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Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten

Erich Ebstein: Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten - Kapitel 13
Quellenangabe
typeletter
authorErich Ebstein
titleÄrzte-Briefe aus vier Jahrhunderten
publisherVerlag von Julius Springer
year1920
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130820
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Albrecht von Haller

Er wurde 1708 (16. Oct.)in Bern geboren und studierte u. a. in Leiden unter Boerhaave. Als praktischer Arzt in Bern fühlte Haller sich besonders zur Botanik, Poesie und Anatomie hingezogen. Seine botanischen Arbeiten verschafften ihm den Ruf nach Göttingen (1736), wo er Anatomie, Botanik und Chirurgie lehrte. Beim Einzug dort starb ihm seine Gattin, worauf der folgende an Joh. Gesner gerichtete Brief – in Übersetzung – Bezug nimmt. Dort war seine beste und einflußreichste Zeit. Indes zog es ihn 1753 wieder nach Bern, wo er am 12. December 1777 starb.

 

Göttingen, den 14. Dezember 1736.

Amicissimo D. D. Joh. Gesnero s. p. d. Alb. Haller.

Da du an allem, was mich betrifft, kraft der Freundschaft die uns heilig ist, teilzunehmen mit Recht forderst, so darf Dir auch meine Trauer nicht fremd bleiben. Am 31. Oktober starb mir die süße Genossin meiner Mühsale, meine liebste Mariane. Wie sehr ich sie geliebt, kannst Du leicht ermessen, da Du ihre Vorzüge aus eigener Erfahrung kanntest. Meine liebenswürdige Gattin raffte ein Frieselfieber hinweg, nachdem sie schon wieder ganz auf der Besserung begriffen schien, indem am sechsundzwanzigsten Tage der Krankheit eine Kolik und ein plötzlicher Schlagfluß eintraten. Der Körper der Geliebtesten zeigte bei der Öffnung einen krebsartigen Brand und ein Gewächs am Darm. Wie groß und wie beklagenswert dieser Verlust Bekannt ist Hallers »Trauer-Ode beim Absterben seiner geliebten Mariane« (Anna Marie, geb. Wyß) in seinem »Versuch Schweiz. Gedichte«. Göttingen 1768, S. 161. für mich ist, kannst Du billig beurteilen, der Du sowohl die Eigenschaften der Seligen als die Zeit, in der ich sie verloren, richtig zu würdigen weißt ... Ein Fremder unter Fremden, aller Freunde beraubt, inmitten der zarten, von der langen Reise kränklichen Kinder, trage ich nun alle die Leiden, die ein Leben verbittern können. Verloren ist mir die Genossin meiner Kümmernisse, mir zugetan in herzlicher Liebe, von mir gleich innig geliebt, die erfahrene Hausmutter, die heitere Ruhstatt meines durch Mühsale erschöpften Gemütes, sie, durch deren Teilnahme mir meine Freuden erhöht, meine Schmerzen gelindert schienen. Gebe der Lenker aller Dinge, der allmächtige Gott, daß ich, von der Liebe zu den irdischen Dingen losgerissen, von nun an ihn allein suche, ohne den es keine Hoffnung gibt.

Albrecht von Haller.

Ich meinerseits bin – was mich selber wundert – gesund und trage soviel Elend mit Fassung. Ich halte Vorlesungen über den Eustachius, über Osteologie und Physiologie, verbunden mit anatomischen Übungen. Garten und Theater wird angelegt und unsere Hochschule wird am 7. August 1737 mit einem glänzenden Feste eingeweiht werden ...

Denn was für einen Trost gäbe es jetzt in diesem elenden Leben als die Arbeit? ...

Du lebe inzwischen wohl und sei glücklicher als

Dein Haller.

*

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