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Amanda und Eduard

Sophie Friederike Brentano: Amanda und Eduard - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
authorSophie Mereau
titleAmanda und Eduard
publisherKore
editorBettina Bremer und Angelika Schneider
firstpub1803
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070821
projectid5df59af8
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Neunter Brief.

Eduard an Barton.

Ich schreibe Dir nur, um Dir Dein langes Schweigen vorzuwerfen, Du Saumseliger! – Als wenn Du nicht wüßtest, daß ich ohne Dich, ohne Zusammenhang mit Dir, noch nicht im Leben auskommen kann, nicht wüßtest, daß ich nur durch Dich, von dem mir alles Gute kömmt, auch Nachrichten von dem theuern Vater erhalte, nach denen ich mich immer sehne! – Ich verlasse morgen diesen ländlichen Aufenthalt wieder, von dem ich viel Nützliche und angenehme Erinnerungen mit hinwegnehme. Einige Ideen über Dinge, die ich hier erlernt und überdacht, lege ich Dir noch besonders bei, und da ich weiß, wie sehr Du Eigenthümlichkeit zu schätzen weißt, in welcher Gestalt sie sich auch zeigen mag, so will ich Dir, da ich selbst heute nicht zum Schreiben tauge, einen Brief von Nanetten abschreiben, den ich vor ein paar Tagen erhielt.

»Eduard,« schreibt sie, »wenn Du nicht im Augenblick Dein Altes verwünschtes Schloß, und Deine Kenntnisse und sogenannten Zwecke, mit denen Du Dir selbst und andern, doch nie eine einzige frohe Minute machen wirst, verläßt, und hieher eilst, wo alles frohes, warmes, erquickliches Leben athmet, so sterbe ich vor Ungeduld. Du mußt sie sehen, und hast keinen Augenblick zu verlieren. Eine schöne, junge, reiche Frau, deren Mann älter, in seinen eignen verwickelten Händeln ganz vergraben, und ohne alles Gefühl zu sein scheint; kannst Du Dir für junge Männer etwas anziehenderes denken? – Ohne Gefahr können sie hier ihre zärtlichen Lügen bis aufs äusserste treiben, was sich, wenn sie bloß jung und schön wäre, doch nicht so unbedingt thun ließ. – Freilich hoffe ich, und sie wird von ihrer Seite, diese unschätzbare Situation nicht unbenutzt lassen; ihrer Eitelkeit mit ein paar Dutzend Männerherzen ein angenehmes Opfer bringen, und so Betrug mit Betrug vergelten. – Ich wenigstens thue alles, um sie dafür zu stimmen, denn ich liebe sie recht von Grund des Herzens, ob ich gleich eigentlich gar nicht begreifen kann, was mir so an ihr gefällt, da ich fast alles was sie denkt und thut, abgezogen, daß sie es thut, höchst lächerlich finde. Denn wie man bei einem lermenden, allerliebsten Ball voll eleganter Tänzer und Tänzerinnen, an die, im Menschen liegende, geheimnißvolle Neigung zur Harmonie, denken, und von einem Manne eine unerklärliche, süße Uebereinstimmung, kurz etwas anders verlangen kann, als – Mittel gegen die lange Weile und das angenehme Gefühl unsrer Verstandsüberlegenheit – das ist mir ganz unbegreiflich! Ich hasse alles, was nur von fern einer Träumerei ähnlich sieht, und die listige Miene einer artigen Modehändlerin, die sich beständig mit Geschmack zu kleiden versteht, und dadurch die Käuferinnen anlockt, ist mir viel interessanter als die tiefsinnigste Reflexion, die in nichts eingreift und nichts bewirkt. Frisch, munter hingelebt, sein Dasein nach allen Seiten hin, sorgenlos ausgebreitet, so viel Freude genossen, als möglich; gegen andre, nicht gut, sondern klug sich betragen; sich nur an die Aussenseite gehalten, um das Innere nicht bekümmert, denn dies ergründet doch keiner; uns als die Seele des Ganzen – die Männer, als die gröbern Werkzeuge betrachtet, die wir nach Gefallen regieren können – mit dieser Weisheit, oder Thorheit hoffe ich auszukommen; ja ich hoffe noch so viel angenehme Kleinigkeiten zu thun, so viel Neid und Liebe zu erregen, so viel fremde Thorheiten zu belachen, daß ich gar keine Zeit habe, an meine eigenen zu denken.«

»Ja! ich weis es doch, was mich eigentlich so an Amanden fesselt. – Sie afektirt nicht; so wie sie ist, so ist es ihre Natur – und dies ist unschätzbar! denn wenn irgend etwas der verständigen Plumpheit der Männer beikömmt, so ist es die unverständige Ziererei der Weiber.«

»So komm denn, ich erwarte Dich. Deine Nanette

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