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Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten

Erich Ebstein: Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten - Kapitel 16
Quellenangabe
typeletter
authorErich Ebstein
titleÄrzte-Briefe aus vier Jahrhunderten
publisherVerlag von Julius Springer
year1920
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130820
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Johann Peter Frank

Geboren d. 19.März 1745 in der Rheinpfalz (Rodalben), studierte er in Heidelberg und Straßburg Medizin. Der Gedanke, eine medizinische Polizey zu schreiben, stammt aus dieser Zeit; sie erschien ab 1779 in sechs Bänden. Durch dieses Werk wurde diese Wissenschaft und auch die Hygiene als solche begründet. Seiner klinischen Lehrtätigkeit in Göttingen (1784–85), und besonders in Pavia verdankt der medizinische Unterricht eine gründliche Reformation; so stand ihm Marabelli, ein Assistent für chemische Untersuchungen, zur Seite. Von 1795–1804 war Frank in Wien Hochschullehrer und Krankenhausdirektor; nach vier Jahren ärztlicher Tätigkeit in Wilna und Petersburg kehrte er nach Wien zurück, wo er, von einem zweijährigen Aufenthalt in Freiburg i. Br. abgesehen, bis zu seinem am 24. April 1821 erfolgten Tode – in demselben Hause wie später Billroth – praktizierte. In Freiburg schloß Frank Freundschaft mit dem Kurator J. A. v. Ittner, der eine gute Charakteristik Franks gegeben hat und an den folgender Brief gerichtet ist.

 

Wien, den 3. Juli 1811.

»Et cum haec dicerent, stetit Jesus in medio eorum, et dixit eis: pax vobisl« Leider wird mein Stolz, mit welchem ich mir einbilde, daß Sie soeben von mir reden werden, durch meine Unfähigkeit zum Erscheinen in der Mitte meiner Freunde, überaus viel gedemüthigt; aber Sie, edler Mann, berechtigen mich, durch Ihre mir bezeugte Güte zu so hochmüthigen Gedanken, und ich sage Ihnen hiemit das pax vobis, mitten unter allen Unwahrscheinlichkeiten, und vielleicht mit ebenso wenigem Erfolge, als den guten Jüngern einst zu Theile ward. Warum ich Ihnen so spät erscheine, davon ist die Ursache, weil ich wirklich erst auferstanden bin. Kaum war ich den 29. Mai in der Vorhölle eingetroffen, als ich von den Seelen der Patriarchen umgeben, und von allem Umgange mit der Oberwelt abgehalten ward. Ich hatte Ursache, mit meinem Empfange zu Wien sehr zufrieden zu seyn, doch ward ich sogleich wieder an das ärztliche Joch gespannt, so wenig auch mein steifes Genicke darunter sich beugen wollte. Hin sind die angenehmen Stunden, die Sie mir dort in Freiburg. an meinem langen Tische, in meinem Ungeheuern Großvaterstuhle so gütig verschafft haben; und es ist mehr denn wahrscheinlich, daß ich Unwürdiger auf solch einen Genuß auf ewig Verzicht leisten werde müssen. Juden, Christen und sogar Türken haben sich gegen mich verschworen. Das Galenus dat opes, kann inzwischen in so ferne, als Papier zu den opes gezählt werden mag, bei mir eintreffen doch finde ich, daß, bei aller dieser papiernen Erkenntlichkeit, die Bedürfnisse des Lebens nirgend wo geringer denn in dieser Hauptstadt angeschlagen werden. Ich habe für 1200 fl. Hausgeräthschaften angeschafft die mich anderwärts (während dem ich nur 1000 fl. baaren Geldes ausgegeben habe) leicht auf 3000 fl. zu stehen gekommen seyn würden. Nur das Göttergetränke, Kaffee, wird hier, selbst von Göttern höherer Ordnung, wenig, – vom übrigen Göttergesindel garnicht getrunken. Wenn daher meine künftigen Geistesprodukte etwas wässericht ausfallen, so wissen Sie die Ursache und werden, wie ich hoffe, deren unvermeidliche Wirkung großgünstig erklären.

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