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Attila

Felix Dahn: Attila - Kapitel 25
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleAttila
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorThomas Stur
senderwww.gaga.net
projectid4cedb93a
created20070315
modified20141008
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Zehntes Kapitel.

Nach langem Schweigen begann Chelchal mit einem ruhigen Blick auf den Mörder: »Den Hunnen sagtest du, aus dem Zelte tretend, der Bruder, Weines voll, sei unvorsichtig in das Schwert getaumelt. Nicht alle glaubten es. Manche wollten murren ...« – »Aber ich ließ ihnen nicht die Zeit dazu. Krieg gegen Byzanz, Krieg gegen die Ostgoten, Krieg gegen die Markomannen, Krieg gegen die Sarmaten begann ich noch am selben Tag.« Chelchal nickte: »Bleda war noch kinderlos. Seine schwangere Witwe ward eingebannt, streng bewacht. Was sie gebar, – niemand hat's je erfahren.« Unwillig über die Unterbrechung sprach Attila mit kurzem Kopfschütteln: »Der Knabe ... starb. Ich aber! Jeder der vier Kriege ward ein Sieg. Und seither folgen sie mir blindlings, wann ich, jenes Schwert schwingend, ihnen vorausjage. Sie wissen es, daß ich es von Bleda ... geerbt. Und es ist das Siegesschwert! Es ist's! So hat es sich erwahrt in meiner Faust –! Nie ward ich noch geschlagen. Nein!« rief er plötzlich mit weithin dröhnender Stimme, den Fuß aufstampfend, »nein! Auch nicht dort in Gallien von dem unsinnigen Bund zwischen Römern und Westgoten. Du zuckst die Achseln, Alter? Nein! sag' ich dir. Wurden wir verfolgt, als wir von hinnen zogen? Und ich hätte am vierten Tag zum viertenmal angegriffen – noch hatte ich Hunnen genug! – wäre mir nicht in der Nacht – Blut war mir aus dem Schlund gebrochen, dem Ersticken war ich nah! – der Kriegsgott zum zweitenmal erschienen, sprechend: ›Kehre jetzt um, unbesiegt. In drei Jahren kehre wieder, dreifach so stark, und siege!‹ Ich werde nächstes Frühjahr wiederkehren und werde siegen.

Dann wähnten meine Neider, mein Schwert habe doch Einen Feind nicht treffen können: den Papst zu Rom, – Die Thoren! Sie wähnen, ich sei damals umgekehrt aus Furcht vor dem Zorne des Christengottes, welchen mir der weißbärtige Priester angedroht habe auf der Straße bei Mantua. Warum sollte ich aber Christus oder Sankt Petrus mehr fürchten als die andern Götter, an die ich auch nicht glaube? Doch unter unsrem Volke wie unter den Germanen geht der Spruch: ›Wer Rom betritt, wird römisch oder stirbt.‹ Ich kannte lange diese Rede: ich schlug sie in den Wind. Allein es war mir nicht wohl dabei, als ich den Befehl gab zu Mantua: nach Rom! Am Abend dieses Tages stieß ich auf den Bischof von Rom und seine Priester, die mich um Schonung anflehten, knieend Geschenke darreichten. Nicht dieser Abend und Leo schreckten mich zur Umkehr, die darauf folgende Nacht und ein Traum. Und eine Wahrheit. Noch immer tönten mir nachts in meinem Zelt die Bitten, die Warnungen des wehrlosen alten Mannes in dem Ohr: ich fand keinen Schlaf. Endlich – gegen Morgen – entschlummerte ich und sah alsbald im Traum – du weißt; Morgentraum ist halbe Wahrheit! – vor meinen Augen aufsteigen wie aus hohen Stromgewächsen eines schilfigen Flusses ein königliches Haupt, welchem noch die Jugendlocken, die germanenfarbnen, auf die Schultern rollten: das schüttelte aus den feuchten Haaren Schilf und Muscheln, und die gepanzerte Gestalt, die Rechte warnend erhebend, sprach: ›Alarich hieß ich, Rom erstürmt' ich, gleich darauf starb ich, die Welle verbietet, mehr zu sagen. Hüte dich, Attila!‹ Und versank wieder in den flutenden Strom.

Ich aber fuhr empor, erschreckt und geweckt durch einen sehr lauten, surrenden Ton über meinem Haupte: es war heller Tag: ich sah an meinem Bogen, der über meinem Pfühle hing, die starke Sehne zersprungen: sie hing herab und schwang noch auf und nieder.«

»Das ist ein arges Zeichen,« murmelte Chelchal ganz erschrocken. »So sagte auch ich mir und befahl die Umkehr. Besiegt aber hat mich der Papst von Rom so wenig wie Aëtius oder der Westgote.«

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