Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Erich Ebstein >

Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten

Erich Ebstein: Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten - Kapitel 47
Quellenangabe
typeletter
authorErich Ebstein
titleÄrzte-Briefe aus vier Jahrhunderten
publisherVerlag von Julius Springer
year1920
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130820
projectidb4ccd074
Schließen

Navigation:

Friedrich von Esmarch

Geboren am 9. Januar 1823 in Tondern (Schleswig), gestorben am 23. Februar 1908 in Kiel. – Er studierte in Kiel und Göttingen, wurde 1848 Assistent bei v. Langenbeck. Seit 1854 Direktor der chirurgischen Klinik in Kiel, wo er bis 1899 blieb. Im Kriege 1866 und 1870/71 erwarb er sich große Verdienste, die besonders auf dem Gebiete der Kriegschirurgie liegen. Bekannt und populär wurde er durch die Erfindung der künstlichen Blutleere im Jahre 1873, über deren erste Versuche er in folgendem Vortrag berichtet. 1881 hat Esmarch anläßlich des Verblutungstodes des Zaren Alexander die Tourniquettragebänder in den Samariterdienst eingeführt (vgl. »Aus meinen Erinnerungen«. Deutsche Revue Bd. 27, 2, S. 290-298).

 

... Sie sehen, daß ich schon mehrmals nahe daran gewesen bin, die Erfindung der künstlichen Blutleere zu machen, aber zur Reife kam der Gedanke erst im Februar 1873 und zwar in folgender Veranlassung.

Ich wurde eines Abends von einer Dame gebeten, ihr ihren Trauring von dem Finger zu entfernen, der in Folge einer Verletzung angeschwollen war.

Ohne Zweifel ist Ihnen das Verfahren bekannt, welches in solchen Fällen meistens rasch zum Ziele führt.

Man umwickelt mit einem starken Zwirnsfaden in dichten Gängen den Finger von der Spitze bis an den Ring, schiebt das Ende des Fadens unter den Ring durch und wickelt nun den Faden rasch wieder ab, wobei der Ring leicht über den zusammengedrückten Finger bis zur Spitze hinabgleitet.

Die Dame, welche sehr erfreut über den Erfolg war, bat mich, ihr den Vorgang zu erklären.

Mit Hinweis auf die durch das Einwickeln entstandene erst blasse und dann wieder rothe Färbung, konnte ich ihr leicht verständlich machen, daß durch den Faden das Blut aus dem Finger getrieben und dieser dadurch dünner geworden sei.

Als sie fortgegangen war, blieben meine Gedanken noch lange bei diesem Vorgange haften, während ich spielend nicht nur den Zwirnsfaden, sondern auch einen Kautschukfaden in verschiedenen Richtungen um meine Finger wickelte, auch die Beobachtung machte, daß bei wiederholter Umwickelung des letzteren an derselben Stelle die einschnürende Wirkung sich sehr unangenehm steigerte. Nachts träumte ich weiter davon. Als ich aber am (andern) Morgen erwachte, stand plötzlich vor meinem inneren Auge der fertige Gedanke: Du mußt fortan vor jeder Operation das Blut aus dem Gliede herausdrängen, und es nicht wieder eintreten lassen, bis die Operation beendet ist.

Dann schweiften meine Gedanken in die Zukunft, und ich malte mir die vielen und schwierigen Fälle aus, in denen das Verfahren zur Anwendung kommen und seine segensreiche Wirkung entfalten könnte.

Ich war darüber sehr glücklich, machte gleich an demselben Tage eine Nekrotomie, dann in den nächsten Tagen eine Exarticulation der Hand und mehrere Ausschabungen cariöser Knochen, alles ohne Blutverlust, und war jedesmal erstaunt, wie sehr viel leichter sich diese Operationen, unter Anwendung des neuen Verfahrens ausführen ließen, als sonst ...

*

 << Kapitel 46  Kapitel 48 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.