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Titus Maccius Plautus: Asinaria - Kapitel 4
Quellenangabe
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typecomedy
authorMaccus Titus Plautus
titleAsinaria
publisherDr. Artur Brückmann
year
firstpub
translatorArtur Brückmann
correctorreuters@abc.de
senderPhilipp Brückmann
created20090623
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Erste Szene

Libanus und Demaenetus treten auf

Libanus: So wahr du wünschest, daß dein Sohn,
dein einziger, dein Leben überdaure, unversehrt
und viele überlebend, beschwör' ich dich
bei deinem Greisenalter, ja bei der,
die du doch fürchtest, deiner Ehefrau:
Wenn du mir heute falsch bist, möge deine Frau
ein volles Menschenleben lang dich überleben, aber du,
solang du lebst, sollst neben ihr ein Hundeleben führen,
Schrecklichem entgegengehen.

Demaenetus: Beim Gott der Treue fragst du mich?
Mit meinem Eid muß ich dir Red und Antwort stehen,
wie ich seh', was du auch immer fragen wirst.
So fest entschlossen dringst du auf mich ein,
daß ich's gewiß nicht wage, etwas zu verschweigen.
Drum sag jetzt schnell: Was ist's, was willst du wissen?
Weiß ich es selbst, geb' ich dir gern Bescheid.

Libanus: Sag mir im Ernst, wonach ich frage, lüge nicht!

Demaenetus: Willst du jetzt endlich fragen?

Libanus: Und bringst du mich auch sicher nicht dorthin,
wo immerfort ein Stein den andern reibt?

Demaenetus: Wo gibt es einen solchen Ort auf Erden?

Libanus: Dort, wo selbst die Schurken heulen,
die Gerste stampfen müssen, dort, im Land der Prügel,
bei den Ketteninseln, dort, wo tote Ochsen sich
hermachen über Menschen, welche leben.

Demaenetus: Jetzt, Libanus, weiß ich,
welchen Ort du meinst:
Dort, wo man Gerstengrütze macht.
Das wolltest du doch sagen?

Libanus: Ah, das sag' ich nicht. Ich mag das Wort nicht!
Spuck wieder aus, was du gesagt hast!

Demaenetus spuckt aus

Demaenetus: Gut, es sei. Du siehst, es ist geschehen,
wie du's wolltest.

Libanus: Noch mehr, mehr! Und huste gründlich!

Demaenetus: Immer noch?

Libanus: Noch mehr! Tief aus dem Innersten der Kehle!
Ich bitte dich: noch mehr!

Demaenetus: Wielange soll ich noch?

Libanus: Von mir aus – bis zum Tode ¼

Demaenetus: Hüte dich! Das nimmt ein schlimmes Ende.

Libanus: Bis zum Tode deiner Frau – wollt' ich doch sagen.
Niemals meint' ich deinen Tod!

Demaenetus: Dank diesem Wort sei dir verziehen,
hast du nichts zu fürchten.

Libanus: Die Götter mögen dir gewähren, was du wünschst!

Demaenetus: Doch höre du nun mir zu! Was du tatest,
ohne daß ich davon wußte: Warum soll ich es erfragen,
warum soll ich dir deswegen drohen? Warum schließlich
soll ich meinem Sohne zürnen, wie es andre Väter tun?

Libanus: (für sich) Was Sonderbares ist denn das?
Gespannt bin ich, was es wohl ist, in Sorge auch,
worauf's hinauswill.

Demaenetus: Seit langem weiß ich, daß mein Sohn
eine Hetäre liebt, grad in dem Haus hier neben unserem.
Ihr Name ist Philenia. So ist's doch, nicht, Libanus?

Libanus: Ja, du bist da auf der rechten Spur. Es ist so.
Aber eine schwere Krankheit ist's, die ihn erwischt hat.

Demaenetus: Was für eine Krankheit?

Libanus: Was er geben kann, genügt nicht dem,
was er versprach.

Demaenetus: Und du bist dem verliebten Sohn
ein Helfershelfer?

Libanus: In der Tat. Und außer mir auch noch Leonida.

Demaenetus: Da tut ihr recht daran; damit, was mich betrifft,
erwerbt ihr meine Gunst.
Doch meine Frau - weißt du denn nicht, Libanus,
von welcher Gattung meine Frau ist?

Libanus: Du vor allem hast das ja zu spüren. Aber wir,
wir kriegen unsern Teil doch auch.

Demaenetus: Ich muß gestehen, sie ist rücksichtslos
– und sehr beschwerlich.

Libanus: Ich glaub's dir, ehe du's gesagt.

Demaenetus: Wenn sie ein wenig auf mich hörten, o Libanus,
gäben alle Eltern ihren Kindern viel mehr nach.
Denn freundlicher und wohlgesinnter wäre ihnen dann
ihr Nachwuchs. Ich auf jeden Fall bemühe mich,
es so zu halten: Will ich doch, daß mich
die meinen lieben. Meinem Vater will ich gleichen,
der, verkleidet als Matrose, die Geliebte mir
mit List und Tücke aus dem Haus des Kupplers holte.
Und er schämte sich nicht im geringsten, noch im Alter
Gaunerstreiche auszusinnen, um mit Freundesdiensten
sich die Liebe seines Sohns zu kaufen.
Entschlossen bin ich, es nun meinem Vater gleichzutun.
Denn heute kam mein Sohn zu mir, mein Argyrippus,
bat mich, ihm in Liebesangelegenheiten beizustehn
– mit Geld. Ich möchte meinem Sohn den Willen tun,
obwohl die Mutter ihn so streng und knapp hält,
wie es sonst die Väter tun. Ich lass' ihm freien Lauf.
Zumal er mich für würdig hielt, mir zu vertrauen,
steht es mir an, daß seiner guten Wesensart auch ich
die Ehre nun erweise, welche ihr gebührt.
Da er in dieser Sache sich an mich gewandt,
als braver Sohn an seinen Vater, wünsch' ich,
daß er dieses Geld bekommt, das er
für die Geliebte braucht.

Libanus: Ein frommer Wunsch, doch wie ich fürchte,
ein vergeblicher. Der Sklave Saurea,
den deine Frau mit in die Ehe brachte,
hat mehr Verfügungsrecht als du. Daß der »servus dotalis«, den die Frau mit in die Ehe brachte, hier von dem Hausherrn keine Befehle entgegennehmen muß, sondern in Vermögenssachen lediglich der Frau gehorcht, entspricht weder römischem, noch griechischem Recht, sondern wohl einfach den realen Machtverhältnissen in der Familie des Demaenetus. Daran darf sich die Komödie denn auch halten, ohne auf juristische Skrupel eingehen zu müssen.

Demaenetus: Geld hab' ich angenommen; für die Mitgift aber
die Herrschaft preisgegeben über dieses Haus.
Doch nun in Kürze, was ich von dir will:
Mein Sohn braucht zwanzig Minen Silber. Sorg dafür,
daß er sie auch bekommt.

Libanus: Woher in aller Welt soll ich die nehmen?

Demaenetus: Hier von mir, betrüge einfach mich!

Libanus: Ein guter Witz! Den Rock ihm ausziehn soll ich.
Dem Nackten seinen Rock ausziehn?
Betrügen soll ich dich? Flieg du mal ohne Flügel!
Betrügen soll ich dich, der selbst nichts hat,
es sei denn, du betrügst die eigne Frau?

Demaenetus: Beschaff es irgendwie! Von mir,
von meiner Frau, vom Sklaven Saurea.
Betrüge! Stehle! ich bin dir da nicht im Wege,
Ich versprech' es dir, wenn du's nur heut noch machst.

Libanus: Du kannst mir auch befehlen,
in der Luft zu fischen, mittendrin im Meer
auf Jagd zu gehen mit dem Wurfgarn.

Demaenetus: Zum Helfer nimm dir den Leonida.
Mach etwas Schlaues, denk dir etwas aus!
Und schaff es irgendwie, daß heute noch mein Sohn
das Geld bekommt, das er für seine Freundin braucht.

Libanus: Doch sage mir –

Demaenetus: Was noch?

Libanus: Wenn ich per Zufall nun in einen Hinterhalt –
Kaufst du mich frei, falls mich die Feinde fangen?

Demaenetus: Ich kauf' dich frei.

Libanus: Nun gut! Dann kümmre dich um anderes,
ganz nach Belieben. Ich geh' auf den Markt,
wenn du nichts andres mit mir vorhast.

Demaenetus: Geh, mach's gut! Doch – hörst du noch?

Libanus: Ja, sicher!

Demaenetus: Wenn ich etwas von dir will, wo bist du dann?

Libanus: Wo's mir grad in den Sinn kommt. Jetzt,
nachdem du deine Sinnesart mir offen dargelegt,
muß ich nichts fürchten, kann mir niemand schaden.
Selbst auf dich kann ich nicht große Rücksicht nehmen,
wenn ich's zustandebringen soll. Ich führe durch,
was ich begonnen, schmiede meine ränkevollen Pläne.

Demaenetus: Ich bin beim Wechsler Archibulus.

Libanus: Also auf dem Markt?

Demaenetus: Dort bin ich, falls du mich für etwas brauchst.

Libanus: Ich denke dran.

Libanus geht ab

Demaenetus: Noch schlimmer kann ein Sklave gar nicht sein
als der und nicht verschlagener –
geradezu zum Fürchten!
Dem kannst du jeden Auftrag geben, den du unbedingt
erledigt haben willst, auf Biegen oder Brechen.
Eher wird er qualvoll sterben, als daß er zurückkehrt,
ohne daß er ausgeführt, was er versprochen hat.
Mein Sohn bekommt das Geld.
Das ist so sicher, wie ich diesen Stock da vor mir sehe. Der Stock gehört auf der Bühne zu den Requisiten, die den Alten, den »senex« kennzeichnen. Da Stock auf Lateinisch »scipio« heißt, ist aber gleichzeitig eine Anspielung auf einen Angehörigen des Geschlechts der Scipionen denkbar.
Doch was säum' ich, auf den Markt zu gehen?
Gehen will ich und will dort beim Wechsler warten.

Demaenetus geht ab

Zweite Szene

Diabolus kommt aus dem Haus der Cleareta

Diabolus: So macht man das? Vor die Tür wirft man mich? Ist das der Dank für den, der sich so sehr um euch verdient gemacht hat?

Wer gut zu dir ist, dem bist du übel gesinnt, gut dagegen dem, der dir übel will. Aber übel soll dir das bekommen! Von hier aus geh' ich nämlich direkt zur Stadtbehörde. Anzeigen will ich euch, und dann geht es euch schlecht, dir und deiner Tochter! Mit Hexenkünsten zieht ihr an euch, was euch nicht gehört.

Verführerinnen! Unheilbringerinnen, Unglück aller Jugend! Das Meer ist harmlos gegen euch: Ihr seid der allerschlimmste Ozean! Im Meer fand ich Gewinn, aber hier aber wurden alle meine Güter weggeschwemmt. Ich sehe schon, alles, was ich euch gab, was ich euch Gutes getan habe, war vergeblich und bleibt ohne Dank.

Von jetzt an füg' ich dir Übles zu, soviel ich kann, und das verdienst du auch! Dorthin stoß' ich dich zurück, woher du kamst, in äußerste Armut, in bitterste Bedürftigkeit. Wahrhaftig, dafür sorg' ich, daß du zu spüren kriegst, wie du zuvor gelebt hast, wie gut du's durch meine Hilfe hattest. Früher, bevor ich zu deiner Tochter kam, bevor ich ihr als Liebender mein ganzes Herz gab, hast du dir dein Dasein mit faulem Brot ergötzt, in Lumpen, in Bedürftigkeit, in Armut. So schlecht es war, wußtest du doch den Göttern großen Dank für alles. Jetzt geht es dir besser, und du denkst nicht mehr an mich, dem du's zu verdanken hast, du Miststück! Aber warte nur, dich Bestie bring' ich durch Hunger wieder dahin, daß du zahm wirst. Hüte dich vor mir!

Doch zürn' ich auch deiner Tochter? Keineswegs! Durch nichts verdient sie das, sie gehorcht nur dem, was du befiehlst; sie muß wohl, sie steht ja unter deiner Herrschaft. Du bist ihre Mutter, du bist ihr auch die Herrin. An dir will ich mich rächen, dich richt' ich zugrunde, wie es dir angemessen ist, wie du es verdient hast.

Seht die Verbrecherin! Nicht einmal soviel wert bin ich ihr, daß sie herauskommt, und mir wenigstens Red und Antwort steht, meinen Zorn etwas besänftigt.

Cleareta kommt aus ihrem Haus

Sieh, da kommt sie endlich, die Kupplerin! Ich denke, hier draußen vor der Tür kann ich auf meine Weise mit ihr reden, so, wie ich will. Im Haus drinnen war mir das ja nicht erlaubt.

Dritte Szene

Cleareta: Kein einz'ges dieser Worte könnt' ein Käufer
von mir kriegen, käm' auch einer, nicht für viele Münzen
aus Gold, geprägt mit König Philipps Kopf.
Was Schlimmes uns du sagst, ist reines Gold und Silber:
Angeheftet ist dein Herz hier mit dem Nagel Cupidos.
Beeil' dich nur mit Ruder und mit Segelwerk.
Flieh' so schnell du kannst! So sehr du strebst,
das offne Meer dir zu gewinnen:
Die Flut treibt dich zurück in unsern Hafen.

Diabolus: Keinen Hafenzoll verdient an mir dein Zöllner.
Da du mich gar nicht nach Verdienst behandelst,
mich aus dem Haus jagst, will ich dich behandeln,
wie du's um mich und meine Sache hast verdient,

Cleareta: Gesagt ist sowas leichter als getan.

Diabolus: Ich ganz allein zog euch hervor aus Armut,
aus Verlorenheit. Dürft' ich sie ganz allein besitzen,
niemals wär' es Dank genug.

Cleareta: Dir ganz allein soll sie gehören,
wenn du allein mir geben kannst, was ich verlange.
Das Versprechen geb' ich dir und will es immer halten,
unter der Bedingung, daß du mehr gibst als die andern.

Diabolus: Und wo hat das Geben eine Grenze?
Unersättlich bist du. Kaum hast du was eingesackt,
denkst du schon nach, was du noch fordern könntest.

Cleareta: Und du? Wenn du sie liebst und mit ihr schläfst,
wie unersättlich bist du da? Kaum ist sie von dir zurück
willst du schon wieder, daß sie zu dir kommt.

Diabolus: Hab' ich dir doch gegeben, was wir abgemacht.

Cleareta: Und ich, ich schickte dir das Mädchen.
So bekamst du deinen Gegenwert. Geld gegen Leistung.

Diabolus: Übel bist du mit mir umgesprungen!

Cleareta: Nur weil ich mein Geschäft betreibe,
klagst du mich an? Doch nirgendwo steht es geschrieben
in der Dichtkunst, noch ist es gemalt,
auch nicht in Stein gehauen, daß die Kupplerin,
die ihr Geschäft sorgsam betreibt,
es gut mit dem Verliebten meinen soll.

Diabolus: Mir gegenüber wär' es durchaus angemessen,
mich zu schonen, daß ich länger dir bestehen kann.

Cleareta: Weißt du das nicht? Die Frau,
die den Verliebten schont, die schont sich selber wenig.
Der Verliebte ist der Kupplerin grad wie ein Fisch:
Er taugt ihr nichts, wenn er nicht frisch ist.
Er hat Saft, hat Wohlgeschmack, wie du ihn zubereitest,
ob mit Brühe in der Schüssel oder nur grilliert.
Du kannst das übertragen, wie es du willst:
Der Frischverliebte will noch geben, will,
daß man etwas von ihm begehrt.
Er merkt nicht einmal, was er gibt, was er verschwendet;
eines nur erstrebt er: der Geliebten zu gefallen, mir dazu,
der Zofe und den Dienerinnen, auch der Magd.
Der Katze gar – der Neuverliebte schmeichelt ihr,
daß sie sich freuen soll, wenn sie ihn sieht. So ist das.
So treibt jeder sein Geschäft, so schlau er es vermag.

Diabolus: Nur allzu gründlich mußt' ich lernen,
daß es so ist, mit großem Schaden.

Cleareta: Hättest du noch was zu geben, würdest du
auch anders reden. Jetzt – weil du nichts hast –
willst du durch Schimpfen sie bekommen.

Diabolus: Das ist nicht meine Art.

Cleareta: Und meine ist es nicht, sie dir umsonst zu geben.
Doch deiner Jugend, deiner Ehre wegen
sei dir zugestanden:
Bekäm' ich nur von irgendwoher zwei Talente Silber,
bar in meine Hand, ich schickte sie heut' nacht,
um dich zu ehren, ganz umsonst zu dir.
Denn du warst mehr für unseren Gewinn besorgt
als für dein Ansehn, deinen guten Ruf.

Diabolus: Wenn nicht?

Cleareta: Kann ich sie dir nicht überlassen.
Dann geht sie zu einem andern.

Diabolus: Aber alles, was ich euch bisher gegeben?

Cleareta: Ist verbraucht. Hätt' ich davon noch irgendetwas,
würd' ich dir das Mädchen schicken, nichts verlangen.
Aber so – ja, Sonne, Mond und Wasser, Tag und Nacht,
das kann ich haben ohne Geld.
Für alles, was wir sonst noch brauchen,
traut man uns nach griechischer Manier:
Verlangen wir vom Bäcker Brot, Wein aus der Schenke:
Erst Geld, dann Ware, heißt es.
An die Methode halten wir auch uns.
Unsre Hände haben Augen. Sie glauben, was sie sehen.
Wie ein alter Spruch uns sagt: Nichts ist zu holen -
nun, du weißt, von wem. Und weiter sag ich nichts.

Diabolus: Ganz anders predigst du mir jetzt,
dem Ausgeplünderten, ganz anders jetzt als früher,
als du hin zu dir mich locktest, schmeichelnd
und mit schönen Worten. Kam ich da zu dir,
dann lächelte mir gar dein Haus entgegen;
mich allein von allen liebst du, mich allein liebt sie,
so sagtest du. Und bracht' ich etwas mit:
wie junge Tauben holtet ihr in einem fort
das Futter euch aus meinem Schnabel.
Eure Leidenschaft war's, meiner Leidenschaft zu dienen.
Oh, wie hingt ihr doch an mir: Ihr tatet, was ich wollte,
was mir mißfiel, was ich verboten hatte,
miedet ihr mit Sorgfalt, wagtet nicht einmal,
es zu versuchen, jetzt – es kümmert euch nicht viel,
ob mir etwas mißfällt, ob ich es will, ihr übles Pack!

Cleareta: Weißt du's noch immer nicht?
Unser - Gewerbe ist die Vogelfängerei.
Der Vogelfänger richtet seinen Fangplatz,
streut Futter aus, die Vögel, die gewöhnen sich daran:
Will man Gewinn, hat man dafür was aufzuwenden,
und die Vögel fressen viel. Doch sind sie dann gefangen,
bezahlen sie dem Vogelfänger seinen Aufwand.
Und so ist es hier bei uns:
Dies Haus hier ist der Fangplatz, Vogelfängerin bin ich,
was anlockt, ist das Bett, das Mädchen ist der Köder.
Die Verliebten sind die Vögel. Gern gewöhnen sie sich!
Freundlich werden sie begrüßt und schmeichelnd
angeredet, dann geküßt, verwöhnt
mit lieblicher und anmutsvoller Rede.
Wenn die Brust er hübsch betastet, läuft das gar nicht
gegen die Int'ressen einer Vogelstellerin. Und hat er erst
mit Küssen angefangen, fängt man ihn ganz ohne Netz.
Vergessen hast du alles das und gehst so lange schon
in diese Schule?

Diabolus: Das ist nur deine Schuld, wenn du den Schüler
halbgelehrt entläßt.

Cleareta: Hast du das Lehrgeld dann beisammen,
komm nur wieder. – Jetzt aber geh!

Diabolus: So warte doch und höre! Sag mir:
Wieviel muß ich geben, wenn sie dies ganze Jahr
nur mir allein gehören soll – und keinem andern?

Cleareta: Zwanzig Minen Silber. Und diese Klausel:
Zahlt ein andrer zwanzig Minen vor dir: Weg mit dir!

Diabolus: Doch eines möcht' ich noch mit dir besprechen,
bevor du gehst.

Cleareta: So rede, wie es dir gefällt!

Diabolus: So ganz bin ich noch nicht verloren.
Mehr noch hab' ich zu verlieren und noch reicht's
für deine Forderung.
Doch gilt auch meine Klausel, daß du's weißt:
Nur mir dient sie das ganze Jahr hindurch,
und keinen andern Mann empfängt sie, mich allein!

Cleareta: Das ist dir sicher. Wenn du willst,
so werden alle Sklaven hier im Haus kastriert.
Du kannst auch schriftlich niederlegen,
wozu du uns verpflichten willst. Mach uns Gesetze,
wie es dir beliebt: Ich nehme alles auf mich,
schaffst du zugleich das Geld herbei.
Schließlich gilt in jedem Hafen das Gesetz:
Zahlst du den Zoll, leg an; wenn nicht, bleib draußen.
An der Tür der Kupplerin gilt haargenau das gleiche.

Cleareta geht ins Haus zurück

Diabolus: Das ist mein Untergang, wenn ich jetzt nicht an diese zwanzig Minen komme. Wirklich, wenn ich das Geld nicht verlieren kann, bin ich selbst verloren. Sofort geh' ich zum Markt, versuche alles, setze jedes Mittel ein. Ich bitte, flehe. Welchen Freund ich auch sehe, würdig oder nicht: Ich geh' zu ihm, versuche, was ich kann. Gelingt's mir nicht, das Geld als Freundesdienst aufzutreiben, leih' ich's mir halt gegen Zins.

Diabolus geht ab

Vierte Szene

Libanus tritt auf

Libanus: Ja, Libanus, jetzt, beim Herkules, wird's Zeit,
daß du erwachst und irgendeine Gaunerei ersinnst,
das Geld zu kriegen. Zu viel Zeit ist schon vergangen,
seit du vom Herrn dich trenntest, auf den Markt gingst.
Dort hast du den ganzen Tag verschlafen,
mit Nichtstun zugebracht. Wie wär's, wenn du nun
Faulheit, Trägheit von dir wirfst, den alten Witz,
die Gaunerschlauheit wiederfändest?
Dien dem Herrn und mach es nicht wie andre Sklaven,
die ihren abgeschlagnen Scharfsinn zum Betrug
an ihrem Herrn nur nutzen.
Wohin lenk' ich nun mein Schiff? -
Durch Götterzeichen muß ich es erfahren,
muß den Vogelflug befragen: Ja, die Vögel,
sie erlauben es! Der Specht, die Krähe dort von links,
von rechts der Rabe und die Eule raten zu,
sie geben gute Zeichen; eurer Weisung folg' ich gern.
Jedoch was klopft der Specht an dieser Ulme?
Nicht von ungefähr. Wie ich die Seherkunst verstehe,
sind Ulmenruten irgendwo bereit, vielleicht für mich -
vielleicht auch für den Hausverwalter Saurea.

Leonida kommt

Jedoch was kommt Leonida da angerannt,
ganz außer Atem? Hoffentlich ist das kein böses Zeichen
für die schlimmen Pläne, welche sich in mir
zusammenbrauen!

Fünfte Szene

Leonida: Wo find' ich bloß den Libanus? Wo den Sohn des Hauses? Denn lustiger will ich sie machen als die Lust selbst, die göttliche. Gewaltig ist die Beute, riesig der Triumph! All das schlepp' ich mit meiner Ankunft daher. – Wie sie mit mir saufen und zu den Dirnen gehen, so teil' ich jetzt auch die Beute mit ihnen, die sich zeigt.

Libanus: (für sich) Hat er's auf seine Art gemacht, hat der Kerl ein ganzes Haus geplündert. Wehe dem, der seine Tür unsorgfältig hütete.

Leonida: So lang ich lebe, wollt' ich Sklave sein, wenn ich jetzt nur den Libanus träfe.

Libanus: (für sich) Wenn's auf mich ankommt, wirst du gewiß nicht schneller frei.

Leonida: Von meinem Rücken würd' ich ihm gern zweihundert Schläge als Geschenk verehren, recht gehörige.

Libanus: Ein Vermögen wird da verschenkt! Was er auf seinem Rücken trägt, ist alles, was er hat.

Leonida: Wenn sich die Zeit für die Gelegenheit davonmacht: Nicht mit weißen Viergespannen Das weiße Viergespann war das Gefährt des Siegers beim Triumphzug, gleichzeitig auch Symbol für große Schnelligkeit. wird man ihr wieder habhaft. Unsern Herrn läßt er in Bedrängnis, vermehrt den Übermut des Feindes. Aber wenn Libanus mit mir zusammen und mit Feuereifer die Gelegenheit ergreift, die sich bietet, wird er mit mir gemeinsam seinen Herren, dem Vater und dem Sohn, die größte Herrlichkeit bereiten, so reiche Freude, daß sie beide uns beiden immerdar verpflichtet sind, durch unsre Wohltat in Dankbarkeit an uns gefesselt sind.

Libanus: Von Fesseln sagt er etwas. Das gefällt mir nicht! Ich fürchte, der Schlimme hat etwas Schlimmes ausgeheckt, einen Betrug, den er mit mir gemeinsam vorhat.

Leonida: Verloren bin ich, wenn ich den Libanus jetzt nicht finde. Wo in aller Welt steckt er nur?

Libanus: Der Mensch sucht wirklich einen Genossen für eine üble Tat, will sich mit ihm verbinden. Das gefällt mir nicht. Wenn einer schwitzt und zittert, heißt das, daß etwas Ungeheuerliches bevorsteht.

Leonida: Was säum' ich mit den Füßen, eilig wie ich bin, und lasse meiner Zunge freien Lauf? Was gebiet' ich ihr nicht Schweigen? Mit Reden stiehlt sie mir den Tag.

Libanus: Wie arm der Mensch doch dran ist: Seiner Schutzpatronin muß er Gewalt antun. Wenn er etwas verbrochen hat, ist es doch die Zunge, die für ihn den Meineid schwört.

Leonida: Jetzt aber muß ich mich beeilen. Wenn ich zu spät dran bin, verhelf' ich selber der Beute zur Flucht.

Libanus: Was für eine Beute ist das wohl? Ich muß zu ihm, muß herausbringen, was das ist. – He du, ich grüße dich, so laut ich kann!

Leonida: Hallo! Du Peitschenübungsplatz! Sei gegrüßt!

Libanus: Was treibst du, du Zuchthauszellenhüter?

Leonida: Du Kettenpächter!

Libanus: Du Wollust aller Weidenruten!

Leonida: Wieviel wiegst du, wenn du nackt bist?

Libanus: Das weiß ich nicht.

Leonida: Ich dachte mir, daß du's nicht weißt. Doch ich, ich weiß es, denn ich habe dich gewogen. Nackt und gefesselt wiegst du deinen vollen Zentner, wenn du's mit den Füßen abwägst.

Libanus: Warum das?

Leonida: Wie und warum, das will ich dir sagen: Hat man ein Gewicht von einem Zentner an deine Füsse gebunden, stecken die Hände in Eisenfesseln und sind am Balken hübsch festgemacht: Exakt gerade hängst du, pendelst weder vorwärts noch zurück und wiegst nicht mehr und nicht weniger, als der Nichtsnutz, der Schuft, der du eben bist.

Libanus: Weh dir!

Leonida: Dein Sklaventum ist es, das dir das alles als unveräußerliches Erbgut zuerkennt.

Libanus: Schluß jetzt mit dem Wortgeplänkel. Um was geht es?

Leonida: Ganz im Vertrauen!

Libanus: Das kannst du ohne weiteres wagen.

Leonida: Nun gut! Du könntest dem Sohn des Hauses helfen, der verliebt ist. Unversehens zeigt sich uns nämlich ein großes Glück, allerdings vermischt mit Schlimmem. Die Henkersknechte werden gute und belebte Tage mit uns haben. Deshalb, Libanus, brauchen wir Erfindungsgeist und Kühnheit, alle List, zu der wir fähig sind. Ich hab' da einen Streich ausgedacht, der uns, wenn es uns dabei erwischt, wenigstens der Marter und der Folter so richtig würdig machen soll, die dann auf uns zusammenkommt.

Libanus: Mich wundert's die ganze Zeit schon, weshalb mir die Schultern so seltsam jucken: Schlimmes prophezeien sie, das irgendwo für sie bereit ist. Was ist es: Berichte!

Leonida: Die Beute ist groß, aber groß ist auch das Übel, das uns droht.

Libanus: Sollte sich auch alle Marter und alle Qual vereinigen, verschworen gegen mich: Ich habe einen Sklavenrücken, der zum Haus gehört. Ich muß mir nicht draußen erst einen suchen.

Leonida: Wenn du so standhaft bleibst, kann uns nichts passieren.

Libanus: Wenn ich mit meinem Rücken zahlen kann, beraub' ich auch den Staatsschatz. Ich leugne durch und durch, halt' alles aus und schwöre schließlich falsch.

Leonida: Das ist wahre Tugend: Übel standhaft ertragen, wenn es unumgänglich ist. Wer Schlimmes standhaft aushält, hält nachher auch das Glück in seinen Händen.

Libanus: Schnell nun, los mit deinem Vortrag! Ich bin begierig, an das Schlimme dran zu kommen.

Leonida: Ruhig aber, frag bitte langsam, schön der Reihe nach, damit ich ausruhen kann. Siehst du nicht, daß ich vom Laufen immer noch außer Atem bin?

Libanus: Los, mach schon! Wenn's nach dir geht, muß ich warten, bis du krepierst!

Leonida: Wo ist der Herr?

Libanus: Der alte auf dem Marktplatz, der junge hier im Haus.

Leonida: Das ist reicht mir schon.

Libanus: Du wurdest also plötzlich reich?

Leonida: Laß den Blödsinn jetzt!

Libanus: Gut, gut! Meine Ohren warten schon begierig, was du zu bringen hast.

Leonida: Dann paß gut auf, daß du begreifst, um was es geht.

Libanus: Ich bin schon still!

Leonida: Welches Glück! Erinnerst du dich, daß unser Hausverwalter Esel nach Pella verkauft hat?

Libanus: Ich kann mich erinnern. Was weiter?

Leonida: Dieser Kaufmann hat das Kaufgeld für die Esel soeben unserm Saurea zugesandt. Der junge Mann, der es ihm überbringen soll, ist gerade angekommen.

Libanus: Wo ist der Kerl?

Leonida: Du willst ihn gleich verschlingen, wenn du ihn siehst?

Libanus: Das gewiß. Du redest aber doch von diesen alten, lahmen Eseln, welche die Hufe schon bis an die Beine abgenutzt haben?

Leonida: Von denen, welche Ulmenruten hergeschafft haben vom Land, mit denen du verprügelt wurdest.

Libanus: Richtig, und die dich dann gefesselt zur Bestrafung auf das Land geführt haben.

Leonida: Dein Gedächtnis ist nicht schlecht; doch zur Sache: Wie ich eben beim Barbier in der Stube sitze, fragt mich einer, ob ich nicht den Demaenetus, den Sohn des Straton, kenne. Ich darauf: Den kenn' ich wohl, ich bin sein Sklave. Dann beschreib' ich ihm unser Haus.

Libanus: Und dann?

Leonida: Er sagt, er sei gekommen, um dem Hausverwalter Saurea das Geld für die verkauften Esel zu bezahlen, zwanzig Minen, diesen Saurea hab' er aber noch nie gesehen. Doch den Demaenetus, den kenn' er genau. Wie er das sagte –

Libanus: Was dann?

Leonida: So hör doch, gleich wirst du's erfahren! Ich also spiele augenblicklich den feinen, würdevollen Herrn und sage, dieser Hausverwalter, das sei ich selbst. Er sagt darauf: »Ich kenne diesen Saurea nicht und weiß nicht, wie er aussieht. Nimm's mir nicht übel, aber bitte, bring mir deinen Herrn, diesen Demaenetus; den nämlich kenn' ich. Dann zahl' ich dir sofort die Summe aus.« Drauf sag' ich, ich wolle meinen Herrn holen und hier im Haus auf ihn warten. Jetzt ist der Fremde noch im Bad, doch von dort kommt er gleich hierher. Was, meinst du, was wäre jetzt zu tun?

Libanus: Ich denke schon darüber nach, wie dem Fremden und dem Saurea das Geld abzujagen wäre. Aber das muß exakte und gekonnte Arbeit sein; denn wenn der Fremde das Geld hierherbringt, bevor wir bereit sind, ist für uns nichts mehr zu holen. Höre: Vorhin führte mich der Herr allein vors Haus. Er drohte mir und dir Stockhiebe an mit Ulmenstöcken für den Fall, daß wir dem Argyrippus nicht noch heute zwanzig Minen Silber verschaffen würden. Er befahl mir, seine Frau oder den Hausverwalter zu hintergehen, und versprach, selber dabei mitzuhelfen. Geh nun schnell zum Markt und sag' dort dem Herrn, was wir im Schild führen: Sag ihm schnell, daß du, Leonida, den Hausverwalter spielen würdest, um dem Kaufmann das Geld für diese Esel abzunehmen.

Leonida: Wie du befiehlst!

Libanus: Ich werde den Kaufmann hier solange unterhalten, falls er eher kommt.

Leonida: Doch eins noch!

Libanus: Was ist?

Leonida: Wenn ich dich nachher übel mit der Faust traktieren muß, weil ich ja den Saurea spiele – hüte dich, mir das zu verübeln!

Libanus: Hüten wirst du dich, mich auch nur anzurühren, wenn du klug bist – und wenn dein Spiel mit fremdem Namen dir nicht Vorzeichen sein soll für Schlimmes.

Leonida: Bitte! Laß es dir doch mit Gleichmut gefallen.

Libanus: Laß du es aber auch dir gefallen, wenn ich dir alles zurückerstatte.

Leonida: Ich rede doch nur von dem, was so gewöhnlich vor sich geht.

Libanus: Und ich rede nur davon, was ich nachher machen will.

Leonida: Bitte, weigere dich nicht!

Libanus: Ich sage bloß, daß ich dir alles nach Verdienst zurückerstatte.

Leonida: Gut, dann geh' ich. Ich weiß, du wirst es dir gefallen lassen. Aber wer ist das? Er ist es, er! Ich komm' gleich zurück. Halt du ihn auf; ich will dem Alten berichten, was er wissen muß.

Libanus: Tu, was nötig ist und was dir als Sklave ohnehin obliegt: Lauf weg!

Leonida geht ab

Sechste Szene

Ein Kaufmann tritt auf mit einem Sklaven

Kaufmann: Nach der Beschreibung ist dies das Haus, wo dieser Demaenetus wohnen soll. Geh, Knabe, klopf an die Tür und ruf mir den Hausverwalter Saurea heraus, falls er zu Hause ist.

Libanus: Wer demoliert da unsre Tür? He du, dich frag' ich, falls du hören kannst!

Kaufmann: Bis jetzt hat niemand die Tür angerührt! Bist du bei Verstand?

Libanus: Weil du so gradewegs den Weg auf uns zu nahmst, meint' ich, du hättest an die Tür geschlagen. Ich hab's nicht gern, wenn unsre Tür mißhandelt wird, die dem Haus dient, wie auch ich. Ich bin nämlich ein wahrer Freund von allem, was zu uns gehört.

Kaufmann: Wahrhaftig: Diese Tür läuft kaum Gefahr, aus den Angeln zu gehen, wenn du jedem, der hier nachfragt, auf solche Art Antwort gibst.

Libanus: Das eben ist die Eigenheit dieser Tür: Sowie sie sieht, daß sich ihr so ein Polterer naht, ruft sie gleich den Pförtner. Aber warum kommst du? Was ist dein Begehren?

Kaufmann: Den Demaenetus such' ich.

Libanus: Wär' er im Haus, würd' ich's dir sagen.

Kaufmann: Ist sein Hausverwalter da?

Libanus: Kein bißchen mehr zuhause ist der.

Kaufmann: Wo ist er denn?

Libanus: Er wollte zum Barbier, wie er sagte.

Kaufmann: Ja, dort traf ich ihn. Ist er noch nicht zurück?

Libanus: Nein, wirklich nicht. Was willst du von ihm?

Kaufmann: Die zwanzig Minen sollt' er entgegennehmen, wär' er da.

Libanus: Wofür das?

Kaufmann: Für Esel, die er neulich einem Kaufmann aus Pella verkauft hat.

Libanus: Ja, ich weiß. Und du bringst nun das Geld? Er wird bald wieder da sein.

Kaufmann: Dieser Saurea, wie sieht der denn aus? Wenn's der ist, den ich sah, erkenn' ich ihn sofort.

Libanus: Ein hageres Gesicht, rotes Haar, dickbäuchig, ein finst'rer Blick, von mittlerer Statur und immer mürrisch.

Kaufmann: Wahrhaftig, dieser Kerl! Kein Maler könnt' ihn besser treffen.

Leonida kommt

Libanus: Und, beim Herkules, da kommt er selber! Da rückt er an und schüttelt den Kopf. Wer dem und seiner Wut in den Weg kommt, hat seine Prügel sicher.

Kaufmann: Wenn er auch zornerfüllt und drohend wie Achill daherkommt: Rührt er mich an in seiner Heftigkeit, kriegt er eben heftig Prügel.

Siebte Szene

Leonida kommt

Leonida: Was für ein Laden ist denn das?
Wieso macht niemand hier, was ich befehle?
Libanus sollte zum Barbier, doch wer nicht kam, war er!
Wahrhaftig, gar nicht wohlanständig hat er Rücksicht
auf seinen Rücken, auf die Beine da genommen!

Kaufmann: Ein herrischer Geselle!

Libanus: Wehe mir!

Leonida: Nahm ich heut Abschied von Libanus schon,
dem Freigelassenen? Du bist bereits kein Sklave mehr?

Libanus: Oh, ich beschwöre dich!

Leonida: Beim Herkules! Zu deinem Übel läufst du mir
grad in den Weg! Weshalb kamst du nicht zum Barbier,
wie ich es dir befohlen?

Libanus: Der hier hat mich aufgehalten.

Leonida: Ah, beim Herkules, auch wenn du sagst,
Jupiter selbst sei es gewesen, der dich aufgehalten,
wenn er in eigener Person hier für dich bitten würde:
Nie könntest deiner Strafe du entkommen. Tagedieb!
So wenig galt dir mein Gebot?

Libanus: Mit mir ist's aus! O Fremder, hilf!

Kaufmann: Verschon ihn doch um meinetwillen, Saurea,
und schlag ihn nicht. Ich bitte dich.

Leonida: Ah, hätt' ich doch nur einen Stachel in der Hand –

Kaufmann: Ich bitte dich, sei ruhig!

Leonida: – dir die Seiten wund zu prügeln,
welche ohnehin durch all die Schläge schon dickhäutig,
unempfindlich wie aus Leder sind. Geh du zur Seite,
Fremder, laß mich diesen Kerl noch ganz
zugrunde richten, diesen Schuft,
der stets aufs neue meinen Zorn erweckt.
Denn diesem Schurken einmal etwas zu befehlen,
nützt überhaupt nichts. Hundertmal muß ich es sagen,
schreien gar. Vor lauter Ärger und Geschrei kann ich
fast selber meine Arbeit nicht mehr tun. Schuft!
Hab' ich dir nicht befohlen,
diesen Mist da wegzuschaffen von der Tür?
Hab' ich dir nicht befohlen,
das Spinngewebe von den Säulen wegzuwischen?
Hab' ich dir nicht befohlen, diese Knöpfe an der Tür
auf Hochglanz zu polieren? Doch umsonst!
Den ganzen Tag muß ich mit einem Prügel in der Hand
umhergehn, so, als wär' ich lahm. – Drei Tage lang
bemüh' ich mich nun ständig auf dem Markt,
jemand zu finden, der sich Geld auf Zinsen leihen will:
Und ihr liegt hier im Haus herum und schlaft.
In einem Saustall wohnt der Herr und nicht
in einem rechten Haus. Dann also, da – nimm das!

Er schlägt auf ihn ein

Libanus: O Fremder, bitte, halt ihn ab!

Kaufmann: Komm, Saurea, mir zu Gefallen laß ihn laufen!

Leonida: Antworte mir: Ist für die Fuhre mit Oliven
die Bezahlung eingetroffen?

Libanus: Ja, das Geld ist da.

Leonida: Wem wurd' es abgegeben?

Libanus: Deinem Stellvertreter Stichus.

Leonida: Du versuchst, mich zu beschwichtigen; ich weiß –
ja, er vertritt mich, und kein Sklave
ist im Hause unsres Herrn geeigneter dazu als er.
Wie steht es mit dem Wein,
den ich an Exaerambus gestern erst verkauft?
Hat der das Geld an Stichus auch bezahlt?

Libanus: Ich glaube, denn ich sah, daß Exaerambus selbst
den Wechsler hierher führte.

Leonida: Ja, so hab' ich's gern. Denn wenn ich früher
Geld verlieh, bekam ich's grad mit Müh und Not
im Jahr darauf zurück. Jetzt läuft es wie geschmiert.
Unaufgefordert bringt der Stichus mir den Wechsler
grad ins Haus, und läßt das Geld verbuchen.
Hat Dromo seine Ware schon bezahlt?

Libanus: Die Hälfte ungefähr, soviel ich weiß.

Leonida: Und was ist mit dem Rest?

Libanus: Er zahle, sagt er, wenn er selbst sein Geld
bekommen habe, das zurückgehalten werde,
bis er mit der Arbeit fertig sei.

Leonida: Hat Philodamus schon die Becher hergebracht,
die ich ihm ausgeliehen?

Libanus: Nein, noch nicht.

Leonida: So, so, noch nicht! So geht es einem, wenn man
einem guten Freund gefällig ist.

Kaufmann: (für sich) Jetzt reicht's mir dann! Der Kerl
vertreibt mich noch mit seinem widerwärtigen Getue.

Libanus: (leise) Du, es ist genug! Hörst du nicht, was er sagt?

Leonida: (leise) Ich hör' es schon – und bin ganz still!

Kaufmann: Ich glaube, jetzt wird er endlich still. Es wird das beste sein, ich geh' zu ihm, bevor er noch einmal anfängt loszukrähen. (zu Leonida) Hast du etwas Zeit für mich?

Leonida: Ah, Freund, seit wann bist du da? Ich hatte dich, beim Herkules, gar nicht bemerkt, nimm's mir nicht übel, meinen Augen stand der Zorn im Weg.

Kaufmann: Das ist kein Wunder. Aber ich hätte den Demaenetus gern gesprochen, wenn er im Haus ist.

Leonida: Der ist nicht da. Aber wenn du mir das Geld bezahlen willst, quittier' ich dir und erklär' in seinem Namen, daß die Sache erledigt ist.

Kaufmann: Mir ist es lieber, ich zahle dir das Geld im Beisein deines Herrn.

Libanus: Du, der Herr kennt den genau, wie er auch den Herrn.

Kaufmann: Ich zahle, wenn der Herr dabei ist.

Libanus: Gib's ihm doch, auf meine Gefahr! Ich stehe dafür ein, daß alles in Ordnung ist: Wenn nämlich unser Herr erfährt, du wärst mißtrauisch ihm gegenüber gewesen, dem er selbst alles anvertraut: Er würd' es schrecklich übelnehmen.

Leonida: Mir macht das nichts. Wenn er nicht will, soll er's bleiben lassen. Laß ihn nur weiter so herumstehen.

Libanus: (leise zum Kaufmann) Bitte, gib's ihm! Uah, ich fürchte, mir geht's schlecht, wenn er auf den Gedanken kommt, ich hätte dir eingeredet, man könne ihm nicht trauen. Gib's ihm, bitte, hab keine Furcht: Das Geld ist bei ihm sicher.

Kaufmann: Sicher bleibt es auch, solang' es in meiner Hand ist. Ich bin fremd hier, kenn' den Saurea nicht.

Libanus: Lern ihn doch jetzt kennen!

Kaufmann: Ich kann nicht wissen, ob er's ist, ob nicht. Ist er's, umso besser für ihn; doch eins weiß ich sicher: Dieses Geld kriegt keiner, den ich nicht sicher kenne.

Leonida: Die Götter mögen ihn verderben! Hüte dich, ihn auch nur mit einem Wort weiter zu bitten. Der Kerl ist stolz darauf, daß er die zwanzig Minen, die mir gehören, herumtragen darf. Es nimmt sie ihm niemand ab! Scher dich nach Haus! Verschwinde! Sei nicht lästig!

Kaufmann: Du bist doch wohl allzu jähzornig. Es ziemt sich nicht für einen Sklaven, sich so stolz und übermütig zu geben.

Leonida: (zu Libanus) Los, antworte ihm – auf rechte Art, sonst geht's dir schlecht.

Libanus: Nichtsnutz, dreckiger! Siehst du nicht, wie er zornig wird?

Leonida: Gut! Weiter so!

Libanus: Du Schandmensch! Gib ihm das Geld, nicht daß er dich Schlimmes hören läßt.

Kaufmann: Das Schlimme fordert ihr doch wohl für euch selbst heraus!

Leonida: (zu Libanus) Ich brech' dir wahrlich alle Knochen, wenn du dem Unverschämten nicht Beine machst.

Libanus: Ich bin verloren! Los, Unverschämter, los, Schuft, getraust du dich nicht, mir beizustehen, einem andern armen Schuft?

Leonida: Du bittest diesen Lumpen noch?

Kaufmann: Wo gibt's denn das: ein Sklave beschimpft einen freien Mann?

Leonida: Verprügelt sollst du werden!

Kaufmann: Was, verprügelt ich? Das steht dir selber bevor, sobald ich heute deinen Herrn treffe, diesen Demaenetus. Vor ihn lass' ich dich rufen, angeklagt wirst du vor ihm.

Leonida: Ich geh' nicht hin.

Kaufmann: Du gehst nicht, was? Bedenk, was du sagst!

Leonida: Ich weiß es wohl!

Kaufmann: Das Sühnegeld dafür zahlt euer Rücken!

Leonida: Oh, du Strolch, du Galgenvogel! Was? Wir sollen Sühnegeld zahlen?

Kaufmann: Auch für euer wüstes Schimpfen werdet ihr heute noch zur Bestrafung an einem Balken aufgehängt.

Leonida: Was, Schurke, Galgenstrick, was sagst du? Du meinst, wir hätten unsern Herrn zu scheuen? Geh doch, geh jetzt gleich zu meinem Herrn, wohin du mich ja ohnehin willst rufen lassen, wohin du die ganze Zeit schon willst!

Kaufmann: Endlich? Doch du kriegst keine einzige Sesterze, ohne daß mir der Demaenetus selber sagt, ich soll's dir geben.

Leonida: Gut, dann mach es so! Geh also los! Meinst du, du könntest andere beleidigen, und selber wirst du nicht beleidigt? Schließlich bin ich auch ein Mensch wie du.

Kaufmann: Natürlich, da hast du recht.

Leonida: Dann folge mir. Das kann ich unberufen sagen: Niemand hatte je Grund, mir etwas Böses nachzusagen. In ganz Athen wirst du nicht einen finden, dem man mehr vertraut als mir.

Kaufmann: Mag sein. Und doch bringst du mich heute nicht dazu, daß ich dir, der du mir unbekannt bist, das Geld anvertraue. Denn der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, kein Mensch. Das gilt zum mindesten solange, als man sich nicht kennt.

Leonida: Sieh, jetzt bist du mir schon freundlicher gesinnt. Ich wußte doch, du würdest mir für das begangene Unrecht Genüge tun. Wenn meine Kleidung auch schmutzig ist, bin ich doch ein rechter Mann. Und was mein eigenes Vermögen anbelangt: Das kann man gar nicht zählen.

Kaufmann: Kann schon sein.

Leonida: Und noch eins: Periphanes aus Rhodos, der dort ein angesehener Herr ist, der übergab mir ein Talent von Silber, als mein Herr gerade nicht am Ort war, und ohne Zeugen. Der vertraute mir, und er sah sich nicht getäuscht.

Kaufmann: Kann sein.

Leonida: Auch du, da bin ich sicher, hättest mir anvertraut, was du zu bringen hast, wenn du dich zuvor bei anderen erkundigt hättest.

Kaufmann: Gut, ich leugne das ja keineswegs.

Alle gehen ab

Achte Szene

Cleareta und Philenia kommen aus dem Haus der Cleareta

Cleareta: Kann ich dich nicht dazu bringen, dich zu fügen, wenn ich dir etwas verbiete? Oder bedeutet es dir schon überhaupt nichts mehr, wenn die Mutter etwas befiehlt?

Philenia: Wohin soll ich mit meiner Kindespflicht, wenn ich mich, um dir zu gefallen, auf solche Art bemühen muß, wie du von mir verlangst?

Cleareta: Heißt das die Kindespflicht erfüllen, wenn du die Herrschaft deiner Mutter minderst? Ziemt es sich, daß du dich meinen Anordnungen stets widersetzen muß?

Philenia: Wie das? Ich schelte niemanden, der recht tut, und wer sich vergeht, den lieb' ich nicht.

Cleareta: Du bist recht naseweis und schnippisch, du verliebtes Ding!

Philenia: Mutter, das ist mein Geschäft: Die Zunge muß verlangen, der Leib muß locken. Die Seele bittet, aber die Sache fordert.

Cleareta: Schelten wollt' ich dich, und jetzt willst du Anklägerin sein.

Philenia: Ich klage dich nicht an, habe dazu sicher auch kein Recht. Ich klage über mein Geschick, das mir verwehrt, den zu lieben, den ich liebe.

Cleareta: Bleibt mir vielleicht zum Reden auch ein kleiner Teil von diesem Tag?

Philenia: Ich füge meinen Teil an Redezeit dem deinen gern dazu. Gebiete du über Reden oder Schweigen: Gib du den Takt beim Rudern an. Aber wenn ich das Ruder einfach so zur Seite lege, in den Schlafraum gehe, um nichts zu tun, nur zu ruhen, dann sitzt dir unser ganzer Haushalt augenblicklich auf dem Trockenen.

Cleareta: Was sagst du? Ein unverschämtes, freches Weibstück bist du, wie ich noch keines sah! Wie oft hab' ich dir schon verboten, dich dem Argyrippus, dem Sohn des Demaenetus, anzutragen, ihn zu streicheln, mit ihm dich abzusprechen und ihm Blicke zuzuwerfen? Was gab er uns denn? Was ließ er uns ins Haus schicken? Nimmst du seine Schmeicheleien für pures Gold? Sein kluges Blabla für Geschenke? Einfach so willst du ihn lieben, verlangst nach ihm aus eigenem Antrieb, läßt selber ihn zu dir holen! Die etwas geben wollen, die verlachst du, in die, die dich zum besten haben, bist du zum Sterben verliebt.

Rechnest du damit, daß er dich reich macht, wenn seine Mutter stirbt, wie er dir versprochen hat? Da laufen wir Gefahr, daß wir, während wir auf ihren Tod warten, samt dem ganzen Hausstand vorher vor Hunger sterben. Schluß jetzt! Bringt er mir nicht die zwanzig Minen, wird dein tränenreicher Freund weggejagt von dieser Tür. Ab heute ist Schluß mit der Entschuldigung, er habe selber nichts.

Philenia: Ich muß es dulden, Mutter, auch wenn du mir befiehlst, ich müsse mich der Nahrung enthalten.

Cleareta: Nun, die etwas geben, die darfst du ruhig lieben, nur die nicht, die dich umsonst haben wollen.

Philenia: Aber wenn mein ganzes Herz davon erfüllt ist, was nur, Mutter, soll ich machen? Rate mir!

Cleareta: An meinen Kopf wirst du dich halten, wenn du dir das ganze zu deinem Vorteil noch einmal überlegst.

Philenia: Sogar der Schafhirt, der eine fremde Herde hüten muß, hat doch dazu sein eigenes Tier, das seine enttäuschte Hoffnung tröstet. Laß mich doch nur den einen, den ich will, den Argyrippus, lieben, weil mein Herz es will.

Cleareta: Ins Haus mit dir! Es gibt nichts Unverschämteres als dich!

Philenia: Nun, Mutter, daß sie deinem Wort gehorcht, dahin hast du die Tochter gebracht,

Beide gehen ins Haus zurück

 

Pause.

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