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Gutenberg > Heinrich Heine >

Atta Troll

Heinrich Heine: Atta Troll - Kapitel 12
Quellenangabe
pfad/heine/attatrol/attatrol.xml
typepoem
authorHeinrich Heine
booktitleAtta Troll. Deutschland. Zeitgedichte.
titleAtta Troll
publisherHoffmann und Campe
seriesDichtungen von Heinrich Heine
volumeDritter Theil
year1868
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20111011
projectid87cea60a
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Kaput X.

    Zwo Gestalten, wild und mürrisch,
Und auf allen Vieren rutschend,
Brechen Bahn sich durch den dunklen
Tannengrund um Mittemacht.

    Das ist Atta Troll, der Vater,
Und sein Söhnchen, Junker Einohr.
Wo der Wald sich dämmernd lichtet,
Bei dem Blutstein, stehn sie stille.

    »Dieser Stein« – brummt Atta Troll –
»Ist der Altar, wo Druiden
In der Zeit des Aberglaubens
Menschenopfer abgeschlachtet.

    »O der schauderhaften Greuel!
Denk' ich dran, sträubt sich das Haar
Auf dem Rücken mir – Zur Ehre
Gottes wurde Blut vergossen!

    »Jetzt sind freilich aufgeklärter
Diese Menschen, und sie tödten
Nicht einander mehr aus Eifer
Für die himmlischen Intressen; –

     »Nein, nicht mehr der fromme Wahn,
Nicht die Schwärmerei, nicht Tollheit,
Sondern Eigennutz und Selbstsucht
Treibt sie jetzt zu Mord und Todtschlag.

    »Nach den Gütern dieser Eide
Greifen Alle um die Wette,
Und Das ist ein ew'ges Raufen,
Und ein Jeder stiehlt für sich!

    »Ja, das Erbe der Gesammtheit
Wird dem Einzelnen zur Beute
Und von Rechten des Besitzes
Spricht er dann, von Eigenthum!

    »Eigenthum! Recht des Besitzes!
O des Diebstahls! O der Lüge!
Solch Gemisch von List und Unsinn
Konnte nur der Mensch erfinden.

    »Keine Eigenthümer schuf
Die Natur, denn taschenlos,
Ohne Taschen in den Pelzen,
Kommen wir zur Welt, wir Alle.

    »Keinem von uns Allen wurden
Angeboren solche Säckchen
In dem äußern Leibesfelle,
Um den Diebstahl zu verbergen.

    »Nur der Mensch, das glatte Wesen,
Das mit fremder Wolle künstlich
Sich bekleidet, wusst' auch künstlich
Sich mit Taschen zu versorgen.

     »Eine Tasche! Unnatürlich
Ist sie, wie das Eigenthum,
Wie die Rechte des Besitzes –
Taschendiebe sind die Menschen!

    »Glühend hass' ich sie! Vererben
Will ich dir, mein Sohn, den Hass.
Hier auf diesem Altar sollst du
Ew'gen Hass den Menschen schwören!

    »Sei der Todfeind jener argen
Unterdrücker, unversöhnlich
Bis ans Ende deiner Tage, –
Schwör es, schwör es hier, mein Sohn!«

    Und der Jüngling schwur, wie ehmals
Hannibal. Der Mond beschien
Grässlich gelb den alten Blutstein
Und die beiden Misanthropen. – –

    Später wollen wir berichten,
Wie der Jungbär treu geblieben
Seinem Eidschwur; unsre Leier
Feiert ihn im nächsten Epos.

    Was den Atta anbetrifft,
So verlassen wir ihn gleichfalls,
Doch um später ihn zu treffen
Desto sichrer mit der Kugel.

    Deine Untersuchungsakten,
Hochverräter an der Menschheit
Majestät! find jetzt geschlossen;
Morgen wird auf dich gefahndet.

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