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Amanda und Eduard

Sophie Friederike Brentano: Amanda und Eduard - Kapitel 41
Quellenangabe
typefiction
authorSophie Mereau
titleAmanda und Eduard
publisherKore
editorBettina Bremer und Angelika Schneider
firstpub1803
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070821
projectid5df59af8
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Vierzehnter Brief.

Amanda an Julien.

Ich schreibe Dir in der seltsamsten Mischung von Wehmuth, Ueberraschung, Schmerzen und Freuden. Ein Augenblick, ein Zufall hat mir so viel Aufschluß über Zweifel gegeben, die lange mein Leben verbitterten; hat so viele Bilder der Vergangenheit lebhaft vor meinem Geist geführt, daß ich vor Unruhe und Träumen kaum zu mir selbst kommen kann. Und warum jetzt diese Entwickelung, diese oft mit heisser Sehnsucht gewünschte Befriedigung? Warum jetzt erst? Warum sehen wir das, was wir so sehnlich wünschten, meist erst dann geschehen, wann unsre Freude darüber nicht mehr ganz rein sein kann? Doch dürfen Klagen nur das herrliche Gefühl, den süßesten Genuß des Herzens verbittern, der in dem Gedanken der Ueberzeugung liegt, uns von einem Wesen geliebt zu sehen, welches uns selbst das Geliebteste war? – Nein! ohne Rücksicht auf Vergangenheit und Gegenwart, ohne ängstliches Untersuchen, dessen was ist, und was hätte sein können, will ich mich, dankbar und frei, jetzt ganz diesem schönen Gefühl hingeben, eines der seeligsten, welches das Menschenherz zu empfinden vermag! –

Vor einigen Tagen, erhielt ich von Nanetten, die mehrere Jahre lang für mich so gut, wie aus der Welt verschwunden war, einen Brief, in welchem sie mir, ohne sich über ihr langes Schweigen zu rechtfertigen, oder unsre vorigen Verhältnisse zu berühren, eine leichte Skitze ihres bisherigen Lebens gab, und mir dann auf eine lustige Art ankündigte, wie sie in kurzer Zeit, von ihrem Mann begleitet, den sie mir aber nicht nannte, auf ihr so lang verlassenes Gut reisen wollte, wo sie mich ganz gewiß zu sehen hoffe.

Meine Freude, diese fröhliche, liebe Gestalt aus einer schönen, längst entflohenen Zeit mir auf einmal wieder erscheinen zu sehen, war äußerst lebhaft, und ich entwarf sogleich einen Plan, wie ich sie auf eine ihr angenehme Art empfangen und überraschen wollte. Um meine Ideen auszuführen, mußte ich auf das Gut reisen, um dort vor ihrer Ankunft die nöthigen Anstalten zu treffen. Die Zubereitungen zur Reise, gaben mir Veranlassung, noch einige von Albrets Papieren zu ordnen, welche ich noch undurchgesehen, aufbewahrt hatte. Ich that es, und ein Brief von Eduards Hand fiel mir in die Augen. Mit lautpochendem Herzen, las ich die an mich gerichtete Ueberschrift – ein schlimmes Verhältniß hatte ihn in Albrets Hände gegeben. – O! Julie, was fand ich! – Wahrheit, Irrthum, Sehnsucht, Liebe, – o! unendliche Liebe! – Ich kann Dir nichts weiter sagen, ich bin verwirrt, beklommen! – Wie Unrecht habe ich ihm, habe ich mir gethan! Lies hier einige Strophen, die ich in Eduards Briefe gefunden habe. Diese Blüthen seiner lieberfüllten Phantasie, werden Dir am lebhaftesten schildern können, was ich jetzt empfinde:

An Amanda.

1.

Oefters wünscht' ich mir schon in seeligen Stunden der Liebe,
– an ihr bebendes Herz, leise das Haupt hingesenkt,–
öfters wünscht' ich mir dann des Todes freundliche Nähe,
räthselhaft fühlet das Herz welches die Liebe erfüllt!

wünscht' ich feig, und voll Furcht, an ihrer Seite zu sterben,
daß ich der Schmerzen vergeß', über den Himmel um mich?
Oder erzeugten den Wunsch des Dankes zarte Gefühle,
gern zu vergehen auch da, wo ich zu leben begann?
oder erlieget der Geist dem süßen Taumel der Liebe
wähnet im seeligsten Wahn, länger ertrage ichs nicht?

2.

Immer sind wir vereinigt, so fern das Schicksal uns trennte,
Liebste! ich komme zu dir, oder ich rufe dich her.
Ist mir's im Herzen so weh, und füllen mir Thränen das Auge
eil' ich geistig zu dir – lieblicher Tröstung gewiß.

Schlägt mir voll Freude das Herz, und lieb' ich das freundliche Dasein,
ruf ich, Amanda! dich her, – höherer Freude gewiß!

3.

Einst, o! zürntest du mir, daß einer Andern ich kos'te,
aber es waren doch stets, Auge und Seele bei dir.
Mit verstohlenem Blick, hieng ich am zürnenden Auge,
schuf mir durch liebende Qual, grausam der Liebe Genuß.

4.

Oft erscheinest du mir, ein überirrdisches Wesen,
das nur Seegnungen hier, spendet in Menschengestalt.
Aber gedenk ich des Bundes, der uns're Herzen verbindet,
wähn' ich, stolzer, daß hier, dich nur die Liebe verweilt.

5.

Wende, so bat ich dich einst, nie wieder dein Auge voll Seele
nach dem Himmel hinauf, ach! ich erliege dem Blick!
Leben und Liebe, und Hoffnung, ach! Alles wohnt dir im Auge,
was nur belebet und stärkt, alles was freut und erquickt.
Ungenügliche! willst du die Geister, die Engel, den Himmel,
was kein Auge noch sah', auch noch vermählen dem Aug?
Wend', ich bitte nicht wieder, zur Heimath dein himmlisches Auge,
ich ertrage das nicht, willst du denn sterben mich seh'n?«

6.

Herzlich haß ich der Menschen Gewühl, seit ich, Liebste dich kenne,
meinem Herzen so nah, bist du dort immer so fremd.
Einsam war es um uns, da lernt' ich dich, Einzige kennen,
Einsamkeit! mache aufs neu, uns mit einander bekannt!

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