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Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten

Erich Ebstein: Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten - Kapitel 26
Quellenangabe
typeletter
authorErich Ebstein
titleÄrzte-Briefe aus vier Jahrhunderten
publisherVerlag von Julius Springer
year1920
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Carl Asmund Rudolphi

Geboren den 14. Juli 1771 in Stockholm, gestorben den 29. Nov. 1832 in Berlin. – Er studierte 1790–94 in Greifswald besonders Botanik. In seinen Gedichten, die 1798 (Berlin und Greifswald) erschienen, findet sich z. B. ein »Lob des Billiards«. 1810 wurde er dort ordentlicher Professor der Medizin. 1810 ging er als Professor Anatomie und Physiologie nach Berlin, wo er bis zu seinem Tode der eine ruhmvolle Tätigkeit entwickelte. Sein Nachfolger Johannes Müller hat ihm (Berlin 1837) eine Gedächtnisrede gehalten, in der er von ihm sagt: »Erinnere ich mich der freien heiteren ehrfurchtgebietenden Züge seines Antlitzes, des liebenswürdigen männlichen Ernstes mit dem Ausdruck der Energie und Wahrheit des Charakters, sehe ich alles dies in einem Bildnis von ihm wieder, so bin ich immer gerührt. In einer unedlen Stimmung würde ich mich scheuen das Bild des väterlichen Freundes zu betrachten und erinnere ich mich der edelsten Begegnisse meines Lebens, so fällt mir sogleich Rudolphi ein.«

 

An Sömmering:

Greifswald, den 19. Febr. 1803.

Wohlgeborener Herr,

Hochzuehrender Herr Hofrath!

Meine Antwort auf Ihren mir sehr angenehmen Brief kommt spät, allein ich bin hierüber leicht zu entschuldigen. Ich habe voriges Jahr eine Reise durch einen Theil von Deutschland, durch Holland, Frankreich und die Schweiz gemacht. Gegen Schluß des Jahres kam ich erst nach einer vierzehnmonatlichen Abwesenheit zurück, so daß ich alle Hände voll zu thun hatte, da gleich meine Collegia anfingen, das anat. Theater meine Gegenwart forderte etc. Ich fand auch einen Ruf vor, nach St. Petersburg als Prof. der Botanik bei der kaiserl. Akademie der Wissensch. zu gehen, und mußte gleich an ein paar Abhandlungen denken, die ich jetzt beendigt habe, die eine de praesenti botanices statu, die andere dubia contra Josephi Gall de organis in cerebro distinctis iisque cranii ope detegendis hypothesin. Jetzt habe ich einen Tag Muße, und wende mich zur Beantwortung Ihres schätzbaren Briefes.

Ich betheure es Ihnen, daß ich Sie stets als den größten Anatomen geschätzt habe, und ich glaube auf jeder Seite meiner Abhandlungen sind davon Beweise ...

Wahrscheinlich gehe ich im Frühling nach St. Petersburg, ich kann bis jetzt meinen Abschied nicht erhalten, doch wird es wohl nicht lange mehr währen. Recht sehr wünschte ich mit Ihnen in schriftlichem Umgang zu bleiben, und kann ich Ihnen dienen, soll es mir stets und überaus Freude machen.

Ihr ergebenster
D. R. A. Rudolphi.

 

An Heinrich Bethmann in Teplitz:

Berlin, August 16. 1815.

Mein theuerster Bethmann!

Ich weiß nicht, wo ich beginnen soll, um Ihnen das Schrecklichste zu melden, da: Sie treffen konnte. Das herrlichste Weib Gemeint ist die berühmte Schauspielerin Friederike Bethmann-Unzelmann, genannt Großmann, geb. 24. Jan. 1771, † den 16. Aug. 1815. Ihnen so früh entrissen! Noch am Sonnabend (den 13.) Mittag war ich mit Minna Rudolphis Gattin. bei Ihrer Gattin im Garten, und sie scherzte ganz heiter, am Sonnabend Abend klagt sie über Ohrenschmerz, schon am Montag war sie betäubt, heute Morgen ein viertel Uhr nach Mitternacht entschlief sie. Das alte Übel, wovon wir oft sprachen, noch am Tage vor Ihrer Abreise nach Töplitz, scheint früher den Weg zum Gehirn gefunden zu haben, als wir ahndeten, Heim, Ernst Ludwig Heim, der bekannte Berliner Arzt. Meyer, Dr. Heinrich Meyer. Wolf haben das ihrige redlich gethan, die Limann hat wie Mutter und Schwester gesorgt, und der rastloseste Eifer von allen Seiten zeigte, mit welcher Liebe alles an Ihrer Gattin hing. Sie sind mir jetzt durch dasselbe herbe Schicksal noch näher verwandt. Auch ich ließ einst ein liebliches Weib (von 22 Jahren) daheim, trat froh eine Reise an, und nach ein Paar Wochen war sie todt, und ich sah sie nicht wieder. Auch Sie werden die Ihrige hier nicht mehr finden, wenn Sie noch so sehr eilten, denn bei Gehirnaffectionen geht die Verwesung in ungeheurer Schnelligkeit fort, und kaum gestorben, ist der Körper schon zerstört.

Bei der Heftigkeit der Krankheit, mußte sie sich schnell entscheiden, daher hielten wir die Limann zurück, welche Ihnen schon gestern Morgen eine Estafette senden sollte, und nur mit großer Mühe davon abzubringen war, denn auch so hätten Sie nicht mehr ihre Hülle gefunden, und entschied sich in der Nacht die Krankheit günstig, so hätten wir Ihnen einen ungeheuren Schmerz erspart.

Ihr Karl ist seit gestern Morgen bei mir, und soll bei mir bleiben, bis wir die Sache näher zusammen besprochen haben. Er schläft so ruhig und ahndet seinen Verlust nicht. Er ist gern bei unserm Karl, und wir haben Ihren Jungen sehr lieb, es ist ein gutes, folgsames Kind.

Sie haben verloren, was dem Mann nach der Ehre das Theuerste ist, allein Sie sind Mann, und ich bin daher überzeugt, Sie werden jetzt streng der Vernunft folgen. Brechen Sie nicht Ihr Baden ab, wofern Ihr Arzt das verbietet. Sie haben theure Pflichten zu erfüllen, und müssen für diese sich erhalten: denn durch nichts können Sie mehr Ihre Liebe zu dem trefflichen Weibe bewähren. Reisen Sie gleich, so nehmen Sie sich ja in Acht, und wenn es irgend geht, so suchen Sie einen Begleiter zu bekommen, der Ihre Thränen ehrt, und mit Ihnen klagt.

Hier ist alles voll Jammer, Minna grüßt Sie mit vielen Thränen.

Mit herzlicher Freundschaft
Ihr
D. Rudolphi.

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