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Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten

Erich Ebstein: Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten - Kapitel 19
Quellenangabe
typeletter
authorErich Ebstein
titleÄrzte-Briefe aus vier Jahrhunderten
publisherVerlag von Julius Springer
year1920
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130820
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Johann Friedrich Blumenbach

Geboren am 11. Mai 1752 in Gotha, gestorben am 22. Januar 1840 in Göttingen, wo er in gewissem Sinne der Begründer der Anatomie der Neuzeit geworden ist. 65 Jahre lang hat er der Göttinger Universität als Lehrer angehört und in 118 Semestern hat er seine vielgerühmte Vorlesung über Naturgeschichte wiederholt. In seiner Jugendzeit hat er auf Sömmering, an den untenstehender Brief gerichtet ist, in späteren Jahren auf Rudolphi, den Vorgänger von Johannes Müller, großen Einfluß ausgeübt, nicht minder auf mehrere der bedeutendsten Forschungsreisenden, unter denen A. v. Humboldt als Blumenbachs Schüler an erster Reihe steht. Ohne seine mannigfaltigen persönlichen Verbindungen und Freundschaften, zu denen auch die Goethes zählt, hätte er nie die berühmte Sammlung von Schädeln zusammenbringen können, die heute noch, immer vervollständigt, die Zierde der Göttinger Anatomie bildet. Als Goethe 1801 in Göttingen war, schreibt er von Blumenbach: »Immer von dem Neuesten und Merkwürdigsten umgeben, ist sein Willkommen jederzeit belehrend.«

Johann Friedrich Blumenbach in seiner Studierstube in Göttingen

 

An v. Sömmering:

Göttingen, den 14. Mai 1785.

Nur mit 3 Worten bezeuge ich Ihnen meine kindische ausgelassene Freude über Ihr liebreiches Erbieten, liebster bester Sömmering, mir eine 6fingrige Hand zukommen zu lassen. Wenn ich ja schon wieder von Ihrer mittheilenden Güte Gebrauch mache und Sie berauben soll, so versichre ich Sie wenigstens beim Himmel, daß mir jetzt doch nichts auf der Welt willkommener und so recht à propos hätte sein können. Ich bin doch weiß Gott né coeffé. Eben da ich jetzt totus quantus über den Ursprung der Mißgeburten brüte, kommt mir die erwünschteste Gelegenheit zur anschauenden Erkenntniß zusammen! Der Stallmeister schickt mir einen einäugigen gar mißgestalteten Lammskopf. Auf meinem Hofe läuft ein dreibeiniger junger Bock, dem das ganze linke Hinterbein, sogar das linke Hüftbein fehlt, der aber sonst frisch und munter ist; es hat ihn mir ein Auditor aus Mohringen geschickt. Die Hand wäre mir aber weit wichtiger, weil ich gerade über Morands Abhandlungen über die 6fingrigen Monstra allerhand Scrupel hege. Bester, theuerster Freund!

Ewig Ihr
Blumenbach.

*

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