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Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten

Erich Ebstein: Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten - Kapitel 44
Quellenangabe
typeletter
authorErich Ebstein
titleÄrzte-Briefe aus vier Jahrhunderten
publisherVerlag von Julius Springer
year1920
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Max von Pettenkofer

Geboren am 3. Dezember 1818 in Lichtenheim bei Neuburg an der Donau, gestorben 9/10. Februar 1901 in München. – Anfangs zum Apotheker bestimmt, war er eine Zeitlang Schauspieler in Augsburg, wurde dann später (1847-66) Professor für medizinische Chemie und von da bis 1894 Professor der Hygiene in München. – Am bekanntesten sind seine Untersuchungen über Cholera und Typhus, deren Ursachen er in besonderen Verhältnissen des Bodens und des Grundwassers suchte. Durch seine vielseitigen Bemühungen machte er München in hygienischer Beziehung zu einer Musterstadt. – Die Briefe an Liebig betreffen ein von ihm angegebenes Regenerationsverfahren, das darin besteht, daß der Firnis auf alten Ölbildern durch kalte Alkoholdämpfe wieder flüssig gemacht wird. Liebig interessierte sich sehr für diese Angelegenheit und schickte Carl Vogt zu diesem Zwecke nach England, der damit aber sehr schlechte Geschäfte gemacht zu haben scheint.

 

An Liebig:

München, d. 18. Juni 1865.

Lieber College!

Ihr Empfohlener Carl Vogt (1817-95), damals Professor in Genf. scheint eine andere Route eingeschlagen zu haben – bis jetzt ist er nicht gekommen – und ich will nicht länger warten, Ihnen zu antworten. Sie haben mich ganz nieder gedonnert mit Ihren trostlosen Aussichten, daß ich mich moralisch noch nicht ganz zurechtgefunden habe. Ich hoffe Hoyoll wird doch soviel erzielen, daß Sie wieder zu Ihrem Kapital und zu Ihren Zinsen und ich zu meiner Ruhe komme: denn wenn Sie bei dieser gut gemeinten Geschichte zu Schaden kämen, das wäre mir doch sehr unangenehm.

Hier geht es vorwärts. Ich kann Ihnen jetzt amtliches Zeugniß verschaffen, das Sie wünschen; bitte nur mir ein Muster, wie Sie es wünschen zum Anhaltspunkte zu geben. Sehr schön wäre es allerdings, wenn Sie vor Ihrer Neapel-Expedition selbst hierher kämen, und gewiß auch wäre es das beste. – Ich gehe am 30. Juli nach Wien, als Magnificus mit 2 Senatoren zur 500 jährigen Jubelfeier deputirt, komme am 5. oder 6. August wieder hierher, und bleibe bis zum 15.-16. noch hier. Dann gehe ich in meine Villegiatur nach Kieferfelden bei Kufstein im Unterinnthal. Da ich an der Eisenbahn zwischen Rosenheim und Innsbruck liege, kann ich in wenigen Stunden von dort in München sein. Ich werde Ihnen unter Kreuzband einen Bericht meiner Bildercommission in der Augsburger Allgemeinen Zeitung senden.

Mit bestem Gruß Ihr ergebenster
Dr. M. Pettenkofer.

 

An Liebig:

München, d. 15. November 1865.

Lieber College!

Heute Abends kam Ihr Brief vom 12. c., morgen Donnerstag wird meine Antwort abgehen; ob sie bis Samstag in Ihren Händen ist – weiß die Post allein.

Die Geheimnisse des Herrn Frey War Gehilfe Pettenkofers und als Regenerator und Restaurator an der Gemäldegaleriedirektion angestellt. sind mir alle bekannt und besteht keine Schwierigkeit der Mittheilung. Das Wesentliche ist an die Stelle des Öls Harz zu setzen. Daß Frey nach Italien reise, convenirt mir gar nicht; denn ich brauche ihn notwendig hier in München, in der alten Pinakothek geht es jetzt rasch voran. Außerdem halte ich es auch nicht im Interesse der ital. Regierung, ihn kommen zu lassen; ich hielte es eher für zweckmäßig, einen ital. Conservator und Restaurator hieher zu schicken, um die Geschichte zu lernen. Da hier eben sehr viel nach dem Principe des Regenerationsverfahrens gearbeitet wird, so kann gerade hier am leichtesten und meisten gelernt werden.

Was ich in Florenz nützen könnte, sehe ich vollends nicht ein, Sie müßten denn wünschen, daß einer meiner Wünsche sich erfüllen sollte, die herrliche Stadt zu sehen. Soeben erhalte ich beiliegenden Brief aus London, den ich Ihnen zur Beantwortung überlasse.

Die Erfolge des Regenerationsverfahrens in hiesiger Pinakothek werden immer auffallender. An einem sehr bekannten Bilde von Rubens – Dalila und Samson, wie ihn die Philister binden – kam im Hintergrunde ganz deutlich ein Kopf zum Vorschein, der sich auf keiner in den letzten 40 Jahren gemachten Copien findet. Die Künstler sind jetzt auch alle versöhnt mit dem Mann, der nie einen Pinsel in der Hand gehabt, der von der künstlerischen Technik auch nicht die Spur versteht. Ich weiß nicht, ob sie schon wissen, daß die Herren mir eine sehr solenne und prachtvolle Adresse gewidmet haben, mit mehr als 200 Unterschriften.

Mit bestem Gruß Ihr ergebenster
Dr. Max Pettenkofer.

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