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Amanda und Eduard

Sophie Friederike Brentano: Amanda und Eduard - Kapitel 43
Quellenangabe
typefiction
authorSophie Mereau
titleAmanda und Eduard
publisherKore
editorBettina Bremer und Angelika Schneider
firstpub1803
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070821
projectid5df59af8
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Sechzehnter Brief.

Eduard an Amanda.

Die Auferstehung der Todten ist mir seit diesen Tagen gewiß geworden! – Oder, ist das nicht eine Auferstehung zu nennen, wenn der Geist und die Liebe, welche eh'mals den Gegenstand unsrer zärtlichsten Neigung zu beseelen schienen, nach einer langen Verborgenheit, wo sie sich in undurchdringliche Schleier hüllten, wieder lebendig werden in der lieblichsten Verklärung, der vollen Glorie des Wahren und Schönen? – O! es liegt eine Seeligkeit darinnen, sich getäuscht zu haben, wenn uns die Wahrheit in solchen reinen Formen erscheint!

Sie erstaunen, Amanda! und wissen nicht, ob ich in frommer Begeisterung oder in verworrenen Träumen spreche, aber ich bin noch nicht am Ende.

Denken Sie sich das Bild der Geliebten, in der Seele eines innigen, unverdorbenen Jünglings; denken Sie es sich in aller Bezauberung einer ungetrübten Phantasie, in der Unschuld und Liebe des ersten, aufkeimenden Seelengefühls – denken Sie sich dann dies Bild durch Mißverständnisse, durch den Nebel unglücklicher Verhältnisse, getrübt und entstellt; lassen Sie es so, als eine Schreckensgestalt, eine Zeitlang die edelsten Ahndungen und Kräfte des Jünglings zerstöhren – und auch, durch Zeit und Anstrengung von diesem Zustande geheilt, ihm immerfort wie eine dunkle Wolke, seine heitersten Pläne und Empfindungen trüben – – und nun zerreissen Sie auf einmal den Nebel, durchblitzen Sie die Finsterniß, daß er die holde Gestalt in ihrer vorigen Klarheit und Schöne wieder erkennt; – so haben Sie mein Gefühl der Auferstehung, meine Seeligkeit im Wiederfinden der Wahrheit, Sie haben den Schlüssel zu diesem Allen, in – meiner Bekanntschaft mit Antonio!

Ja! Amanda! er ist es, der Dich mir wieder gegeben hat, und mit Dir, Jugend, Glauben und Liebe! – Ja, als er mir alles, was er von Dir wußte, einfach und ehrlich gesagt hatte, und nun Dein Bild, rein wie die Gestalt der Madonna vor Raphäls Geist, wieder vor mir stand, da ward es mir so heilig in der Seele, und das leise Ahnden einer unsichtbaren Macht erfüllte mich mit Schauer. Wieder, wie eh'mals belebt mich jenes Vertrauen, jene Liebe, die uns über die Erde erheben. So folgte ich mechanisch einer Menge Menschen, die sich in einer Kirche versammelten, wo das Fest eines Heiligen gefeiert ward. Des Tempels majestätischer Bau, die Musik, das große Schauspiel eines zahlreichen, in Andacht versunknen Volks, alles dies mußte mich nur noch mehr beflügeln; mein Herz vereinigte sich mit der Rührung der Andern, ich fühlte die Gegenwart himmlischer Mächte, und die Liebe machte mich zum innigsten, glaubensvollsten Beter, unter der ganzen hier versammelten Menge.

O! Amanda! ich eile, ich fliege zu Dir! Fühlst Du noch Liebe für mich, so laß uns vereint in dies Land zurückkehren, hier wollen wir leben, und eine glühende Gegenwart soll das Andenken einer kalten Vergangenheit auf ewig aus unsrer Seele vertilgen!

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