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Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten

Erich Ebstein: Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten - Kapitel 7
Quellenangabe
typeletter
authorErich Ebstein
titleÄrzte-Briefe aus vier Jahrhunderten
publisherVerlag von Julius Springer
year1920
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130820
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Matteo Realdo Colombo

Aus Cremona (um 1516) gebürtig, war er 1542 nach Vesals Fortgang aus Padua dort Professor der Anatomie, ging später nach Pisa und Rom, wo er 1559 vor Vollendung des Hauptwerkes: »De re anatomica libri XV« starb. Dieses Werk entstand unter tätiger Mitwirkung Michelagniolo's (Michelangelo), wie der folgende übertragene Brief lehrt, der an den Herzog Cosimo I. von Florenz gerichtet ist.

 

Rom, am 17. April 1548.

Erlauchtester und Vortrefflichster Herr Herzog!

Immer habe ich mich nach allen meinen Kräften bemüht, etwas Angenehmes und Ehrenvolles zu vollbringen, um Euerer Exzellenz Absichten zu entsprechen. Und da ich mir gedacht habe, unter allgemeinem Beifalle aller derer, die die Struktur des menschlichen Körpers zu erkennen wünschen, vermittelst meiner Tätigkeit ihnen einen Dienst zu erweisen, so habe ich mich, seitdem ich in Euerer Exzellenz Diensten stehe, bemüht und bemühe mich auch noch weiter, ein Werk zu verfassen, das darüber die Wahrheit enthält, und das man beim Sezieren studieren kann: Sehe ich doch den Schaden, den man beim Studium Galens erleidet, welcher voller Fehler steckt, abgesehen davon, daß er langweilig ist, und ebenso beim Studium Vesals, der weitschweifig und nicht geringer Verbesserung bedarf, wie ich das ja mehrfach bei öffentlichen Demonstrationen gezeigt habe und mit Genehmigung Euerer Exzellenz noch offener darlegen will. In Anbetracht davon habe ich mich daher an Eure Exzellenz mit der Bitte gewandt, Sie wollten geruhen, mir einen Urlaub für einen (längeren) Aufenthalt in Rom zu gewähren, einmal weil mir das Glück (dort) den ersten Maler der Welt dargeboten hat, dessen ich mich dabei bedienen kann, und sodann wegen der Fülle von Leichen, die man fast unausgesetzt unter der Hand haben muß, um die Dinge richtig zu beobachten und somit das Material zu besitzen, allen alten wie modernen (Anatomen) entgegenzutreten. Euere Exzellenz hatten daher, in Anbetracht des Vorteiles, der daraus erwachsen muß, in gewohnter Güte mir einen reichlichen Urlaub für diese Reise (nach Rom) erteilt, wenn ich nur nicht verfehlte, zur Zeit der Sektionen mich in Pisa wieder einzufinden, um diese vorzunehmen, nach Maßnahme dessen wozu ich im Studio (oder in der Universität daselbst) gehalten bin. Und diese Verpflichtung habe ich, wie ich glaube, auch eingehalten und die Sektionen in gebührender Zeit vorgenommen; und nach ihrer Beendigung bin ich dann mit gnädiger Erlaubnis Euerer Exzellenz und des Herrn Lelio Lelio Torelli (1489-1547), ein berühmter Rechtsgelehrter, der zu den einflußreichsten Räten des Herzogs gehörte. nach Rom zurückgekehrt, um dort Körper zu sezieren und eifrig mit Malern zu verkehren. Und seitdem ich recht viel (schon) gesehen. Und in diesem Sommer wollen wir an den Knochenbau gehen. Und mit alledem habe ich stets Euerer Exzellenz einen guten Dienst zu erweisen geglaubt, wie ja auch aus Dero Urlaubserteilung hervorgeht.

Nunmehr ist mir eine Mitteilung des Herrn Giordano Orsini Gemeint ist Paolo, Herzog von Bracciano, Schwiegersohn des Herzogs Cosimo. zugegangen, der mich benachrichtigt, Euere Exzellenz seien über mich wegen meiner so langen Abwesenheit (von Pisa) mißgestimmt, worunter das Studio leide. Ich erwidere: Das Studio leidet durch mich in keiner Weise, denn ich habe für dieses getan, was ich in diesem Jahre zu tun verpflichtet war. Im übrigen sage ich, daß ich nicht ohne ausdrückliche Erlaubnis Euerer Exzellenz habe abreisen wollen (aus Rom). Und als ich sah, ich bereitete Ihnen kein geringes Vergnügen, kam ich mit meiner Familie letzten Oktober (1547); und vor meiner Abreise ließ ich noch vermittelst des Herrn Giordano Euerer Exzellenz in empfehlende Erinnerung bringen, daß, wenn ich (wieder) mit meiner Familie abreisen müßte, dieselben mir eine Unterstützung von 100 Dukaten zu gewähren geruhten, deren ich zu meiner Reise bedarf. Mir wurde die Antwort zu teil: Man wolle derartige Gepflogenheiten nicht im Studio einführen nämlich vor der Zeit zu zahlen; vielmehr möchte ich handeln, wie ich könnte; und wenn ich zu den Sektionen, (nach Pisa) zurückgekehrt wäre, würde ich auch befriedigt werden. Als ich daher erkannte, man wäre mit meinem Kommen einverstanden, stellte ich mich wieder ein und habe mich mit der Sache (der Anatomie) beschäftigt und beschäftige mich auch weiter mit ihr und versage nicht. Und deshalb bitte ich flehentlich, eigentlich: kniefällig., Euere Exzellenz wollen mich mit diesem Werke fortfahren lassen und nicht die Ursache sein, daß ich zuerst meine Ehre und dann die recht beträchtlichen Ausgaben, die ich (bereits) dafür gemacht habe und noch weiter aufwende, verliere; und ich fühle mich in meinem Gewissen verpflichtet, ihm (dem Werke) ein Ende zu geben.

Und damit küsse ich untertänig und mit aller schuldigen Ehrerbietung Euerer Exzellenz die Hand und empfehle mich Ihnen.

Aus Rom am 17. April des Jahres 1548. Euerer Erlauchtesten und Vortrefflichsten Herrlichkeit

Untertänigster Diener
Realdo Colombo, Anatomist von Pisa.

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