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Aphorismen

Ludwig Anzengruber: Aphorismen - Kapitel 1
Quellenangabe
typeaphorism
authorLudwig Anzengruber
booktitleKalendergeschichten. ? Gedichte und Aphorismen
titleAphorismen
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger
seriesLudwig Anzengrubers Gesammelte Werke in zehn Bänden
volumeFünfter Band
printrunDritte durchgesehene Auflage
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071214
projectidd942c059
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Ludwig Anzengruber

Aphorismen

Einfälle und Schlagsätze.

Aus dem Nachlaß.

Bescheidenheit ist der Anfang aller Vernunft.


Sehnsucht ist erstickte Freude, Wehmut ist stumpfer Schmerz.


Nicht die Natur, nur der Mensch kennt Erbarmen, aber nicht oft läßt er es walten.


Wer der Welt ein Heiland zu sein glaubt, thut gut, mit dreiunddreißig Jahren zu sterben.


»Der Mensch wollte sein wie ein Gott,« erzählt die Mythe und sie sagt die Wahrheit. Gegen das Leid des Lebens bäumte sich der Mensch auf und verlangte nach Allmacht, um es auszutilgen; wie aber käme ein Teilchen zur Macht ob allem, wie meistert ein Sandkorn den Berg, ein Tropfe die Woge? Da fühlte er sich überlegen, indem er das Leid tragen lernte und nun fragte er: »Kann Gott auch leiden?« Und wäre ihm die Frage nicht bejaht worden, er hätte keinen Gott mehr geglaubt.

(Dezember 1881.)


Die Götter sterben – aber der Gott im Menschen, der sich auflehnt gegen das Häßliche, Verderbliche, Gemeine, der stirbt nicht.


Ueber das, was oft angeblich zu Gottes Ehre geschah und geschieht, muß sich der Teufel freuen.


Das normale Gehirn. Wer hat es denn? Vielleicht nicht einer der gegenwärtig Lebenden. Der Klügste rast unbewußt – in den Ideen seiner Zeit.


Das Leben hat nicht mehr Wert, als wir ihm geben.


Die Welt wurde nicht, die Welt wird.


Künstler wird nur der, der sich vor seinem eigenen Urteil fürchtet.


Wenn ich meine Werke überdenke und betrachte, so merke ich erst, wie jung ich war und wie jung ich leider noch bin; wenn ich aber meine Zeitgenossen betrachte, so merke ich zu meinem Leidwesen, daß die Herren jünger sind.


Echte Kunst hat immer Moral, nur die Zuhörer und Beschauer haben oft keine.


Die Tugend trägt nie zur Unterhaltung bei, das Laster zuweilen, die Dummheit immer.


Die Menge, immer in der Not feige, im Glücke übermütig. Dir aber gehören alle anderen, allen anderen gehörst du zu dieser Menge, jeder für jeden gehört dazu und so ist das Urteil über uns alle gefällt.


Die Gefahr des Pessimismus besteht darin, daß er müde macht und eine politische Reaktion erleichtert.


Das Albernste wäre es wohl, wenn ein Mann die Wetterfahne festbinden, die Fensterrahmen festnageln ließe, um behaupten zu können, es gehe kein Wind. Was thut die Staatsgewalt oft anderes in drohender Zeit, wenn sie offenes Reden und Meinen verbietet?


Judenhetzen, Maurenvertreibungen, Hexen- und Ketzerprozesse waren Kapitalsregelungen.


Fehler parlamentarischer Regierungen erklären sich leicht. Die Liberalen nehmen das Volk für klüger, die Reaktionären für dümmer, als es ist.


Die Friedensliga. Sie ist den Gedanken der Zeit, nicht aber den Thatsachen entsprechend. Ihr habt nicht die Macht, alle Völker durch Friedenslieder einzulullen. Leider nicht. Der aber, der es vermöchte, ein einzelnes, es wäre das edelste, einzuschläfern, daß es unbereit, waffenlos unter den andern dastünde, er wäre nicht ein Freund der Menschheit, sondern nur ein Feind dieses Volkes. So steht es leider. Darum keine Friedenspredigten, keinen Kosmopolitismus, sondern Betonung des Nationalgefühls. Der Krieg wird schließlich den Krieg unmöglich machen. Nicht die Milde, der Greuel, der himmelschreiende Greuel war von je der Lehrer der Völker.


Ist Talent, so ist auch die Schönheit ein Verdienst.


Gott und Liebe, die beiden mißbrauchtesten Ideen.


Die Legitimisten brauchen einen Herrn, um Diener haben zu können.


Lustige Leute lachen machen, ist kein Verdienst, aber die Falten ernster Stirnen glätten, halte ich für eines.








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