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Attila

Felix Dahn: Attila - Kapitel 35
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleAttila
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorThomas Stur
senderwww.gaga.net
projectid4cedb93a
created20070315
modified20141008
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Zweites Kapitel.

An dem folgenden Tage meldeten hunnische Spähreiter das bevorstehende Eintreffen des Rugenkönigs und der Seinen; Ellak geleite sie.

»Sind mir sehr willkommen,« sprach Attila, behaglich mit dem mächtigen Haupte nickend und über die wulstigen Lippen streichend. »Ellak? Ah ja, er hat die Königstochter ihrer Hochzeit zugeführt! Das paßt für ihn! Chelchal, du bereitest alles vor! Du empfängst diese treuen Germanen von der Donauinsel. Du führst sie in die schönsten Gastwohnungen. Du lädst sie zum Morgenimbiß auf den folgenden Tag – auf die dritte Stunde genau – in dein Haus. Und auf den Abend lädst du sie alle, den treuen Königsgreis, den harfenkund'gen Königssohn, die schlanke Braut, – in meine Gasthalle zum Nachtschmaus. – Wo sind Wisand der Heruler, Rothari der Langobarde, Vangio der Markomanne und die Sklabenenfürsten Drosuch, Milituch und Sventoslav?« – »Alle geladen, Herr, und alle unterwegs! Sie können noch nicht hier sein. In den nächsten Tagen müssen sie, wie die Späh-Reiter meldeten, eintreffen.« – »Es ist gut. Wachsam wachen sie, meine Späh-Hündlein! Muß ihnen doch wieder mal eine Römerstadt zur Plünderung und Vergnügung schenken. – Aber schicke den Anrückenden starke Geschwader entgegen: – sie könnten vernehmen, was morgen hier geschieht: – sie müssen weder umkehren noch ausbiegen können – hierher müssen sie alle.«

Gegen Abend trafen Wisigast und die Seinigen ein. Die Ankömmlinge wurden durch Chelchal in mehreren Häusern untergebracht, die Gefolgen getrennt von den Herren, der Rugenkönig, Ildicho und deren Magd in einem Haus, Daghar – allein – anderwärts. Gleich bei ihrem ersten Gang durch das Lager ritt durch das Westthor ein und ihnen entgegen ein stattlicher Krieger, der sie anrief in der Mundart der Suaden. »Gerwalt – du?« sprach Wisigast erstaunt. »Was führt dich her, Mann der klugen Vorsicht?« fragte Daghar, noch immer grollend. »Unkluge Unvorsicht! Wir nennen's – Treue!« rief der Graf und sprang vom schaumbespritzten Hengst, den er einigen Gefolgen übergab. »Es litt mich nicht zu Hause, – während ihr die Köpfe in das Lager der Wölfe tragt. Merket wohl: auch jetzt nicht teil', ich eure Anschläge. Noch einmal warn' ich! Stehet ab!« »Ich hab's geschworen,« rief Daghar, »bei Ildichos goldbraunem Haar. Nicht eher wird sie mein.« – »So seid ihr denn verloren. Ich aber will versuchen – bis zum letzten Augenblick – euch zu retten: wo nicht, teil' ich eueren Fall. Oft, wann ich im Lager war, hat er mir Gefangene zur Bewachung anvertraut, vielleicht auch euch überweiset er mir. Ein Freund, nicht in euere Schuld verstrickt, nicht beargwöhnt, aber entschlossen, euch zu retten, kann viel thun.« »Du wagst dein Leben,« sprach Wisigast. »König der Rügen, kennst du dieses Schwert?« – »Es war das meine. Du hast es heldenhaft geführt. Ich gab es dir bei deiner Schwertleite – mit Ardarich – der gab dir den Speer: – das sind nun zwanzig Jahre.« »Das eben kann ich nie vergessen. Ich rette dich oder ich sterbe.

– Lebe wohl für jetzt. Schon achten die hunnischen Reiter dort auf unser Geflüster. – Heda, ihr Hunnen,« rief er, »führt mich zu eurem Herrscher! Wißt ihr vielleicht, wo in der Nahe die Gepiden stehn? Ihr Heer brach auf.« Er verschwand mit seinen wenigen Gefolgen unter einem ganzen Schwarm von Hunnenreitern.

»Ich that ihm Unrecht! Ein treuer Mann!« rief Daghar. »Treu wie ein Alamanne,« sprach der König, ihm lange nachblickend.

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