgt mir! Habt ihr es nicht gehört von euren Priestern, habt ihr es nicht selbst mitgesungen? Der Geist meines Vaters ist – nach seligstem Tod in doppelter Wonne – eingefahren in einen eben großen Helden. Ich spür's: ich bin dieser Held! Folgt mir, Dzengisitz führt euch zum Sieg. Denn Dzengisitz ist Attila geworden!« Tiefe Stille folgte für eine kurze Weile auf diese Worte: andächtig, durchschauert von frommem Wahne senkten die Hunnen die Köpfe und kreuzten die Arme auf der Brust zu stummem Gebet, bereit, im nächsten Augenblick in wild ausbrechender Wut über die allzu kühn Eingedrungenen herzufallen: diese schienen hoffnungslos verloren.

Da geschah ein völlig Unerwartetes.

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