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Amanda und Eduard

Sophie Friederike Brentano: Amanda und Eduard - Kapitel 39
Quellenangabe
typefiction
authorSophie Mereau
titleAmanda und Eduard
publisherKore
editorBettina Bremer und Angelika Schneider
firstpub1803
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070821
projectid5df59af8
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Zwölfter Brief.

Amanda an Julien.

Ich weiß nicht, ob ich Dir schon in einem meiner Briefe geschrieben habe, daß ich einer baldigen Trennung von Antonio entgegen sähe. Seine Verhältnisse machen ihm eine Reise nothwendig, und diese bevorstehende Entfernung läßt es mich erst fühlen, wie nahe er mir ist. Ja, Julie, mein Leben, das so lange dunkel war, erhellt sich wieder, und ich fühle meine Jugend schöner zurückkehren. Oft schien es mir, als sei ich von aller Liebe frei, und nun liebe ich mehr als jemals. Und wie sollt' ich anders? Des Weibes Natur ist Liebe; die Liebe befreit sie von allen quälenden, unedlen Neigungen, und sie lernt das Göttliche verehren, weil sie in dem Geliebten das Bild der Gottheit anbetet. – Die Stimmung, welche mein Gemüth durch Antonios Umgang, durch seine schönen, freien Ansichten vom Leben erhalten hat, dünkt mich reizender und freudiger, als die schönste, jugendliche Begeisterung. – Mit jedem Tage erscheint mir Antonio schöner, liebenswürdiger, und ein milder Zauber schmilzt sein Bild mit Eduards Andenken zusammen. Es ist nicht Bewunderung, nicht Achtung, Freundschaft mehr, was mich zu ihm zieht; es ist die süße Gewalt der Neigung, die mich an ihn bindet. – Und so, Julie, seh' ich freudig seiner Zurückkunft entgegen. Zwar ist mir noch manches in seinen Verhältnissen dunkel geblieben, aber ich habe ein so entschiedenes Vertrauen zu ihm, daß es mir durchaus keine Unruhe macht. Ich hingegen habe schon längst keine Geheimnisse mehr für ihn, und Eduard war oft der Gegenstand unserer innigsten Gespräche. O! Julie! wie glücklich werde ich sein, wenn ich auf immer mit Antonio verbunden bin; denn die Ehe ist für gebildete Menschen, die sich lieben, gewiß der freieste und glücklichste Zustand! – Spottend wies ich lange alle Hoffnung auf Glück von mir, und nun winkt es mir so nahe, so freundlich; nun sehe ich mich geliebt, wie ich stets geliebt zu sein mich sehnte! – Ich kann Dir heute nichts mehr schreiben; meine Seele ist allzu verwirrt, betäubt von angenehmen, wunderbaren Bildern, aber ich lege Dir hier ein Liedchen bei, das Dir die Stimmung meiner Seele vielleicht deutlicher auszusprechen vermag.

Es flieht das süße Leben
vom himmlischen umgeben,
es hemmt kein träger Zwang
des Geistes frohen Drang,
und wehret den Gefühlen
in Tönen sich zu kühlen
in holder Verwirrung mich Stunden umspielen,
wie Weste, im Frühling die Blüthen durchwühlen.

Schon floh'n des Lebens Sterne,
die Heimath schien so ferne,
in banger Sorge Grab
zog's grausend mich hinab.
Nun ist die Welt erheitert,
des Lebens Bahn erweitert,
und frei wie die Bienen im Blumenthal schweben,
fliegt heiter mein Sinn durch das blumige Leben.

Nur du hast mich gerettet,
auf Rosen mich gebettet,
der Liebe heil'ge Glut!
du gabst der Seelle Muth,
die Hoffnung die nie altet,
die Freude schön gestaltet,
und alle die Himmlischen sangen mir wieder,
seit du mir erschienen, die goldenen Lieder.

Geweiht zu hohem Leben,
sie mich nun stets umgeben,
gescheucht von ihrem Licht,
nah't mir die Sorge nicht.
Nur du, mit leisem Schauer
der Sehnsucht heil'ge Trauer,
du nah'st, und entzündest, zu höheren Leben
die liebende Seele mit himmlischen Streben.

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