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Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten

Erich Ebstein: Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten - Kapitel 55
Quellenangabe
typeletter
authorErich Ebstein
titleÄrzte-Briefe aus vier Jahrhunderten
publisherVerlag von Julius Springer
year1920
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130820
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Robert Koch

Geboren den 11. Dezember 1841 in Clausthal im Harz, gestorben den 27. Mai 1901 zu Baden-Baden. – Er studierte in Göttingen, wo Henle u. a. sein Lehrer war, dann in Berlin. Von 1872–80 war er Kreisphysikus in Wollstein. Der Botaniker F. Cohn erkannte »in der ersten Stunde in ihm den unerreichten Meister wissenschaftlicher Forschung« (Deutsche Revue. 1891, I., S. 3of.). 1880 wurde Koch ins Reichsgesundheitsamt nach Berlin berufen, 1883 leitete er die deutsche Choleraexpedition nach Ägypten und Indien. 1885 wurde Koch Professor und Direktor des Hygienischen Institutes für Infektionskrankheiten in Berlin. – Seine Lebensarbeit steckt in den von Jul. Schwalbe herausgegebenen gesammelten Werken (1912); sein Leben beschrieb in einer Studie K. Wezel (1912). – Aus den Privatbriefen Kochs (vgl. Rob. Biewend, Deutsche Revue 1891, I., S. 179-186; 296-318. IL, 87–100: 219-231, und E. Pfuhl, Deutsche med. Wochenschrift 1911, Nr. 30-33) mag hier nur einer aus der Wollsteiner Zeit an seine 8jährige Tochter wiedergegeben sein, der seine innige Vaterliebe zeigt.

Der erste Brief leitet Robert Kochs Beziehungen zu Ferdinand Cohn ein:

 

An Ferd. Cohn:

Wollstein (Prov. Posen), d. 22. April 1876

Hochgeehrter Herr Professor!

Durch Ihre in den Beiträgen zur Biologie der Pflanzen Ferd. Cohn, Bd. 1 (Breslau 1870). veröffentlichten Arbeiten über Bacterien angeregt, habe ich, da ich mehrfach das nöthige Material bekommen konnte, mich längere Zeit mit der Untersuchung des Milzbrandcontagiums beschäftigt. Nach vielen vergeblichen Versuchen ist es mir endlich gelungen, den Entwicklungsgang des Bacillus anthracis vollständig aufzufinden. Durch vielfache Versuchsreihen glaube ich dem Resultat meiner Untersuchungen eine genügende Sicherheit gegeben zu haben. Bevor ich jedoch damit an die Öffentlichkeit trete, würde ich Sie, hochgeehrter Herr Professor, als den besten Kenner der Bacterien, ganz ergebenst bitten, Ihr Urtheil über den Befund abgeben zu wollen. Leider vermag ich nicht durch Vorlegung von Präparaten, welche die einzelnen Entwickelungsstufen enthalten, den Beweis zu führen, da es nicht gelingen wollte, die Bacterien in entsprechenden Flüssigkeiten zu conserviren. Ich würde Sie daher ganz ergebenst bitten, mir gestatten zu wollen daß ich Ihnen vielleicht im pflanzenphysiologischen Institut während einiger Tage die nothwendigen Experimente zeigte. Wenn Sie, hochgeehrter Herr Professor, geneigt sind, diese ergebenste Bitte zu erfüllen, dann bestimmen Sie gefälligst die Zeit, wann ich nach Breslau kommen soll.

Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst

R. Koch
Kreisphysikus.

Robert Koch: Rezept.

 

An seine Tochter:

Liebes Trudchen!

Es war für mich eine große Freude, als Mama mir schrieb, daß Du bis jetzt artig gewesen bist und daß sie mit Dir zufrieden ist; hoffentlich wird es auch ferner so bleiben. Zu Deinem Geburtstage wünsche ich Dir recht viel Glück. Du wirst nun schon acht Jahre alt und mußt von jetzt ab ein recht verständiges Mädel werden, in der Schule tüchtig was lernen, der Mutter in der Küche helfen, Blumen warten, die Thiere füttern und mir beim Mikroskopieren helfen die Gläser putzen und Algen sammeln. Das alles wirst Du schon besorgen müssen, und jedes folgende Jahr wirst Du uns noch mehr Arbeit abnehmen. Zuletzt können Papa und Mama den ganzen Tag im Lehnstuhl sitzen, und unser liebes Trudelchen wird für uns kochen und mikroskopieren und Rezepte schreiben. Ach, das wird einmal eine schöne Zeit werden. Aber nun bleib auch nicht mehr zu lange fort. Die Tiere suchen jeden Tag in allen Ecken und Julka (das Dienstmädchen) seufzt immer, und ich denke manchesmal, wenn die Türe leise aufgeht, jetzt kommt mein Mädel, und wenn ich hinsehe, ist es ein fremder Mensch. Also komme nur bald wieder zu Deinem

lieben Papa.

*

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