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Amanda und Eduard

Sophie Friederike Brentano: Amanda und Eduard - Kapitel 27
Quellenangabe
typefiction
authorSophie Mereau
titleAmanda und Eduard
publisherKore
editorBettina Bremer und Angelika Schneider
firstpub1803
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070821
projectid5df59af8
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Sieben und zwanzigster Brief.

Eduard an Barton.

Gut! ich habe nun Deinen Brief, und Du bist mit mir abgefunden. Du handelst rechtlich, und ob gleich ich Dich hier lieber fühlend hätte handeln sehen, so darf ich doch nichts dagegen sagen. – Du schreibst mir, daß Dich Albret einst aus einer der größten Verlegenheiten Deines Lebens befreit hat, daß Du ihm große Verbindlichkeiten schuldig bist, und damals den unverbrüchlichen Vorsatz gefaßt hast, niemals auf keine Veranlassung, und in keinem Verhältniß, gegen ihn zu handeln, Treue gegen Deinen Entschluß, und noch überdies, die Ueberzeugung, daß man sich nie in fremde Herzensangelegenheiten mischen dürfe, hielten Dich also ab, an meinem Verhältniß mit Amanda, auch nur entfernt, Theil zu nehmen, und alles was Du jetzt für mich thun konntest, war, daß Du Nanetten fragtest, ob ihr vielleicht der Grund von Amandas Schweigen bekannt sei? – Und er war es! – Amanda hat mir auf Albrets Bitte feierlich entsagt! Sei der Bewegungsgrund welcher er wolle, sie hat mir entsagen können, was läßt sich dagegen einwenden? – Und nicht von ihr selbst sollte ich dies erfahren – denn ich habe keinen Brief darüber von ihr, so unbegreiflich dies ist. Vielleicht, daß irgend ein Geheimniß hier verborgen ist, aber wie es auch sei – Nanette hat es ja von Albret selbst gehört. – Entsagt! nein! mein Stolz erwacht, und was es auch kosten mag, ich reiße Liebe und Hoffnung und Glück, auf ewig aus meinem Herzen!

In einigen Tagen wird mein Vater mit Privataufträgen des **schen Hofs nach ** gehen. Er will, daß ich ihn begleiten, mancherlei Geschäfte übernehmen, und mich nun selbst mit Welt und Menschen bekannt machen soll; und ich werde, so viel ich kann, mich in seine Wünsche fügen; aber mein Sinn, meine Stimmung, treibt mich jetzt fast unwiederstehlich dazu, Kriegsdienste zu nehmen, und ich werde alles thun, um ihn für diesen Wunsch zu gewinnen. Sonderbar ist es mir zu Muthe, wenn ich jetzt an meine frühern Wünsche zurück denke, wo ich mir kein größer Glück denken konnte, als meines Vaters Freund zu sein, und viele Länder und Menschen kennen zu lernen. Und nun bin ich fast der Vertraute meines Vaters geworden; ich sehe ihn, der sonst vor meiner Phantasie immer in heiliges Dunkel gehüllt war, ganz nahe und klar vor mir handeln; nun ist der Augenblick gekommen, der sonst eine Gränze für alle meine Hoffnungen zog. Und wenn ich mich nun doch so voll Unruhe und Sehnsucht fühle, da erscheint mir der Mensch wie ein Wandrer, der einen Berg ersteigen will, und wenn er die eine Höhe, die er für die letzte hielt, erstiegen hat, so wächst der Berg vor seinen Augen, und er steigt mit steter Sehnsucht, so weit er kann, ohne je den Gipfel erreichen zu können. Unsre Wünsche verlieren sich ins Unendliche, wie alle unsre Vorstellungen; denn wir können uns das Größte und das Kleinste, das Unbeschränkte und Beschränkteste nicht denken. Nur Einen Zustand im Leben gibt es, welcher Ruhe gewährt ohne Ersterbung, der das Unendliche umspannt, und alle Sehnsucht befriedigt. Es ist der kurze, glühende Sonnenblick, den eine höhere Sonne, vorübergehend, auf das dunkle, flüchtige Leben des Sterblichen wirft. Aber er geht vorüber, und alles sinkt ihm noch in tiefere Schatten! – Ohne Hoffnung blicke ich in mein zukünftiges Leben hin; das Glück liegt hinter mir, und ich lebe dafür nicht mehr. Und wofür denn sonst? – zum Wohl des Ganzen soll ich wirken? und weiß ich denn, worinnen dies eigentlich besteht? zeige mir, wo ich das wahre Ziel zu suchen habe: – und wenn ich es nicht weiß, nicht wissen darf, so treibt mich eine ewige Nothwendigkeit, auch ohne mein Zuthun dahin. – Ach! das hat mich schon öfters gequält! – Rollt die Menschheit mit allen ihren äussern und innern Revolutionen, ewig wie ein ungeheures Rad, mit Nacht und Traum bedeckt, in dem Strom der Zeit dahin? Das Rad rollt unablässig durch die Feuersäule hindurch, und was beschienen wird, erwacht auf einen Augenblick zum Leben, zum Bewußtsein. Aber alles eilt hindurch und schwindet in Nacht; bis es einst vielleicht wiederum unter einer andern Gestalt eben so flüchtig den Feuerstrahl durchrollt. O! dann wünscht' ich trostlos, von diesem unendlichen, einförmigen, zwecklosen Reif herabspringen zu können, wäre es auch, um in das ewige Nichts zu versinken! – Oder steigen wir auf der unermeßlichen Linie der Zeit einem vorgesteckten Ziel entgegen? aber was es ist, und wo es endet? – O! warum streben unsre Wünsche ewig dieser Gränze zu, wo eine fremde Macht sie kalt zurückreißt; warum können wir nicht, wie Mückenschwärme im Abendgold, uns des flüchtigen Sonnenblicks unbesorgt erfreuen, bis er verloschen ist?


Ich habe ** verlassen; die Trennung von dieser Gegend, hat mich lebhaft an eine andre erinnert, und ein Augenblick hat mich belehrt, wie sehr mein Herz an seiner Liebe hängt. Beinah' dünkte es mir unmöglich, diese Gegend zu verlassen, und mich noch weiter von ihr zu entfernen. Nein! ich war zu rasch, und will nicht so von ihr getrennt sein! Ich will schreiben, und Nanette den Brief zuschicken, da Du es nicht übernehmen kannst. Ich muß, ich muß sie wieder sehn, mit ihr leben! – O! ewig würde dies schöne Bild, wie ein verlornes Paradies, meiner Seele vorschweben, und alle Freuden durch seine Erscheinung in Qualen verwandeln, wenn ich nicht alles thäte, um es mit Wahrheit zu beleben! – Wie? ich sollte nie mit ihr glücklich sein? unsre Bekanntschaft wäre ohne Zusammenhang mit unserm ganzen übrigen Leben, und die Harmonie unsrer Herzen nichts als der Traum einer erregten Phantasie? – Und wie kann sie ohne mich glücklich sein? – kein Andrer kann ihr das sein, keiner ihre Gefühle so verstehen wie ich, keiner sie so erwiedern! öde und leer wird uns beiden das Leben, das uns so frisch, so verständlich, so blüthenvoll sein könnte. – Nein! sie soll alles wissen was in mir vorgeht; unser Glück will ich ganz in ihre Hände, in ihren Willen legen. Und wissen soll sie, welch ein Herz der Mann, an welchen sie das Schicksal band, im Busen trägt. Denn mich banden ja die Bedenklichkeiten nicht, welche Euch zurückhalten, und ich darf ihr frei sagen, daß Albret, als ein unversöhnlicher Feind meines Vaters, seinen Haß auch auf mich Unschuldigen übertrug, ja, daß mein Leben nicht sicher in seiner Nähe war, und mein, um mich besorgter Vater, deshalb auf meine Entfernung so eifrig, so ohne Aufschub drang. Ja ich muß ihr das alles sagen, und wie konnte ich nur so lange schweigen? – welche Verblendung ist es, die den Menschen oft verführt, gegen einen falschen Stolz, kleinliche Bedenklichkeit oder ein übereilt gegebenes Wort, sein Liebstes, sein Heiligstes aufs Spiel zu setzen?

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