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Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten

Erich Ebstein: Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten - Kapitel 43
Quellenangabe
typeletter
authorErich Ebstein
titleÄrzte-Briefe aus vier Jahrhunderten
publisherVerlag von Julius Springer
year1920
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130820
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Ignaz Semmelweis

Geboren in Ofen am 1. Juli 1818, gestorben in Döbling bei Wien am 14. August 1865. – In Wien studierte er zuerst Jura, dann Medizin. Rokitansky und Škoda waren besonders seine Lehrer. Seit 1846 versah er Assistentendienste bei Klein, auf dessen Abteilung die Mortalität der Wöchnerinnen erschreckend groß war. Dazu kam der Tod des Prof. Kolletschka, der bei einer Sektion septisch zugrunde ging. Um das Leichengift zu zerstören, führte Semmelweis in den folgenden Jahren systematische Chlorwaschungen bei allen Studenten ein. Demzufolge wurde er gemaßregelt und nur beschränkt zur Privatdozentur zugelassen. Daher ging Semmelweis 1850 nach Pest zurück, wo er 1855 ordentl. Professor der Geburtshilfe und Direktor der dortigen Klinik wurde. Von 1858–60 gab er in ungarischer Sprache einige Artikel über das Puerperalfieber heraus, denen 1861 sein großes Werk: »Die Ätiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers« folgte. Der Pester Akademie der Wissenschaften widmete Semmelweis u. a. ein Exemplar mit einem (ungarischen) Begleitbrief, der unten übersetzt wiedergegeben ist. Da ihm das heute als klassisch geltende Werk keine Anerkennung brachte, wandte er sich von 1862 in offenen Briefen, in denen bereits Spuren einer beginnenden geistigen Erkrankung zutage treten, an sämtliche Vertreter der Geburtshilfe. Semmelweis konnte deshalb nur bis zum Sommer 1865 im Amt bleiben, wurde aber in eine Irrenanstalt gebracht, wo er bald – nicht seiner Gehirnkrankheit, sondern einer Blutvergiftung infolge einer Fingerverletzung bei einer Operation erlag.

 

[1861.]

Hochlöbliche Akademie!

Die ›Kindbettfieber‹ genannte und von altersher gekannte Erkrankung hat im Laufe dieses Jahrhunderts stetig zunehmend die europäischen geburtshilflichen Anstalten und deren Inwohner überfallen, die jährliche Zahl der ihr zum Opfer gewordenen Mütter und Kinder zählt nach Tausenden.

Durch die Gnade der göttlichen Vorsehung ist es mir, dem ergebenst Unterzeichneten, gelungen, den echten Character dieser bisher als Epidemie aufgefaßten Erkrankung zu entdecken und auf Grund dieser meiner Entdeckung zugleich (was die Hauptsache) das Auftreten der Krankheit in dem Maße zu verhüten, daß, während früher z. B. an der Wiener geburtshilflichen Abteilung die durch das Kindbettfieber erzeugte Mortalität 31% betrug, sie nun überall dort, wo meine vorgeschlagenen prophylaktischen Maßregeln eingehalten werden, kaum 1% erreicht. Das Schicksal wollte es, daß ich, diese Entdeckung im Jahre 1847 machend, Assistent der Wiener geburtshilflichen Abteilung, fern von meinem Vaterlande lebte. Dies ist der Grund, daß meine Entdeckung zuerst deutschen Fachgenossen vorgelegt wurde. Nach meiner Rückkehr in die Heimat habe ich nun meine Erfahrungen den ungarischen Fachmännern mitgeteilt, ebenso meine Theorien über das Puerperalfieber im hiesigen »Orvosi hetilap« veröffentlicht.

Während jedoch meine Lehre hier keinem Widerspruch begegnete, erfuhr sie in Deutschland mancherlei Angriffe und Entstellungen.

Die humanitäre Pflicht gebietet mir demnach, diese meine Theorien noch einmal zu entwickeln und die Nichtigkeit der dagegen erhobenen Einwürfe zu erweisen, was ich in dem beigeschlossenen und mit Rücksicht auf das Publikum, auf welches ich Einfluß zu nehmen gezwungen bin, deutsch geschriebenen Werke hiermit vollführte. Wolle die hochlöbliche Akademie dieses Werk als Zeichen der aufrichtigsten Verehrung annehmen und Ihrer Bibliothek einverleiben.

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