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Attila

Felix Dahn: Attila - Kapitel 48
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleAttila
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorThomas Stur
senderwww.gaga.net
projectid4cedb93a
created20070315
modified20141008
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Fünftes Kapitel.

Erschütternd, großartig in seiner barbarischen Wildheit war der Schmerz des Hunnenvolkes um seinen gewaltigen Herrscher, den einzigen großen Mann, den es je hervorgebracht hatte – und hervorbringen sollte – aus seiner Mitte.

Ein dunkles Gefühl schien die vielen Tausende zu beseelen: »Hier liegt gebrochen der starke Reif, der allein die einzelnen für sich leicht zu knickenden Pfeile der hunnischen Horden zusammengefaßt, sie zu einer unbrechbaren Kraft zusammengehalten hatte;« sie ahnten es: hier lag tot zu Boden der Hunnen Macht und Herrlichkeit für immerdar; ihr Stern war erloschen.

Verzweiflungsvoll waren die Ausbrüche des Wehs der Tausende von Männern, Weibern, Kindern, die in das Schlafhaus an die Leiche geführt wurden: denn nicht nur gefürchtet und bewundert, ja wie ein göttliches Wesen angebetet, auch heiß geliebt war er worden – trotz seiner Strenge, – dieser Fürchterliche von seinen Hunnen, deren Eigenart, deren Vorzüge und Scheußlichkeiten er in höchster, nie wieder erreichter Vollendung in sich zusammengeschlossen und dargestellt hatte.

Alle warfen sich vor dem zum Totenbett gewordenen Hochzeitlager nieder auf das Antlitz oder auf beide Kniee, heulten und schrieen, zerschlugen sich das spärliche Haar, zerrissen ihre Kleider. Einer von den Tausenden, die sich also niedergeworfen hatten, stand nicht mehr auf: das war Zercho, ein mißwachsener Zwerg, der Hofnarr des Verstorbenen, von einer Häßlichkeit, die Gespött und Gelächter erzwang: Attila hatte ihn Jahrzehnte lang vor dem Mutwillen, vor der Roheit der Seinen beschützt: »Du bist tot,« schrie er unter Thränen, »wie soll Zercho leben?« Und er stieß sich zu Füßen des Lagers ein Messer ins Herz.

Lange, lange währte, Tag und Nacht hindurch, ununterbrochen diese Klage in dem Schlafhaus.

Chelchal, Dzengisitz, Czendrul und Ernak hatten abwechselnd die Massen hereingeführt; der Knabe Ernak jedoch hatte am frühesten seine Thränen getrocknet und, unter häufigem Flüstern mit Fürst Czendrul eine stolze, seltsam trotzige Haltung, zumal auch gegen Dzengisitz, angenommen. Ellak ward in seinem Holzturm durch Chelchal von dem Tode des Vaters benachrichtigt. Er schien an den Blutschlag nicht zu glauben. »Und Ildicho?« – es war seine erste Frage – »Ward sie sein Weib? Was hast du vor mit ihr?« »Sie bleibt gefangen,« erwiderte der Alte finster, »bis sie mit den Ihrigen stirbt.« – »Und ich soll glauben, sie ward sein Weib? Soll glauben, er starb am Bluterguß? Chelchal würde seines Herrn Witwe morden? Du verrätst dich selbst in deinem blutgierigen Haß. Sie ist nicht seine Witwe! Sie hat ihn –« »Schweig, ist dir dein Leben lieb!« warnte der Alte grimmig. »Laß mich – nur einen Augenblick! – hinaus! Laß mich sie sprechen!« – »Nein, du verliebter Thor, du entarteter Sohn! Du bleibst gefangen hier, bis – bis sie keines Schutzes mehr bedarf. Sieh, ich grollte Dzengisitz, der mir deine Freilassung – in diesem Augenblick, da das ganze Reich Mundzucks wankt! – abschlug. Ich hab' es immer besser mit dir gemeint als – Vater und Brüder! Er verweigerte es. Nur ein Gesamtbeschluß aller Brüder und der Fürsten dürfe über den vom Vater gefangen Gesetzten richten und entscheiden. Ich wollte dich – ihm zum Trotz – freilassen: nun aber – da du deinen Wahnsinn verrätst – bleibst du gefangen, bis du nichts mehr ändern kannst an der Rache, die ich dem großen Toten in das Ohr hinein geschworen.«

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