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Attila

Felix Dahn: Attila - Kapitel 32
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleAttila
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorThomas Stur
senderwww.gaga.net
projectid4cedb93a
created20070315
modified20141008
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Siebzehntes Kapitel.

An dem späten Abend dieses Tages – die Vorbereitungen für die auf den folgenden Morgen festgesetzte Abreise der Gesandten waren vollendet – saßen die vier Freunde vor den Thüren ihres Wohnhauses, nach dem Nachtmahl noch der frischen Luft zu genießen; die Sklaven hatten ihnen hier Bänke und Schemel aufgestellt und mit Decken belegt. Ihre Stimmung war so düster wie die schwüle, mond- und sternenlose Nacht, welche sie umgab. In ihrer Nähe, an der Ecke der breiten Lagergasse, brannte ein Wachtfeuer, an welchem ein paar hunnische Krieger rasteten, bereit, in der nächsten Stunde die Bewacher des Westthores der Lagerstadt abzulösen.

Teilnehmend griff Priscus nach der Hand des greisen Senators, welcher, das Haupt auf die Brust gesenkt, manchmal leise seufzte. »Mein edler Freund, leidest du so schwer?« fragte der Rhetor. »Ich bin zerschmettert! Die Schmach! Die Schmach ist das Ärgste. Ich weiß nicht, wie ich leben soll, nachdem ich das von dem Hunnen anhören mußte, ohne es widerlegen zu können.« »Rom und der Erdkreis, sie sind verloren!« fuhr Primutus düster fort. »Wer soll sie retten vor den Hunnen?« seufzte Romulus.

»Germanen! Goten! Franken!« scholl es da plötzlich aus dem Dunkel der Nacht, laut, dröhnend.

»Wer naht?« riefen die hunnischen Krieger, aufspringend von ihrem Feuer und die Speere fällend in der Richtung der im rechten Winkel nach dem Westthor abbiegenden nächsten Lagergasse.

»Wir! Hie Goten! Hie Franken! Hie Thüringe! Hie Alamannen! Hie Friesen! Hie Sachsen! Gebt Raum! Sonst hagelt's Hiebe!« »Wer seid ihr?« fragte der Führer der Wache. »Gesandte der Völkerschaften, die wir nannten. Am Thore wiesen uns eure Wachen an, sobald wir auf euch stießen, unserer Völker Namen laut auszurufen: dann würde man uns durchlassen. Wir müssen den Herrscher der Hunnen sprechen.« »Und was bringt ihr ihm, wenn's kein Geheimnis ist?« fragte Priscus. »Wir sind auch Gesandte – von Rom und von Byzanz.« »Wird nicht lange mehr Geheimnis bleiben,« lachte der rotlockige Franke. »Er wähnt, alles auf der Männererde muß nach seinen Winken fliegen. Er wird sich wundern, hört er unsre Botschaft.« »Du bist Ostgote,« sprach der hunnische Befehlshaber zu dem ihm nächst Stehenden –»ich kenne dich, Vitigis. Dein König Valamer, der Amalung, – sehnlich wird er von dem Herrn erwartet, – kommt er?« »Die Zeit wird's deinen Herrn lehren. Kommt, Genossen!« antwortete trotzig der Gefragte.

Und waffenklirrend schritten sie nun an dem Feuer vorbei: zwölf Männer, hohe mächtige Gestalten, vom Rücken her phantastisch beleuchtet von der unstet brennenden Glut: von ihren Helmen und Sturmhauben hoben sich Adlerflügel, Wisenthörner, klaffende Bärenrachen und das breitschaufelige hohe Geweih des Elchs: die langen Mäntel, die Felle riesiger Ungetüme des Urwalds, fluteten von ihren breiten Schultern und bis in die Nachtwolken schienen zu ragen die Spitzen ihrer Speere, wann gerade der dunkelrote Glast der aufflackernden Flamme sie traf. – Schweigend, staunend sahen ihnen die Römer nach.

»Die sind nicht zerschmettert!« sprach Maximinus. »Kommt. Laßt uns nun die Kissen aufsuchen: die Kissen, – der Schlaf wird sich nicht finden lassen.«

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