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Christoph Martin Wieland: Athenion - Kapitel 1
Quellenangabe
typetractate
booktitleC. M. Wieland's sämmtliche Werke. Dreißigster Band.
authorChristoph Martin Wieland
year1857
firstpub1781
publisherG. J. Göschen'sche Verlagshandlung
addressLeipzig
titleAthenion
pages44
created20131126
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Christoph Martin Wieland.

Athenion,

genannt Aristion,

oder

das Glück der Athener unter der Regierung eines vorgeblichen Philosophen.Die Quellen zu der Geschichte dieses Athenion sind Athenäus im fünften Buche seines Philosophen-Gastmahls, Plutarch im Leben des Sylla und Appian in den Begebenheiten Mithridats. Schon zur Zeit dieses letztgenannten Schriftstellers hatte dieser Athenion Zweifel nicht blos an der Regierungskunst der Philosophen, sondern auch an der Redlichkeit derselben gegen die Regenten erregt, worauf sich also diejenigen berufen können, die, was Einer verbrach, an dessen ganzem Stande bestrafen. Aber – war denn dieser Athenion ein Philosoph? Wieland nennt ihn einen vorgeblichen Philosophen, und, wie aus Allem hervorgeht, soll Philosoph hier nicht in der Bedeutung eines Weisen genommen werden, sondern ungefähr als das, was wir einen Professor der Philosophie nennen. An seinem Beispiele soll nun gezeigt werden, daß es kein sonderliches Glück seyn möchte von Philosophen regiert zu werden. Wenn diese Philosophen keine Weise sind, so wird freilich keinem Staate sonderlich mit ihrer Regierung gedient seyn: wird aber ihre Regierung darum schlecht oder erbärmlich seyn, weil sie Philosophen waren? oder weil sie auch vielleicht nur Philosophie wußten und vortragen konnten? Wenn dieß an einem Beispiele gezeigt werden sollte, so konnte man unmöglich ein unglücklicheres wählen, als diesen Athenion: denn welchen Antheil an allen seinen Schlechtigkeiten und Dummheiten hat denn die Philosophie, sey es die blos gewußte oder die angewendete und ausgeübte? Wieland hat dieß gegen das Ende seines Aufsatzes wohl gefühlt; um so mehr aber ist zu verwundern, daß er den Anfang nicht abgeändert hat. Wenn er am Ende Marc Aurel und Julian anführt und sagt: »Dieß ist gewiß, wenn sie gute Regenten waren, so kam es nicht daher, weil sie Philosophen, sondern, weil sie tugendhafte Menschen waren«; so folgt von selbst: Wenn Athenion ein nichtswürdiger Tyrann war, so kam es nicht daher, weil er ein Philosoph, sondern weil er ein schlechter Mensch war, auf dessen Gesinnung, ja, an dessen Verstand die Philosophie niemals einen Einfluß erhalten hatte, der doch wohl bei Marc Aurel nicht abzuleugnen seyn dürfte. Das Problem also, welches Wieland hier zu lösen versprach, ist auf keine Weise gelöst worden.

1781.

 


 

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