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Asiatische Novellen

Arthur de Gobineau: Asiatische Novellen - Kapitel 7
Quellenangabe
typenovelette
authorArthur Graf Gobineau
titleAsiatische Novellen
publisherH. Fikentscher Verlag
addressLeipzig
translatorLudwig Schemann
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
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senderwww.gaga.net
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Nachwort

Der Verfasser der »Asiatischen Novellen« trat in seinen letzten Lebensjahren in den Freundeskreis Richard Wagners, dem er durch seine Gesinnung längst innerlich verbunden war. Als er starb, brachten die »Bayreuther Blätter« einen Nachruf, dem hier das Wichtigste über Leben und Schaffen des Grafen Gobineau entlehnt sei.

Im Jahre 1816 geboren, einem alten französischen (aus Norwegen eingewanderten) Geschlechte entstammt, verbrachte Joseph Arthur Gobineau seine Kindheit zum Teil in der Schweiz, seine erste Jugend in der Bretagne bei seinem Vater, welcher, wie der Sohn vertraulich es ausdrückte, an Voltaire als Teufel, an Karl X. als Heiligen, beides mit gleicher Bewunderung, glaubte. Mit dem zwanzigsten Jahre ungefähr wurde er zu einem älteren Bruder seines Vaters nach Paris geschickt; dieser Oheim verbrauchte die ganze dem Geschlechte der Gobineaus eigene ungestüme Energie in politischen Verschwörungen zugunsten der Bourbonen, und war zu einem vollständigen Sonderling entartet, als der Neffe behufs weiterer Ausbildung bei ihm eintraf. Er empfing diesen unter seinem Dache, ohne ein Wort mit ihm zu wechseln, beständig den Kopf in große Zeitungen versteckt, in welchen er die erhofften oder gefürchteten Nachrichten suchte, und ließ ihn durch einen Kammerdiener bewirten, bis nach drei Wochen vollständiger Verlassenheit der Jüngling eines Tages zu ihm trat und ihm erklärte, wenn diese Behandlung fortdauern solle, würde er sich in diesem Hause erschießen, was dem Herrn desselben denn doch nicht angenehm sein dürfte. Der Verschwörer legte diesmal die Zeitung aus der Hand, sah jenen etwas verwundert an, schwieg zwar wieder für den Augenblick und griff wiederum zu seiner papiernen Wehr, bekümmerte sich aber von nun an um den als Seinigen erkannten und vermachte ihm später sein ganzes Vermögen.

Die politische Laufbahn des Grafen begann, als seine Partei von ihrem Haupte die Weisung erhielt, wieder in Staatsdienste zu treten: es war dies unter der Republik von 1848. Er wurde Sekretär der französischen Gesandtschaften in der Schweiz, in Hannover, in Frankfurt; dann wurde er abwechselnd mit den Gesandtschaftsposten in Griechenland, Persien (wohin er ein erstes Mal als Gesandtschafts-Sekretär geschickt worden war), Brasilien und Schweden betraut. In Stockholm blieb er bis zum Jahre 1877, wo er infolge der ihn ernstlich anwidernden politischen Verhältnisse seines Vaterlandes gern den plötzlich ihm gekündigten diplomatischen Dienst aufgab. Sein Alter war der vollständigen Heimatlosigkeit preisgegeben; mit seinem Vaterlande in jeder Beziehung zerworfen, wählte er Rom, wohin eine edle Freundschaft ihn zog, zu seinem Aufenthalte. Dorthin lenkte er von neuem seine Schritte, als ihn am 13. Oktober 1882 in Turin der Tod erreichte.

Gleich rastlos wie sein äußeres Leben nimmt sich die erstaunliche, die entlegensten Gebiete umfassende geistige Tätigkeit des Grafen aus. Von Richard Wagner einst befragt, wie es ihm angekommen sei, in so früher Jugend so übermäßigen Studien sich zu widmen, wie seine ersten Werke es bekunden, erwiderte Gobineau, er verdanke das einem Lehrer, den er haßte. Dieser wies ihn vorzüglich auf das klassische Altertum, – und ihm zum Ärger und zugleich um den Seinigen zu beweisen, daß nicht Trägheit ihn hierbei bestimmte, wandte er sich von der römischen Welt ab und der orientalischen zu; denn »alles war bei mir persönlich«, fügte er mit Entschiedenheit hinzu.

Von diesem Gesichtspunkt darf man demnach die Reihe seiner Arbeiten überblicken, um ihn im Sinne Schopenhauers mit der Bedeutung größten Lobes als Dilettanten, das heißt als einen, der aus freier Neigung seinem Studium sich widmet, aufzufassen. Wohl mag es der Abstand gewesen sein, den er gewiß früh genug zwischen sich und der ihn umgebenden Welt, vielleicht noch unbewußt, empfunden hat, welcher, seinen Forschungssinn weckend, ihn darauf hinwies, die Verschiedenartigkeit der Menschen zu beachten und durch Zeitschichten hindurch zu verfolgen, wobei sein festhaltender Geist es ihm ermöglichte, bestimmte große Linien zu ziehen und zu dem Schluß der unzweifelhaften Überlegenheit der germanischen Rasse zu gelangen. Das große Werk »Essai sur l'inégalité des races humaines« erschien schon im Jahre 1853. Dieses seltenste Beispiel eines Jugendwerkes verriet das Alter seines Autors so wenig, daß einer der wenigen, die es damals gelesen hatten, Herrn von Prokesch-Osten, Gobineau fragte, ob der Verfasser sein Vater wäre. Es gab einen anderen, welcher das Werk beachtete: Schopenhauer. In einer seiner Hauptschriften zitierte er: »L' homme est l'animal méchant par excellence, sagt Gobineau.« Sonst aber dauerte es ein Vierteljahrhundert, bis in der enthusiastischen Aufnahme des Werkes von seiten Richard Wagners der Verfasser einen Lohn und Ersatz für die allgemeine Unbeachtung fand.

Dann schrieb Gobineau die »Geschichte der Perser« und die »Réligions et philosophies dans l'Asie centrale« und als Nebenfrucht seines langen Aufenthalts in Persien die »Nouvelles Asiatiques« (1876), vollendete Erzählungen von eigentümlichstem Gepräge, nicht der aus einem fremdartigen Leben geschöpften Stoffe wegen, sondern dank der meisterhaften, mit dem Humor und der Anmut von »1001 Nacht« angehauchten, dabei durchaus originellen Darstellung.

In der Einleitung sagt Gobineau: »Mir hat nicht vorgeschwebt, die mehr oder weniger bewußte Unsittlichkeit der Asiaten und den Hang zur Lüge zu schildern, der sie beherrscht. Ich habe dies nicht außer acht gelassen, aber es genügt mir nicht. Es erschien mir geboten, auch anderes nicht im Dunkel zu lassen: hier Heldenmut, dort aufrichtig romantische Gesinnung, hier die angeborene Herzensgüte, dort das grundehrliche Wesen. Bei anderen wieder durfte die bis zum Übermaß gesteigerte Vaterlandsliebe, der vollkommene Edelsinn, die Hingebung und Zärtlichkeit, bei allen aber die unvergleichliche Hemmungslosigkeit und die unwiderstehliche Gewalt der ersten Gemütsregung – sei diese nun gut oder eine der schlimmsten – nicht übersehen werden. Desgleichen wollte ich auch nicht eine einzelne Landschaft schildern. Daher versetze ich den Leser bald in die Gebirgsdörfer der Tscherkessen, bald in türkische, persische oder afghanische Städte, das eine Mal in fruchtbare Täler, das andere Mal in dürre und staubreiche Ebenen . . . Die Asiatischen Novellen verfolgen den Zweck, eine gewisse Zahl von Spielarten der asiatischen Denkweise vorzuführen und zu zeigen, worin sich diese Denkweise von der unseren entfernt.«

Gobineau will Dichtung auf Grund des Erlebten geben, nicht moralisieren. Dies ist ihm in dem Maße gelungen, daß diese Novellen zu seinen großen Werken zählen, nicht geringer an Wert als die ein Jahr jüngere »Renaissance« und der erst nach dem Tode des Dichters gedruckte, großartige »Amadis«.

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