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Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten

Erich Ebstein: Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten - Kapitel 48
Quellenangabe
typeletter
authorErich Ebstein
titleÄrzte-Briefe aus vier Jahrhunderten
publisherVerlag von Julius Springer
year1920
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130820
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Theodor Bilharz

Geboren am 23. März 1825 in Sigmaringen, gestorben am 9. Mai 1862 in Kairo. – In Freiburg und Tübingen vorgebildet, wurde er 1849 Prosektor der Freiburger Anatomie. 1850 ging er unter seines Lehrers Griesinger Leitung, der dort Leibarzt des Vizekönigs von Ägypten wurde, als Assistent dorthin. Als Griesinger 1852 nach Deutschland zurückkehrte, wurde Bilharz 1855 Professor an der medizinischen Klinik in Kairo und übernahm 1856 den Lehrstuhl der Anatomie. In diesen Jahren entdeckte Bilharz drei neue Parasiten des Menschen, darunter 1853 das Distomum haematobium, den Erreger der »Bilharziakrankheit«, der seinen Namen bis heute in der medizinischen Welt wach gehalten hat. Von den unten wiedergegebenen Briefstellen sind die beiden ersten an den Anatom A. Ecker in Freiburg, die beiden anderen an seinen Bruder Alfons Bilharz gerichtet. – Bei der Briefstelle, die die Schwierigkeiten von Bilharz' Untersuchungen schildert, fügte Ecker hinzu: »Kann man einen wahren Jünger der Naturforschung besser schildern, als er selbst mit dieser ganz unbefangenen Erzählung es getan hat?«

 

An A. Ecker:

Cairo, 6. August 1852

... Keine Erinnerung ist mir so geläufig, als die an den Schwarzwald und manchmal, wenn die fast senkrechte Sonne über meinem Haupte und der glühende Sand unter meinen Füßen den letzten Tropfen aus der Haut saugen, ist es mir eine wahre Erquickung, mir den Schwarzwald zu denken mit seinen rieselnden Felswänden und feuchten Moosflächen, aus einem klaren Wässerlein zu trinken und einen vollen Zug zu tun aus der kühlen duftenden Tannenluft ...

 

An Ecker:

Juli 1853.

... Welche äußeren Schwierigkeiten! Ich hatte im Monat kaum 2-3 mal Fische zu erwarten, die nie vor 2-3 Uhr kamen und gewöhnlich den andern Tag unbrauchbar waren. Nun ging's an die Arbeit. Auf der einen Seite das Interesse am Gegenstand und der lebhafte Wunsch, ein weiteres gesichertes Resultat zu erhalten, auf der andern Seite die drohende Gewißheit des Sonnenuntergangs versetzten mich in die emsigste Tätigkeit, die durch Hitze, Fliegen, schnelles Auftrocknen der Präparate und wie die tausend Ärgerlichkeiten des ägyptischen Sommers alle heißen mögen, manchmal in blinde verbissene Arbeitswut überging. Daneben durfte die objective Gemütsruhe und Unbefangenheit des Naturforschers keinen Augenblick bei Seite gesetzt werden. All das bewirkte eine solche Spannung der geistigen und körperlichen Kräfte, wie sie mir aus Europa von schwierigen Arbeiten nicht erinnerlich war. So kam es denn oft, daß, wenn kurz vor Sonnenuntergang ein selten fehlender Windstoß mich und meine Präparate mit feinem Staub überschüttete, ich ganz und gar erschöpft zusammensank, und ein tiefer Atemzug mich aufmerksam machte, daß ich schon ziemlich lang das Atmen vergessen haben müsse ...

 

An Alfons Bilharz:

Cairo, 31. Aug. 1859.

... Kommst Du über Wien, so bitte ich, Wedel zu fragen, wo Meißner behauptet, daß filaria medinensis eine Gordiacee sei, und ob weiter nichts Ausführlicheres erschienen sei? Wenn ja, so möchte ich es gerne haben. Kannst Du Birkmeyers Dissertation über Fil. med. auftreiben, so bringe sie mir. Ich sage Dir ins Ohr, daß ich scharf hinter ihr her bin und so glücklich war, ihr in den After zu gucken, wodurch ihr Nematodentum unwiderleglich gerettet ist. Auch sonst habe ich allerlei gefunden, z. B. ein Nervensystem, wo ich mich vor Ganglienzellen kaum zu retten weiß ...

 

An Alfons Bilharz:

Alt-Cairo, 15. Dez. 1860.

... Ich weiß nicht, ob ich Virchow Lepra-Knoten verschaffen kann. Letzten Sommer hatte ich einen exquisiten Fall. Er war ein Neger mit so gewaltigen Knoten im Gesicht, daß er kaum mehr zu den Augen herausschauen konnte. Außerdem waren zahlreiche an den Extremitäten. Ich behandelte ihn mit Jodtinktur, da ich aber die Wirkung derselben von früheren Fällen her kenne, wandte ich sie in mildester Weise an: Ich nahm Jodtinktur und Glycerin halb und halb und bestrich die größten Knoten alle 8 Tage einmal damit. Nach 2 Monaten waren nicht nur im Gesicht, sondern auch an den Extremitäten, wo ich das Mittel nicht angewendet hatte, alle Knoten verschwunden. Aber leider trat die Allgemeinwirkung – vollständiges Herunterkommen der Constitution – auch so ein. (Jod innerhalb hat gar keine Wirkung.) Er verlangte die Entlassung, und ich weiß nicht, was weiter aus ihm geworden ist. –

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