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Amanda und Eduard

Sophie Friederike Brentano: Amanda und Eduard - Kapitel 15
Quellenangabe
typefiction
authorSophie Mereau
titleAmanda und Eduard
publisherKore
editorBettina Bremer und Angelika Schneider
firstpub1803
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070821
projectid5df59af8
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Fünfzehnter Brief.

Amanda an Julien.

Monden sind vergangen, und zu sehr mit der glücklichen Gegenwart beschäftigt, hatte mein Herz für die entfernte Freundin, nur Gedanken, aber keine Worte.

Deine Briefe allein, meine Julie, sie, die ich sonst immer mit freudiger Rührung las, haben jetzt zuweilen mein Glück gestört. Wo ist der freie Blick, der milde, menschliche Sinn, der sonst Dein Urtheil über die Menschen leitete, und Dich ihre Handlungen mit ihren Schicksalen gutmüthig und richtig vergleichen lehrte?

Kann ich dafür, daß mir die Liebe nicht auf Deinem Wege entgegen kam? und hast Du vergesssen, daß, wie ich jetzt fühle, Du ehmals gefühlt hast? – Julie, bedenke es, daß, wir mögen noch so redlich streben, Keinem Unrecht zu thun, wenn unser Gefühl nicht zart genug ist, die feinen Nuancen des Herzens zu bemerken, und es uns an Phantasie fehlt, lebhaft die Tage eines andern zu empfinden; so werden wir dennoch oft andern weh thun, und keinen um uns her glücklich machen können. – Nein! störe den Frieden meines Herzens nicht mehr, und verlange nicht, daß ich mir Gewalt anthun soll. Wer sein natürlich reines Gefühl bewahrt hat, kann sich die undankbare Mühe ersparen, seine Neigungen bekämpfen zu wollen; sie führen ihn recht; er darf sich ihnen überlassen.

Du verkennest meinen Freund, wenn Du glaubst, er werde mich leichtsinnig und ohne Bedenken tausend Unannehmlichkeiten aussetzen. Er selbst hat es durch sein geschicktes Benehmen so einzuleiten gewußt, daß wir uns nun mit größter Leichtigkeit so oft sehen, als wir wollen. O! Du solltest es sehen, wie er auf Andere zu wirken versteht! Ueberall, so jung er auch ist, erregt er unwillkührliche Achtung. Seine Ueberlegenheit muß ein jeder, freiwillig oder nicht, anerkennen. Er bittet – und man weiß es ihm Dank, denn man fühlt, daß er befehlen könne. – Und Albret? – O! ich rechte nicht mehr mit ihm! sein Verhängniß führte ihn, wie mich das Meinige. Daß ich mit einem Herzen voll Liebe vergebens nach seinem Vertrauen rang, daß ich in seinen Ideenkreis mich nicht zu stellen vermochte, was kann er, was kann ich dafür? – Mein Schicksal führte mich einen blumigen Pfad; es sandte mir die gleichgestimmte Seele, wo ich ihrer am bedürftigsten und am würdigsten war. Denn meine Liebe ist nicht die betäubende, ungewisse Glut der ersten Neigung; sie ist der reinste Genuß des Herzens, mit den edelsten Blüthen des Lebens verwebt und verbunden. – Gern sagte ich alles, was ich empfinde; denn kann es ihm weh thun, da er mich nicht liebt? Aber würde ihm nicht mein Vertrauen vielleicht kindisch erscheinen, ihm lästig sein? – Er verlangt ja nur Schein von mir, nur – ach! ich weiß nicht, was er verlangt! Laß mich immer thörigt sein, Julie, diese Momente werden nie wiederkommen. – Ich will jetzt alles vergessen, ich will! – und ich fühle mich dabei weise und gut.

Wir werden wegen den Unruhen des Kriegs, diesen ganzen Winter, und vielleicht noch länger, hier bleiben. Seit einiger Zeit ist auch der Graf von L – hier, dessen Bekanntschaft ich schon in Italien machte.

Albret sieht es gern, wenn ich bei den Festen, die er veranstaltet, erscheine, und ich füge mich leicht in seinen Sinn, denn mit Freuden ergreife ich die Gelegenheit, ihn zu verbinden, und – allenthalben finde ich Eduard.

Du fragst mich nach Nanetten – und ich fühle ganz den Vorwurf, der in dieser Frage liegt; wie lange ist es, daß ich ihrer, die ich doch so herzlich zu lieben versicherte, gar nicht gegen Dich gedachte! Ach! wol läßt sie uns alles vergessen, diese gebieterische Leidenschaft! und so war es natürlich, daß ich Dir zu schreiben vergaß, wie sie schon seit einem Monat zu einer Verwandtin gereist ist, die sie sehr angelegentlich zu sich einlud. Aber sie hat versprochen, bald wieder hieher zu kommen, und wir erwarten sie täglich.

Und wolltest Du, meine Freundin, Du allein, Deine Freundin betrüben, während Zufall, Liebe und Wahrheit sich zu ihrem Glück vereint haben? – O! gedenk' an unsre jugendlichen Träume, an unsere Hoffnungen, an unsere milden, unschuldig freien Grundsätze! Bedenk', daß die Sterblichen zwar oft das erreichen, was sie wünschen, aber selten oder nie, gerade zu dem Zeitpunkt, wo sie es wünschten. Julie, es kann schwach und unrecht sein, die Verhältnisse, worinnen wir einmal sind, leichtsinnig zu verletzen, aber es ist stark und gerecht, sie zu seinem Glück zu vergessen, ohne sie zu verletzen.

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