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Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten

Erich Ebstein: Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten - Kapitel 57
Quellenangabe
typeletter
authorErich Ebstein
titleÄrzte-Briefe aus vier Jahrhunderten
publisherVerlag von Julius Springer
year1920
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130820
projectidb4ccd074
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Nachwort

Überblicke ich die in diesem Bande enthaltenen Briefe von Ärzten, deren Sammlung mich seit Jahren gelegentlich beschäftigt hat, so muß ich gestehen, daß die Schwierigkeit trotz der übergroßen Menge des vorliegenden Materiales besonders darin liegt, sich Beschränkung aufzuerlegen. Anderseits bestehen wieder erhebliche Schwierigkeiten, wenn es sich darum handelt, eine fortlaufende Reihe von Briefen eines betreffenden Arztes zusammenzubringen.

Wie ich in der Einleitung betont habe, kamen für mich nur wirklich inhaltsreiche, persönlich wie sachlich lehrreiche Briefe in Betracht.

Daher musste ich leider oft die betrübende Erfahrung machen, daß selbst sog. große Autographensammlungen häufig versagen. Schon 1838 spricht Dorow in Berlin von der Modekrankheit, »Zettelchen, Mittagseinladungen u. dgl. von der Hand berühmter Personen zusammenzubringen«. Derselbe Dorow war damals schon darauf aus, eine Handschriftprobe von Dupuytren († 1835) zu erhalten und fügte hinzu: »er war ein Feind alles Schreibens«; deshalb rechnete Dorow die mitgeteilten Zeilen zu den großen Seltenheiten.

Auch für Bichat, Bright, Oppolzer usw. bestehen offenbar dieselben Schwierigkeiten wie bei Dupuytren. Es soll damit nicht gesagt sein, daß es sich wirklich etwa um Seltenheiten handelte.

Der Fehler liegt darin, das wir zwar genügend viele und reichhaltige Autographensammlungen auf öffentlichen Bibliotheken und in Privatsammlungen besitzen, daß es aber vor allen an einer Möglichkeit fehlt, das vorliegende Material in irgend einer Weise zu überblicken. Höchst wünschenswert wäre ein Generalregister der an zahllosen Einzelstellen veröffentlichten oder deponierten Briefe, wie es R. M. Meyer und J. Minor für die literargeschichtliche Forschung ausgesprochen haben. (R. M. Meyer, Grundriß, Berlin 1907 und Minor, Zentralanstalten für die literargeschichtlichen Hilfsarbeiten, Euphorion Bd. 1, 17.)

Eine derartige Sammelstelle könnte z. B. im Leipziger Institut für Geschichte der Medizin ihren Platz haben.

Falls die Besitzer von einzelnen derartigen wichtigen Dokumenten sich nicht trennen wollen, so könnten dieselben wenigstens – leihweise auf Widerruf – dorthin gegeben oder nach einer festzusetzenden Sperrzeit – nach dem Tode des Brief Schreibers und des Empfängers – der Sammlung einverleibt werden. Außerdem besteht dort die Einrichtung, wertvolle Schriftstücke in Weiß-Schwarz-Photographie zu kopieren, so daß sie in dem dortigen Brief-Archiv zu einer eventuellen späteren Bearbeitung verwahrt bleiben können.

Auf diese Weise bestände die Möglichkeit, dort im Laufe der Jahre ein Archiv für Ärztebriefe mit einem dazugehörigen Gesamtregister auszuarbeiten. Es ist vielleicht noch nicht genügend bekannt, daß dort seit langer Zeit daran gearbeitet wird, Briefe von Ärzten und Naturforschen zu sammeln in Verbindung mit dem im gleichen Institut befindlichen Archiv deutscher Naturforscher und Ärzte. Hinterlassene Briefe bilden ja vielfach geradezu eine sorgenvolle Last für die Überlebenden. Die Hingabe des ganzen brieflichen Nachlasses an das Leipziger Historische Institut würde vielfach geradezu als Erlösung empfunden werden, jedenfalls als eine in jeder Beziehung befriedigende Lösung einer sorglichen Angelegenheit.

»Schriftdenkmale der Art« bilden nach Dorow »das Material zur geheimsten, aber wahrsten Geschichte der Zeit« – aber auch der Persönlichkeit selbst:

Briefe leben, atmen warm und sagen
Mutig, was das arme Herz gebeut,
Was die Lippen nicht zu stammeln wagen,
Das gestehn sie ohne Schüchternheit.

In diesem Sinne hatte Lavater nicht unrecht zu sagen: »Wer einen Brief einmal abgesendet, der hat an die Welt geschrieben.«

Leipzig, den 22. Oktober 1919.
Erich Ebstein.

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